Claudia Roth
Vorlage:Begriffsklärungshinweis
Claudia Benedikta Roth Vorlage:Audio(* 15. Mai 1955 in Ulm) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 2001 bis 2002 sowie von 2004 bis 2013 eine von zwei Bundesvorsitzenden ihrer Partei, von 2013 bis 2021 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und von 2021 bis 2025 Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Seit der Bundestagswahl 2025 ist sie die Fachsprecherin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Grünen-Bundestagsfraktion.
Leben
[Bearbeiten]Jugend und erste Erwerbstätigkeit (1955–1985)
[Bearbeiten]Claudia Roth wuchs in Babenhausen bei Memmingen mit zwei jüngeren Schwestern auf. Ihre Mutter war Lehrerin, ihr Vater Zahnarzt. 1974 bestand sie am Simpert-Kraemer-Gymnasium in Krumbach das Abitur und hospitierte im selben Jahr als Dramaturgie- und Regieassistentin am Landestheater Schwaben in Memmingen, wo sie bereits während der Schulzeit ein Praktikum absolviert hatte und wo zur selben Zeit Fritz Kuhn arbeitete.<ref>Claudia Roth: Das Politische ist privat. Berlin 2006, S. 58 f.</ref>
Anschließend begann sie ein Studium der Fächer Theaterwissenschaft, Geschichte und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das sie nach zwei Semestern abbrach. Danach arbeitete sie in der Spielzeit 1975/76 als Dramaturgie-Assistentin und Dramaturgin bei den Städtischen Bühnen Dortmund.<ref>Claudia Roth: Das Politische ist privat. Berlin 2006, S. 63.</ref> Von Dortmund wechselte sie als Dramaturgin zu Hoffmanns Comic Teater (HCT) in Unna.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Ebenfalls in Unna war sie um 1980 auch als Mitarbeiterin im Vermittlungsbüro für Freie Gruppen und Amateurtheater tätig.<ref>Jürgen Krause: Hoffen auf den großen Durchbruch. In: Die Zeit, Nr. 38/1980.</ref>
Roth trat 1980 aus der katholischen Kirche aus, weil sie deren Haltung zur Rolle der Frau ablehnte.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Von 1982 bis 1985 war Roth Managerin der Politrockband Ton Steine Scherben<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> um Rio Reiser und lebte während dieser Zeit mit ihrem Freund, dem Keyboarder Martin Paul, und der Band in einem Bauernhaus in Fresenhagen (Nordfriesland).<ref>Claudia Roth: Das Politische ist privat. Berlin 2006, S. 87.</ref> Roth hatte Rio Reiser über dessen Bruder Peter Möbius kennengelernt, der am Dortmunder Theater ein Kinder- und Jugendtheater leitete. Zudem war Rio Reiser selbst für Hoffmanns Comic Theater aktiv und spielte 1976 in einer Struwwelpeter-Aufführung, an der Roth mitwirkte.<ref>Claudia Roth: Das Politische ist privat. Berlin 2006, S. 86.</ref> Paul schrieb das Lied Junimond für Roth. Sie blieb Managerin von Ton Steine Scherben, bis die Band sich 1985 unter anderem wegen finanzieller Probleme auflöste.
Frühes Partei-Engagement (ab 1971) und Mitglied des Europäischen Parlaments (1985–1998)
[Bearbeiten]Von 1971 bis 1990 war Roth Mitglied der Deutschen Jungdemokraten.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Seit 1987 gehört sie der Partei Die Grünen an (seit 1993 Bündnis 90/Die Grünen). Von 1985 bis 1989 war Roth Pressesprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen.
Von 1989 bis 1998 war sie deutsche Grünen-Abgeordnete im Europäischen Parlament, wo sie ab 1994 zudem Vorsitzende der Grünen-Fraktion war. Mitgearbeitet hat sie hier im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten und Innere Angelegenheiten, im Auswärtigen Ausschuss sowie in zwei Untersuchungsausschüssen. Daneben war sie Vizepräsidentin des parlamentarischen Ausschusses EU-Türkei. 1994 verabschiedete das Parlament den sogenannten „Roth-Rapport“ zur Gleichberechtigung von Homosexuellen. Ein weiteres ihrer zentralen Anliegen war der Kampf für mehr Rechte der Kurden in der Türkei.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Nach der Europawahl 1994 richtete Roth in Istanbul ein Regionalbüro ein. Als sie sich bei Staatsminister Ayvaz Gökdemir über die Menschenrechtslage informieren wollte, beschimpfte er sie als „Prostituierte“. Roth klagte gegen diese Beleidigung und erhielt Schadenersatz. Das Geld spendete sie dem türkischen Frauenverein Mor Çatı, der sich gegen Diskriminierung und Gewaltanwendung gegen Frauen wendet.<ref>Vorlage:Der Spiegel</ref> Roth setzt sich mit Nachdruck dafür ein, die Türkei in die EU aufzunehmen.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref>
Im Bundestag und erstmaliger Parteivorsitz (1998–2002)
[Bearbeiten]Im Jahr 1998 wurde Roth in den Deutschen Bundestag gewählt. Hier übernahm sie den Vorsitz des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.
Am 9. März 2001 wurde sie erstmals zur Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Daneben war sie frauenpolitische Sprecherin der Grünen. Wegen ihrer Wahl zur Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen schied sie am 31. März 2001 aus dem Bundestag aus. Da Roth auf ihr bei der Bundestagswahl 2002 erlangtes Mandat nicht verzichten und die Bundesdelegiertenkonferenz (Parteitag) der Grünen eine Abkehr vom Prinzip der Trennung von Amt und Mandat nicht vollziehen wollte, kandidierte sie im Dezember 2002 nicht erneut für das Amt der Bundesvorsitzenden.
Erneut im Bundestag und Arbeit für das Kabinett Schröder II (2002–2004)
[Bearbeiten]Ab 2002 war Roth erneut Mitglied des Deutschen Bundestages und stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Außerdem war sie Mitglied im Unterausschuss Vereinte Nationen. Roth zog stets über die Landesliste Bayerns in den Deutschen Bundestag ein. Ihr Wahlkreis ist Augsburg-Stadt.
Von März 2003 bis Oktober 2004 war sie Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe unter dem Kabinett Schröder II.
Erneuter Parteivorsitz (2004–2013)
[Bearbeiten]Am 23. Mai 2003 wurde eine Lockerung der Trennung von Amt und Mandat beschlossen, so dass Roth beim Parteitag der Grünen am 2. Oktober 2004 wieder als Bundesvorsitzende kandidierte. Sie wurde mit 77,8 % der Stimmen gemeinsam mit Reinhard Bütikofer erneut zur Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Am 2. Dezember 2006 wurde sie mit 66 % wiedergewählt und am 15. November 2008 mit 82,7 % – neben dem neu gewählten Cem Özdemir – im Amt bestätigt.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Am 20. November 2010 wurde sie mit 79,3 % der Stimmen abermals im Amt bestätigt.
Mit einer mehr als neunjährigen Amtszeit ist sie die am längsten ununterbrochen amtierende Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Am 10. November 2012 unterlag Roth bei der Urwahl der Grünen-Parteimitglieder für das Spitzenduo bei der Bundestagswahl 2013 mit 26 % der Stimmen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt. Die Wahl, bei der Roth als amtierende Parteivorsitzende hinter Renate Künast den vierten Platz errang, wurde von Beobachtern als parteiinterne Niederlage und mögliche Neuaufstellung der Partei für die anstehende Parlamentswahl gewertet.<ref>Vorlage:Cite web</ref><ref>Vorlage:Cite web</ref><ref>Vorlage:Cite web</ref> Trotzdem kündigte Roth an, wieder für den Bundesvorsitz zu kandidieren.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Sie wurde auf dem Parteitag am 17. November 2012 mit 88,5 % im Amt bestätigt.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Nach dem schlechten Abschneiden der Grünen bei der Bundestagswahl 2013 trat der gesamte Bundesvorstand der Partei zurück. Auf der Bundesdelegiertenkonferenz im Oktober 2013 stellte sich Roth nicht zur Wiederwahl.
Roth war Stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages in der 17. Wahlperiode (2009–2013).<ref>Vorlage:Webarchiv</ref>
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages (2013–2021)
[Bearbeiten]Am 22. Oktober 2013 wurde sie zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages gewählt. Zudem war sie Vorsitzende des Ältestenrates. Außerdem war sie im Parlament Mitglied des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Obfrau des Unterausschusses „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“. Sie gehört als stellvertretendes Mitglied dem Auswärtigen Ausschuss sowie dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Die Grüne Fraktion im Bundestag nominierte sie auch für die 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages als Vizepräsidentin.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> Vom 19. Deutschen Bundestag wurde sie in der konstituierenden Sitzung am 24. Oktober 2017 in dieser Position bestätigt.
Der 20. Deutsche Bundestag wählte sie in der konstituierenden Sitzung am 26. Oktober 2021 erneut zur Vizepräsidentin,<ref>dserver.bundestag.de, Plenarprotokoll vom 26. Oktober 2021, abgerufen am 23. Februar 2024</ref> mit der Berufung zur Staatsministerin für Kultur und Medien schied sie aus dem Präsidium aus. Ihre Nachfolgerin wurde Katrin Göring-Eckardt.
Kulturstaatsministerin (2021–2025)
[Bearbeiten]Während der Regierung von Olaf Scholz war Roth vom 8. Dezember 2021 bis zum 6. Mai 2025 Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im Deutschen Bundestag (seit 2025)
[Bearbeiten]Zur Bundestagswahl 2025 am 23. Februar kandidierte Roth im Bundestagswahlkreis Augsburg-Stadt. Sie unterlag dem Abgeordneten Volker Ulrich (CSU) mit 20,6 Prozent der Stimmen. Mangels Zweitstimmendeckung blieb dieses Direktmandat allerdings unbesetzt. Über Platz 3 der Landesliste Bayern (Grüne) zog Roth in den 21. Deutschen Bundestag ein.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Bei einer internen Abstimmung zur Kandidatur als stellvertretende Präsidentin des Deutschen Bundestages unterlag sie dem Parteikollegen Omid Nouripour.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Nach der Bundestagswahl 2025 wurde sie die Fachsprecherin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Grünen-Fraktion.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Im 21. Deutschen Bundestag ist sie Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sowie im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Politische Positionen und gesellschaftliches Engagement
[Bearbeiten]Roth ist ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, in Bonn.<ref>bundestag.de</ref> Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit sind multikulturelles Zusammenleben, der Schutz von Minderheiten und die europäische Integration.<ref name="Richter 201">Saskia Richter: Führung ohne Macht? Die Sprecher und Vorsitzenden der Grünen, in: Die Parteivorsitzenden in der Bundesrepublik Deutschland 1949–2005; herausgegeben von Daniela Forkmann und Michael Schlieben, VS Verlag, Wiesbaden 2005, S. 201.</ref>
Roth war ehrenamtliches Mitglied des Verwaltungsrates der ehemaligen Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien. Sie ist ehrenamtliches Kuratoriumsmitglied der Universität Augsburg. Daneben gehört sie ehrenamtlich dem Beirat der Humanistischen Union an. In den Jahren 2005 bis 2010 war Roth Mitglied der Atlantik-Brücke.
Bekannt ist Roth auch für ihr persönliches Engagement auf Demonstrationen für Toleranz gegenüber Homosexuellen wie der Parada Równości in Warschau oder dem Christopher Street Day in Dresden 2010, bei dem sie die Schirmherrschaft übernahm. Sie ist Mitglied im Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD).
Im Zusammenhang mit einer Strafanzeige gegen einen Versandhändler, der Anstecknadeln und Aufkleber mit Anti-Nazi-Symbolen (z. B. durchgestrichenes Hakenkreuz) verkaufte, erstattete sie Selbstanzeige wegen ihrer Verwendung derartiger Abzeichen. Das Stuttgarter Landgericht fällte am 28. September 2006 ein Urteil mit Verhängung einer Geldstrafe gegen den Händler, welches jedoch vom Bundesgerichtshof am 15. März 2007 aufgehoben wurde (siehe Juristische Auseinandersetzung um Anti-Nazi-Symbole).
Bis zum 22. November 2010 engagierte sie sich als Mitglied im Kuratorium für die Olympiabewerbung der Stadt München für die Olympischen Winterspiele 2018.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Da sich ein Bundesparteitag der Grünen gegen die Bewerbung aussprach, zog sich Roth aus dem Kuratorium zurück.
Roth ist Mitglied der Kommission Nachhaltigkeit des Deutschen Fußball-Bundes<ref>Vorlage:Webarchiv DFB.de</ref> und im Kuratorium der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Des Weiteren ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Roth verbindet eine Freundschaft mit dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger.<ref>Vorlage:Cite web</ref>
Während der Proteste in der Türkei 2013, an denen sie als Demonstrantin und Beobachterin teilnahm, forderte Roth – angesichts der Drohungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, die türkische Armee gegen die Demonstranten einzusetzen – klare Worte der NATO: „Das Militärbündnis muss politisch Einfluss nehmen und deutlich machen, dass es nicht akzeptiert, wenn die türkische Regierung mit der Armee droht und brutal mit den Sicherheitsbehörden vorgeht“. Die Türkei sei Mitglied des Verteidigungsbündnisses. Sie forderte mehr zivilgesellschaftliche Solidarität mit den Demonstranten in der Türkei. Es gebe über 80 Städtepartnerschaften zwischen deutschen und türkischen Städten, die Zeichen an die türkische Demokratiebewegung geben könnten.<ref>Vorlage:Cite web</ref>
Im Mai 2016 äußerte Roth, sie finde es falsch, eine Einreisefreiheit für türkische Staatsbürger vom Flüchtlingsdeal mit der Türkei abhängig zu machen.<ref>Vorlage:Cite web</ref><ref>Vorlage:Cite web</ref>
Von 2014 bis 2022 war Roth Schirmherrin des Behandlungszentrums für Folteropfer<ref>Vorlage:Cite web</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref> und seit 2017 Schirmherrin des Preises Lotte, der erstmals am 10. November 2017 an Spielerinnen, Mannschaften oder Initiativen aus dem Mädchen- und Frauenfußball gehen soll.<ref>„Lotte“ kommt: Preis für Mädchen- und Frauenfußball: Schirmherrschaft von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, Pressemitteilung vom Informationsdienst Wissenschaft vom 26. April 2017, abgerufen am 26. November 2023.</ref>
Am 9. September 2020 übernahm sie die Patenschaft für Maryja Kalesnikawa, eine belarussische Bürgerrechtlerin und politische Gefangene.<ref>Vorlage:Cite web</ref><ref name="сигнал">Vorlage:Cite web</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Zum 80. Jahrestag des Massakers an der Zivilbevölkerung in Kragujevac und Kraljevo durch die deutsche Wehrmacht reiste Roth am 21. Oktober 2021 als erste höhere Repräsentantin Deutschlands nach Serbien,<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> verneigte sich vor den Opfern des Massakers und betonte gegenüber den Angehörigen dieses Menschheitsverbrechen die Wichtigkeit des gemeinsamen Erinnerns und Gedenkens.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Roth plädiert für die Verankerung von Kultur als Staatsziel in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Staatliche Einrichtungen auf allen politischen Ebenen, beim Bund, den Ländern und den Gemeinden sollten in diese Verpflichtung mit eingebunden werden. „Kultur als Staatsziel im Grundgesetz festzuschreiben, sollte das Interesse aller demokratischen Parteien im Bundestag sein“ postulierte sie 2021, kurz nach ihrer Ernennung zur Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Außerdem ist sie Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas<ref>https://www.stiftung-denkmal.de/stiftung/gesetz-und-gremien/</ref> und der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Öffentliche Wahrnehmung und Kritik
[Bearbeiten]Roth gilt als Politikerin, die polarisiert.<ref>Vorlage:Webarchiv tagesschau.de, 17. Oktober 2012; Gut so, Frau Roth! Zeit Online, 12. November 2012; Porträt: Claudia Roth – prägend, polarisierend, verletzlich. Welt Online, 12. November 2012</ref> Entweder möge man sie oder man finde sie „richtig nervig“, schrieb 2012 Simone von Stosch für die Tagesschau.<ref name="die Unermüdliche" /> Das öffentliche Bild selbstironisch aufnehmend, warb Roth in einer Kampagne der Grünen zur Gewinnung von mehr weiblichen Parteimitgliedern mit dem Motto: „Wer nervt mehr als Claudia?“<ref>Vorlage:Cite web</ref> Sie wird gleichermaßen als sehr emotional wie auch als Parteisoldatin mit eiserner Disziplin und als unermüdliche Wahlkämpferin beschrieben.<ref name="die Unermüdliche">Vorlage:Webarchiv tagesschau.de, 17. Oktober 2012</ref> Roth wird bescheinigt, dass sie stets ihre Prinzipien verteidige.<ref name="Gut so, Frau Roth!" /> Ihr moralischer Rigorismus könne jedoch antiquiert wirken und an „grüne Betroffenheitspolitik der 80er Jahre“ erinnern.<ref name="Richter 201" /> Der Politikwissenschaftler Franz Walter charakterisierte Roth als eine routinierte Berufspolitikerin, die als eine unverfälscht gebliebene, vitale Repräsentantin der Neuen Sozialen Bewegungen der 1980er Jahre wirke.<ref name="Protest-Beamte">Vorlage:Cite web</ref> Mit ihrem emotionalen Politikstil präsentiere sie sich als Vertreterin einer rebellischen Vergangenheit der Grünen und bediene damit nostalgische Sehnsüchte der Parteimitglieder.<ref name="Protest-Beamte" />
Innerhalb der grünen Partei gilt Roth als Vertreterin des linken Flügels, als das „linke Gewissen“ der Partei.<ref name="Gut so, Frau Roth!">Vorlage:Cite web</ref> Dementsprechend kommt parteiinterne Kritik meist von Seiten des sogenannten Realo-Flügels. So griff Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer Roth im Mai 2012 wegen ihrer Festlegung auf eine rot-grüne Koalition an, da sie die Grünen im Bündnis mit der SPD einmauern würde.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Als Roth 2001 zur Bundesvorsitzenden gewählt wurde, urteilte der Politologe Joachim Raschke, dies sei ein Fehler, da mit der Parteilinken die alten Strömungskämpfe zwischen „Fundis“ und „Realos“ wieder aufbrechen würden.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Inzwischen bescheinigen Roth auch Vertreter des Realoflügels, dass sie die Parteiflügel zusammenhält.<ref name="Die Arme der Partei">Vorlage:Cite web</ref>
Mit Erfolg wehrte sich Roth gegen einen Bericht der Tageszeitung Bild, die ihr eine „Amigo-Affäre“ anzulasten versuchte.<ref name="Im Namen des Volkes">Vorlage:Der Spiegel</ref> Der Vorwurf lautete, sie habe ihrem Lebensgefährten „lukrative Staatsaufträge“ verschafft.<ref name="Im Namen des Volkes" /> Roth klagte eine Gegendarstellung in der Zeitung ein, in ebenso großen Lettern und im gleichen Umfang wie der sie beschuldigende Artikel, da sie den Mann, den sie angeblich begünstigt hatte, erst kennenlernte, als der kritisierte Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz schon ein Jahr vergeben war.<ref name="Im Namen des Volkes" /> Der Springer-Verlag trieb das Verfahren vergeblich durch alle gerichtlichen Instanzen. Als Roths Gegendarstellung am Ende erschien, fügte die Bild-Redaktion den Satz hinzu: „Frau Roth hat Recht.“<ref name="Im Namen des Volkes" />
In Teilen der Medien wurde Roths reger Kontakt zu Politikern des iranischen Regimes scharf kritisiert.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Der Publizist Henryk M. Broder polemisierte, dass Roth, die sich während eines Besuches im Iran den Kopf verschleiert und danach für einen kulturellen Austausch eingesetzt hatte, sich bei entsprechender Gelegenheit auch für das Lagertheater des KZ Theresienstadt hätte begeistern können.<ref>Vorlage:Cite web</ref> 2013 begrüßte sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz den iranischen Botschafter Ali Reza Sheikh Attar mit High five.<ref>Vorlage:Cite web</ref> Andererseits trug Roth 2010, als sie die Mullahs im Iran besuchte, neben einem Kopftuch ein Kleid mit der Farbe Grün, die im Iran die Farbe des politischen Widerstands von 2009 symbolisierte.<ref>Vorlage:Der Spiegel</ref>
Bei Terrorermittlungen im Fall Franco A. fanden sich bei den miteinander befreundeten Oberleutnants Franco A. und Maximilian T. Listen mit den Namen bekannter Nazi-Gegner, darunter Claudia Roth. Die Listen wurden wegen der sie begleitenden Kommentare als Hinweis auf mögliche Anschlagsziele gedeutet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im Mai 2019 stimmte Roth gegen die Entschließung der großen Mehrheit des Bundestages mit dem Titel Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen.<ref>Michael Thaidigsmann: BDS. Ein Urteil mit Folgen In: juedische-allgemeine.de 22. Januar 2022.</ref> Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 distanzierte sie sich von der BDS-Bewegung, da diese den Terror relativiert habe.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im August 2021 geriet Roth dafür in Kritik, dass sie eine Einkunft aus einer Sonderzahlung als Parteivorsitzende aus dem Jahr 2013 erst mit acht Jahren Verspätung an die Bundestagsverwaltung meldete.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im Zusammenhang mit Kritik an antisemitischen Kunstwerken bei der Documenta fifteen in Kassel im Juni 2022 forderte u. a. die Jüdische Allgemeine den Rücktritt Roths vom Amt der Kulturstaatsministerin.<ref name="faz">Vorlage:Internetquelle</ref><ref name="JA">Vorlage:Internetquelle</ref> Im Mai 2023 wurde Roth bei einem Auftritt auf der Musikveranstaltung Jewrovision minutenlang vom Publikum ausgebuht.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Der Zentralrat der Juden, der sie eingeladen hatte, bei der Veranstaltung ein Grußwort zu sprechen, stellte sich hinter den Protest.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im September 2023 kritisierten rund 200 Filmschaffende aus aller Welt, darunter Martin Scorsese, Radu Jude, Maria Speth und Olivier Assayas, Claudia Roth in ihrer Verantwortung als Kulturstaatsministerin in einem offenen Brief wegen angeblich schädlichen, unprofessionellen und unmoralischen Verhaltens im Zusammenhang mit dem erzwungenen Rückzug des künstlerischen Leiters der Berlinale, Carlo Chatrian. Die Berlinalen seien unter seiner Ägide hochlebendig, voller Überraschungen und beim Publikum erfolgreich gewesen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im Februar 2024 wurden im Zusammenhang mit der Berlinale-Preisverleihung Antisemitismusvorwürfe laut. Roth sagte am folgenden Tag, man werde die Vorkommnisse bei der Preisverleihung aufarbeiten. Roths Distanzierung wurde mit Verweis auf Aufnahmen kritisiert, die sie nach einer Rede der Regisseure Basel Adra und Yuval Abraham, in der Israel „Apartheid“ vorgeworfen wurde, klatschend im Publikum zeigen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Roth gab an, ihr Applaus habe Abraham und seiner Forderung nach einer politischen Lösung sowie einem friedlichen Zusammenleben in der Region gegolten.<ref>https://www.focus.de/kultur/kino_tv/berlinale-eklat-haben-roth-und-wegner-wirklich-geklatscht_id_259705521.html</ref> Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, forderte nach den Vorfällen Roths Rücktritt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Filme
[Bearbeiten]2011 übernahm sie, nachdem der Regisseur Yüksel Aksu es ihr angeboten hatte, eine kurze Rolle in dem türkischen Film Entelköy Efeköy'e Karşı (deutsch: „Entelköy gegen Efeköy“). In dem Film ist sie circa sechs Minuten lang zu sehen und spielt sich in der Szene selbst.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten]- Claudia Roth: Das Politische ist privat, Erinnerungen für die Zukunft. Aufbau, Berlin 2006, ISBN 3-351-02635-8.
Auszeichnungen
[Bearbeiten]- 1995: Rosa-Courage-Preis
- 2002: Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW<ref>Vorlage:Cite web</ref>
- 2004: Ernennung zum Ritter der französischen Ehrenlegion am 30. Juni für ihre Tätigkeit als Beauftragte für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe
- 2014: Bayerischer Verdienstorden am 17. Dezember 2014
- 2022: Bayerischer Verfassungsorden am 2. Dezember<ref>Verleihung des Bayer. Verfassungsordens 2022, abgerufen am 2. Dezember 2022</ref>
Literatur
[Bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten]Vorlage:Commonscat Vorlage:Wikinews Vorlage:Wikiquote
- Eigene Webpräsenz
- Vorlage:DNB-Portal
- Vorlage:Biographie beim Deutschen Bundestag
- Vorlage:MdEP
- Gerwin TRIFFT Claudia Roth 2008
- Vorlage:Abgeordnetenwatch
- Deutschlandfunk Kulturfragen. Debatten und Dokumente vom 4. November 2018: Politik-Kultur in der sich wandelnden Gesellschaft, Claudia Roth im Gespräch mit Barbara Schmidt-Mattern
- Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) – Jung & Naiv: Folge 444
Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references responsive/>
- Seiten mit defekten Dateilinks
- Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
- Parlamentarischer Staatssekretär (Bundesrepublik Deutschland)
- Bundestagsvizepräsident (Deutschland)
- Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe
- Bundesparteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen
- Mitglied des Europäischen Parlaments für Deutschland
- Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats für Deutschland
- Bundestagsabgeordneter (Bayern)
- Mitglied des Auswärtigen Ausschusses (Deutscher Bundestag)
- Ton Steine Scherben
- Mitglied der Ehrenlegion (Ritter)
- Mitglied der Jungdemokraten
- Träger der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber
- Träger des Bayerischen Verdienstordens
- Politiker (20. Jahrhundert)
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Politiker (Augsburg)
- Wikipedia:Artikel mit Video
- Deutscher
- Geboren 1955
- Frau