Bulgarische Sprache

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Vorlage:Weiterleitungshinweis Vorlage:Infobox Sprache

Die bulgarische Sprache (bulgarisch Vorlage:Lang, wissenschaftliche Transliteration Vorlage:Lang) gehört zur südslawischen Gruppe des slawischen Zweiges der indogermanischen Sprachen. Die bulgarische Sprache ist eine der ältesten dokumentierten slawischen Sprachen. Seit ca. 1000 Jahren existiert das Bulgarische als Schrift-, Amts-, Sakral- und Literatursprache. Genauso alt ist die Geschichte der bulgarischen Literatur. Das mittelalterliche Bulgarische Reich beeinflusste die slawischen Kulturen maßgeblich durch die Entwicklung der kyrillischen Schrift am Hofe der bulgarischen Zaren und die Gründung des Bulgarischen Patriarchats. Die bulgarische Sprache und Literatur hatten im Mittelalter somit überregionale Bedeutung im Rahmen des christlich-orthodoxen Kulturgebiets.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Gemeinsam mit der mazedonischen Sprache, mit der sie in einem Dialektkontinuum steht, bildet sie heute innerhalb der südslawischen Gruppe die Untergruppe der ostsüdslawischen Sprachen.

Die bulgarische Sprache wird von rund 8 Millionen Menschen gesprochen; vor allem in Bulgarien Vorlage:Nowrap, aber auch in anderen Staaten Südost- und Osteuropas, in Griechenland (1970: 20.000), Rumänien (1970: 13.000), Nordmazedonien, Moldau (2005: 40.000), Ukraine (2001: 205.000), Serbien (1991: 25.200), Belarus, der Slowakei (2001: 1.176)<ref>europa.eu</ref> und der Türkei (2001: 30.000, sogenannte Pomaken).

Geschichte und Merkmale

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Datei:SymeonLaudatio.jpg
Simeon Laudatio geschrieben ins Altbulgarische

Die Anfänge des altbulgarischen und somit des slawischen Schriftentums sind im 9. Jahrhundert zu sehen. Die historische Entwicklung der bulgarischen Sprache kann in mehrere Perioden eingeteilt werden. Die meisten Sprachwissenschaftler sprechen von folgenden drei Perioden:

Altbulgarische Periode (9.–11. Jahrhundert)

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Die Periode der altbulgarischen Sprache umfasst die Zeit zwischen der Übernahme der slawischen Sprache als offizielle Sprache im Ersten Bulgarischen Reich und dessen Fall 1018 unter byzantinische Herrschaft. Einige Linguisten sehen jedoch den Anfang der Periode mit der Erschaffung des ersten slawischen Alphabets, der Glagoliza im Jahre 862 durch Kyrill Philosoph. In diese Periode des Goldenen Zeitalters der bulgarischen Kultur fällt auch die Entstehung des kyrillischen Alphabets am Hofe der bulgarischen Zaren in Preslaw. Ein weiteres Zentrum bildete Ohrid,<ref name="LexMA1377">Vorlage:LexMA (hier Sp. 1377: „… Die Schule von Ohrid hat einen Großteil der (alt-)bulgarischen Literatur hervorgebracht.“)</ref> das sich zu jener Zeit im westlichen Teil des bulgarischen Reiches befand und einen Großteil der altbulgarischen Literatur hervorbrachte.<ref name="BgSEU">Schaller (Hrsg.): Die bulgarische Sprache in Vergangenheit und Gegenwart. Vom Altbulgarischen zur Sprache der Europäischen Union, S. 62–65</ref>

Das Altbulgarische wurde damit in den zwei Schriftformen des mittelalterlichen Bulgarischen Reiches überliefert, dem älteren glagolitischen und dem jüngeren kyrillischen Alphabet. Während die altbulgarischen Denkmäler wie die Bitola-Inschrift, Samuil-Inschrift, Mostisch-Inschrift sich datieren und inhaltlich klassifizieren lassen, sind die überlieferten Handschriften undatiert und können sich nur schwer klassifizieren. Zu den glagolitischen Handschriften des Altbulgarischen zählen zum Beispiel der Codex Zographensis, Codex Marianus, Glagolita Clozianus, Codex Assemanianus, Psalterium Sinaiticum, Euchologium Sinaiticum, zu den kyrillisch geschriebenen Sava-Evangelium oder der Codex Suprasliensis.<ref name="BgSEU" />

Wegen der Verbreitung der altbulgarischen Sprache und Kultur auf die anderen slawischen Völker spricht man von dem „Ersten Südslawischen Einfluss“. Dabei nahm das Altbulgarische bei der Christianisierung der Slawen eine zentrale Rolle ein und wurde zur Liturgiesprache, weswegen vor allem russische und jugoslawische Sprachwissenschaftler<ref>Schaller (Hrsg.): Die bulgarische Sprache in Vergangenheit und Gegenwart. Vom Altbulgarischen zur Sprache der Europäischen Union, S. 55–56</ref> von der „altkirchenslawischen“ Sprache sprechen.

Mittelbulgarische Periode (12.–14. Jahrhundert)

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Die Periode der mittelbulgarischen Sprache umfasst die Zeit zwischen der Restaurierung des bulgarischen Reiches bis zu dessen Unterwerfung durch die osmanischen Türken. Die Sprache mit den durch die Tarnower Schule in der Orthographie von Tarnowo festgelegten grammatischen Regeln wurde zur Grundlage der weiteren sprachlichen Entwicklung in den Gebieten der heutigen Staaten Rumänien, Moldau und Serbien, Ukraine und Russland, so dass man von einem „Zweiten Südslawischen Einfluss“ auf diese Länder spricht. Die Sprache des Zweiten Bulgarischen Reichs wird auch heute immer noch in den slawischen orthodoxen Kirchen als Liturgiesprache genutzt, weswegen sie auch Kirchenslawisch genannt wird.

Vom Ende des 14. bis ins 16. Jahrhundert wurde Bulgarisch von den walachischen Fürsten als Kanzleisprache verwendet.

Neubulgarische Periode (seit dem 15. Jahrhundert)

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Datei:Bulgarian songs Miladinov.jpg
Titelseite des Buches Bulgarische Volkslieder der Brüder Miladinow

Die neubulgarische Epoche wird zunächst durch die sogenannten Damaskini des 17. und 18. Jahrhunderts belegt. Dabei handelte es sich primär um die übersetzten griechischen Predigten des Damaskenos Studites, die mehrmals ins Bulgarische übertragen wurden und in denen sich auch die wichtigsten Merkmale fast aller neubulgarischen Mundarten wiederfinden.<ref>Nina Janich, Albrecht Greule: Sprachkulturen in Europa: ein internationales Handbuch. Gunter Narr Verlag, 2002, S. 28.</ref>

Während der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt eingetretene Veränderungen in der Entwicklung der bulgarischen Kultur und des Bildungswesens begründeten die Notwendigkeit einer weltlichen Bildung sowie einer in der Volkssprache geschriebenen Literatur. Im Diskurs suchten zunächst die »Traditionalisten«, darunter Georgi Rakowski, Christaki Pawlowitsch, Konstantin Fotinow oder Neofit Bosweli, die Verwendung der altbulgarischen Form und Syntax als Sprachgrundlage durchzusetzen.<ref name="MD">Roumen Daskalov: Bulgarian-Greek Dis/Entanglements In.: Tchavdar Marinov (Hrsg.), Rumen Daskalov (Hrsg.): Entangled Histories of the Balkans: National Ideologies and Language Policies, Band 1., Verlag Brill, 2013, S. 185–187, ISBN 978-90-04-25076-5</ref> Ihr Versuch blieb jedoch erfolglos, und die Mehrheit wie Kiril Pejtschinowitsch setzte sich für die gesprochene Volkssprache als Grundlage ein. Lediglich bei der Dialektgrundlage der zu schaffenden bulgarischen Standardschriftsprache kam es zu Differenzen, wo Intellektuelle auch auf ihre lokale Sprachloyalität setzten. Einen Schritt in diese Richtung stellt das erste bulgarische Schulbuch dar: Die Fibel mit unterschiedlichen Belehrungen, die in den für die Heimatstadt des Autors typischen ostbulgarischen Dialekten geschrieben wurde, wurde von Petar Beron bereits 1824 in Kronstadt publiziert. Der Gelehrte Neofit Rilski verwendete zunächst die westbulgarischen Dialekte, versuchte jedoch in seiner Grammatik (1835), die ost- und westbulgarischen Dialekte zu vereinen. Jossif Kowatschew setzte sich für den zentralbulgarischen Dialekt ein, der als Bindeglied fungieren sollte.

Einer der ersten bulgarischen Philologen, Partenija Zografski, forderte 1858 in seinem Artikel Gedanken über die bulgarische Sprache (Vorlage:Lang) in der Zeitschrift Bulgarische Büchlein (Vorlage:Lang) als Vertreter des »mazedonischen Dialektes« (makedonskoto narečije), dass dieser als Hauptgrundlage der „allgemeinen Schriftsprache“ ausgewählt werden sollte, da dieser voller und reicher als die übrigen Dialekte sei.<ref>Vgl. Balgarski knischizi, Jahr 1858, 1. Ausgabe, Digitalisierte Ausgabe bei Wikimedia Commons</ref><ref name="TS49">Torsten Szobries: Sprachliche Aspekte des nation-building in Mazedonien: die kommunistische Presse in Vardar-Mazedonien (1940–1943). Steiner, Stuttgart 1999. (Studien zur modernen Geschichte; 53.), Verlag: F. Steiner, 1999, S. 49ff, ISBN 978-3-515-07622-7</ref> Das 1861 in Zagreb erschienene Werk Bulgarische Volkslieder der Förderer Brüder Miladinowi aus Struga basierte ebenfalls auf den westbulgarischen Dialekten. Petko Slawejkow plädierte wiederum in seiner Zeitung Makedonija in der Ausgabe vom 18. Januar 1871 für eine Schriftsprache auf polydialektaler Dialektbasis und warnte vor der Beschränkung der Sprache auf die Eigenschaften des Ostbulgarischen und wurde dabei von Kuzman Schapkarew und Najden Gerow unterstützt.<ref name="TS49" /><ref>Tchavdar Marinov: In Defense of the Native Tongue: The Standardization of the Macedonian Language and the Bulgarian-Macedonian Linguistic Controversies, In. Tchavdar Marinov (Hrsg.), Rumen Daskalov (Hrsg.): Entangled Histories of the Balkans – Volume One. с. 443, Vorlage:DOI.</ref>

Und obwohl die Anfänge der bulgarischen Wiedergeburt in Makedonien liegen, spielten die Ostbulgaren bei der Herausbildung der Standardsprache eine führende Rolle.<ref>Nina Janich, Albrecht Greule: Sprachkulturen in Europa: ein internationales Handbuch. Gunter Narr Verlag, 2002, S. 29</ref> Die Gründung und Förderung von weiterführenden und weltlichen Schulen in Ostbulgarien (so übertrugen Neofit Rilski, Najden Gerow und Botjo Petkow das weltliche Schulklassen-System,<ref name="MD" /> 1835 eröffnete die Gabrowo-Gesamtschule, 1850 die Klassen-Eparchie-Schule Kyrill und Method von Plowdiw, 1858 das Bolgrader Gymnasium) ebnete die Grundlage für diesen Einfluss. Hinzu kam die reichhaltige Publikationstätigkeit von talentierten Schriftstellern, Poeten und Journalisten wie Iwan Bogorow, Ljuben und Petko Karawelow oder Najden Gerow in den ostbulgarischen Dialekten; nach anfänglichem Überwiegen westbulgarischer Mundarten kam es zur allmählichen Dominanz der Ersteren, die durch die Herkunft der Publizisten bedingt war.<ref name="MD" /><ref>Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, S. 141</ref> Auch wichtige Förderer wie Wassil Aprilow, Nikola Palausow betrachteten bei der Herausbildung der neubulgarischen Sprache die ostbulgarischen Dialekte als Grundlage der Herausbildung einer einheitlichen Schriftsprache.<ref name="Weber">Claudia Weber: Auf der Suche nach der Nation: Erinnerungskultur in Bulgarien von 1878–1944. LIT Verlag, Berlin/Hamburg/Münster 2006, ISBN 3-8258-7736-1, S. 39–46.</ref> Die Schul-, Kirchen- und Begabtenförderung in russischen Hochschulen und Universitäten durch in Odessa lebende Kaufleute und die Nähe der ostbulgarischen Dialekte zum Russischen ebneten dem kulturellen Einfluss Russlands auf die Bulgaren und die bulgarische Sprache den Weg.<ref name="MD" /> Vor allem aber wandte sich Marin Drinow, der nach der Befreiung Bulgariens an der nach ihm benannten Rechtschreibung maßgeblich beteiligt war, gegen die Verwendung der westbulgarischen Dialekte oder eine Schriftsprache auf polydialektaler Dialektbasis. Erst 1899, mehr als 20 Jahre nach der Befreiung wurde eine durch Bildungsminister Todor Iwantschow initiierte Vereinheitlichung der bulgarischen Orthographie (auch »Iwantschow-Rechtschreibung«, Vorlage:Lang genannt) erste offizielle bulgarische Rechtschreibnorm eingeführt.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewann dennoch das Westbulgarische einen stärkeren Einfluss auf die Sprache.

Das Bulgarische darf nicht mit dem Urbolgarischen verwechselt werden, das eine Turksprache (nach anderen Theorien eine nordostiranische Sprache) war. Heute gibt es jedoch immer noch einige Wörter in der neubulgarischen Sprache, die dem Protobulgarischen entstammen, wie z. B. Vorlage:Lang („Stock“) oder Vorlage:Lang („Vater“). Außerdem gibt es einige wenige Wörter, die dem thrakischen Substrat entstammen wie katerja se („klettern“) von thrakisch katerdass und kacna, kacvam („sich niederlassen“).<ref>Ivan Duridanov: Die Rolle der Paläobalkanistik für die Südosteuropa-Linguistik. In: Die Südosteuropa-Wissenschaften im neuen Jahrhundert. Akten der Tagung vom 16.–19. Oktober 1999 an der Universität Leipzig. Hrsg. von Uwe Hinrichs und Uwe Büttner. Harrassowitz, Wiesbaden 2000, S. 26/27 books.google.de.</ref>

Dialekte

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Die bulgarischen Dialekte sind in den vergangenen hundert Jahren umfassend erforscht und dokumentiert worden. Traditionell werden sie entlang der Aussprache des altbulgarischen Buchstaben »jat« (auch jat-Grenze genannt) in zwei Gruppen unterteilt: Ostbulgarisch (Aussprache des »jat«  als Vorlage:IPA und e: bjal – beli) und Westbulgarisch (Aussprache des »jat« als Vorlage:IPA-Phon: bel – beli). Davon abgesehen definieren einige Linguisten die rupzische Mundart als dritte Dialektgruppe, die eigene Parallelen zum Altbulgarischen sowie zu benachbarten türkischen und griechischen Dialekten als Merkmale aufweist. Die Dialektgruppen gliedern sich in folgenden Mundarten:

Datei:Bgmap yat.png
Jat-Grenze, westlich derer nur als Vorlage:IPA-Phon vertreten ist
  • Westbulgarische Dialekte:
    • Nordwestbulgarische Mundarten
    • Südwestliche Mundarten
    • Übergangsdialekte
  • Ostbulgarische Dialekte:
    • Balkanmundarten
    • Mysische Mundarten
  • Rupzische Dialekte:
    • Rhodopenmundarten
    • Ostrupzische Mundarten: werden einerseits in der Südhälfte der Thrakischen Ebene bis zur türkischen Grenze gesprochen, anderseits im Strandscha-Gebirge
    • Westrupzische Mundarten (Übergangsdialekt)

Verschiedene phonetische, akzentologische, morphologische und lexikalische Isoglossen verbinden die westbulgarischen mit den östlich der Jat-Grenze gesprochenen Dialekten der Rhodopen und des Strandscha-Gebirges bis hin zum Schwarzen Meer. Diese Dialekte haben mehrere gemeinsame Charakteristika, weswegen sie von einigen Forschern als eine dritte Dialektgruppe, das Rupzische, definiert werden. Zu ihren Eigenschaften gehört der Reflex des urslawischen als offenes e, des urslawischen Vorlage:Cyrl und Vorlage:Cyrl als offenes und der sogenannte dreifache Artikel. Die Formen für Singular und Plural werden in diesen Mundarten zum Teil aus Kasusformen für den Dativ abgeleitet. Ein weiteres Merkmal ist das Aufbewahren zahlreicher lexikalischer Archaismen, die oft Parallelen zum Altbulgarischen aufweisen, zu denen sich jedoch kein Äquivalent in den übrigen bulgarischen Mundarten findet. Sprecher der Rhodopenmundarten sind einerseits christliche, andererseits muslimische Bulgaren (Pomaken). Der auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückgehende Glaubensunterschied hat sich kaum auf die Mundarten ausgewirkt, betrifft jedoch insbesondere den Wortschatz im religiösen Bereich und die arabisch-türkischen Vornamen der Muslime.

Die Rhodopen- und rupzischen Mundarten reichten vor dem Ersten Weltkrieg über die heutige bulgarische Staatsgrenze hinaus. So waren die thrakischen Dialekte in Verbindung vor allem mit türkischen und zum Teil auch mit griechischen Dialekten bis zur Küste der Ägäis verbreitet.

Die Übergangsdialekte weisen Merkmale jeweils zweier Sprachen auf (Serbisch und Bulgarisch bzw. Mazedonisch und Bulgarisch) und werden über das Bulgarische Dialektkontinuum determiniert. Die Zugehörigkeit dieser Mundarten, die sich auf der anderen Seite der Grenze in Serbien und Mazedonien fortsetzen, war in der Vergangenheit unter serbischen bzw. ist heutzutage unter mazedonischen und bulgarischen Linguisten umstritten. Während die einen die bulgarische Sprachgrenze weit nach Westen bis nach Niš, Prizren und Ohrid zogen, ziehen die anderen die Sprachgrenze im Osten bis nach Sofia und das gesamte Pirin-Gebirge hinaus (Mazedonismus). In Bulgarien ordnet man aus diesem Grund das Mazedonische bisweilen als Dialekt dem Bulgarischen zu. Da es kein hinreichendes linguistisches Abstandskriterium für diese Mundarten zu den jeweiligen Sprachen gibt, kann nur das Kriterium der nationalen Selbstidentifikation der Sprecher und der von ihnen anerkannten Standardsprache herangezogen werden. Danach wären die Mundarten westlich der heutigen bulgarischen Staatsgrenze als Serbisch bzw. Mazedonisch und jene östlich der Landesgrenze als Bulgarisch zu bezeichnen bzw. als Dialekte dem Bulgarischen zuzuordnen.

Die dem Bulgarischen nächstverwandte Sprache ist das Mazedonische.

Wortschatz

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Der Wortschatz besteht überwiegend aus slawischen Erbwörtern. Lehnwörter entstammen vor allem dem Griechischen und dem Türkischen. Seit dem 19. Jahrhundert gab es immer wieder Bestrebungen, türkische Wörter durch Slawismen, die vorwiegend aus dem Russischen stammen, zu ersetzen. Auswirkungen hatten diese Bemühungen vor allem auf die Schriftsprache; die Umgangssprache ist nach wie vor reich an türkischen Elementen, wobei der Großteil davon (z. B. Vorlage:Lang für „Sofa“, Vorlage:Lang für „Notizbuch“, Vorlage:Lang für „Ringer“) arabischen und persischen Ursprungs sind. Im technischen Bereich sind viele französische und deutsche Wörter übernommen worden (siehe unten) sowie in letzter Zeit Anglizismen.

Alphabet

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Datei:Bulgarian cursive alphabet.png

Vorlage:Hauptartikel

Das Bulgarische wird in der bulgarischen Variante der kyrillischen Schrift geschrieben. Das bulgarische Alphabet (Vorlage:Lang) umfasst seit der Rechtschreibreform von 1945 30 Buchstaben in folgender Reihenfolge:

А Б В Г Д Е Ж З И Й К Л М Н О П Р С Т У Ф Х Ц Ч Ш Щ Ъ Ь Ю Я
а б в г д е ж з и й к л м н о п р с т у ф х ц ч ш щ ъ ь ю я
а б в г д е ж з и й к л м н о п р с т у ф х ц ч ш щ ъ ь ю я

In alten Texten können darüber hinaus die Buchstaben [[Jat|Vorlage:Cyrl]] (Jat; Aussprache in der Regel je nach Kontext wie е oder Vorlage:Lang; z. B. Vorlage:Lang oder Vorlage:Lang; ursprüngliche Aussprache Vorlage:IPA) sowie [[Slawische Nasalvokale|Vorlage:Cyrl]] (Großes Jus Vorlage:Lang; Aussprache in der Regel Vorlage:IPA-Phon; ursprüngliche Aussprache Vorlage:IPA; der Buchstabe sollte nicht mit dem kyrillischen Buchstaben Kleines Jus [[Slawische Nasalvokale|Vorlage:Cyrl]] verwechselt werden) auftauchen. Im heutigen Bulgarisch werden diese alten Zeichen jedoch nicht mehr verwendet; sie wurden im Zuge einer Rechtschreibreform 1945 abgeschafft.

Für die Kleinbuchstaben werden häufig die so genannten kursiven Formen auch in der aufrechten Schrift verwendet, die sich von den (russischen) Standardformen teilweise stark unterscheiden.

Beim Buchstabieren wird der Lautwert der Vokale beibehalten. Den Konsonanten wird stets der Laut Vorlage:Lang (Aussprache: Vorlage:IPA-Phon) nachgestellt; Ausnahmen sind das Vorlage:Lang, welches als i kratko (Vorlage:Lang „kurzes i“) sowie das Vorlage:Lang, welches als er malăk (Vorlage:Lang „kleines Jer“) buchstabiert wird. Somit ergibt sich im Bulgarischen folgendes Buchstabieralphabet:

Buchstabe а б в г д е ж з и й к л м н о
bulgarische Aussprache а бъ въ гъ дъ е жъ зъ и и кратко къ лъ мъ нъ о
deutsche Aussprache a bă e schă (stimmhaft) să (stimmhaft) i i kratko o
IPA-Aussprache a bə ɛ ʒə zə i iˈkratko ɫə ɔ
Buchstabe п р с т у ф х ц ч ш щ ъ ь ю я
bulgarische Aussprache пъ ръ съ тъ у фъ хъ цъ чъ шъ щъ ъ ер малък ю я
deutsche Aussprache ßă u chă tschă schă schtă ă er malăk ju ja
IPA-Aussprache u xə tsə tʃə / tʃʲə ʃə ʃtə ə ɛrˈmaɫək ju ja

Dies stellt eine deutliche Abweichung vom Deutschen, aber auch vom (ebenfalls in kyrillischer Schrift geschriebenen) Russischen dar. Beispiele:

  • Buchstabe „Vorlage:Lang“: bulgarisch [kə] – deutsch und russisch [kaː]
  • Buchstabe „Vorlage:Lang“: bulgarisch [mə] – deutsch und russisch [ɛm]
  • Buchstabe „Vorlage:Lang“: bulgarisch [tə] – deutsch und russisch [te]

Phonetik

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Die meisten Buchstaben werden im Großen und Ganzen wie im Deutschen bzw. wie ihre Entsprechungen im Deutschen ausgesprochen. Die Hauptunterschiede zur standarddeutschen Aussprache liegen

  • in der Aussprache des r-Lautes (mit der Zunge gerollt)
  • in der Aussprache des l-Lautes (siehe Tabelle)
  • in der Tatsache, dass der ə-Laut (unbetontes deutsches e) auch in betonter Stellung vorkommen kann
  • in der etwas gehauchteren Aussprache des ch-Lautes (siehe Tabelle)
  • in der Palatalisierung, insbesondere hörbar bei l und n

Palatalisierungen treten nicht so häufig auf wie beispielsweise im Russischen. Starke Unterschiede zwischen palatalisierter und nicht palatalisierter Aussprache sind nur bei wenigen Buchstaben deutlich hörbar, z. B. bei n und l:

Wie in anderen slawischen Sprachen und im Deutschen gibt es eine Auslautverhärtung.

Kyrillisch ISO 9 Offizielle Transkription IPA-Lautschrift Bulgarische Aussprache des Buchstabens in der Alphabetnennung Beschreibung zur Lautbildung mit deutscher Phonetik
А а A a A a Vorlage:IPA „a“/Vorlage:Lang wie deutsches a
Б б B b B b Vorlage:IPA „be“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches b
В в V v V v Vorlage:IPA „we“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches w
Г г G g G g Vorlage:IPA „ge“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches g
Д д D d D d Vorlage:IPA „de“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches d
Е е E e E e Vorlage:IPA „e“/Vorlage:Lang wie deutsches e in „Herr“ oder „Erbrecht“
Ж ж Ž ž Zh zh Vorlage:IPA „sche“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang stimmhafter sch-Laut wie in „Journal“ oder „Garage“
З з Z z Z z Vorlage:IPA „se“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang stimmhaftes s wie in „sagen“
И и I i I i Vorlage:IPA „i“/Vorlage:Lang wie deutsches helles i in „Licht“ oder „sie“
Й й J j Y y Vorlage:IPA „i kratko“/Vorlage:Lang („kurzes i“) wie deutsches j
К к K k K k Vorlage:IPA „k“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches k
Л л L l L l Vorlage:IPA
([Vorlage:IPA], [Vorlage:IPA])
„le“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang
М м M m M m Vorlage:IPA „me“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches m
Н н N n N n Vorlage:IPA „ne“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang
О o O o O o Vorlage:IPA „o“/Vorlage:Lang wie deutsches o
П п P p P p Vorlage:IPA „pe“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches p
Р р R r R r Vorlage:IPA „re“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang gerolltes Zungen-r
С с S s S s Vorlage:IPA „se“/Vorlage:Lang immer stimmlos wie deutsches ß
Т т T t T t Vorlage:IPA „te“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches t
У у U u U u Vorlage:IPA „u“/Vorlage:Lang wie deutsches u
Ф ф F f F f Vorlage:IPA „fe“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches f
Х х H h H h Vorlage:IPA „che“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches ch in „machen“
Ц ц C c Ts ts Vorlage:IPA „tse“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches z
Ч ч Č č Ch ch Vorlage:IPA „tsche“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches tsch in „Tschüs“
Ш ш Š š Sh sh Vorlage:IPA „sche“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches sch in „Scheibe“
Щ щ Ŝ ŝ Sht sht /Vorlage:IPA/ „schte“ (mit Murmellaut)/Vorlage:Lang wie deutsches scht in „nascht“
Ъ ъ ʺ A a /Vorlage:IPA/
([Vorlage:IPA], [Vorlage:IPA], [Vorlage:IPA])
Vorlage:Audio „e“ (Murmellaut)/Vorlage:Lang („großes Jer“) wie Vorlage:RoS. Ungefähr wie unbetontes deutsches e in „gelingen“. Kann aber auch Richtung dumpfes a gehen, ungefähr wie deutsches er am Wortende wie in „aber“.
Ь ь ʹ Y y Vorlage:IPA Vorlage:Lang („kleines Jer“); meist „jo“ für die Kombination Vorlage:Lang Palatalisiert vorangehende Konsonanten. Kommt nur zusammen mit Vorlage:Lang in der Wortmitte als Vorlage:Lang vor, Aussprache wie deutsches jo in „Joch“.

Sehr selten auch mit Vorlage:Lang als Vorlage:Lang, Aussprache dann je + Palatalisierung.

Ю ю Û û Yu yu /Vorlage:IPA/ „ju“/Vorlage:Lang wie deutsches ju in „Julian“. Palatalisiert vorangehende Konsonanten und kann oft Richtung ü gehen, z. B. Vorlage:Lang=„[Küstendil]“
Я я Â â Ya ya /Vorlage:IPA/ „ja“/Vorlage:Lang wie deutsches ja in „Jasmin“. Palatalisiert vorangehende Konsonanten.

Grammatik

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Die bulgarische Grammatik unterscheidet sich in vielen Punkten von anderen slawischen Sprachen. Auch benachbarte Sprachen, wie z. B. Albanisch oder Rumänisch, welche selbst keine slawischen Sprachen sind, weisen teilweise die gleichen Eigenheiten auf. Deshalb werden diese Sprachen auch unter dem Begriff Balkansprachen zusammengefasst, obwohl sie nicht nahe miteinander verwandt sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem Sprachbund.

Deklination, Artikel

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Unter den slawischen Standardsprachen gibt es Artikel nur im Bulgarischen und im nahe verwandten Mazedonischen. Die bestimmten Artikel werden im Unterschied zu vielen anderen Sprachen an das Nomen (bzw. das erste Wort seiner Nominalgruppe) angehängt (postponierte Artikel). Im Bulgarischen gibt es ferner nur sehr schwach ausgeprägte Kasūs, außer bei Pronomina sowie bei den Artikelformen der Maskulina treten sie nicht in Erscheinung. In den wenigen Fällen, wo sie sichtbar werden, unterscheidet man Nominativ, Dativ und Akkusativ; der Genitiv wird durch Präposition Vorlage:Lang mit Dativ ersetzt (vergleichbar zum im Deutschen umgangssprachlichen Ersatz des Genitivs durch von mit Dativ).

Bei der Kommunikation im Freundes- und Familienkreis findet der Vokativ Verwendung.

Zeitformen

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Das Bulgarische verfügt über eine sehr ausgeprägte Formenvielfalt bei den Verben. Man unterscheidet neun verschiedene Zeitformen: Präsens, zwei Futurformen (Futurum und Futurum exactum), vier Vergangenheitsformen (Imperfekt, Aorist, Perfekt, Plusquamperfekt) sowie zwei Mischformen aus Vergangenheit und Futur (siehe unten), wobei Aorist und Imperfekt als sogenannte synthetische Formen, Perfekt und Plusquamperfekt als periphrastische Formen der Vergangenheitstempora bezeichnet werden. Die synthetischen Formen sind nicht zusammengesetzt, wohingegen die periphrastischen Formen meist zusammengesetzt gebildet werden. Beispiel: Vorlage:Lang [Aorist] „ich habe (einmal) gelesen“ und Vorlage:Lang [Imperfekt] „ich las“ sind nicht-zusammengesetzte Vergangenheitsformen; hingegen sind Vorlage:Lang [Perfekt] „ich habe gelesen“ und Vorlage:Lang [Plusquamperfekt] „ich hatte gelesen“ genauso wie im Deutschen zusammengesetzte Vergangenheitsformen, die stets unter Verwendung des Hilfszeitworts Vorlage:Lang „sein“ gebildet werden. Wie deutlich wird, ist die Wiedergabe des (im Deutschen nicht existenten) Aorists überaus schwierig, da die Einmaligkeit der Handlung im deutschen Sprachgebrauch nur umschrieben werden kann und keine eigene grammatikalische Kategorie darstellt. Meist wird der Aorist im Deutschen einfach mit dem Perfekt wiedergegeben.

Darüber hinaus gibt es zwei „Mischformen“ aus Zukunft und Vergangenheit, nämlich das Futurum praeteriti sowie das recht ungebräuchliche Futurum exactum praeteriti. Mit den letzteren beiden Formen lässt sich ausdrücken, dass man in der Vergangenheit davon ausgegangen ist, dass etwas geschehen werde. Eine Entsprechung im Deutschen wäre ungefähr eine Konstruktion wie „Ich dachte, dass er es erledigen würde“ oder „Er wollte es erledigen“ (Futurum praeteriti); eine solche Konstruktion wird anderweitig auch als ein Prospektiv bezeichnet. Das Futurum exactum praeteriti entspricht im Deutschen Konstruktionen wie: „Ich dachte, er würde es mittlerweile erledigt haben“ oder „Er wollte es schon bis gestern erledigt haben“. Aufgrund der Tatsache, dass die beschriebene Handlung möglicherweise doch nicht ausgeführt wurde, nehmen diese eigentlich indikativischen Formen oft auch die Funktion des Konjunktivs ein.

Verbalaspekt

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Wie andere slawische Sprachen macht auch das Bulgarische in (fast) allen Zeitformen von der grammatikalischen Kategorie des Verbalaspektes Gebrauch. Somit existieren rein rechnerisch Vorlage:Nowrap verschiedene Kombinationen aus Aspekt und Tempus. Allerdings kommen einige Aspekt-Tempus-Paare nur sehr selten vor (z. B. Imperfekt perfektiver Verben).

Das sogenannte „Aspektparadigma“ im Bulgarischen beruht auf der Tatsache, dass man eine Handlung auf Seiten des Sprechers auf zwei verschiedene Arten betrachten kann (das Wort Aspekt leitet sich vom lateinischen aspicere ‚erblicken, anschauen, betrachten‘ ab):

  • Will der Sprecher den Verlauf, die Dauer oder die Wiederholung einer Handlung mitteilen, so verwendet er den imperfektiven oder unvollendeten Aspekt. Dadurch wird auch eine allgemeine Feststellung eines Geschehens zum Ausdruck gebracht. Imperfektive Verben zeichnen sich oft durch das Suffix Vorlage:Lang aus, z. B. Vorlage:Lang („kaufen“), Vorlage:Lang („kommen“).
  • Will der Sprecher andererseits das Ergebnis oder die Einmaligkeit eines Vorgangs oder einer Tatsache schildern, benutzt er den perfektiven oder vollendeten Aspekt. Perfektive Verben haben oft das Suffix Vorlage:Lang an den Wortstamm angefügt, oder sie werden durch die Vorsilben Vorlage:Lang oder Vorlage:Lang erweitert, z. B. Vorlage:Lang („sich treffen“), Vorlage:Lang („suchen“), Vorlage:Lang („schreiben, aufschreiben“).
  • Wie oben erwähnt, können dann (fast) jedem Verb zwei Aspektformen zugeordnet werden, und zwar auch in allen Zeitformen. Üblicherweise bedient man sich im Präsens meist nur der imperfektiven Form; auch in anderen Zeiten sind gewisse Paare von Aspekt und Tempus höchst ungebräuchlich. Auch nach gewissen vorgeschalteten Verbformen, die Beginn, Fortdauer oder Ende einer Handlung einleiten, folgt immer die Verbform im imperfektiven Aspekt, z. B. Vorlage:Lang („beginnen zu …“) mit imperfektivem Aspekt; Bsp.: Vorlage:Lang „beginnen zu schreiben“. Vom Verb Vorlage:Lang selbst existiert auch eine perfektive Form: Vorlage:Lang. Das Folgeverb (in unserem Fall Vorlage:Lang „schreiben“) wird aber immer im imperfektiven Aspektmodus wiedergegeben.

Beispiele für Aspektpaare:

unvollendet vollendet
Vorlage:Lang „(öfter) schreiben“ Vorlage:Lang „(einmalig) schreiben“
Vorlage:Lang „sich (öfter) treffen“ Vorlage:Lang „sich (einmal) treffen“
Vorlage:Lang kommen Vorlage:Lang kommen

Die Formenbildung der Aspektpaare ist im Bulgarischen sehr divers und komplex (im Gegensatz zum Russischen). Um aus imperfektiven Verben perfektive Formen zu generieren, lassen sich circa 18 mögliche Präfixe und Suffixe identifizieren.

Die Zweiteilung der Verben in perfektiv und imperfektiv setzt sich auch in den Tempora fort und muss dort der entsprechenden Bildungsweise der einzelnen Zeitformen angepasst werden, was zu einer fast unüberschaubaren Fülle unterschiedlicher Bildungsweisen von Konjugationsklassen und Konjugationsunterklassen führt. Hinzu kommt, dass bei manchen Verben nur eine der beiden Dublettformen existiert (man nennt diese Formen dann Imperfektiva tantum oder Perfektiva tantum). Weiterhin können oftmals perfektive Verben sekundär imperfektiviert werden, was zu Formen-Tripletts führen kann, z. B. Vorlage:Lang (imperfektiv) → Vorlage:Lang (perfektiv) → Vorlage:Lang (sekundär imperfektiv). Im Deutschen können die meisten perfektiven Zeitformen (der Begriff hat hier nichts mit dem Tempus „Perfekt“ zu tun!) – wie der Aorist – aufgrund des fehlenden Aspektparadigmas in den germanischen Sprachgruppen nur meist bedeutungsneutral wiedergegeben werden (sofern die Übersetzbarkeit mit Wortzusätzen wie einmal oder öfters nicht funktioniert).

Die Verbalaspekte erweisen sich für den Nicht-Muttersprachler beim Erlernen einer slawischen Sprache im Allgemeinen als äußerst schwierig und führen unter anderem dazu, dass slawische Sprachen allgemein als relativ schwierig zu erlernen gelten.

Weitere Verbformen

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Ebenfalls typisch für slawische Sprachen ist die Vielfalt an Partizipien: Partizip Präsens Aktiv, Aktivpartizip des Imperfekts, Aktivpartizip des Aorists, Passivpartizip Präsens, Passivpartizip des Aorist, Passivpartizip praeteriti, Adverbialpartizip sowie der nur selten anzutreffende sogenannte „Restinfinitiv“.

Interessanterweise existiert, wie beim Neugriechischen, im Bulgarischen – ebenfalls im Gegensatz zu anderen slawischen und auch den meisten anderen indogermanischen Sprachen – kein Infinitiv. In Wortlisten wie beispielsweise Wörterbüchern wird an seiner Stelle normalerweise die 1. Person Singular Präsens Indikativ Aktiv verwendet (welche man dann als „Nennform“ des Verbes bezeichnet). Bei Satzkonstruktionen wie beispielsweise „Möchtest du essen?“ („essen“ im Deutschen im Infinitiv) wird stattdessen mit dem Wort Vorlage:Lang das zweite Verb in konjugierter Form angeschlossen: „Vorlage:Lang“ („Vorlage:Lang“; wörtlich übersetzt ungefähr: „Möchtest du, dass du isst?“).

Verbmodi

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Als Verbmodi existieren neben Indikativ, Imperativ und Konditional (welcher ungefähr die Funktion des Konjunktivs im Deutschen übernimmt) auch der Konklusiv (zeigt an, dass man einen Sachverhalt aus einem anderen logisch erschließt), der Renarrativ (zeigt an, dass der Sprecher einen Sachverhalt nicht selbst erlebt hat, sondern dass er die Schilderung eines Dritten weitergibt, vergleichbar der indirekten Rede im Deutschen) sowie der dubitative Renarrativ (wie Renarrativ; allerdings zweifelt der Sprecher den Wahrheitsgehalt an).

Fragesätze

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Bei Entscheidungsfragen (Sätze, auf die eine Ja/Nein-Antwort erwartet wird) findet fast immer die Partikel Vorlage:Lang Verwendung. Sie tritt nur bei Entscheidungsfragen, jedoch nicht bei anderen Fragen auf, und wird typischerweise hinter das Verb oder aber einen dadurch besonders betonten Teil der Frage gesetzt. Beispiele:

  • Möchtest du essen? – „Vorlage:Lang“ („Vorlage:Lang“)
  • Du möchtest essen? – „Vorlage:Lang“ („Vorlage:Lang“) – das „Du“ wird hervorgehoben. Das Weglassen von Vorlage:Lang in diesem Beispiel ist zwar zulässig, würde dem Satz aber eine andere Bedeutung geben: „Vorlage:Lang“ – das Ziel ist, die Verwunderung des Fragestellenden zum Ausdruck zu bringen. Eine passende Übersetzung dieses Satzes auf Deutsch wäre: „Du möchtest also essen?“
  • Vergleiche hierzu: Wo bist du? – „Vorlage:Lang“ („Vorlage:Lang“) – keine Entscheidungsfrage, daher ohne Vorlage:Lang. Dass es sich hier um eine Frage handelt, geht auch aus dem Wort Vorlage:Lang („wo“) hervor. Das macht die Verwendung von Vorlage:Lang überflüssig – diese wäre aber nicht falsch und kann der Frage eine andere Nuance geben. Zum Beispiel:

Datei:Bulgarian language Fragesätze PD.ogg

Vorlage:Lang“ (Vorlage:Lang) – „Wo könntest Du denn nun sein?“
Vorlage:Lang“ (Vorlage:Lang) – „Wohin geht er?“
Vorlage:Lang“ (Vorlage:Lang) – „Wo könnte er denn nun hin wollen?“
Vorlage:Lang“ (Vorlage:Lang) – „Wo will auch dieser nun hin?“ (Betonung auf dieser: Verwunderung, dass auch dieser irgendwohin möchte, obwohl man z. B. gesagt hat, dass alle dableiben mögen)
Vorlage:Lang“ (Vorlage:Lang) – „Wo möchte dieser hin?“ (Betonung aufs Ziel)
Vorlage:Lang“ (Vorlage:Lang) – „Wann wohl auch ich von einem Blitz getroffen werde?“
Die Übersetzungen (rechts) sind zwar nicht genau, spiegeln aber die Nuancen in der Bedeutung wider, die durch das Verwenden von Vorlage:Lang entstehen.

Einige bulgarische Wörter und Phrasen

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Datei:Einige bulgarische Wörter und Phrasen PD.ogg

Zunächst einige kurze Aussprachehinweise zur folgenden Tabelle:

  • ə bezeichnet den bulgarischen „Murmelvokal“ (Ungerundeter halbgeschlossener Hinterzungenvokal) Vorlage:Lang, welcher ungefähr so auszusprechen ist wie beispielsweise das e in murmeln.
  • Die zu betonende Silbe ist mit einem Akzentzeichen hervorgehoben.
  • e wird immer so ausgesprochen wie ä, auch in unbetonter Stellung (sonst würde es mit Vorlage:Lang verwechselt!).
  • s wird immer stimmhaft ausgesprochen, so wie in summen.
  • ß wird immer stimmlos ausgesprochen, so wie in hassen.
  • sh ist ein stimmhaftes sch, also derselbe Laut wie das g in Garage.
  • ll ist ein dunkles l, ähnlich wie im englischen well.
Deutsch Bulgarisch Aussprache
Tag Vorlage:Lang den
Nacht Vorlage:Lang noscht
Kind Vorlage:Lang deté
Schule Vorlage:Lang utschílischte
Feuer Vorlage:Lang ógən
ich arbeite Vorlage:Lang as rabótja
Guten Tag. Vorlage:Lang Dóbər den.
Guten Morgen. Vorlage:Lang Dobró útro.
Hallo! Vorlage:Lang Sdrawéj!
Wie geht es Dir/Ihnen? Vorlage:Lang Kak ßi/ßte?
Mir geht es gut. Vorlage:Lang Dobré ßəm.
ja Vorlage:Lang da
nein Vorlage:Lang ne
vielleicht (kann sein) Vorlage:Lang moshe bi
danke Vorlage:Lang bllagodarjá
bitte Vorlage:Lang mólja
Was ist das? Vorlage:Lang Kakwó e towá?

Sprachbeispiel

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Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:

Vorlage:Lang
Datei:Universal Declaration of Human Rights - bul - eu - Art1.ogg
Tschlen parwi: Wsitschki chora se raschdat swobodni i rawni po dostojnstwo i prawa. Te sa nadareni s rasum i sawest i sledwa da se otnasjat pomeschdu si w duch na bratstwo.
Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Deutsche Wörter, die in die bulgarische Sprache übernommen wurden

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Die Konsonanten werden härter ausgesprochen, lange Vokale kurz (siehe Bohrmaschine) und die einzelnen Silben werden oft anders betont. Datei:Bulgarisch deutsche Fremdwoerter PD.ogg

Vergleich mit der russischen Sprache

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Das Bulgarische zeigt zum Russischen und zu den meisten anderen slawischen Sprachen zahlreiche sprachliche Unterschiede, die aus dessen Zugehörigkeit zum Balkansprachbund resultieren, wie beispielsweise den beinahe vollständigen Verlust der Kasus (Kasussynkretismus) oder die Existenz nachgestellter (postponierter) Artikel. Weiterhin gibt es im Bulgarischen sehr viel mehr Zeitformen als im Russischen.

Beim Alphabet ergeben sich einige kleine Unterschiede zum Russischen.

  • Der wichtigste Unterschied ist der, dass das Zeichen Vorlage:Lang kein Härtezeichen, sondern einen dem Bulgarischen eigenen Vokal darstellt. Daher gibt es sowohl kleines Vorlage:Lang als auch großes Vorlage:Lang, und Wörter können mit Vorlage:Lang anfangen (Vorlage:Lang „Winkel“ und davon abgeleitete Wörter). Sein Lautwert entspricht dem Vorlage:Lang im Rumänischen, also ungefähr einem stummen e im Deutschen, z. B. in murmeln, oder dem Lautwert des ersten Vokals des Wortes Ypsilon. Der Laut ist somit deutlich dunkler als das russische Vorlage:Lang. Umgekehrt kommt Vorlage:Cyrl in der bulgarischen Schrift nicht vor.
  • Vorlage:Lang wird Vorlage:Lang Vorlage:IPA-Text ausgesprochen.
  • Generell werden die nicht jotierten Vokale normalerweise klar ausgesprochen, also nicht jotiert oder diphthongiert wie im Russischen. Beispielsweise wird bulgarisch Vorlage:Lang wie russisch Vorlage:Cyrl ausgesprochen; das Zeichen Vorlage:Cyrl existiert im Bulgarischen nicht. Eine Palatalisierung von Konsonanten tritt im Vergleich zu den anderen slawischen Sprachen wesentlich seltener auf, nämlich nur vor Vorlage:Lang und Vorlage:Lang; regional manchmal auch vor Vorlage:Lang und Vorlage:Lang. Des Weiteren tritt die Palatalisierung nie am Wortende auf.

Die Rechtschreibung ist wesentlich einfacher:

Literatur

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Einzelnachweise

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<references />

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