Scientology

Aus Demo Wiki
Zur Navigation springenZur Suche springen
Datei:Scientology Symbol.png
Scientology-Symbol: Das „S“ steht für Scientology. Das untere Dreieck (ARC-Dreieck) symbolisiert gemäß Scientology Affinität, Realität und Kommunikation (engl. communication). Das obere (KRC-Dreieck) steht für Wissen (knowledge), Verantwortung (responsibility) und Kontrolle (control).
Datei:Scientology building east hollywood los angeles.jpg
Das internationale Hauptquartier der Scientology-Kirche in Los Angeles
Datei:Berlin Scientology Church.jpg
Deutschland-Zentrale von Scientology in Berlin

Scientology [[[:Vorlage:IPA]]] ist eine neue religiöse Bewegung, deren Dogmen auf Schriften des amerikanischen Schriftstellers L. Ron Hubbard zurückgehen. Ihre Ideologie und Praxis sind von szientistischen und psychotherapeutisch anmutenden Komponenten geprägt, die später um transzendente Aspekte erweitert wurden.

In der Öffentlichkeit sind sowohl der Religionscharakter als auch die Methoden der Organisation überaus umstritten.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Dies gilt in besonderem Maße für Deutschland und Frankreich.<ref name="Lewis284-289">Vorlage:Literatur</ref> In Deutschland wird die Scientology-Kirche seit 1997 in mehreren Bundesländern aufgrund eines Beschlusses der Innenministerkonferenz durch den Verfassungsschutz beobachtet.<ref name="Lewis284-289" /> So heißt es im Bericht 2016: „Die SO (Scientology Organisation) strebt eine Gesellschaft ohne allgemeine und gleiche Wahlen an und lehnt das demokratische Rechtssystem ab.“<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

In einigen anderen Ländern, wie den Vereinigten Staaten, genießt die Church of Scientology nach jahrelangem Rechtsstreit den Status einer steuerbefreiten Religionsgemeinschaft.<ref name="Lewis284-289" /><ref name="Lewis17">Vorlage:Literatur</ref>

Etymologie

[Bearbeiten]

Der Begriff Scientology ist aus dem Partizip Präsens Aktiv des lateinischen Verbs scire („wissen“) bzw. dessen nominalisierter Form scientia („Wissen“, „Wissenschaft“) und dem griechischen λόγος (Logos, u. a. „Wort“, „Rede“ oder „Logik“) zusammengesetzt und wird von der Scientology-Kirche mit Wissen über das Wissen übersetzt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Das Oxford English Dictionary führt den ersten Gebrauch des Begriffs auf den Schriftsteller Anastasius Nordenholz zurück, dessen Buch Scientologie – Wissenschaft von der Beschaffenheit und der Tauglichkeit des Wissens 1934 erschien.<ref>Oxford English Dictionary, Second Edition 1989, Artikel „Scientology“.</ref> Tatsächlich ist der Begriff in der englischen Schreibweise Scientology schon früher nachweisbar.<ref>So etwa bei Vorlage:Literatur</ref>

Geschichte

[Bearbeiten]

1950 beschrieb L. Ron Hubbard in Dianetics (deutsch: „Dianetik“) ein System von Psychotechniken, das er in den folgenden Jahren in ein „Scientology“ genanntes Gedankensystem einbettete.<ref name="Beckford_85_51f">Vorlage:Literatur</ref> In den Jahren von 1950 bis 1954 existierten eine Reihe unterschiedlicher Gruppen, teils als kurzlebige formale Organisationen, die versuchten, Hubbards Dogmen umzusetzen.<ref name="willms_05_74">Vorlage:Literatur</ref> 1953 ließ Hubbard die Church of Scientology als Markenzeichen eintragen und gründete im Februar 1954 mit der Church of Scientology of California die erste Zweigstelle.<ref name="willms_05_74" /> In der folgenden Zeit erweiterte er das scientologische Gedankensystem um kosmologische und metaphysische Elemente, systematisierte die Ideologie und gestaltete die Organisation hierarchischer.<ref>Vorlage:Literatur</ref> In den Jahren bis 1967 konnte seine Church of Scientology quasi einen Alleinvertretungsanspruch für Scientology erlangen, expandierte in den USA und dehnte sich auch ins Vereinigte Königreich, nach Australien, Neuseeland, Südafrika sowie in das damalige Rhodesien aus.<ref name="willms_05_75">Vorlage:Literatur</ref> Ende der 1960er Jahre hatte Scientology den vorläufigen Höhepunkt ihres Erfolges erreicht.<ref name="willms_05_76">Vorlage:Literatur</ref>

Im folgenden Jahrzehnt expandierte Scientology weniger stetig; in Kopenhagen wurde eine Filiale für Kontinentaleuropa eingerichtet, und Scientology versuchte, in Skandinavien, Deutschland und den Benelux-Staaten Fuß zu fassen.<ref name="willms_05_77">Vorlage:Literatur</ref> Während die Zahl der Niederlassungen wuchs – in den USA und in Großbritannien wurden allein zwischen 1971 und 1977 einhundert Missionen gegründet, in Kontinentaleuropa weitere dreißig<ref>Vorlage:Literatur</ref> – entfernte sich Hubbards 1967 gegründete Sea Organization (kurz: Sea Org), die von da an faktische Machtzentrale, welche zunächst bis 1975 auf einem Schiff im Pazifik untergebracht war, immer stärker von der Basis der anderen Scientology-Organisationen.<ref name="willms_05_79">Vorlage:Literatur</ref> Gleichzeitig wurde Hubbards Führungsstil zunehmend autokratischer.<ref name="willms_05_79" /> Nachdem einige führende Mitglieder der Church of Scientology Hubbards Organisation und Führungsstil als zu autoritär betrachteten, gründeten diese in den Jahren ab 1982 eigenständige Gruppen, insbesondere die Freie Zone.<ref name="chagnon_87_504">Vorlage:Literatur</ref> So kam es von 1982 bis 1984 zu vermehrten Austritten aus Hubbards Organisation.<ref name="willms_05_80">Vorlage:Literatur</ref>

Nach Hubbards Tod 1986 stabilisierte sich die Organisation unter Führung des von David Miscavige gegründeten und geleiteten Religious Technology Centers.<ref name="willms_05_81">Vorlage:Literatur</ref> Unter Miscavige hat sich Scientology vor allem einer Produktdifferenzierung gewidmet und eine Reihe neuer Unterorganisationen gebildet.<ref name="willms_05_81" /> Auch in geographischer Hinsicht hat Scientology versucht, weiter zu expandieren. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs eröffnete sich religiösen Bewegungen ein neues Missionierungsgebiet. Scientology versuchte in den postkommunistischen Staaten Fuß zu fassen und hatte dabei gemischten Erfolg.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Zum Beispiel gelang es in Russland zwar, eine „größere Anhängerschaft“ zu bilden; jedoch geht der russische Staat sehr repressiv gegen Scientology-Organisationen vor.<ref>Vorlage:Literatur</ref> In Ostdeutschland hatte Scientology unerwartet geringen Erfolg.<ref>Vorlage:Literatur https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0967067X02000144</ref>

Anhängerschaft

[Bearbeiten]
Datei:Scientology Center on Hollywood Blvd. (2746273728).jpg
Scientology-Gebäude in Los Angeles

Anders als die meisten Neuen religiösen Bewegungen ist Scientology nicht aus der Gegenkultur der 1960er Jahre entstanden; dementsprechend unterscheidet sich ihre Mitgliederstruktur wesentlich von der anderer Bewegungen.<ref name="Beckford_85_59">James A. Beckford: Cult Controversies: The Societal Response to New Religious Movements. Tavistock, London/England 1985, S. 59.</ref> So werden bei Scientology insbesondere verheiratete Angestellte mit überdurchschnittlichem Bildungsniveau rekrutiert; das Verhältnis von Männern zu Frauen beträgt in etwa drei zu zwei.<ref name="Beckford_85_59" />

Die Zahl der Anhänger der Scientology ist nicht eindeutig feststellbar, weil unklar ist, wer zu den Mitgliedern der Organisationen gezählt werden kann und wer nur zu den Anhängern der Ideen der Scientology gehört.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Scientology sprach 2005 von über 10 Millionen Anhängern.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Diese Zahl umfasst auch Personen, die lediglich an einem Einführungskurs teilnahmen.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Seriöse empirische Annahmen gingen, ebenfalls 2005, von kaum mehr als 100.000 Anhängern aus.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Die mit Abstand meisten Scientologen leben in den USA. Dort wurden schon Mitte der 1960er Jahre 50.000 bis 100.000 Anhänger vermutet.<ref>Vorlage:Literatur</ref> 1990 ergab eine repräsentative Umfrage unter US-Amerikanern nur noch 45.000 Scientologen.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Schätzungen von 2004 stellten eine Konsolidierung auf 55.000 US-amerikanische Anhänger (etwa 0,018 % der Gesamtbevölkerung) fest.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Die US-Volkszählungsbehörde nahm 2012 sogar nur noch ca. 25.000 aktive Scientologen in den USA an und berief sich dabei auf eine 2008 erschienene Studie des Trinity College, Hartford.<ref>Vorlage:Literatur(NB: Excel-Tabelle; 47 kB)</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>

In Deutschland, wo die Scientology-Kirche 2004 die Zahl ihrer Anhänger mit 12.000 bezifferte,<ref>Vorlage:Literatur</ref> soll es laut Quellen des bayerischen Verfassungsschutzes 3.500 Scientologen geben (Stand 2019),<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> wobei der engere Kreis noch deutlich kleiner geschätzt wird.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

In Basel entstand 2015 nach Berlin und Hamburg das dritte „Musterzentrum“ (Ideal Org) im deutschsprachigen Raum. Die lokale Bevölkerung stellt sich auf „langfristigen Widerstand ein“, so hieß es im Tages-Anzeiger.<ref>Ein Luxustempel soll die Scientology-Krise kaschieren. Tages-Anzeiger vom 17. April 2015</ref> Die Zahl der Schweizer Mitglieder wird mit 5.000 angegeben, welche von 300 „hauptamtlichen Mitgliedern“ betreut werden.<ref>So viele Scientologen leben unter uns. Tages-Anzeiger vom 17. April 2015.</ref>

In Ungarn gab es 1993 etwa 5.000 Scientologen; das sind rund ein halbes Promille der Gesamtbevölkerung.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Die geographische Hochburg der Bewegung bleiben die Vereinigten Staaten, insbesondere die Westküste. Daneben vermutete der Soziologe William S. Bainbridge anhand von Websites von Scientologen 2004 weitere Schwerpunkte in Italien, dem Vereinigten Königreich, Australien, Deutschland, Russland, Frankreich und Mexiko.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Lehre und Praktiken

[Bearbeiten]

Herzstück der scientologischen Lehre ist die Vorstellung, dass das unsterbliche Wesen jedes Menschen, der Thetan, durch traumatische Erlebnisse und insbesondere durch zwei Ereignisse vor Millionen Jahren massiv in seiner Funktionsweise beeinträchtigt worden sei. Scientology-Technologien, vor allem das Auditing, könnten die Funktionen des Thetan zumindest teilweise wiederherstellen. Erklärtes Ziel der Scientology ist es, auf diese Weise das Leben des Einzelnen zu verbessern,<ref>Vorlage:Literatur</ref> sein geistiges und körperliches Wohlbefinden zu steigern, und mehr Geld zu verdienen. Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Hinwendung aller Menschen zu den Gedanken der Scientology das Hauptziel, daneben wird vornehmlich die Abschaffung der Psychiatrie gefordert.

Scientologys Weltbild

[Bearbeiten]

Einen wichtigen Ausgangspunkt des scientologischen Wirklichkeitsmodells bildet das physikalische Universum, welches laut Scientology aus Matter, Energy, Space und Time (MEST; deutsch: Materie, Energie, Raum und Zeit) besteht.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Parallel zu diesem Modell setzt sich der Mensch laut Scientology aus drei Teilen, dem Thetan, dem Verstand und dem sterblichen Körper zusammen.

Der Thetan

[Bearbeiten]

Der in Anlehnung an den griechischen Buchstaben Theta (Θ) benannte Thetan ist nach scientologischer Vorstellung das unsterbliche Wesen eines Menschen, also dessen Seele oder Geist.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Der Thetan habe zunächst eine Reihe von Fähigkeiten besessen, diese jedoch im Laufe der Geschichte durch traumatische Erlebnisse verloren. Thetane würden, ähnlich wie im Weltbild des Hinduismus, über mehrere Millionen Jahre in verschiedenen physischen Formen reinkarnieren.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Das Universum ist nach scientologischer Vorstellung eine Schöpfung des Thetans; es habe keine unabhängige Existenz, sondern gewinne seine Realität nur dadurch, dass die meisten Thetane ihm diese Existenz zusprechen.<ref name="Chryssides283">Vorlage:Literatur</ref> Das MEST-Universum (Matter, Energy, Space, Time) sei also nur eine Illusion, in welcher der sich nun als sterblicher Körper wahrnehmende Thetan, der seine ursprüngliche Natur vergessen hat, gefangen sei.<ref name="Chryssides283" /><ref name="deChant226-227" />

Ein zentrales Problem der irdischen Thetane wird hierbei durch den Xenu-Mythos erklärt, der von einem das „Böse“ verkörpernden intergalaktischen Herrscher handelt, der Thetane von weit entfernten Planeten auf die Erde verschleppt habe und dort durch gewaltsame Verfahren so schwer traumatisiert habe, dass sie nun als körperlose Cluster (Körper-Thetanen genannt) anderen Menschen anhängen und sie in ihren Möglichkeiten beeinträchtigen würden.<ref name="Xenu">Vorlage:Literatur</ref> Für die meisten Scientologen spielt dieser Mythos, der erst spät in der Scientology-Schulung eingeführt wird und eher sinnbildliche Bedeutung haben mag, jedoch kaum eine Rolle; allerdings messen einige Vertreter der Freien Zone ihm mehr Bedeutung zu, und er ist zentral im Diskurs vieler Scientology-Kritiker.<ref name="willms_05_109">Vorlage:Literatur</ref><ref name="Rothstein382">Rothstein, S. 382–383</ref>

Der Verstand

[Bearbeiten]

Der Verstand vermittelt nach scientologischer Lehre zwischen Thetan und Körper, er setze sich aus einem „analytischen“ und einem „reaktiven“ Teil zusammen.<ref name="dobbel_00_189">Dobbelaere, S. 189.</ref> Der analytische Verstand löse bewusst Probleme und speichere Erfahrungen für spätere Problemlösungen als mentale Bilder.<ref name="dobbel_00_189" /> Demgegenüber speichere der reaktive Teil unabhängig davon körperliche oder emotionale Schmerzen als sogenannte Engramme in einem separaten Speicher.<ref name="dobbel_00_189" /> Engramme würden den Thetan noch weiter in seinen schöpferischen Fähigkeiten einschränken; je mehr Engramme sich ansammelten, desto weiter sei der Mensch von seiner wahren Natur entfernt.<ref name="deChant226-227">Vorlage:Literatur</ref> Dieses Schicksal zu vermeiden, ist das Ziel des Scientologen.<ref name="deChant226-227" /> Die Methoden der Dianetik sollen diese Engramme auflösen, den Scientologen von ihrem hemmenden Einfluss befreien und ihm die Gewissheit zurückgeben, dass er ein Thetan, ein spirituelles Wesen, sei.<ref name="Melton31-34" />

Überlebenswille und Ethik

[Bearbeiten]
Datei:Scientology-Kreuz.svg
Das Scientology-Kreuz: Die acht Enden des Kreuzes stehen für die „acht Dynamiken“.

Ein weiteres zentrales Konzept im Rahmen des scientologischen Weltbilds ist der Überlebenswille.<ref name="Cowan" /> Dieser finde seinen Ausdruck auf acht Ebenen, die als „die acht Dynamiken“ bezeichnet werden.<ref name="Cowan">Vorlage:Literatur</ref> Die erste Dynamik entspricht dem Überlebenswillen der Einzelperson,<ref name="Cowan" /> die zweite Dynamik der Ebene der Familie und der sexuellen Fortpflanzung.<ref name="Cowan" /> Auf der dritten und vierten Ebene geht es um soziale Gruppen bzw. die Menschheit als Ganzes, auf der fünften um alle Formen des Lebens, und auf der sechsten um das physikalische Universum. Die siebte Dynamik ist der Geist oder die Spiritualität, die achte die Unendlichkeit, Alleinheit oder Gott.<ref name="Melton31-34">Vorlage:Literatur</ref><ref name="Cowan" /> Der scientologische Ethik-Begriff, der sich an diesen acht Dynamiken orientiert, betont, dass Rationalität gegenüber Moralität: „gut“ sei, was das Überleben auf der größtmöglichen Anzahl dieser Ebenen fördere und auf der geringstmöglichen Anzahl der Ebenen beeinträchtige.<ref name="Melton31-34" /><ref name="VeryAmerican">Vorlage:Literatur</ref> Das achtzackige Scientology-Kreuz symbolisiert die acht Dynamiken.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

„Unterdrückerische Personen“

[Bearbeiten]

Das scientologische Weltbild geht davon aus, dass der Mensch grundsätzlich gut ist. Gleichwohl postulierte Hubbard, dass es abgesehen von sozialen Persönlichkeiten, die sich dem Wohl der Allgemeinheit verpflichten, auch unterdrückerische Personen (suppressive persons) gebe.<ref name="Zellner">Vorlage:Literatur</ref> Unterdrückerische Personen hätten einen schädlichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung, und Umgang mit ihnen schade der spirituellen Entwicklung des Einzelnen.<ref name="Zellner" />

Kritiker von Scientology – insbesondere Ex-Scientologen, die sich öffentlich gegen Scientology wenden – werden zu „unterdrückerischen Personen“ erklärt, und Scientologen brechen in der Regel alle freundschaftlichen Kontakte mit ihnen ab.<ref name="Zellner" /><ref name="Miller388">Vorlage:Literatur</ref> Personen, die Kontakt mit „unterdrückerischen Personen“ pflegen, werden Scientology-intern als potentielle Schwierigkeitsquellen (potential trouble sources) bezeichnet.<ref name="Miller388" />

Scientology-Praktiken

[Bearbeiten]

Scientologen streben das Wiedererlangen der ursprünglichen Fähigkeiten eines Thetans an. Zu Beginn ihres Lebens sei jede Person ein Pre-Clear und könne mittels körperlicher und geistiger Reinigungs- und Bearbeitungsprozesse letztlich den Clear-Status erreichen.<ref name="Cowan" /> In diesem anzustrebenden Zustand, der durch das Durchlaufen eines detailliert beschriebenen Programms zu erzielen sei, wäre die Person von ihrem „reaktiven Verstand“ befreit, der sie zuvor dazu gezwungen habe, auf der Grundlage traumatischer Erfahrungen zu handeln.<ref name="Cowan" /> Der befreite Verstand könne nun alle auftretenden Probleme mit inneren Zuständen, anderen Menschen oder Gegenständen in den Griff bekommen.<ref name="Cowan" />

Nachdem ein Mitglied den Zustand Clear erreicht habe, führe der Weg zur völligen Befreiung über derzeit acht Operating-Thetan-Stufen (kurz: OT-Stufen) hin zum Ziel des frei operierenden Thetans; dieser sei nicht mehr an Materie, Energie, Raum und Zeit gebunden.<ref name="Cowan" />

Während sich die Clear-Stufen mit der Aufarbeitung traumatischer Ereignisse im Diesseits befassen, betreffen die OT-Stufen darüber hinaus auch transzendente Bereiche. Unter anderem wird dabei versucht, sich mit den Körper-Thetanen auseinanderzusetzen und ihren störenden Einfluss zu entfernen.<ref name="chr_387">Vorlage:Literatur</ref> Das Gesamtprogramm der zu absolvierenden Kurse und Stufen wird innerhalb von Scientology als „Brücke zur völligen Freiheit“ bezeichnet.<ref name="Cowan" />

Auditing

[Bearbeiten]
Datei:Scientology e meter blue.jpg
Ein „E-Meter“

Das Auditing ist dabei eine zentrale Technik zur Erreichung von Clear.<ref name="locke">Vorlage:Literatur</ref><ref name="dick">Vorlage:Literatur</ref> Gemeint ist eine besondere Form des Gesprächs zwischen dem Auditor und dem Pre-Clear, der „auditiert“ wird. Ziel des Gespräches ist es, die negativen Auswirkungen des „reaktiven Verstands“ zu verringern.

Als wichtigstes technisches Hilfsmittel beim Auditing findet das E-Meter Anwendung.<ref name="Urban_06_365f">Vorlage:Literatur</ref> Dieses Gerät verfügt über zwei zylindrische Elektroden, die der Auditierte beim Auditing in seinen Händen hält, und über einen Zeiger, der Veränderungen des elektrischen Widerstands zwischen den Elektroden anzeigt.<ref name="Urban_06_365f" />

Das Ziel ist, zurückliegende „Geschehnisse“ (z. B. mit emotionalem und körperlichem Schmerz verbundene Erlebnisse) „aufzufinden“, welche den meisten psychischen Schwierigkeiten zugrunde liegen sollen.<ref name="Melton27-29">Vorlage:Literatur</ref> Diese Geschehnisse sollen so lange erzählend „wiedererlebt“ werden, bis ihre „Ladung“ (emotionale Spannung) verschwindet.<ref name="Melton27-29" /> Der Auditor unterstützt diesen Prozess, indem er Anweisungen gibt, Fragen stellt und die Anzeigen des E-Meters beobachtet, um solche Engramme aufzuspüren.<ref name="Melton27-29" /> Das utopische Ziel von Scientology ist ein erleuchtetes Zeitalter, in dem jeder Mensch Clear, also von seinen Engrammen befreit sei („clear the planet“).<ref name="Palmer316">Vorlage:Literatur</ref>

Weitere Techniken

[Bearbeiten]
Datei:Scientology Recruiter.jpg
Scientology-Stand in einer Fußgängerzone

Neben dem Auditing sollen Scientologen Scientologys ethisch-moralische Ideologie verinnerlichen, die sich an den Ethikstandards der großen Weltreligionen orientieren.<ref name="VeryAmerican" />

Pre-Clears, aber auch Teilnehmern des Scientology-Antidrogenprogramms Narconon wird außerdem ein Purification Rundown empfohlen, bei dem Leibesertüchtigungen, Vitaminpräparate und häufige Sauna-Gänge den Körper entgiften sollen.<ref name="chr_386">Vorlage:Literatur</ref>

Eine sogenannte Oxford-Persönlichkeits-Analyse (Vorlage:EnS) wird als ein standardisierter vorgeblicher Persönlichkeitstest angewendet.<ref name="BH_03">Vorlage:Literatur</ref> Der Test hat keine Verbindung zur Universität in Oxford, es besteht jedoch der Verdacht, dass der Name bewusst gewählt wurde, um eine solche Verbindung zu suggerieren.<ref>Alice Godfrey: Been there, done that: Scientology. ‘When Andrew’s personality changed I was alert to it.’ In: The Times, 13. Februar 2001. Auf CultEducation.com (englisch), abgerufen am 7. Januar 2019.</ref><ref>Mark Sommer: Scientology Tests’ Purpose and Validity Are Questioned. In: The Buffalo News, 2. Februar 2005. Auf cs.cmu.edu (englisch), abgerufen am 7. Januar 2019.</ref>

Bei einer Betroffenenbefragung wurden als weitere Psycho- und Sozialtechniken die geführte Imagination sowie die Induktion von Trancezuständen genannt.<ref>Heinrich Küfner, Norbert Nedopil, Heinz Schöch: Expertise: Auswirkungen und Risiken unkonventioneller Psycho- und Sozialtechniken. IFT, Institut für Therapieforschung, München, S. 19.</ref>

Die Rolle L. Ron Hubbards

[Bearbeiten]

Schon zu Lebzeiten ist der Scientology-Gründer quasi zu einer mythischen Figur aufgestiegen. Er sei der jüngste Elite-Pfadfinder der Vereinigten Staaten, Leiter und Organisator vieler Forschungsexpeditionen gewesen, habe als einer der besten Segelflieger des Landes gegolten, sei ein tollkühner Kunstflieger und Erforscher der Luftfahrtgeschichte gewesen. Daneben habe er Universitätszeitschriften herausgegeben, habe Literaturpreise erhalten und sei anerkannter Fotograf und bedeutender Drehbuchautor in Hollywood<ref>Vorlage:Literatur</ref> gewesen. Heute verfügt Scientology über ein Büro für Hubbard in jeder seiner Kirchen und Organisationen, welches dauerhaft leersteht.<ref>J. Gordon Melton: The Church of Scientology. Signature Books, Salt Lake City 2000, S. 23.</ref>

Parallelen zu anderen Weltanschauungen

[Bearbeiten]

Obwohl Scientology nicht direkt aus einer anderen Weltanschauung hervorgegangen ist, sondern eine der wenigen Neukreationen im religiösen Bereich ist,<ref name="chr_385">George D. Chryssides: The Church of Scientology. S. 385–387 in: J. Gordon Melton & Christopher Partridge (Hrsg.): New Religions – A Guide: New Religious Movements, Sects, and Alternative Spiritualities. Oxford University Press, New York 2004, ISBN 0-19-522042-0, S. 385.</ref> lassen sich doch einige der Quellen, aus denen Hubbard geschöpft hat, nachvollziehen. Was Einflüsse aus der westlichen Philosophie betrifft, so finden sich deutliche Parallelen zu dem Werk von Will Durant, dem Hubbard das Buch Dianetics widmete, sowie zur Psychologie Sigmund Freuds, die in den 1930er und 1940er Jahren eine breite populärwissenschaftliche Rezeption erfuhr.<ref name="willms_05_54-60">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz, transcript, Bielefeld 2005, S. 54–60.</ref> Das Werk Alfred Korzybskis hat deutliche Spuren in Hubbards Gedankengut hinterlassen; Hubbard war mit A. E. van Vogt befreundet, dessen Science-Fiction-Romane viel zur Popularisierung von Korzybskis „Allgemeiner Semantik“ beitrugen, und Korzybskis „Anthropometer“ mag bei Hubbards Gestaltung des E-Meters Pate gestanden haben.<ref name="willms_05_54-60" />

Allgemein sind szientistische Gedankenlinien zu erwähnen, die von Beobachtern mit ansonsten sehr unterschiedlichen Meinungen zu Scientology festgestellt worden sind.<ref>Kathleen E. Jenkins: Genetics and Faith: Religious Enchantment Through Creative Engagement With Molecular Biology. In: Social Forces 85(4) (2007), S. 1693–1712, S. 1708.
Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript verlag, Bielefeld 2005, S. 25–40, S. 190f.
Andreas Grünschloss: Scientology. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. 5. Auflage. Mohr Siebeck, Tübingen 2007.
William S. Bainbridge: Religion and Science. In: Futures 36 (2004), S. 1009–1023, S. 1015.
James A. Beckford: Cult Controversies: The Societal Response to New Religious Movements. Tavistock, London/England 1985, S. 58.
Bryan R. Wilson: Religiöse Sekten. München 1970, S. 166–169.
William S. Bainbridge: Science and Religion: The Case of Scientology. In: David G. Bromley, Philip E. Hammond: The Future of New Religious Movements. University of Georgia Press, Macon, GA 1987, S. 59–79.
Frank K. Flinn: Scientology as Technological Buddhism. In: Joseph H. Fichter (Hrsg.): Alternatives to American Mainline Churches, New York 1987, S. 89–110.
Simon Locke: Charisma and the Iron Cage: Rationalization, Science and Scientology. In: Social Compass (2004) 51(1), S. 111–131 (Vorlage:Webarchiv).
Paul Rhoads: 38’s Crucible. In: Cosmopolis 59, S. 4–18, S. 10 (Online-Ausgabe (PDF); 362 kB).</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref> So erhebt Scientology den Anspruch, eine empirische Wissenschaft zu sein<ref>Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript verlag, Bielefeld 2005, S. 25–40, S. 183f.</ref> und will mit immanenten „Technologien“ die Funktionsfähigkeit der Thetane erneuern.<ref>Simon Locke: Charisma and the Iron Cage: Rationalization, Science and Scientology. In: Social Compass 51(1) (2004), S. 111–131, S. 115f. (Vorlage:Webarchiv).</ref> Eine Reihe von Autoren weist auch auf Anleihen aus den Werten der „US-amerikanischen“ Kultur hin, insbesondere den Glauben an Individualismus, Demokratie und Freiheit.<ref>Dell deChant, Danny L. Jorgensen: The Church of Scientology: A Very New American Religion. In: Jacob Neusner (Hrsg.): World Religions in America. 3. Auflage. John Knox Press, Westminster 2003, S. 220–237, S. 226.</ref> Das scientologische „Glaubensbekenntnis“ ist demnach lediglich eine Neuformulierung der UN-Menschenrechtskonvention, deren Wurzeln in der (westlichen) Aufklärung zu finden sind.<ref name="willms_05_114f">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 114f.</ref> Demgemäß wird Scientology im Zuge des Antiamerikanismus in vielen Staaten auch als kulturimperialistische Bewegung aufgefasst.<ref>R. Laurence Moore: Reinventing American Religion: Yet Again. In: American Literary History 12 (1/2), S. 318–326, S. 318. Vorlage:JSTOR.
Thomas Robbins: Combating “Cults” and “Brainwashing” in the United States and Western Europe: A Comment on Richardson and Introvigne’s Report. In: Journal for the Scientific Study of Religion (2001) 40 (2), S. 169–175, S. 173. Vorlage:JSTOR.</ref>

Anleihen aus den Weltreligionen sind dagegen meist nur indirekt festzustellen.<ref name="willms_05_114f" /> Hubbard selbst behauptete zwar, Anleihen aus östlichen Religionen übernommen zu haben. So knüpfe er an vedische Religionen an; es stellte sich jedoch schnell heraus, dass er von diesen nur sehr oberflächliches Wissen besaß.<ref>Stephen A. Kent: Scientology’s Relationship with Eastern Religious Traditions. In: Journal of Contemporary Religion 11 (1) (1996), S. 21–36.</ref> Trotzdem ziehen einige Forscher Parallelen zum Buddhismus,<ref>Frank K. Flinn: Scientology as Technological Buddhism. In: Joseph H. Fichter (Hrsg.): Alternatives to American Mainline Churches. New York 1987, S. 89–110.</ref> Jainismus,<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Hinduismus,<ref name="wallis_76_110ff">Roy Wallis: The Road to Total Freedom: A Sociological Analysis of Scientology. Heinemann, London 1976, S. 110 ff.</ref> Taoismus<ref name="wallis_76_110ff" /> und Gnostizismus.<ref>Karen Christensen, David Levinson: Encyclopedia of Community. SAGE, 2003, S. 1210: “Scientology shows affinities with Buddhism and a remarkable similarity to first-century Gnosticism.”</ref><ref>John A. Saliba: Signs of the Times, Médiaspaul, 1996, S. 51.</ref>

Organisationen

[Bearbeiten]
Datei:Superpowerbldg.jpg
Zentrale der Church of Scientology International in Clearwater, Florida

Scientologys organisatorischer Unterbau wird von Scientology-Organisationen, die mit der Church of Scientology verbunden sind, dominiert; daneben gibt es einige kleinere Gruppen, insbesondere die Freie Zone, die sich von jenem Organisationskonglomerat abgespalten haben.

Scientology-Organisationen

[Bearbeiten]

Das Organisationscluster um die Church of Scientology verfügt über eine komplexe hierarchische Organisationsstruktur,<ref>Hugh B. Urban: Fair Game: Secrecy, Security, and the Church of Scientology in Cold War America. In: Journal of the American Academy of Religion 74 (2) (2006), S. 356–389, S. 368 (jstor.org).</ref> an deren Spitze das Religious Technology Center praktisch die höchste Autorität innerhalb des Organisationengeflechts ausübt, aber formal keinen Führungsanspruch geltend machen kann.<ref name="willms_05_82">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 82.</ref> Unterhalb des Religious Technology Centers existieren drei Hauptorganisationssäulen, die Church of Scientology International mit ihren weltweiten Niederlassungen, das ABLE-Netzwerk, welches eine Reihe themenspezifischer Organisationen umfasst, und das World Institute of Scientology Enterprises (WISE), ein Dachverband für Firmen und Einzelpersonen, die Verwaltungs- und Managementmethoden der Scientology anwenden.<ref name="Willms86" /> Daneben existieren eine Reihe kleiner Organisationen.

Datei:Freewinds starboard.jpg
Scientology-Schiff Freewinds

Die Church of Scientology International organisiert, verbreitet und vermarktet die scientologyspezifischen Produkte und Techniken; insbesondere das Auditing. Sie unterhält in vielen Ländern sogenannte Missionen und Kirchen, in denen Scientology-Trainingskurse abgehalten werden, wobei „Kirchen“ über ein breiteres Dienstleistungsangebot verfügen; für prominente Scientologen gibt es außerdem acht „Celebrity Centers“, die luxuriöser als die normalen Niederlassungen ausgestattet sind.<ref name="willms_05_83">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 83.</ref> Die höchsten Trainingstufen werden in weltweit fünf „Advanced Organizations“ angeboten.<ref name="willms_05_83" /> Zwei der „Advanced Organizations“ befinden sich in Los Angeles, die übrigen in East Grinstead, Kopenhagen und Sydney.<ref name="willms_05_83" /> In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden Anfang der 1970er Jahre die ersten Dependancen errichtet. Die Organisation in Deutschland verfügt über vierundzwanzig (zehn Kirchen, vierzehn Missionen), in der Schweiz über fünf und in Österreich über zwei Standorte.

Datei:Newerapubl.jpg
New-Era-Publications-Gebäude in Kopenhagen

Das neben der Church of Scientology aufgebaute ABLE-Netzwerk ist ein Dachverband verschiedener themenspezifischer Gruppen, die sich insbesondere der Öffentlichkeitsarbeit widmen.<ref name="willms_05_84ff">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 84ff.</ref> Die älteste der ABLE-Gruppen ist das 1966 gegründete Narconon,<ref name="willms_05_84">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 84.</ref> ein neunstufiges, aus medizinischer Sicht unhaltbares Drogenrehabilitationsprogramm, das unter anderem auf ein Maßnahmenbündel aus Sauna, Leibesübungen und Lebensmittelzusätzen, insbesondere Vitaminen,<ref name="willms_05_85" /> zurückgreift, um den Körper von Drogenresten zu reinigen.<ref name="neill">Ushma S. Neill: Tom Cruise is Dangerous and Irresponsible. In: Journal of Clinical Investigation 115(8) (2005), S. 1964–1965. Vorlage:PMC</ref> Aus diesem Programm hervorgegangen ist das Straftäterrehabilitationsprogramm Criminon. Dieses von Scientology-Freiwilligen betriebene Programm verwendet ein ähnliches Regiment wie Narconon.<ref name="dobbel_00_190">Karel Dobbelaere: The Rationale of Pillarization: The Case of Minority Movements. In: Journal of Contemporary Religion 15 (2) (2000), S. 181–198, S. 190.</ref> Im deutschsprachigen Raum ist der Verein „Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben“ aktiv.<ref>Verfassungsschutz: Warnung vor Scientology-Drogenberatung, veröffentlicht 26.08.2023</ref><ref>Warnung vor „Foundation for a drug-free World“, veröffentlicht 03.05.2016</ref><ref>Vermeintliche Drogenprävention als Trojanisches Pferd: Bundesweite Kampagne der Scientology-Organisation im Rahmen der Fußball-EM 2024</ref><ref>Verfassungsschutz warnt vor Scientology-„Tarnorganisation“, veröffentlicht 12.07.2024</ref><ref name="Baumann247">Martin Baumann (Hrsg.): Eine Schweiz – viele Religionen: Risiken und Chancen des Zusammenlebens. transcript, Bielefeld 2007, S. 247.</ref> Applied Scholastics bietet ein Programm zum „Lernen, wie man lernt“, an.<ref name="willms_05_85">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 85–86.</ref> Im Mittelpunkt dieses Programms stehen einfachste Grammatik- und Wortdefinitionsübungen, die darauf abzielen, die „richtige“ Definition von Wörtern zu erkennen, um so „richtige“ Kommunikation zu ermöglichen; es wird insbesondere in den Vereinigten Staaten in einigen Privatschulen eingesetzt und auch Grundschulen in Dritte-Welt-Ländern angeboten.<ref name="willms_05_85" /><ref name="Melton47">Vorlage:Literatur</ref> Im deutschsprachigen Raum besteht die Lernhilfe-Organisation ZIEL.<ref name="Baumann247" /> Die Stiftung The Way to Happiness („Der Weg zum Glücklichsein“) vertreibt eine Broschüre, die einen generischen Moralcode vertritt, der aus Sicht der Scientology „nicht religiös“ ist; dieser wird auch im Narconon-Programm verwendet, um Strafgefangene auf den „moralisch richtigen“ Weg zu bringen.<ref name="willms_05_85" />

Die dritte organisatorische Stütze ist WISE, ein Dachverband von Privatunternehmen, Einrichtungen und Einzelpersonen, die als Kunden und Lizenznehmer von Scientology die scientologische Verwaltungs- und Managementtechnologie bei ihrer Geschäftstätigkeit anwenden.<ref name="Willms86" /> WISE fördert wirtschaftliche Vernetzung und bietet seinen Mitgliedern die Möglichkeit, Streitigkeiten unter Anwendung der scientologischen „Ethik“-Standards zu lösen.<ref name="Willms86">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 86.</ref>

Datei:CCHR.jpg
Zentrale der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte auf dem Sunset Boulevard in Hollywood

Neben den drei organisatorischen Hauptsäulen existiert eine Anzahl anderer Organisationen, von denen hier nur die wichtigsten aufgezählt werden. Die Rehabilitation Project Force betreibt drei oder vier „Besserungscamps“ für hochrangige Scientologen (Mitglieder der Sea Org), die aus Sicht der Church of Scientology ethische Verfehlungen begangen haben.<ref name="willms_05_89f">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 89f.</ref> Sie ist vor allem durch die vehemente Außenkritik bekannt.<ref name="willms_05_89">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 89.</ref> Ebenfalls im Brennpunkt der Kritik ist die Anti-Psychiatriegruppe Citizens Commission on Human Rights. Diese im deutschsprachigen Raum unter dem Namen Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte firmierende Gruppe betreibt Lobbyarbeit gegen die Psychiatrieberufe in der Form von Petitionen und Demonstrationen; sie versucht außerdem, mit Menschenrechtsgruppen zusammenzuarbeiten.<ref name="willms_05_88f">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 88f.</ref> Das Office of Special Affairs (OSA) ist offiziell für die Rechtsangelegenheiten Scientologys zuständig.<ref name="willms_05_87">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 87.</ref> Allerdings wird ihm von journalistischer Seite<ref>Douglas Frantz: Scientology’s Puzzling Journey From Tax Rebel to Tax Exempt. In: New York Times, 9. März 1997, S. A1, A13.
Frank Nordhausen: Der Mann, der umfiel. Jahrelang bekämpfte der Millionär Robert Minton die Scientology-Sekte. Er gab dafür sein Vermögen und bekam Preise – jetzt hat er die Seite gewechselt. In: Berliner Zeitung 31. Mai 2002, S. 3 (Online-Ausgabe).</ref> wie von manchen staatlichen Stellen, zum Beispiel der Stadt Hamburg,<ref>Landesamt für den Verfassungsschutz: Der Geheimdienst der Scientology-Organisation – Grundlagen, Aufgaben, Strukturen, Methoden und Ziele. Freie und Hansestadt Hamburg, Hamburg 1998, passim (Online-Ausgabe, PDF-Datei).</ref> vorgeworfen, eine Art scientologischer „Geheimdienst“ zu sein. Insbesondere wird dabei kritisiert, dass das OSA unter Zuhilfenahme von Privatdetektiven und in zunehmendem Maße auch Rechtsanwälten Schmähkampagnen gegen Scientology-Kritiker führt.<ref>Landesamt für den Verfassungsschutz: Der Geheimdienst der Scientology-Organisation – Grundlagen, Aufgaben, Strukturen, Methoden und Ziele. Freie und Hansestadt Hamburg, Hamburg 1998, S. 63ff. (Online-Ausgabe, PDF-Datei).</ref> Im Gegensatz zu seiner bis 1983 existierenden Vorgängerorganisation Guardian Office (siehe Operation Snow White)<ref>Landesamt für den Verfassungsschutz: Der Geheimdienst der Scientology-Organisation – Grundlagen, Aufgaben, Strukturen, Methoden und Ziele. Freie und Hansestadt Hamburg, Hamburg 1998, S. 63 (Online-Ausgabe, PDF-Datei).</ref> soll sich das OSA im gesetzlichen Rahmen bewegen.<ref>Arthur C. Helton, Jochen Münker: Religion and Persecution: Should the United States Provide Refuge to German Scientologists? In: International Journal of Refugee Law 11 (2) (1999), S. 310–328, S. 327, Fn. 122 (Online-Ausgabe).</ref> Schließlich gibt es die Verlagshäuser New Era Publications und Bridge Publications, die Hubbards Schriften herausbringen.

Die internen Strukturen von Scientology-Organisationen sind sehr stark bürokratisch gefärbt, mit detaillierter Koordinierung aller Aktivitäten und der Sammlung von „Stats“ (Leistungskennwerten) zur Messung der persönlichen wie auch der organisationellen Leistung.<ref name="CB180">Douglas E. Cowan, David G. Bromley: The Church of Scientology. In: Eugene V. Gallagher, W. Michael Ashcraft (Hrsg.): Introduction to New and Alternative Religions in America, Band 5. Greenwood Press, Westport CT 2006, S. 169–196, ISBN 0-275-98712-4, S. 169–196, S. 180.</ref> Organisationsbudgets sind leistungsabhängig und unterliegen häufigen Reviews.<ref name="CB180" /> Scientology-Organisationen verfügen ferner über ein internes Rechtsprechungssystem, das „Ethics“-System.<ref name="CB180" /> Ethics-Offiziere sind in jeder Scientology-Organisation vorhanden; ihre Aufgabe ist es, die regelgerechte Anwendung der Scientology-Technologie sicherzustellen und Verfehlungen wie die Abweichung von Standardverfahren oder sonstige leistungsbeeinträchtigende Verhaltensweisen zu ahnden.<ref name="CB180" /> Von der Organisation als solche betrachtete Straftaten werden durch interne Dokumente definiert.<ref name="CB180" />

Freie Zone

[Bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre kam es nach Richtungskämpfen im Management zur Gründung der Freien Zone, die aus Splittergruppen außerhalb der Scientology-Organisation besteht.<ref name="chagnon_87_504" /> Diese Gruppen verwenden die gleiche Technik wie die Scientology-Kirche, nehmen aber aus Sicht letzterer falsche Abänderungen der Technik vor. Umgekehrt erklären Vertreter der Freien Zone, dass sie die ursprünglichen Materialien von Hubbard verwenden, und werfen den Scientology-Organisationen vor, diese nach seinem Tod geändert zu haben.

Rezeption

[Bearbeiten]
Datei:Islamic extremism Scientology and Organized crime brochures.jpg
Broschüre des bayerischen Staates über Scientology zwischen Broschüren über „islamischen Extremismus“ und „organisierte Kriminalität“ in einem Münchner Touristenbüro
Datei:London TCR April 12 2008 0043 Banners9andCrowd.jpg
Demonstration gegen Scientology von Anonymous

Das Bild der Scientology in der Öffentlichkeit wird durch ihre Kritiker geprägt.<ref name="willms_05_255">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 255.</ref> Dies trifft insbesondere für die deutsch-<ref name="willms_05_255" /> und französischsprachigen Diskurse zu, in denen auch staatliche Behörden eine aktive Rolle gegen Scientology einnehmen. So stuft eine Studie der französischen Nationalversammlung aus dem Jahre 1995 Scientology als „Kult mit gefährlichen Eigenschaften“ ein.<ref>John Wybraniec, Roger Finke: Religious Regulation and the Courts: The Judiciary’s Changing Role in Protecting Minority Religions from Majoritarian Rule. In: Journal for the Scientific Study of Religion (2001) 40 (3), S. 427–444, S. 431, Vorlage:JSTOR.</ref> In Deutschland beobachten mehrere Verfassungsschutzbehörden die Scientology-Kirche.<ref name="BFV">Scientology auf der Website des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Abgerufen am 20. Mai 2016.</ref> Auch im angelsächsischen Raum ist Scientology zeitweise auf staatlichen Widerstand gestoßen. 1965 befand in Australien ein für die dortige Regierung erstellter Bericht Scientology als „böse“ und „gefährlich für die mentale Gesundheit“ seiner Anhänger.<ref>Kevin Victor Anderson: Report to the Board of Enquiry into Scientology. Gouvernement Printers, Melbourne 1965, S. 12 und passim (cs.cmu.edu).</ref> In den Vereinigten Staaten war Scientology neben den Mormonen des 19. Jahrhunderts in den 1970er und 1980er Jahren die weltanschauliche Organisation mit dem schlechtesten Leumund.<ref name="har">Charles L. Harper, Bryan F. Le Beau: The Social Adaptation of Marginal Religious Movements in America. In: Sociology of Religion (1993) 54 (2), S. 171–192, S. 187, Vorlage:JSTOR.</ref> Auch Mitte der 1990er Jahre zeigte eine Umfrage unter US-amerikanischen Journalisten, dass diese Scientology generell misstrauten.<ref>James T. Richardson, Barend van Driel: Journalists’ Attitudes toward New Religious Movements. In: Review of Religious Research (1997), 39 (2), S. 116–136, S. 123 f. Vorlage:JSTOR.</ref>

Neben christlichen Kirchen und staatlichen Akteuren treten private Netzwerke von Kritikern neuer religiöser Bewegungen in den Vordergrund des öffentlichen Diskurses;<ref>David G. Bromley, Anson D. Shupe: Public Reaction against New Religious Movements. In: Mark Galanter (Hrsg.): Cults and New Religious Movements: A Report of the American Psychiatric Association. American Psychiatric Association Washington, S. 305–334, S. 329.</ref> diese Gruppen haben aus der Sicht des Religionswissenschaftlers Hubert Seiwert in den 1990er Jahren Scientology erfolgreich als Inbegriff der bedrohlichen Gefahr, die von allen Sekten ausgehe, inszeniert.<ref name="seiwert">Hubert Seiwert: Freedom and Control in the Unified Germany: Governmental Approaches to Alternative Religions Since 1989. In: Sociology of Religion (2003) 64 (3), S. 367–375, S. 369, Vorlage:JSTOR.</ref> Mannigfaltig sind die Kritikpunkte an Scientology, die von Totalitarismusvorwürfen bis zur Dubiosität scientologischer medizinischer Praktiken reichen.

Religionscharakter

[Bearbeiten]

Die Frage, ob Scientology der Status einer Religion zuzuerkennen ist, ist umstritten. Sie hängt einerseits von dem zugrunde liegenden Religionsbegriff ab, andererseits aber auch davon, ob die Merkmale, durch die Scientology Kriterien einer Religionsdefinition erfüllt, als für Scientology wesentliche oder aber nur vorgetäuschte Eigenschaften beurteilt werden.

Die Mehrheit der Religions- und Sozialwissenschaftler, die sich mit dem Thema befasst haben, bejaht die Einstufbarkeit als Religion, was sich in entsprechenden wissenschaftlichen Gutachten zur Verteidigung der Scientology-Kirche in rechtlichen und politischen Prozessen niedergeschlagen hat.<ref name="Melton63">Vorlage:Literatur</ref><ref>Karel Dobbelaere: The Rationale of Pillarization: The Case of Minority Movements. In: Journal of Contemporary Religion 15(2) (2000), S. 181–198, S. 187f.</ref><ref>Douglas E. Cowan, David G. Bromley: The Church of Scientology. In: Eugene V. Gallagher, W. Michael Ashcraft: Introduction to New and Alternative Religions in America, Bd. 5. Greenwood Publishing Group, 2006, S. 170.</ref><ref name="BH_01">Vorlage:Literatur</ref> Christliche Theologen wie Friedrich Wilhelm Haack<ref>Friedrich Wilhelm Haack: Scientology – Magie des 20. Jahrhunderts. Claudius-Verlag, München 1982, 3. durchges. und erw. Aufl. 1995, ISBN 3-532-62003-0.</ref> und Religionswissenschaftler wie Irving Hexham<ref>Irving Hexham: Is Scientology a Religion? [1978], 1997; letzter Zugriff: 24. August 2007</ref> heben hervor, dass diese Einstufung noch nicht die Frage beantwortet, ob Scientology als eine „gute“ oder „schlechte“ Religion zu beurteilen ist.

Der kanadische Religionssoziologe Stephen A. Kent räumt ein, dass viele Sozialwissenschaftler zu dem Schluss kommen, Scientology sei eine Religion. Eine zielführendere Einschätzung sei es jedoch, Scientology als eine „facettenreiche transnationale Organisation“ anzusehen, in der Religion nur eine Komponente neben „politischen Bestrebungen, wirtschaftlichen Unternehmungen, kulturellen Produktionen, pseudomedizinischen Praktiken und pseudopsychiatrischen Ansprüchen“ ausmacht.<ref>Stephen A. Kent: Scientology – Is This a Religion? A revised and corrected version of a shorter presentation given at the 27th Deutscher Evangelischer Kirchentag, June 20, 1997, Leipzig 1997 (online).</ref> Sektenberater sehen Scientology nicht als religiöse Weltanschauung, sondern als „Geistesmagie“ oder sprechen von einer „Psychogruppe mit weltanschaulichem Hintergrund“.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Georg Otto Schmid: Ist Scientology eine Religion? 1998 (relinfo.ch, letzter Zugriff: 24. August 2007).</ref><ref>Matthias S. Fifka, Nadine Sykora: Scientology in Deutschland und den USA: Strukturen, Praktiken und öffentliche Wahrnehmung (Band 1 von Politik und Gesellschaft der USA). LIT Verlag, Münster 2009, ISBN 3-643-10248-8, ISBN 978-3-643-10248-5, S. 99.</ref><ref>Welt online, 8. August 2007: Scientology-Organisation – Keine Spur von Religion und Kirchengründung. Abgerufen am 15. Oktober 2008</ref> Dem evangelischen Theologen und Publizisten Werner Thiede zufolge lässt sich bei der Frage, ob Scientology eine Religion ist, seit Jahrzehnten Widersprüchliches beobachten: Während das Urteil „der akademisch mit dem Phänomen der ,Religion der Religionen‘, wie ihr geistiger Vater L. Ron Hubbard sie einmal genannt hat, Befassten günstig auszufallen pflegt, sehen die eher praktisch-empirisch sich mit ihr Auseinandersetzenden in ihr eine allenfalls religiös getarnte, ihrem Wesen nach aber mehr oder weniger säkulare Größe.“<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Bei staatlichen und juristischen Beurteilungen ist die Frage des Religionscharakters vor allem mit der Frage der Schutz- und Förderwürdigkeit als Religion sowie mit der Frage der rechtlichen Behandlung der Mitglieder verbunden. Obwohl es in vielen Staaten keine offiziellen Anerkennungsprozedere für Religionen gibt, kann man doch aus den Handlungen vieler westeuropäischer Staaten schließen, dass sie Scientology nicht als Religion auffassen; eine Enquête für die französische Nationalversammlung kategorisierte Scientology beispielsweise als „Sekte“ bzw. „Kult“ (secte).<ref>Jacques Guyard: Rapport fait au nom de la commission d’enquête sur les sectes. Assemblée nationale, Paris 1995 (Online-Ausgabe).</ref>

Das deutsche Bundesverwaltungsgericht hat 2005 entschieden, dass Einzelpersonen Scientology durchaus als Religion im Sinne des Grundgesetzes betreiben können.<ref>BVerwG, Urteil vom 15. Dezember 2005, Az. 7 C 20.04, Pressemitteilung und Volltext.</ref> Dessen ungeachtet können sich in Deutschland erb- und arbeitsrechtliche Folgen an die Zugehörigkeit zu Scientology anknüpfen.<ref>Vgl. etwa Münchener Kommentar zum BGB/Thüsing, 5. Aufl. 2007, § 19 AGG Rdnr. 95; Bamberger/Roth, Beckscher Online-Kommentar (BGB)/Veit, § 1671 BGB Rdnr. 37; Münchener Kommentar zum BGB/Finger, § 1671 BGB Rdnr. 91; Berkowsky, in: Münchener Handbuch zum Arbeitsrecht (2000), Rdnr. 133; Soehring, in NJW 2000, 2466, 2473; ders., in NJW 1997, 360; v. Campenhausen, in NJW 1990, 887.</ref> In Deutschland galt die Frage nach der Zugehörigkeit zu Scientology in Vorstellungsgesprächen als zulässig, es bestand die Pflicht zur wahrheitsgemäßen Beantwortung. Nach Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes im August 2006 besteht jedoch eine Rechtsunsicherheit, die durch die Rechtsprechung noch nicht abschließend geklärt wurde.<ref>Gerlind Wisskirchen, Alexander Bissels: Das Fragerecht des Arbeitgebers bei Einstellung unter Berücksichtigung des AGG. In: Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht 24 (4) (2007), S. 169–174.</ref>

Russland hat der Church of Scientology den Status einer religiösen Gemeinschaft versagt; diese Entscheidung wurde im Fall der Niederlassung in Moskau allerdings vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für rechtswidrig befunden.<ref>European Court for Human Rights: Case of Church of Scientology Moscow vs. Russia. Application no. 18147/02. (Online-Ausgabe)</ref> Demgegenüber haben die Vereinigten Staaten Scientology nach jahrelangen Rechtsstreiten 1993 den Status einer steuerbefreiten Religionsgemeinschaft zuerkannt.<ref name="Lewis284-289" /><ref name="NYT971108">Vorlage:Internetquelle</ref><ref name="NYT970309">Vorlage:Internetquelle</ref><ref>J. Christopher Soper: Tribal Instinct and Religious Persecution: Why Do Western European States Behave So Badly? In: Journal for the Scientific Study of Religion (2001) 40 (2), S. 177–180, S. 178, Vorlage:JSTOR.</ref> In Australien wurde der Religionscharakter von Scientology 1983 vom High Court of Australia ausdrücklich bestätigt.<ref name="Melton14-15">J. Gordon Melton: The Church of Scientology. Salt Lake City 2000, ISBN 1-56085-139-2, S. 14–15.</ref><ref>High Court of Australia Church of the New Faith v. Commissioner of Pay-roll Tax (VICT.) 1983 154 CLR 120</ref> Weitere Länder, in denen Scientology als Religion anerkannt ist, sind Italien,<ref>Scientology is a Religion but Narconon’s Profits are not Tax-Exempt, Says Italian Supreme Court (March 1, 2000), cesnur.org</ref> Spanien,<ref>La Audiencia Nacional reconoce a la Cienciología como iglesia, 1. Nov. 2007, El País</ref> Portugal,<ref>2007 U.S. Department of State – 2007 Country Reports on Human Rights Practices: Portugal</ref> Schweden,<ref name="Davis">Vorlage:Internetquelle</ref> Slowenien,<ref name="Monde" /> Kroatien,<ref name="Monde" /> Ungarn<ref name="Monde">La justice espagnole accorde à la Scientologie le statut de religion, 9. Jan. 2008, Le Monde</ref> Neuseeland,<ref>Scientology gets tax-exempt status, 27. Dezember 2002, New Zealand Herald</ref> Taiwan<ref name="Davis" /> und Großbritannien.<ref name="BBC">Supreme Court judges allow Scientology wedding 11. Dezember 2013 BBC News</ref>

Alleingültigkeitsanspruch

[Bearbeiten]

Obwohl Scientology sich bisweilen als überkonfessionell bezeichnet und dies besonders bei der Rekrutierung neuer Mitglieder herausstreicht, vertritt sie letztendlich doch einen Alleingültigkeitsanspruch.<ref name="bruce_23">Steve Bruce: Cathedrals to cults: the evolving forms of the religious life. In: Paul Heelas (Hrsg.): Religion, Modernity, and Postmodernity. Blackwell, Oxford 1998, S. 19–35, S. 23.</ref> Da Scientology im Widerspruch zu zentralen Glaubensinhalten insbesondere der etablierten christlichen Kirchen steht, ist auch aus deren Sicht eine Doppelmitgliedschaft nicht möglich.

Gewinnstreben

[Bearbeiten]

Der Produktcharakter der Scientology ist ökonomisch ausgeformt.<ref name="willms_05_197ff">Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz, transcript, Bielefeld 2005, S. 197ff.</ref> Die Gewinnorientierung wird von Kritikern häufig als Vorwurf vorgebracht.<ref>Irving Hexham & Karla Poewe: „Verfassungsfeindlich“: Church, State, And New Religions In Germany. In: Nova Religio (1999), 2 (2), S. 208–227, S. 212. doi:10.1525/nr.1999.2.2.208</ref> Diese Profitorientierung stehe dem „abendländischen Religionsverständnis“ entgegen.<ref>Jürgen Keltsch: Reichen die Gesetze aus, um den Konsumenten auf dem Psychomarkt zu schützen? In: Scientology – In den Fängen eines totalitären Psychokonzerns. SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg, Stuttgart 1994, S. 15–21, S. 16.</ref> Die deutsche Bundesregierung schloss sich 1998 der Auffassung des Bundesarbeitsgerichtes von 1995<ref>BAG vom 22. März 1995, Az. 5 AZB 21/94, Volltext.</ref> an, dass Scientology weder Religions- noch Weltanschauungsgemeinschaft ist. Ziel der Organisation ist demnach die Gewinnerzielung, was mit dem Status einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft unvereinbar sei.<ref>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Vorlage:Webarchiv (PDF; 123 kB), Bonn, 1998, S. 6 ff.</ref> Hubbard, so Stephen A. Kent 1999, habe Scientology nur den Deckmantel einer „Religion“ umgehängt, um Steuern zu sparen und auf potenzielle Mitglieder attraktiver zu wirken.<ref>Stephen A. Kent: Scientology – Is This a Religion? In: Marburg Journal of Religion (1999) 4 (1), S. 1–23, S. 3 (uni-marburg.de; PDF; 259 kB).</ref> Kent vermutet, dass viele Mitglieder ihr Engagement als religiös betrachten.<ref>Vorlage:" (S. 3) Vorlage:" (S. 4.) Stephen A. Kent: Scientology – Is This a Religion? In: Marburg Journal of Religion (1999) 4 (1), S. 1–23 (web.uni-marburg.de; PDF).</ref>

In der deutschen Rechtsprechung befand der Verwaltungsgerichtshof Mannheim 2003 unter Bezugnahme auf wissenschaftliche Erkenntnisse, es hätten sich „keine greifbaren Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Ideologie des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard als bloßer Vorwand für eine Wirtschaftstätigkeit benutzt wird“.<ref name="BesierNeumann" /> Renate-Maria Besier und Johannes Neumann (2004) konstatieren „immer häufiger Konflikte zwischen der politischen Willensbildung und der Judikativen“.<ref name="BesierNeumann">Renate-Maria Besier, Johannes Neumann: Scientology – Was ist das? In: Zeitdiagnosen: Religionsfreiheit und Konformismus. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7654-3, S. 212 f.</ref>

Die Produkte und Dienstleistungen der Scientology werden häufig als überteuert bemängelt, wenn auch die meisten Scientologen ihnen diesen Wert beimessen.<ref name="chr_387" /> Ein E-Meter kostete 1998 bei der Church of Scientology etwa 4.000 US-Dollar.<ref>Thomas C. Tobin: Scientology: The cornerstones. St. Petersburg Times online, 28. Oktober 1998, letzter Zugriff: 22. April 2007.</ref> Einführungs- und Demonstrationsauditing kostete 1990 umgerechnet ca. 200 Euro für 12½ Stunden, auf einer höheren Stufe können es 3.500 Euro oder mehr sein.<ref>Christoph Minhoff, Martina Minhoff: Scientology: Irrgarten der Illusionen. Haimhausen: cm-verlag, S. 128 (Vorlage:Webarchiv; PDF).</ref> Der Weg zur „völligen Freiheit“, also bis hin zur höchsten OT-Stufe, kostet den Scientologen laut dem Religionspsychologen Benjamin Beit-Hallahmi (2003), der eine Pressequelle von 1998 zitiert, 376.000 $ (inflationsbereinigt Vorlage:Wechselkurs€).<ref>Benjamin Beit-Hallahmi: Scientology: Religion or racket? In: Marburg Journal of Religion 8(1) (2003), S. 1–56, S. 19 (uni-marburg.de; PDF; 365 kB).</ref>

Artifizialität

[Bearbeiten]

Der Biologe, Vertreter des „Neuen Atheismus“ und der Brights-Bewegung Richard Dawkins zählt Scientology zu den Religionen. Scientology sei eine von wenigen Religionen, die willentlich als solche konzipiert worden seien.<ref>Richard Dawkins: The God Delusion. 2. Auflage. Black Swan, London [2006]/2007, S. 234.</ref>

Stellung zu den Gesundheitsberufen

[Bearbeiten]
Datei:Scientology psychiatry kills.jpg
Scientology-Demonstration gegen Psychiatrie

Scientology ist ausgewiesener Gegner der Psychiatrie und unterstützt nach Auffassung ihrer Kritiker Gesundheitspraktiken, die nicht dem Stand der medizinischen Forschung entsprechen, so zum Beispiel die „stille Geburt“, bei der der Geburtsvorgang unter größtmöglicher Stille erfolgt.<ref>Gina Shaw: Vorlage:Webarchiv 2006; letzter Zugriff: 22. September 2016.</ref> Dies wird (hier nach einer Quelle von 1976) insbesondere von Vereinigungen der Gesundheitsberufe kritisch gesehen.<ref>Roy Wallis: The Road to Total Freedom: A Sociological Analysis of Scientology. Heinemann, London 1976, S. 245ff.</ref>

Scientology lehnt laut George D. Chryssides den Gebrauch von Psychopharmaka strikt ab.<ref name="chr_386" /> Zum Beispiel startete die Vereinigung in den 1980er Jahren eine Kampagne gegen die Verschreibung von Ritalin bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).<ref>Peter Conrad, Deborah Potter: From Hyperactive Children to ADHD Adults: Observations on the Expansion of Medical Categories. In: Social Problems (1997) 47 (4), S. 559–582, S. 570, Vorlage:JSTOR.</ref>

Der wohl bekannteste Fall mutmaßlichen scientologischen Fehlverhaltens auf dem Gebiet der Medizin ist der Tod der amerikanischen Scientologin Lisa McPherson, die von Organisationsmitgliedern nach einem Verkehrsunfall nicht genügend medizinisch versorgt worden sein soll.<ref>Stephen A. Kent: Scientology – Is This a Religion? In: Marburg Journal of Religion (1999) 4 (1), S. 1–23, S. 7 (uni-marburg.de; PDF; 259 kB).</ref> Juristische Verfahren endeten mit einem vertraulichen Vergleich.

Prominente Scientologen

[Bearbeiten]
Datei:Tom Cruise and Katie Holmes Yahoo 2006.jpg
Hollywood-Schauspieler Tom Cruise (Bildmitte) und Katie Holmes (links) werden insbesondere im deutschsprachigen Raum als Repräsentanten Scientologys wahrgenommen.

Die Organisation rekrutiert insbesondere Schauspieler, Musiker und andere Personen des öffentlichen Lebens in den USA (z. B. tritt der vom Scientology-Chef David Miscavige Anfang 2007 zum Scientology-Messias erklärte Tom Cruise, als Repräsentant von Scientology auf<ref>Tom Cruise soll der neue Messias werden, von Cordula Schmitz, Die Welt 24. Januar 2007</ref><ref>Is Tom Cruise The Messiah? / The Church of Scientology certainly thinks so. What if they're oh-so-horrifically right? Mark Morford, SFGate 2. Februar 2007</ref><ref>Leah Remini: Church of Scientology regards Tom Cruise as a 'messiah', von Shane Lou, Today (NBC) 30. November 2016</ref><ref>Bradford Verter: Spiritual Capital: Theorizing Religion with Bourdieu against Bourdieu. In: Sociological Theory (2003) 21 (2), S. 150–174, S. 165, Vorlage:JSTOR.</ref>). Eine Reihe weiterer Personen des öffentlichen Lebens, zum Beispiel John Travolta, Juliette Lewis,<ref name="vanityfair">Vorlage:Internetquelle</ref> Nancy Cartwright und Kirstie Alley, verrichten ähnliche Dienste für Scientology. Im deutschsprachigen Raum ist Franz Rampelmanns Scientology-Mitgliedschaft bekannt.<ref>Pascal Beucker: Grüne trennen sich von Franz Rampelmann. die tageszeitung, 30. August 2006, S. 1</ref>

Scientology betreibt Celebrity Center, die sich speziell um Künstler und Personen kümmern, die in der Öffentlichkeit stehen. Hubbard war der Ansicht, dass Künstler die Art von Menschen sind, die die zukünftige Welt maßgeblich beeinflussten. Ursula Caberta (1997) sieht hierin ein „Rezept, mit berühmten Namen Reklame zu machen“, das totalitären Systemen entlehnt sei.<ref>Ursula Caberta: Eine Bedrohung nimmt Gestalt an – der lange Kampf gegen Scientology. In: Ursula Caberta, Günther Träger (Hrsg.): Der Insider-Report über die unheimliche Macht des L. Ron Hubbard. Econ, Düsseldorf 1997, S. 157–270, S. 253.</ref>

Scientology-Aussteiger

[Bearbeiten]

Nach 35-jähriger Mitgliedschaft verließ Regisseur Paul Haggis 2009 Scientology und begründete dies vor allem damit, dass Scientology sich im Zusammenhang mit der kalifornischen Proposition 8, die gleichgeschlechtliche Ehen für verfassungswidrig erklärte, ungenügend für Homosexuellenrechte eingesetzt habe.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Andere Aussteiger sind beispielsweise die Amerikaner Gerald Armstrong, Lawrence Wollersheim, Jenna Miscavige Hill, Mike Rinder, Amy Scobee und Leah Remini. Im deutschsprachigen Raum ist der Österreicher Wilfried Handl ein bekannter Aussteiger und aktiver Kritiker von Scientology.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Manipulationsvorwürfe

[Bearbeiten]
Datei:Free personality testing.jpg
Werbeplakat für die Oxford-Persönlichkeits-Analyse

Von Kritikern werden Scientologys Praktiken als Manipulationstechniken betrachtet.<ref>Jean-Marie Abgrall: La mécanique des sectes. Documents Payot, Paris 1996, S. 19f.</ref> Rekrutierungsbestrebungen von Scientology, so ein Vorwurf, konzentrieren sich zum Teil ganz bewusst auf Menschen, die sich in ihrem Leben in einer Krisensituation befinden und deswegen besonders anfällig für Rekrutierungsbemühungen sind.<ref name="BH_03_29" />

Zentral im kritischen Scientology-Diskurs sind sogenannte Gehirnwäsche-Theorien.<ref name="willms_05_273ff">Gerald Willms, S. 273 ff. (Vorlage:Webarchiv; PDF; 117 kB).</ref> Dabei wird eine psychologische Theorie über die Verhaltensänderung bei Gefangenen totalitärer Regime herangezogen, um den vermeintlichen Verlust der individuellen Autonomie bei Mitgliedern von Scientology (und anderen „neuen religiösen Bewegungen“) zu erklären. Obwohl die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ dieses Konzept ausdrücklich ablehnt, zieht sie es dennoch zur Erklärung heran.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Seltener wird Scientology wegen des Gebrauchs von Hypnosetechniken kritisiert. Während Hubbard in Dianetik Hypnose ablehnt,<ref>Vorlage:Literatur</ref> sprach der Report für die australische Regierung im Jahr 1965 davon, dass beim Auditing hypnotisierende Techniken eingesetzt werden.<ref>Kevin Victor Anderson: Report to the Board of Enquiry into Scientology. Gouvernement Printers, Melbourne 1965, S. 112 ff.</ref>

Der OCA-Test sei zwar kostenfrei, jedoch pseudowissenschaftlich und diene lediglich der Mitgliederwerbung.<ref name="BH_03" /> Er biete keine eigentliche „Analyse“, sondern ende stets mit dem Ergebnis, dass der Getestete ein Verbesserungspotenzial besitze.<ref name="BH_03" /> Unter anderem aufgrund einiger vorgenannter Praktiken wurde die Scientology-Kirche in Paris am 27. Oktober 2009 durch ein Strafgericht des bandenmäßigen organisierten Betrugs für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe von 600.000 Euro verurteilt; vier Führungsmitglieder der Organisation wurden zu bedingten Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren verurteilt. Das Gericht blieb unter den Anträgen der Anklage und lehnte auch ein Verbot von Scientology ab. Ehemalige Mitglieder hatten Scientology die Ausnutzung ihrer auf einer Lebenskrise gründenden damaligen seelischen Notlage vorgeworfen. Dadurch leicht beeinflussbar und leichtgläubig, seien sie zu hohen Ausgaben für Kurse, Bücher und Medikamente genötigt worden. Die Scientology-Kirche bezeichnete das Urteil als „moderne Inquisition“ und kündigte an, Berufung einzulegen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Vorwürfe antidemokratischer Tendenzen

[Bearbeiten]

Der Vorwurf, Scientology sei eine totalitäre Ideologie mit antidemokratischer Stoßrichtung, wird von zahlreichen Kritikern der Scientology im deutschsprachigen Raum geteilt,<ref name="willms_05_183">Vorlage:Literatur</ref> darunter zum Beispiel das Schweizer Justizdepartement.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Dabei rückt unter anderem die Rehabilitation Project Force ins Zentrum der Kritik. Günther Beckstein sieht in den Lagern des Projekts „KZ-ähnliche Zustände“;<ref>Günther Beckstein: Scientology: Eine Herausforderung an die wehrhafte Demokratie. In: Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.): Wie umgehen mit Scientology? Ein internationaler Vergleich. Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin 1998, S. 55–62, S. 56.</ref> eine von der Stadt Hamburg herausgegebene Broschüre vergleicht sie mit „Gulags“.<ref>Christoph Minhoff, Martina Minhoff: Scientology: Irrgarten der Illusionen. cm-verlag, Haimhausen, S. 142 (Vorlage:Webarchiv; PDF; 454 kB).</ref> Es würden, so Stephen A. Kent, dort „fast mit Sicherheit die Artikel 9 und 10 der Erklärung der Menschenrechte“ verletzt.<ref>Stephen A. Kent: Gehirnwäsche im Rehabilitation Project Force (RPF) der Scientology-Organisation. Behörde für Inneres – Arbeitsgruppe Scientology und Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2000, S. 56 (fhh.hamburg.de; PDF).</ref> Kent kritisiert insbesondere auch, dass Scientologen, die die Rehabilitation Project Force verlassen wollen, oft mit Schulden im fünfstelligen Dollarbereich (freeloader debt) belastet werden, also einer nachträglichen Bezahlung aller Kurse, die sie als Mitglieder der Sea Org umsonst in Anspruch nehmen durften, und – zumindest in früheren Zeiten – vor ihrer Entlassung zur Unterzeichnung selbstinkriminierender Erklärungen genötigt wurden.<ref>Stephen A. Kent: Scientology and the European Human Rights Debate: A Reply to Leisa Goodman, J. Gordon Melton, and the European Rehabilitation Project Force Study. In: Marburg Journal of Religion, Vol. 8, No. 1, 2003 (arts.ualberta.ca).</ref>

Etwas vorsichtiger sprechen die Politiker Freimut Duve und Daniel Cohn-Bendit sowie die Soziologin Antonia Grunenberg von „lagerähnlichen Einrichtungen“ und „totalitären Strukturen“.<ref>Freimut Duve u. a.: Presseerklärung des Hannah Arendt Zentrums Oldenburg. 2004 (uni-oldenburg.deVorlage:Toter Link; PDF; 179 kB, letzter Zugriff: 10. Juli 2007).</ref> Auch ohne auf die Rehabilitation Project Force zurückzugreifen, attestierte der Politologe Hans-Gerd Jaschke 1995 in einer Auftragsarbeit für das nordrhein-westfälische Innenministerium Scientology „totalitäre Grundzüge“<ref>Hans-Gerd Jaschke: Auswirkungen der Anwendung scientologischen Gedankenguts auf eine pluralistische Gesellschaft oder Teile von ihr in einem freiheitlich demokratisch verfassten Rechtsstaat. Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1995, S. 25ff. (Vorlage:Webarchiv; PDF).</ref> – ein Vorwurf, dem sich 1998 auch das deutsche Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anschloss.<ref>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Vorlage:Webarchiv (PDF; 123 kB), Bonn, 1998, S. 6.</ref> Eine der wenigen wissenschaftlichen Arbeiten zur Stellung der Scientology zur Demokratie kommt ebenfalls zu dem Schluss, es handele sich um eine extremistische Ideologie.<ref>Andreas Klump: Neuer politischer Extremismus? Eine politikwissenschaftliche Fallstudie am Beispiel der Scientology-Organisation. Baden-Baden, Nomos 2003, passim.</ref> Nach überwiegender Meinung in der deutschen Rechtswissenschaft verfolgt Scientology vermutlich grundgesetzwidrige Ziele.<ref>Arnd Diringer: Scientology – Verbotsmöglichkeit einer verfassungsfeindlichen Bekenntnisgemeinschaft. Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, passim.</ref>

Folgerichtig wird die Scientology-Kirche in Deutschland seit 1997 vom Bundesamt für Verfassungsschutz und von einigen Landesämtern für Verfassungsschutz wegen Verdachts auf „Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ beobachtet.<ref name="BFV" /> Im Saarland wurde eine Beobachtung mit nachrichtendienstlichen Mitteln 2003 aus Gründen der Verhältnismäßigkeit jedoch in letzter Instanz gerichtlich untersagt.<ref>OVG Saarland, Az. 2 R 14/03.</ref>

Zwar ist der Vorwurf der Demokratiefeindlichkeit im deutschsprachigen Raum besonders verbreitet, doch hat auch Griechenland Scientology 1993 zum „Staatsfeind“ erklärt.<ref>Stuart A. Wright (2002): Public Agency Involvement in Government-Religious Movement Confrontations. S. 102–122 in: Cults, Religion, and Violence herausgegeben von David G. Bromley & J. Gordon Melton. Cambridge, England: Cambridge University Press, S. 115.</ref>

Vorwürfe heimlicher Machtbestrebungen

[Bearbeiten]

Die Strategie der Scientology, gesellschaftlichen Einfluss zu gewinnen – so ein weiterer Vorwurf – mache ausgiebigen Gebrauch von oft kurzlebigen Tarnorganisationen und der gezielten Unterwanderung bestehender Organisationen.<ref name="BH_03_29">Benjamin Beit-Hallahmi: Scientology: Religion or racket? In: Marburg Journal of Religion 8 (1) (2003), S. 1–56, S. 29–31 (uni-marburg.de; PDF; 365 kB).</ref> Der Religionssoziologe Roy Wallis verglich die Arbeitsweise von Scientology in dieser Hinsicht mit der kommunistischer Parteien.<ref name="BH_03_29" /> Diese heimliche Vorgehensweise, so Benjamin Beit-Hallahmi, sei ein Zeichen dafür, dass die Organisation etwas zu verbergen habe.<ref name="BH_03_29" />

Ein 1960 von Hubbard erstellter Plan hätte beispielsweise die Infiltrierung der amerikanischen Steuer- und Justizbehörden sowie der Medien zum Ziel gehabt; die Infiltrierung der Steuerbehörden gelang den Scientologen in den 1970er Jahren vorübergehend.<ref name="BH_03_29" /> Andere Organisationen, die ins Visier genommen wurden, seien die Weltbank und der Internationale Währungsfonds.<ref name="BH_03_29" /> Zu den zahlreichen Tarnorganisationen zählt Beit-Hallahmi u. a. Narconon, ABLE, Applied Scholastics International, Scientologys „World Literacy Crusade“ und die Foundation for Advancements in Science and Education (FASE), die von Großunternehmen wie IBM und McDonald’s unterstützt werde.<ref name="BH_03_29" /> Der politische Einfluss dieser Tarnorganisationen beschränke sich hauptsächlich auf die Vereinigten Staaten, doch einige der betreffenden Organisationen spiegeln nach Ansicht von Stephen A. Kent „eine totalitäre Ideologie mit dem Ziel weltweiter Dominanz“ wider.<ref name="BH_03_29" />

Scientology startete weltweit gezielte Kampagnen wie „Clear Europe“ und „Clear Germany“ (1994), um durch die Besetzung von Schlüsselpositionen mit Scientologen Einfluss auf Wirtschaftsverbände und Politik zu gewinnen.<ref>Franziska Scherff: Scientology in Deutschland- eine Herausforderung für Politik, Staat und Gesellschaft. Diplomarbeit. Grin, Norderstedt 2007, ISBN 978-3-640-11048-3.</ref><ref>Matthias S. Fifka, Nadine Sykora: Scientology in Deutschland und den USA: Strukturen, Praktiken und öffentliche Wahrnehmung. Lit Verlag, Münster/Berlin 2009, ISBN 978-3-643-10248-5.</ref> Der damalige Sprecher der deutschen Scientologen sagte 1995: „Derartige Vorwürfe sind billige Propaganda, um Hysterie zu erzeugen.“<ref>Focus: Wirtschaft: „Wohltat für Betrieb“. Franz Riedl, Sprecher der deutschen Scientologen, fühlt sich von Kritikern verfolgt. Nr. 46, 1995.</ref>

Positive Außenansichten

[Bearbeiten]

Positive Außenansichten über Scientology sind selten. Eine Ausnahme bildet eine Studie aus dem Jahr 2003 zur Entwicklung der Scientology im ukrainischen Charkiw, wonach der dortige Scientology-Ableger teilnehmenden Personen vermutlich geholfen hat, sich besser im postkommunistischen Alltag zurechtzufinden. Einerseits sei Scientology als „kultartige Organisation“ gerade in einer Transformationskrise für Menschen attraktiv, denen das weggefallene totalitäre System der Sowjetunion einen Halt geboten hatte; andererseits finde die Organisation auch nur dort positive Resonanz, wo sie religiöse Aspekte ihrer eigenen Ausrichtung vor den Menschen verberge.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Vorwurf der Diskriminierung in Deutschland

[Bearbeiten]

Vertreter von Scientology haben wiederholt den Vorwurf erhoben, die Organisation beziehungsweise Mitglieder derselben seien in Deutschland Opfer von Diskriminierung. Ähnliche Vorwürfe wurden teilweise auch von offiziellen Stellen in den USA erhoben. In den jährlichen Menschenrechtsberichten des US-Außenministeriums wurde wiederholt auf die Lage von Scientology beziehungsweise Mitgliedern der Organisation in Deutschland eingegangen. Hervorgehoben werden Praktiken wie ein sogenannter „Scientology-Filter“ bei Bewerbungen, der gezielt die Einstellung von Scientology-Mitgliedern verhindern soll, faktische Berufsverbote gegen Scientologen, die Sammlung und der Austausch von Informationen über Scientologen durch staatliche Stellen und anderes mehr.

1997 wurde ein Asylantrag eines deutschen Scientology-Mitglieds, das nach eigenen Angaben in Deutschland aufgrund seiner Religion diskriminiert wurde, in den USA von einem dortigen Gericht positiv beschieden.<ref name="NYT971108" /><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Filmographie

[Bearbeiten]
  • Leah Remini: Ein Leben nach Scientology (2016–2019, Dokumentation, 37 Folgen)

Literatur

[Bearbeiten]

Primärliteratur (Auswahl)

[Bearbeiten]
  • L. Ron Hubbard: Dianetics: The Modern Science of Mental Health. Hermitage House, New York 1950.
  • L. Ron Hubbard (Hrsg.): The Organization Executive Course. An Encyclopedia of Scientology Policy. The American Saint Hill Organization, Los Angeles 1974.

Sekundärliteratur

[Bearbeiten]
[Bearbeiten]

Vorlage:Commonscat Vorlage:Wiktionary

Einzelnachweise

[Bearbeiten]

<references responsive />

Vorlage:Normdaten