Säulen des Herakles
Als Säulen des Herakles (altgriechisch Vorlage:Lang Vorlage:Lang) bezeichnete man im Altertum zwei Felsenberge, die die Straße von Gibraltar (lateinisch Gaditanum fretum<ref>U. a. Plinius der Ältere, Naturalis historia 3,74,6</ref>) einfassen: den Felsen von Gibraltar (lat. Calpe) im Süden der Iberischen Halbinsel und den Berg Vorlage:Lang in Marokko, westlich der spanischen Exklave Ceuta.<ref>Der Erstbeleg findet sich bei dem griechischen Dichter Pindar, der über einen Sieg des Theron von Akragas im Wagenrennen bei den olympischen Spielen des Jahres 476 v. Chr. schreibt (Olympische Oden 3,42–45): Vorlage:Zitat </ref> Andere Quellen bezeichnen Abyle (lat. Vorlage:Lang) unmittelbar beim spanischen Ceuta in Nordafrika, welcher heute als Monte Hacho bekannt ist, als die südliche Säule des Herakles.
Einer nicht antiken Überlieferung zufolge<ref>Ein möglicher Ursprung dieser Überlieferung ist: Pindar, Nemeische Oden 3,20–21.</ref> brachte Herakles am Ausgang des Mittelmeeres die Inschrift „Nicht mehr weiter“ an, um das Ende der Welt zu markieren. Die lateinische Version dieses Spruches lautet Non plus ultra. Nach der Entdeckung Amerikas und dem Herrschaftsantritt Karls V. wurde sie in Plus Ultra abgeändert und fand so als Devise Eingang in das Wappen Spaniens.
Geschichte
[Bearbeiten]Die Phönizier erreichten und durchfuhren die Meerenge auf ihren Entdeckungsfahrten spätestens um 900 v. Chr., was durch frühe phönizische Funde in Huelva belegt ist, die ins ausgehende 10. oder frühe 9. Jahrhundert datiert werden.<ref>Fernando González de Canales Cerisola: Tarshish-Tartessos, the Emporium Reached by Kolaios of Samos. In: André Lemaire (Hrsg.): Phéniciens d'Orient et d'Occident: mélanges Josette Elayi. Paris 2014, S. 559–76, hier 559f. (= Cahiers de l'Institut du Proche-Orient Ancien du Collège de France (CIPOA), Band 2).</ref> Sie bezeichneten die beiden das Mittelmeer begrenzenden Vorgebirge nach ihrem Sonnengott als Säulen des Melkart (Baal von Tyros). Der Name des Gottes wurde später von den Griechen per Interpretatio Graeca dem griechischen Herakles gleichgesetzt. Sie formulierten weiterhin, diese Meerenge bilde das Ende der Welt und sei einst von Herakles gesetzt worden, als er auf dem Weg, die Rinderherde des Geryon zu rauben, an Tartessos vorbeikam.<ref>Apollodor Bibliotheke 2,5,10.</ref>
Im Widerspruch zu dieser frühzeitlichen Auffassung steht allerdings die Erwähnung dieser Säulen in der Germania des Tacitus, der diese im Gebiet der Friesen vermutete.<ref>Tacitus Germania 34.</ref> Platon siedelt sein mythisches Inselreich Atlantis jenseits der Säulen des Herakles an, da für die alten Griechen hier der bekannte Teil der Welt endete.
Wappen
[Bearbeiten]Die Säulen des Herakles erscheinen in den Wappen Spaniens, Andalusiens, Melillas und der Stadt Cádiz. Wenn sie neben dem eigentlichen Wappen stehen, werden sie in der Heraldik zu den „Prachtstücken“ gezählt; innerhalb des Wappenschildes sind Säulen eine sogenannte „gemeine Figur“. Die Bekrönung der Säulen im spanischen Wappen sind verschieden: heraldisch rechts (also von vorn betrachtet links) die Krone von Karl III., heraldisch links die spanische Königskrone. In den Wappen der ersten und zweiten Spanischen Republik blieben die Säulen unbekrönt.
Symbolik
[Bearbeiten]Das Motiv der Säulen des Herakles fand in unterschiedlichen Zusammenhängen weite Verbreitung. Der Renaissancephilosoph Francis Bacon nutzte es z. B. in seiner Instauratio magna als Symbol für das bewusste Durchbrechen der Wissensgrenzen von Antike und Mittelalter. („Viele werden hindurchfahren und die Erkenntnisse der Wissenschaft werden sich vermehren“ lautet die Unterschrift der Titelgraphik.)
Bilder vor Ort
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Die spanische Küste bei Tarifa mit dem Djebel Musa im Hintergrund
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Der Monte Hacho bei Ceuta
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Gibraltar
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Monument der Säulen in Gibraltar, Seite zum Atlantik
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Monument der Säulen in Gibraltar, Seite zum Mittelmeer
Literatur
[Bearbeiten]- Heinz-Günther Nesselrath: Die Säulen des Herakles – eine mythische Landmarke und ihre Bedeutung in der Klassischen Antike. In: Jahrbuch der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 2008, de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-022160-2, S. 226–232.
- Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17, Leipzig 1909, S. 640. Digitalisat
Weblinks
[Bearbeiten]Vorlage:Commonscat Vorlage:Wikisource
Belege
[Bearbeiten]<references />