Reim
Vorlage:Begriffsklärungshinweis Der Reim ist im weiteren Sinne eine Verbindung von Wörtern mit ähnlichem Klang. Im engeren Sinne ist der Reim der Gleichklang eines betonten Vokals und der ihm folgenden Laute. Beispiel: lauf – kauf; laufen – kaufen; Laufender – Kaufender. In der linguistisch orientierten Lyriktheorie werden Reime als phonologische Überstrukturierung aufgefasst. In der hier nicht weiter behandelten Phonotaktik ist der Reim ohne Berücksichtigung klanglicher Ähnlichkeiten oder Betonungen der silbische (meist vokalische) Silbenkern plus der konsonantische Silbenschwanz, also die Silbe ohne den konsonantischen Silbenkopf; Silbenkopf und Silbenschwanz sind optional.
Das mittelhochdeutsche Wort rîm ist entlehnt aus dem Französischen: Das Substantiv rime für Reim stellt eine Rückbildung des Verbs rimer für „in Reihen ordnen, reimen“ dar (fränkisch und althochdeutsch rīm „Reihe“). Die englische Schreibweise rhyme beruht auf einer fälschlich angenommenen Verbindung zum griechischen rhythmos.
Geschichte
[Bearbeiten]Der Begriff „Reim“ bezeichnete bis ins 17. Jahrhundert den ganzen gereimten Vers. Martin Opitz (1597–1639), Dichter des Barock und Verfasser der ersten deutschsprachigen Poetik, begründete die heutige Definition: „Ein reim ist eine vber einstimmung des lautes der syllaben vnd wörter zue ende zweyer oder mehrer verse /welche wir nach der art die wir vns fürgeschrieben haben zusammen setzen.“<ref>Martin Opitz: Buch von der deutschen Poeterei. 7. Kapitel.</ref> Die ursprüngliche Bedeutung hat sich aber noch in Ausdrücken wie „Kinderreim“ und „Kehrreim“ erhalten.
In China wurde der Reim bereits zwischen dem 10. und dem 7. Jahrhundert v. Chr. verwendet, was durch das Buch der Lieder, die älteste Sammlung von Gedichten und die größte aus vorchristlicher Zeit, bezeugt ist.
בֵּ֣ית יִשְׂרָאֵ֔ל
וְאִ֣ישׁ יְהוּדָ֔ה
נְטַ֖ע שַׁעֲשׁוּעָ֑יו
וַיְקַ֤ו לְמִשְׁפָּט֙
וְהִנֵּ֣ה מִשְׂפָּ֔ח
לִצְדָקָ֖ה
וְהִנֵּ֥ה צְעָקָֽה׃ ס Jes. 5:7
Die heidnische und christliche Dichtung der Spätantike im germanischen Sprachraum ist geprägt durch den Stabreim. Der Endreim wurde vermutlich über die christlich-lateinische Hymnendichtung eingeführt. Der Tanach (das hebräische Alte Testament) kennt den Reim kaum. Eine der wenigen Ausnahmen finden wir bei in Vorlage:B, in zumindest einer deutschen Übersetzung (Vorlage:Bpur) adäquat nachgeahmt. Stilmittel der biblischen Lyrik sind Alliteration, Akrostichon und vor allem Parallelismus membrorum. Auch die Dichter der griechischen und römischen Antike verwendeten keine Reime, da sie den Gleichklang der Laute als unschön ablehnten.
Der Koran, der im 7. Jahrhundert entstand, ist in Reimprosa abgefasst. Diese literarische Form, die durch Endreime am Satzende oder an syntaktischen Einschnitten ohne Bindung an ein Versmaß getragen wird, war damals auf der arabischen Halbinsel sehr verbreitet.
Die geistliche und weltliche lateinische Dichtung des europäischen Mittelalters ist entweder akzentuierend und reimend, oder sie erscheint reimlos und quantitierend, d. h., es werden die antiken Metren verwendet, vor allem der Hexameter. Eine Ausnahme bildet der leoninische Vers, der die Quantitäten mit dem Reim verband.
Als erste in Endreimen abgefasste deutsche (althochdeutsche) Schriftdichtung gilt das Evangelienbuch Otfrids von Weißenburg (um 870). Seit dem 12. Jahrhundert tritt der Reim den Siegeszug in der Dichtung aller europäischen Volkssprachen an, und er behält seine vorherrschende Stellung, bis diese sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark abschwächt. Die moderne Lyrik verzichtet häufig auf die klassischen poetischen Mittel von Reim und Versmaß und verwendet den freien Vers, der im 19. Jahrhundert in Frankreich als vers libre entwickelt wurde. Durch den völligen Verzicht auf die Regeln der Metrik nähert sich der „freie Vers“ der Prosa an.
Versuche deutscher Dichter im 18. Jahrhundert, den Reim durch den Blankvers und antike Metren zu ersetzen (Klopstock, Voß, Goethe, Schiller, Hölderlin), bleiben eine – wenn auch sehr bedeutsame – Episode.
Sehr lebendig ist der Reim auch noch im 21. Jahrhundert innerhalb der Rap-Poetry und beim Spoken Word, wo er auf vielfältigste Weise und bei weitem nicht nur auf den Endreim beschränkt als Stilmittel verwandt wird.
Funktion
[Bearbeiten]Eine Funktion des Reims im Gedicht ist es, zusätzlich zu der metrischen Struktur der Silben, eine Struktur der Reime zu eröffnen, und damit diese beiden Perzeptionsebenen zu einer übergeordneten komplexeren Ebene in Beziehung zu setzen. Reim dient also nicht bloß der Gliederung, sondern die Reimstruktur bildet eine eigene ästhetische Dimension der Lyrik.
Lyrik hat eine musikalische Dimension. Der Gleichlaut ist vergleichbar mit einem phonetischen Idiom, das die Rückkehr zu bzw. das Ausgehen von einem Referenzpunkt (siehe Kadenz) ermöglicht. Er schmeichelt dem Ohr und wirkt nach dem ästhetischen Prinzip der Einheit in der Vielfalt vor allem dann überzeugend, wenn die Reimwörter in ihrer Bedeutung und ihren Konnotationen weit auseinander liegen. Als Echo des Gedankens haben reimende Wörter oft für die Sinngebung der Dichtung ein besonderes Gewicht. Karl Kraus vertrat die Ansicht, dass ein Reim umso höher zu bewerten sei, je mehr Widerstand er zu überwinden hätte, sei es, dass ein einsilbiges Wort auf ein mehrsilbiges reimt oder die beiden Reimwörter aus verschiedenen sprachlichen Sphären stammen.<ref>Die Lehre vom Reimwiderstand nach Karl Kraus.</ref>
Gereimtes bleibt zudem besser im Gedächtnis haften, daher haben Sprichwörter, Wetterregeln, Merkverse, Werbesprüche und dergleichen oft die Form des Reims. So hat das Reimen von Botschaften auch einen pragmatischen Nutzen, z. B. bei den Wandersängern des Mittelalters und der Renaissance zur Übermittlung von Nachrichten.
Der Endreim markiert das Ende der Zeile und setzt die einzelnen Zeilen zueinander in Beziehung. Diese Funktion ist besonders wichtig in französischen Gedichten, in denen der Vers nur durch die Silbenzahl (z. B. im Alexandriner zwölf oder dreizehn Silben) bestimmt wird.
Reimformen
[Bearbeiten]Reime können nach ihrer Silbenzahl, der Stellung im Vers, ihrer phonologischen und morphologisch-lexikalischen Struktur und ihrem Reimschema beschrieben werden. Regelmäßige Reimschemata deuten in Zusammenhang mit bestimmten Versformen auf festgelegte lyrische Strophenformen hin. Bertolt Brechts Gedicht Erinnerung an die Marie A. mag als Beispiel dienen: <poem style="margin-left:2em;"> Und über uns im schönen Sommerhimmel War eine Wolke, die ich lange sah Sie war sehr weiß und ungeheuer oben Und als ich aufsah, war sie nimmer da. – Bertolt Brecht in Erinnerung an die Marie A. </poem>
Das Reimpaar „sah/da“ beispielsweise ist einsilbig (Silbenzahl), endreimend (Stellung im Vers), rein (phonologisch) und reimt nur jede zweite Zeile (Reimschema). Morphologisch-lexikalisch weist es keine Besonderheiten auf. Formal steht Brechts Gedicht damit der Volksliedstrophe nah.
Reime nach der Silbenzahl
[Bearbeiten]Vorlage:Anker Männlich oder stumpf, einsilbig
[Bearbeiten]Die Zeile endet auf einer betonten Silbe. <poem style="margin-left:2em;"> Es stand vor eines Hauses Tor Ein Esel mit gespitztem Ohr. – Wilhelm Busch </poem> Der männliche Reim wird auch als Maskulinus bezeichnet.
Vorlage:Anker Weiblich oder klingend, zweisilbig
[Bearbeiten]Beide Zeilen enden auf reimenden Silben, die erste ist betont, die zweite unbetont. <poem style="margin-left:2em;"> Womit man denn bezwecken wollte, dass sich der Esel ärgern sollte. – Wilhelm Busch </poem> Der weibliche Reim wird auch als Femininus bezeichnet.
Vorlage:Anker Gleitend oder reich, dreisilbig
[Bearbeiten]Beide Zeilen reimen auf drei Silben, deren erste betont ist. <poem style="margin-left:2em;"> Wunderschön Prächtige, Große und Mächtige – Maria, Gnadenmutter zu Freyberg in Des Knaben Wunderhorn </poem>
Zu Reimformen, die mehr als die letzte betonte Silbe einbeziehen, siehe erweiterter Reim.
Das Merkmal der Silbenzahl beim Reim wird auch als Reimgeschlecht bezeichnet. Wechseln männliche und weibliche Reime regelmäßig ab, so bezeichnet man das als Reimalternanz.
Reime nach der Stellung im Vers
[Bearbeiten]Vorlage:Anker Endreim
[Bearbeiten]Beim Endreim oder auch Ausgangsreim stehen die Reimworte am Ende des Verses. Dies ist die im Deutschen und zahlreichen anderen Sprachen häufigste Reimform.
<poem style="margin-left:2em;"> Klingt im Wind ein Wiegenlied, Sonne warm herniedersieht, Seine Ähren senkt das Korn, Rote Beere schwillt am Dorn, Schwer von Segen ist die Flur – Junge Frau, was sinnst du nur? – Theodor Storm: Juli </poem>
Binnenreim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Beim Binnenreim stehen die Reimwörter ganz oder teilweise im Versinneren. Nach der jeweiligen Stellung der Reimworte werden mehrere Formen unterschieden:
- Innenreim oder Inreim: Reimwörter am Versende und im Versinneren desselben Verses.
- Mittelreim: Reimwörter im Inneren aufeinanderfolgender Verse. Eine spezielle Form des Mittelreims ist der Zäsurreim, bei dem die Reimwörter vor einer Zäsur stehen.
- Mittenreim: ein Wort am Versende reimt mit einem Wort im Inneren des folgenden oder vorangehenden Verses.
- Schlagreim: Reimwörter folgen unmittelbar aufeinander. Spezielle Formen des Schlagreims sind:
- Echoreim: die Wiederholung der Reimsilben bildet ein Echo nach.
- Übergehender oder überschlagender Reim: Reimwörter sind durch ein Versende getrennt.
Anfangsreim
[Bearbeiten]Beim Anfangsreim oder auch Eingangsreim reimen die ersten Wörter zweier Verse. <poem style="margin-left:2em;"> Zeilen, die sich hinten reimen, nennt man darum ein Gedicht. Feilen muss man da nicht lange. Kennt man eine andre Form? – Michael Schönen </poem>
Pausenreim
[Bearbeiten]Beim Pausenreim steht das Reimpaar am Anfang und am Ende der reimenden Verse. Der Vers mit dem Reimwort am Anfang erscheint deshalb reimlos und erweckt den Eindruck der Pause. Beispiele finden sich hauptsächlich in Minne- und Meistersang. <poem style="margin-left:2em;"> wol vierzec jar hab ich gesungen oder me von minnen und als iemen sol. – Walther von der Vogelweide<ref>Der Alterston. In: Walther von der Vogelweide: Die Lieder Walthers von der Vogelweide. Bd. 1: Die religiösen und die politischen Lieder. 3. Auflage. Hrsg. von Friedrich Maurer. Niemeyer, Tübingen 1967, S. 14.</ref> </poem>
Reime nach phonologischer Struktur
[Bearbeiten]Reiner Reim
[Bearbeiten]In einem reinen Reim stimmt die hörbare Lautfolge ab dem letzten betonten Vokal genau überein: Herz – Schmerz; Rose – Dose
Unreiner Reim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Beim unreinen Reim stimmt die hörbare Lautfolge der Reimsilben nur annähernd überein, Abweichungen treten in Klangfärbung und Betonung auf. <poem style="margin-left:2em;"> Wie ein Gebild aus Himmels Höh’n, mit züchtigen, verschämten Wangen sieht er die Jungfrau vor sich stehn. – Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke </poem>
Zu den Formen des unreinen Reims gehören insbesondere:
- historischer Reim: war zur Zeit seiner Entstehung rein, ist es aber heute aufgrund anderer Sprechgewohnheiten nicht mehr (prove – love, slay – shey)
- unebener Reim: zwar Gleichklang der reimenden Silben, jedoch unterschiedliche Betonung (Zeit – Ewigkeit)
- Assonanz: nur die Vokale, aber nicht die Konsonanten stimmen überein (wagen – laben)
- Konsonanz: nur die Konsonanten, nicht aber die Vokale stimmen überein; die Vokalquantität bleibt erhalten (wagen – Wogen)
- Endsilbenreim: reimt zwischen unbetonten oder nebentonigen Endsilben
Erweiterter Reim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Der erweiterte Reim ist ein unscharfer Oberbegriff für Formen des Reims, bei denen die Übereinstimmung der Reimwörter über den für den Endreim maßgeblichen Teil ab der letzten betonten Silbe hinausgeht. Zu den erweiterten Reimformen zählen:
- Doppelreim: Reim ab der vorletzten und der letzten betonten Silbe (Winde wehen – Linde gehen)
- Mehrfachreim: Reim mit zwei oder mehr betonten Silben, also Verallgemeinerung des Doppelreims.
- vokalischer Halbreim: Reim mit dem letzten betonten und dem nachfolgenden, unbetonten Vokal, also eine Abschwächung gegenüber dem Doppelreim. (licht war – sichtbar)
- rührender Reim: Reimt auch den Anlaut der Reimsilbe mit, das heißt auch die Konsonanten vor dem Vokal der betonten Reimsilbe klingen gleich. Spezialfälle des rührenden Reims:
- äquivoker Reim: reimt homophone Wörter (Wald – wallt, lehren – leeren)
- identischer Reim: Reim durch Wortwiederholung
- Schüttelreim: Doppelreim mit zwei Anfangslauten oder -lautgruppen, die den Platz tauschen
Reime nach morphologisch-lexikalischen Besonderheiten
[Bearbeiten]Gespaltener Reim
[Bearbeiten]Der gespaltene Reim ist ein mehrsilbiger Reim, bei dem sich mindestens eines der Reimglieder auf zwei oder mehrere, meist kurze Wörter erstreckt. <poem style="margin-left:2em;"> Es gibt nichts Gutes außer: Man tut es. – Erich Kästner </poem>
Gebrochener Reim
[Bearbeiten]Der gebrochene Reim ist ein Reim, bei dem unmittelbar nach der Reimsilbe ein morphologisches Enjambement (Reimbrechung, Zeilenwechsel mitten im Wort) vorliegt, wodurch es häufig zu komisch wirkenden Betonungsverschiebungen kommt:
<poem style="margin-left:2em;"> Jeder weiß, was so ein Mai- käfer für ein Vogel sei. – Wilhelm Busch Max und Moritz </poem>
<poem style="margin-left:2em;"> Der Hans Sachs, der war ein Schuh- macher und Poet dazu. – Hans Sachs </poem>
<poem style="margin-left:2em;"> Ehe, ehe die somali- braune Nacht die Sterne bleckt, schmelze, was mir als morali- sches Gesetz im Halse steckt. – Peter Rühmkorf Das Zeitvertu-Lied </poem>
Augenreim
[Bearbeiten]Beim Augenreim gibt es eine Übereinstimmung nur vom Schriftbild her, die lautliche Entsprechung ist unvollständig oder fehlt. <poem style="margin-left:2em;"> Greif im Aldi in der Schlange Aus dem Wagen die Orange. Aber ach, welche Blamage: Jene sah schon bessre Tage. Auch das falbe Cordon Bleu: Nicht mehr nigelnagelneu. Dieser Einkaufsvormittag Taugt noch als Gedichte-Gag. – Lino Wirag </poem>
Grammatischer Reim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Der grammatische Reim verbindet Wörter des gleichen Stammes, zum Beispiel Glaube – glauben, oder Flexionsformen desselben Wortes ohne Rücksicht auf Gleichklang. <poem style="margin-left:2em;"> Es ist eine Schande, sie so zu schänden. </poem>
Zwillingsreim
[Bearbeiten]Eine Mischform aus gleichlautendem, mehrsilbigem und gespaltenem Reim ist der Zwillingsreim (nach Günter Nehm): Er reimt Wörter mit gleichem Buchstabenmaterial, die an jeweils anderer Stelle durchtrennt werden. <poem style="margin-left:2em;"> Böse Diebe klauten Waren, Böse die Beklauten waren. – Günter Nehm </poem>
Vexierreim
[Bearbeiten]Der Vexierreim (von Vorlage:LaS, vgl. Vexier und Vexierbild) steuert auf ein naheliegendes Reimwort (oft mit frivolem oder kompromittierendem Hintergrund) zu, bevor er ein anderes vergibt. In Liedform spricht man von einem Vexierlied. <poem style="margin-left:2em;"> Wir ziehen los mit ganz großen Schritten, und Erwin fasst der Heidi von hinten an die Schulter. – aus dem Refrain des Stimmungsliedes Polonäse Blankenese (Interpret: Gottlieb Wendehals) </poem> <poem style="margin-left:2em;"> Ich leide an Versagensangst, besonders wenn ich dichte. Und diese Angst, die machte mir manch schönen Reim zuschanden. (Robert Gernhardt)<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> </poem> Das erwartete Reimwort kann auch einfach weggelassen werden:
<poem style="margin-left:2em;"> Verzeih mir, samma wieder guad, i woaß ja jetz, dass ma ned fluacha duat. Verzeih mir, jetz huift er mir doch nix, kimm mach den Schnee weg, Himmiherrgott. – – – – aus dem Lied Verzeih mir (Interpret: Biermösl Blosn) </poem>
Es kann auch durch eine gesamte Phrase ersetzt werden: <poem style="margin-left:2em;"> Denn jetzt kommt Tutti Frutti auf RTL, da ham’ die Frauen fast nichts drunter. Ich sitz’ in meinem Sessel, der Puls geht schnell, und dann hole ich mir einen – Beutel Kartoffelchips aus der Küche. – Aus dem Lied So. 22:40 RTL [do it yourself] (Interpret: Norbert und die Feiglinge) </poem>
Stabreim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Der Stabreim ist ein strenges Versilbungsprinzip der altgermanischen Sprachen, das sich der Alliteration bedient, das also gleiche Anlaute von betonten Stammsilben an bestimmten Positionen im Vers fordert. Vor allem im Alt- und Mittelenglischen, Altnordischen, Altsächsischen und Althochdeutschen sind Dichtungen in Stabreimversen überliefert.
In den Literaturen der Neuzeit wird der Stabreim nur historisierend verwendet (Richard Wagner). Alliteration ist dagegen ein seit jeher und bis heute häufig gebrauchtes sprachliches Schmuckmittel, allerdings kann es nur im weitesten Sinne als Reim gelten, wenn es nicht mit metrischer Regelhaftigkeit eingesetzt wird.
Reimfolgen
[Bearbeiten]Die Reimfolge, das heißt die Abfolge und Art der Korrespondenzen in einer Strophe oder einem Gedicht, wird in der Verslehre durch ein sogenanntes Reimschema in abstrahierender Form beschrieben. Dabei entspricht jedem Vers ein (Klein-)Buchstabe, für reimende Verse werden gleiche Buchstaben verwendet.
Nicht reimende Verse werden als Waisen bezeichnet und im Reimschema mit Vorlage:Reim notiert.
Paarreim
[Bearbeiten]Ein Paarreim ist ein Reim je zweier aufeinanderfolgender Verse. Zwei durch Paarreim verbundene Verse werden dementsprechend Reimpaar genannt.
Schema: Vorlage:Reim <poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Ich geh’ im Urwald für mich hin… Vorlage:Reim Wie schön, dass ich im Urwald bin: Vorlage:Reim Man kann hier noch so lange wandern, Vorlage:Reim Ein Urbaum steht neben dem andern. –Heinz Erhardt </poem>
Kreuzreim, auch Wechselreim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Schema: Vorlage:Reim <poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe Vorlage:Reim so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Vorlage:Reim Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe Vorlage:Reim und hinter tausend Stäben keine Welt. – Rainer Maria Rilke </poem>
Limerick
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Schema: Vorlage:Reim <poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Eine Domina träumt schon seit Tagen Vorlage:Reim Ihr Sklave hätt’ fortan das Sagen Vorlage:Reim Und fessle nun SIE Vorlage:Reim Mit viel Fantasie Vorlage:Reim Und vögle sie, ohne zu fragen – Heinz Hermann Michels </poem>
Vorlage:Anker Umarmender Reim, Blockreim
[Bearbeiten]Auch umfassender Reim, umschließender Reim oder eingebetteter Reim genannt.
Schema: Vorlage:Reim <poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Ein reiner Reim ist sehr begehrt, Vorlage:Reim doch den Gedanken rein zu haben, Vorlage:Reim die edelste von allen Gaben, Vorlage:Reim das ist mir alle Reime wert. – Goethe </poem>
Das heißt, ein Reimpaar fasst ein anderes ein, „umarmt“ es bildlich gesehen also.
Verschränkter Reim
[Bearbeiten]Die Reimfolge ist beim verschränkten Reim: Vorlage:Reim. Man kann sich vorstellen, die Reimpaare seien wechselweise ineinander verschoben, also „verschränkt“ worden.
<poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen, Vorlage:Reim Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen Vorlage:Reim Und mich verzehren seiner Sonne Gluthen. Vorlage:Reim Drum birg dich Aug’ dem Glanze ird’scher Sonnen! Vorlage:Reim Hüll’ dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen Vorlage:Reim Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten – Karoline von Günderrode </poem>
Haufenreim
[Bearbeiten]Beim Haufenreim wiederholt sich der Reim mehr als zweimal hintereinander.
Vorlage:Anker Eine spezielle Form des Haufenreims ist der Dreireim mit drei aufeinanderfolgenden Reimen, der in der Stollenstrophe das Strophenende markiert (Schema: Vorlage:Reim). Sonst ist der Dreireim selten.
Vorlage:Anker Wird der Reim viermal oder öfter wiederholt und verknüpft alle Verse einer Strophe oder eines Gedichtabschnitts, so spricht man von Einreim, Reihenreim oder Tiradenreim. <poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Ich bin ein Bote und nichts mehr, Vorlage:Reim Was man mir gibt, das bring’ ich her, Vorlage:Reim Gelehrte und polit’sche Mär; Vorlage:Reim Von Ali Bei und seinem Heer, Vorlage:Reim Vom Tartar-Khan, der wie ein Bär Vorlage:Reim Die Menschen frisst am schwarzen Meer Vorlage:Reim (Der ist kein angenehmer Herr), Vorlage:Reim Von Persien, wo mit seinem Speer Vorlage:Reim Der Prinz Heraklius wütet sehr. Vorlage:Reim Vom roten Gold, vom Sternenheer, Vorlage:Reim Von Unschuld, Tugend, die noch mehr Vorlage:Reim Als Gold und Sterne sind – … – Matthias Claudius aus der Ankündigung des Wandsbecker Boten </poem>
Vorlage:Anker Schweifreim, auch Zwischenreim
[Bearbeiten]Schema: Vorlage:Reim <poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Ja, ich weiß, woher ich stamme, Vorlage:Reim Ungesättigt gleich der Flamme Vorlage:Reim Glühe und verzehr’ ich mich. Vorlage:Reim Licht wird alles, was ich fasse, Vorlage:Reim Kohle alles, was ich lasse, Vorlage:Reim Flamme bin ich sicherlich – Friedrich Nietzsche in Ecce homo </poem>
Vorlage:Anker Kettenreim, auch Terzinenreim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Die einzelnen Reimgruppen sind beim Kettenreim dadurch miteinander verknüpft, dass ein Wort der vorhergehenden Reimgruppe in der darauf folgenden Reimgruppe als Reimwort aufgenommen wird.
Schema: Vorlage:Reim <poem style="margin-left:2em;"> Vorlage:Reim Auf halbem Weg des Menschenlebens fand Vorlage:Reim ich mich in einen finstern Wald verschlagen, Vorlage:Reim Weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.
Vorlage:Reim Wie schwer ist’s doch, von diesem Wald zu sagen, Vorlage:Reim Wie wild, rauh, dicht er war, voll Angst und Not; Vorlage:Reim Schon der Gedank’ erneuert noch mein Zagen.
Vorlage:Reim Nur wenig bitterer ist selbst der Tod; Vorlage:Reim etc. – Dante in der Göttlichen Komödie </poem>
Kehrreim
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel Regelmäßige Wiederholung von Versen innerhalb von strophischen Gedichten und Liedern an entsprechender Position. Nach Position wird unterschieden:
- Endkehrreim
- Binnenkehrreim
- Anfangs- oder Gegenkehrreim
Vorlage:Anker Körner
[Bearbeiten]Körner (auch: Körnerreime) sind Verszeilen, deren Reim nicht in der eigenen Strophe, sondern erst in der (den) folgenden seine Entsprechung hat und die einzelnen Strophen und deren Aussagen miteinander durch Reimklang umschlingt. Körner spielen im Meistersang eine Rolle.
Quantitative Untersuchungen
[Bearbeiten]Auch die Quantitative Literaturwissenschaft hat sich mit dem Reim befasst. Der Vokalismus im Reim von Goethes Ballade Erlkönig ist Gegenstand bei Altmann & Altmann (2008, Seite 71 f.);<ref>Vivien Altmann, Gabriel Altmann: Anleitung zu quantitativen Textanalysen. Methoden und Anwendungen. RAM-Verlag, Lüdenscheid 2008, ISBN 978-3-9802659-5-9, Seite 71f.</ref> ausführliche quantitative Untersuchungen finden sich in Some Properties of Rhyme.<ref>Mihaiela Lupea, Maria Rukk, Ioan-Iovitz Popescu, Gabriel Altmann: Some Properties of Rhyme. RAM-Verlag, Lüdenscheid 2017, ISBN 978-3-942303-62-0.</ref>
Literatur
[Bearbeiten]- Bernhard Asmuth: Reim. In: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Band 7: Pos – Rhet. Niemeyer, Tübingen 2005, ISBN 3-484-68107-1, Sp. 1115–1144.
- Ulrich Ernst, Peter-Erich Neuser (Hrsg.): Die Genese der europäischen Endreimdichtung. (= Wege der Forschung 444). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1977, ISBN 3-534-06717-7.
- Gerhard Grümmer: Spielformen der Poesie. 2. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1988, ISBN 3-323-00204-0.
- Mihaiela Lupea, Maria Rukk, Ioan-Iovitz Popescu, Gabriel Altmann: Some Properties of Rhyme. RAM-Verlag, Lüdenscheid 2017. ISBN 978-3-942303-62-0. (Quantitative Untersuchungen zu mehreren Eigenschaften des Reims.)
- Willy Steputat: Reimlexikon. Neu bearbeitet von Angelika Fabig, aktualisiert von Christiane Wirth. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2015, ISBN 978-3-15-011012-6.
- Rüdiger Zymner, Harald Fricke: Einübung in die Literaturwissenschaft. Parodieren geht über Studieren. (= UTB 1616 Literaturwissenschaft). 5., überarbeitete und erweiterte Auflage. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-8252-1616-0.
Weblinks
[Bearbeiten]Vorlage:Commonscat Vorlage:Wiktionary
Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references />