Platanen

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Datei:Platanus occidentalis GS344.png
Illustration von
Platanus occidentalis
Datei:Platanus × hispanica Columbia single leaf.png
Blatt von Platanus × hispanica

Die Platanen (Platanus, von Vorlage:GrcS „Platane“) bilden die einzige Gattung der Pflanzenfamilie der Platanengewächse (Platanaceae). Sie kommen vorwiegend auf der Nordhalbkugel in den gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens und Nordamerikas vor (Holarktis). Die Art Platanus wyomingensis ist fossil bereits aus dem Eozän bekannt.

In Mitteleuropa ist die Ahornblättrige Platane (Platanus × hispanica) häufig als Park- und Alleebaum anzutreffen. Sie entstand um 1650 aus Kreuzung der Amerikanischen Platane (Platanus occidentalis) und der Morgenländischen Platane (Platanus orientalis).

Beschreibung

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Vegetative Merkmale

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Platanen sind, je nach Art, laubabwerfende bis halbimmergrüne Bäume, die Wuchshöhen von 25 bis zu 50 Metern erreichen. Die Borke blättert jährlich in dünnen Platten ab und hinterlässt ein typisches Mosaik aus hellgelben, grünlichen und grauen Bereichen. Platanen sind mistelfest, sind also völlig immun gegen Befall durch die Weißbeerige Mistel. Junge Laubblätter, die Rinde der jungen Zweige und die Blütenstände sind wollig mit Sternhaaren bedeckt.

Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattspreiten sind meist handförmig gelappt bis geteilt (selten ungelappt, sonst drei- bis siebenlappig). Die meisten Blätter sind leicht mit denen bestimmter Ahorn-Arten zu verwechseln. Es sind Nebenblätter vorhanden.

Während der gesamten Vegetationsperiode wird vom Platanenbaum „Haarstaub“ abgesondert, was während der Belaubungszeit wegen der vergrößerten Oberfläche zu signifikanten Mengen von Absonderungen führen kann. Die Absonderungen werden wie die Samen luftgetragen in der Umgebung eines Baumexemplares verteilt.

Blütenstände und Blüten

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Platanen-Arten sind einhäusig gemischtgeschlechtig (monözisch). Die meist gestielten, kugeligen Blütenstände stehen achselständig, zumeist ein bis fünf (selten zwölf) an kurzen Zweigen, jeweils nur mit Blüten eines Geschlechtes. Die männlichen Blüten enthalten je drei bis mehr als sechs (bis acht) Kelch- und Kron- und Staubblätter. Die weiblichen Blüten enthalten drei bis vier Kelchblätter und keine Kronblätter, drei bis vier Staminodien und drei bis neun freie Fruchtblätter (Stempel). Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.

Die Blütezeit der Platanen wird für Mitteleuropa je nach Standort zwischen der 12. Woche (Mitte März) und der 24. Woche (Ende Mai) angegeben. Die Hauptzeit für den Pollenflug gemäß Pollenkalender liegt dabei zwischen der 15. Woche (Mitte April) und 20. Woche (Mitte Mai).

Datei:Platanenstamm.jpg
Platanen werfen ihre nicht mitwachsende Rinde (Borke) regelmäßig ab, so dass der Stamm sehr fleckig erscheint

Frucht

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Die Frucht verbleibt größtenteils über Winter an den Zweigen und hat eine kugelige Form mit komprimierten Fasern um ein Nüsschen als Basis. Die einsamigen und keilförmigen Achänen mit behaarter Basis (ohne Pappus) und einem kurzen beständigen Griffel, stehen zu vielen in den 2 bis 3 Zentimeter großen Fruchtverbänden zusammen.<ref name="FoNA" /> Im Frühjahr zerfasert der Fruchtkörper und die Samen werden luftgetragen in der Umgebung verteilt.

Ökologie

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Weil Platanen in Form der Hybride Platanus × hispanica sehr häufig für Alleen und Parks zu finden sind, haben sie eine große Bedeutung als ökologische Nische für den urbanen Raum. In Deutschland bietet sie dabei auch für streng geschützte Arten Schutz wie die Käfer Körnerbock und Großer Goldkäfer und Fledermäuse wie den Abendsegler.<ref name=":0">Vorlage:Literatur</ref>

Insbesondere wenn die Wachstumsbedingungen wie in Städten nicht ideal sind, können Platanen vielfältige Höhlenstrukturen bilden, die als Habitat für zahlreiche Arten dienen. Besonders große Höhlen werden gerne von Dohlen genutzt, während kleinere ideal für Stare oder Haussperlinge sind.<ref name=":0" />

Pilze wie der zottige Schillersporling, der Platanen häufig befällt, spielen eine wichtige Rolle bei der Höhlenbildung.<ref name=":0" />

In den USA nutzen auch Schwarzbären die Höhlen von großen Platanen für ihren Nachwuchs, während die Motte Halysidota harrisii sich sogar vollständig auf die Amerikanische Platane spezialisiert hat.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Wechselwirkungen

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Der vom Platanenbaum abgesonderte Haarstaub wird in der Umgebung einer Platane verteilt. Diese Absonderungen können bei Menschen und Tieren zu Reizungen der Augen, der Haut oder der Atmungswege führen. Insbesondere die Wirkung durch das Einatmen, der sogenannte Platanenhusten, ist bereits seit Alters her bekannt.<ref>Meyers Konversations-Lexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien, 1893, Bd. 13, S. 985, Vorlage:Archive.org.</ref>

Systematik

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Datei:Platanus mexicana 4026.jpg
Mexikanische Platane
(Platanus mexicana)
Datei:Krasi Platane.jpg
Kretas größte Platane (in Krasi), eine Morgenländische Platane (Platanus orientalis)
Datei:Platane Naturdenkmal Sachsen 02994 Bernsdorf Rathaus.jpg
Platane am Rathaus in Bernsdorf (Sachsen)

Die Gattung Platanus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2 S. 999 aufgestellt. Als Lectotypusart wurde 1908 Platanus orientalis Vorlage:Person durch Gleason in N. Amer. Fl., 22, S. 227 festgelegt.<ref name="Tropicos" /> Der Name platanos war bereits bei den alten Griechen bekannt.<ref>Das große illustrierte Pflanzenbuch. 1974, S. 764.</ref>

Es gibt acht bis zehn Arten in der Gattung Platanus:<ref name="FoNA" />

Fossile Vertreter sind:

Besonderheiten

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Nach Deutschland sollen die ersten Platanen etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts gekommen sein. Allerdings ist dies nicht klar beweisbar. In England waren sie schon Mitte des 16. Jahrhunderts bekannt.<ref>Berthold Auerbach: Berthold Auerbach’s Volks-Kalender für 1867. S. 137 f, Vorlage:Google Buch.</ref> Die Platanen am Rondell in Dessau wurden 1781 von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau gepflanzt. Sie zählen zu den ältesten ihrer Art in Deutschland und sind somit eine dendrologische Seltenheit mit ihrem Alter von fast 230 Jahren.<ref>Vorlage:Webarchiv.</ref>

Die Mozart-Platane in Wien ist eine Morgenländische Platane, die vermutlich im Jahre 1780 gepflanzt wurde. Sie hat einen Stammumfang von 6 Metern und ist als Naturdenkmal ausgewiesen.

In der Wiener Innenstadt wurde im Februar 2021 eine über 80 Jahre alte Platane, die aufgrund des U-Bahn-Baus zur Fällung vorgesehen war, durch die Initiative eines privaten Baumpflegers mit Erfolg an einen neuen, etwa 500 Meter entfernten Standort übersiedelt. Sie gedeiht seither prächtig, muss aber noch mit Seilen gestützt werden, da der Wurzelballen für den Transport verkleinert werden musste. Da sie an ihrem früheren Standort neben dem Café Eiles stand, wird sie zumeist als „Eiles-Platane“ bezeichnet.<ref>Bericht auf der Homepage des Baumpflegers</ref><ref>Zeitungsbericht vom Oktober 2024</ref>

In Herzogenrath wurde etwa 1750 eine Ahornblättrige Platane gepflanzt, die damit zu den ältesten dieser Art gehört. Sie ist 33 Meter hoch und besitzt einen Stammumfang von 6,05 Metern.<ref>Die Herzogenrather Platane auf euregio-im-bild.de.</ref>

Die Ahornblättrige Platane in Oelzschau im Landkreis Nordsachsen<ref>Ahornblättrige Platane vor dem alten Gutshaus in Oelzschau auf monumentaltrees.com.</ref> soll schon 1668 gepflanzt worden sein und hat eine Baumhöhe von über 42 Metern.

Die Platanenallee auf der Neckarinsel in Tübingen wurde 1828 gepflanzt und gilt als die älteste erhaltene Allee dieser Baumart in Deutschland. Sie besteht heute aus 84 Bäumen.

Napoleon Bonaparte soll für seine in den Krieg ziehenden Soldaten Platanen an den Landstraßen angepflanzt haben.<ref name="arteplatanen">Vorlage:Internetquelle</ref> Im Jahr 1811 ließ Napoleon anlässlich der Geburt seines Sohnes in Acqui an der Straße nach Savona Platanen pflanzen, die Ende der 1960er Jahre 35 bis 40 Meter hoch geworden waren.<ref>Das große illustrierte Pflanzenbuch. 1974, S. 765.</ref>

In Paris sind 40 Prozent aller Bäume Platanen.<ref name="arteplatanen" />

Die Platane des Hippokrates steht in Kos.

Da die Rinde nicht mitwächst, fällt sie im Sommer regelmäßig mit zum Teil gut hörbarem Geräusch ab. Die Vitalität der Bäume bleibt dadurch unverändert erhalten.<ref>Warum Platanen ihre Rinde verlieren In: Spiegel Online. vom 23. Juli 2018.</ref>

Literatur

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  • Robert B. Kaul: Platanaceae – textgleich online wie gedrucktes Werk, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America. Volume 3: Magnoliidae and Hamamelidae, Oxford University Press, New York und Oxford 1997, ISBN 0-19-511246-6. (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik)
  • Zhi-Yun Zhang, Nicholas J. Turland: Platanaceae, S. 44 – textgleich online wie gedrucktes Werk, Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 9: Pittosporaceae through Connaraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2003, ISBN 1-930723-14-8. (Abschnitt Beschreibung)
  • Walter Baumeister u. a. (Hrsg.): Das große illustrierte Pflanzenbuch. Verlag für Wissen und Bildung, Rheda 1974.
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Vorlage:Commonscat Vorlage:Wiktionary

Einzelnachweise

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<references> <ref name="Tropicos"> Vorlage:Tropicos </ref> <ref name="FoNA"> Robert B. Kaul: Platanaceae - textgleich online wie gedrucktes Werk, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America, Volume 3: Magnoliidae and Hamamelidae, Oxford University Press, New York und Oxford 1997, ISBN 0-19-511246-6. </ref> </references>

Vorlage:Normdaten