Pferdekopfnebel
Vorlage:Infobox Astronomisches Objekt
Der Pferdekopfnebel ist ein Teil einer Dunkelwolke im Sternbild Orion, die sich vor dem rot leuchtenden Emissionsnebel IC 434 mit einer Silhouette ähnlich einem Pferdekopf abhebt. Von der Erde ist der Nebel ungefähr 1500 Lichtjahre entfernt und erscheint ein Viertel so groß wie der Erdmond. Aufgrund seiner äquatorialen Position kann er von allen bewohnten Gebieten der Erde beobachtet werden, jedoch ist er wegen seiner geringen Helligkeit erst mit einer Teleskopapertur ab 20 cm sichtbar.
Entdeckung
[Bearbeiten]Der Pferdekopfnebel wurde bereits 1887 mithilfe der damals neuen Photographie entdeckt. Williamina Fleming, von dem Leiter des Harvard-College-Observatoriums Edward Charles Pickering mit der Untersuchung der photographischen Platten betraut, erkannte den Nebel als halbkreisförmige Einbuchtung in einem Emissionsnebel.<ref>E. C. Pickering: Detection of new nebulae by photography. Vorlage:Bibcode</ref>
William Henry Pickering, der die astrophotographische Beobachtung durchgeführt hat, beschreibt diese Region etwas später zusammen mit seinem Bruder Edward Charles. Dabei vermuten sie, dass es sich um ein nichtleuchtendes Gas handeln könne, welches das Licht dahinterliegender Sterne absorbiert.<ref>W. H. Pickering, E. C. Pickering: Investigations in astronomical photography. Vorlage:Bibcode</ref> Vorlage:Zitat
Das Objekt wurde in Folge mit den zur damaligen Zeit leistungsfähigsten Teleskopen untersucht. Isaac Roberts, ein Pionier der Astrophotographie, publizierte 1902 eine Aufnahme mit seinem 20-Zoll-Spiegelteleskop, Edward Barnard wenige Jahre später mit dem 40-Zoll-Yerkes-Refraktor und John Charles Duncan<ref>Duncan, John Charles. Complete Dictionary of Scientific Biography. 2008. Encyclopedia.com. 28. Apr. 2013.</ref> nutzte das 100-Zoll-Hooker-Teleskop.<ref>I. Roberts: William Herschel's observed Nebulous Regions, 52 in number, compared with Isaac Roberts' photographs of the same Regions, taken simultaneously with the 20-in. reflector and the 5-in. Cooke lens. Vorlage:Bibcode</ref><ref>E. E. Barnard: Dark regions in the sky suggesting an obscuration of light. Vorlage:Bibcode</ref><ref>J. C. Duncan: Bright and dark nebulae near zeta Orionis photographed with the 100-inch Hooker telescope. Vorlage:Bibcode</ref>
Eine systematische Zuordnung der Dunkelwolke zu anderen dunklen Regionen publizierte Edward Barnard im Jahr 1919: In dem später erweiterten und nach ihm benannten Barnard-Katalog trägt der Pferdekopfnebel seitdem die Bezeichnung Barnard 33, abgekürzt B 33.<ref>E. E. Barnard: On the dark markings of the sky, with a catalogue of 182 such objects. Vorlage:Bibcode</ref> Umfassendere Kataloge dieser dunklen Nebel folgten von Beverly Lynds mit über 1800 Einträgen (worin der Eintrag LDN 1630 mit Barnard 33 gleichgesetzt wird<ref>Beverly T. Lynds: Catalogue of dark nebulae. Vorlage:Bibcode</ref>) und von C. M. Dutra und E. Bica, mehr als 5000 Objekte beinhaltend.<ref>C. M. Dutra, E. Bica: A catalogue of dust clouds in the Galaxy. Vorlage:Bibcode (HTML-Tabelle der Katalogeinträge)</ref>
Eine ausführliche Darstellung der Entdeckungsgeschichte gibt Stephen R. Waldee.<ref>Stephen R. Waldee: The Horsehead Nebula, 1990–2020.</ref> Er stellt auch fest, dass sich der genaue Ursprung des Namens bisher nicht klären ließ. Die älteste Erwähnung findet er in einem Brief von Frederick Hanley Seares von 1923. Eine Publikation von 1925 notiert, dass der Name Horsehead gebräuchlich sei.<ref>R. G. Aitken: The Constellation Orion. Vorlage:Bibcode</ref> Stefan Hughes schreibt die Namensgebung während eines Treffens 1921 J. C. Duncan, der seine Aufnahmen vorstellt, oder Herbert Hall Turner zu.<ref>Stefan Hughes: Catchers of the Light: The Astrophotographers. S. 1328.</ref>
Struktur
[Bearbeiten]Bei dem Pferdekopfnebel handelt es sich um eine Ansammlung von kaltem Gas und Staub, die im sichtbaren Spektrum nur sehr wenig Licht abstrahlen und deshalb dunkel erscheint. Durch längere Belichtungszeiten oder mit großen Teleskopaperturen kann auch dieser dunkle Bereich aufgelöst werden, wie eine Aufnahme<ref>Image of the Day: Horsehead Nebula, NASA, Jean-Charles Cuillandre (CFHT), Hawaiian Starlight, CFHT</ref> des 3,6 m durchmessenden Canada-France-Hawaii Telescope zeigt.
Aufnahmen im Infrarotbereich zeigen die Struktur des Nebels deutlicher. Ein rechts abgebildetes Panorama des VISTA am Paranal-Observatorium im nahen Infrarot lässt die Dunkelwolke und ihre Filamente hervortreten, von denen eines den Pferdekopfnebel bildet, ebenso die hochaufgelöste Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops im gleichen Spektralbereich. Im mittleren und fernen<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Infrarot ist die gesamte Wolke zu erkennen, zu der der Pferdekopfnebel gehört.
Untersuchungen im Millimeter- und Submillimeterbereich zeigen, dass der Nebel überwiegend aus molekularem Wasserstoff besteht und dass er zudem eine Vielzahl verschiedener einfacher Kohlenwasserstoffverbindungen enthält, teilweise auch mit Sauerstoff- und Schwefelanteil. Diese Moleküle weisen eine Temperatur von rund 100 Kelvin im Außenbereich und 15 Kelvin im Kernbereich des Nebels auf; er hat ungefähr die 27-fache Masse der Sonne.<ref name="Horse">Vorlage:Literatur</ref><ref>Maryvonne Gerin, Jérôme Pety, Javier R. Goicoechea: The Horsehead nebula, a template source for interstellar physics and chemistry. Vorlage:ArXiv.</ref> Die Gasmassen bewegen sich, weshalb der Nebel seine Ähnlichkeit mit einem Pferdekopf in einigen tausend Jahren verlieren wird.
Eine Umfrage der NASA, welches Objekt das Hubble-Weltraumteleskop anlässlich seines elften „Geburtstags“ fotografieren sollte, fiel eindeutig auf den Pferdekopfnebel. Zum 23. Geburtstag wurde eine weitere Aufnahme mit der neuen WFC3 im nahen Infrarotbereich erstellt, wodurch der Emissionsnebel ausgefiltert wird und die Struktur der Dunkelwolke deutlicher hervortritt.
Weblinks
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Quellen
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