Nahum

Aus Demo Wiki
Zur Navigation springenZur Suche springen

Vorlage:Dieser Artikel Vorlage:Linkbox Zwölf Propheten der Bibel Vorlage:Linkbox Altes Testament Nahum (Vorlage:HeS) heißen ein biblischer Prophet und sein Buch. Es gehört zum Zwölfprophetenbuch des Tanach bzw. des Alten Testaments. Vom Autor ist nur der unbekannte Herkunftsort Elkosch (Nah 1,1) bekannt.

Für gewöhnlich wird das Buch im deutschen Sprachraum mit Nah abgekürzt. Lediglich das Computerprogramm Online-Bibel verwendet das Kürzel NAM.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Beim Namen Vorlage:He handelt es sich um einen Ersatznamen. Entweder leitet er sich als Adjektiv von der Wurzel Vorlage:He ab und bedeutet „trostreich“, oder er stellt eine Kurzform des Namens Vorlage:He, im Deutschen Nehemia, dar.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Dieser Name wiederum setzt sich aus dem Verb Vorlage:He und dem Gottesnamen Vorlage:He zusammen und bedeutet: „der Vorlage:Kapitälchen hat getröstet“.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Darüber hinaus kann es sich auch um eine qaṭṭûl-Bildung von der Wurzel Vorlage:He handeln: „Tröster“.<ref name=":0">Vorlage:Internetquelle</ref>

Da im Alten Testament abgesehen von Vorlage:B kein Hinweis auf eine Person namens Nahum existiert, ist davon auszugehen, dass es sich dabei nicht um den Namen einer historischen Prophetengestalt handelt. Vermutlich wird mit Vorlage:He auf den Inhalt des Buches angespielt, denn das Unheil für Assyrien bedeutet Heil für Israel.

Die Septuaginta gibt den Namen als Vorlage:Lang wieder. Weitere altgriechische Transkriptionen sind Vorlage:Lang und Vorlage:Lang. Die Vulgata schreibt Naum.

Datierung

[Bearbeiten]

Nahum erwähnt in Vorlage:B die Eroberung von No-Amon, die wohl mit der Eroberung Thebens im Jahr 663 v. Chr. gleichzusetzen ist, als Ereignis der Vergangenheit, und die Zerstörung von Ninive (612 v. Chr.) als Ereignis der Zukunft. Da dies in der Fachwissenschaft zumeist als echte Prophetie angesehen wird, entstand der Hauptteil des Prophetenbuches (Nah 2,4–3,19) vermutlich zwischen diesen Ereignissen. Da sich nach dem Tod des neuassyrischen Königs Assurbanipal im Jahr 626 v. Chr. der Zusammenbruch des Großreiches beschleunigte, ist die Entstehung des Schriftteils wohl in diesem Zeitraum zu datieren.<ref name=":0" />

Damit wäre Nahum ein Zeitgenosse von Zefanja, Habakuk<ref>Vorlage:Literatur</ref> und Jeremia.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Die Fortschreibungen lassen sich nur schwer datieren.<ref name=":0" />

Entstehung

[Bearbeiten]

Das Buch Nahum weist einen vielstufigen Entstehungsprozess auf, der mit Texten aus der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. beginnt und erst im 5. oder 4. Jahrhundert endet. Anhand der Überschrift Vorlage:Bibel lassen sich bereits verschiedene Redaktionsstufen unterscheiden:

Ausspruch über Ninive.
Das Buch der Vision des Nahum aus Elkosch.

Über den genauen Redaktionsprozess existieren in der Forschung verschiedene Thesen.<ref name=":1">Vorlage:Literatur</ref>

  • Zwischen der Gerichtsrede (Nah 2,4–3,19) und Nah 1,2–2,3 lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Zumeist wird angenommen, dass die Gerichtsrede die „politische Prophetie“ des Nahums wiedergibt und diese nach dem Untergang Ninives theologisch bearbeitet wurde. Wie dies im Einzelnen zu datieren ist, hängt vom Verständnis der Verbindung zwischen Gerichtsworten und Ereignissen sowie der Zuordnung der drei Teile der Gerichtspredigt ab. Jüngst wurde diese Theorie der sukzessiven Wachstumsgeschichte vor allem von K. Seybold vertreten. Er beschreibt das Wachstum des Buches von hinten nach vorne. Lediglich drei Texte ordnet er mit Sicherheit dem Propheten Nahum und der Überschrift in Nah Vorlage:B zu: Das Gedicht in Vorlage:B als ältesten Teil des Buches (ca. 664 v. Chr.), das Wehwort Vorlage:Bibel und das Gedicht in Vorlage:B und Vorlage:B (ca. in den 650er Jahren). Diese Sammlung wurde um zwei mit Bearbeitungen verbundenen Vorbauten (Vorlage:B sowie Vorlage:B) wohl nach dem Untergang Ninives, vermutlich auch nach der Zerstörung Jerusalems (578 v. Chr.) ergänzt. Diese ordnet er der zweiten Überschrift in Vorlage:B zu. Zuletzt erkennt er einen dritten Vorbau in Vorlage:B (ergänzt durch die Füllung entstandener Lücken) als „machtvollen Introitus“. In diesem Hymnus erkennt er die Aufnahme der offensichtlich von den Redaktoren vermissten theologischen Prinzipien der „Vision“ und stellt die nun kombinierte Überschrift Vorlage:B an den Anfang des Buches. Als ungefähres Datum des abgeschlossenen Redaktionsprozesses nennt Seybold ca. das 4. Jahrhundert v. Chr.<ref name=":2">Vorlage:Literatur</ref>
  • J. Jeremias rekonstruiert ebenfalls einen mehrphasigen Entstehungsprozess. Dabei geht er von der Beobachtung aus, dass im Buch Nahum Gerichtsworte gegen Juda bzw. Israel fehlen und, dass der Heilsperspektive in Vorlage:B eine Inspiration durch Vorlage:B zugrunde liege. Als Grundlage des Buches versteht er die Worte gegen Ninive bzw. Assur (Vorlage:B, Vorlage:B) und Gerichtsworte gegen Israel (Nah 1,11.14; 2,2f.; 3,1–5.8–11). Letztere habe man nachträglich in Gerichtsworte gegen Ninive uminterpretiert und dabei (nach dem Fall Babylons) im Sinne einer deuterojesajanischen Heilsverheißung neu bearbeitet.<ref name=":2" />
  • Möglich ist auch eine zweistufige Kompositionsgeschichte, die sich in der Überschrift niedergeschlagen hat. Der „Ausspruch über Ninive“ gibt dabei zunächst eine Komposition von Gerichtsworten gegen Ninive vor (Nah 2,4–3,19). Diese ist entweder als echte Prophetie zu verstehen und damit vor 612 v. Chr. zu datieren, oder als vaticinium ex eventu zu interpretieren. Im 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr. wurden diese Gerichtsworte zum Mehrprophetenbuch hinzugefügt. Dabei wurde Nah 1,2–2,3 ergänzt, wodurch das Buch einen größeren geschichtstheologischen Hintergrund erhielt. Die Datierung der Endkomposition entscheidet sich an der Datierung und Funktion des Theophaniehymnus in Vorlage:B. Erkennbar ist, dass ein Teil des Hymnus vorgegeben war und für den Zusammenhang im Nahum- bzw. Zwölfprophetenbuch bearbeitet wurde.<ref name=":3">Vorlage:Literatur</ref>
  • Gelegentlich wird auch die Einheit der Komposition betont. Als heute kaum noch akzeptierte Position gilt die Interpretation des Buches als prophetische Liturgie beim Jerusalemer Herbstfest im Jahr 612 v. Chr. zur Feier des Untergangs Ninives als Machterweis JHWHs. Dagegen spricht, dass sich das Buch weder als Libretto lesen lässt, noch die zu erwartenden Prädikationen von JHWHs Königtum und andere JHWH-Anreden zu finden sind. M. Sweeney deutet das Buch als literarische Prophetie, die mit einer rhetorischen Demonstration der Macht JHWHs auf den erfolgen Untergang Ninives reagiert. Er datiert die Entstehung um das Jahr 612 v. Chr.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Textüberlieferung

[Bearbeiten]

Der masoretische Text des Nahumbuchs ist überwiegend gut überliefert und verständlich. Zu den schwierigen Stellen zählt v. a. Vorlage:B. In Qumrantexten werden ebenfalls Ausschnitte des hebräischen Textes überliefert (4QpNah bzw. 4Q169; 4QXIIg bzw. 4Q82). Auch auf einer hebräischen Schriftrolle des Zwölfprophetenbuches aus dem Wādī Murabba‘āt finden sich weite Teile des biblischen Textes (Mur XII bzw. Mur88). Dazu wurden im Nachal Chever Fragmente einer griechischen Rolle des Zwölfprophetenbuches gefunden (8HevXII bzw. 8Hev1).<ref name=":0" />

Inhaltliche Gliederung

[Bearbeiten]

Das Buch Nahum gliedert sich wie folgt:<ref name=":1" />

Verse Inhalt Besonderheiten
1,1 Überschrift Zweigliedrig
1,2–8 Theophaniepsalm Alphabetischer Hymnus (כ–א)

Konzentrische Struktur:

  • 2–3a Aussagen über JHWH
  • 3b–6 Gerichtstheophanie
  • 7–8 Aussagen über JHWH
1,9–2,3 Prophetische Disputationsrede gegen Juda und Assur/Ninive Wechselnde Adressaten:

Juda und Ninive (1,9f.) – Juda (1,11–13) – Assur (1,14) – Juda (2,1) – Ninive (2,2) – Juda (2,3)

2,4–3,19 Dreifaches Gerichtswort gegen Ninive Kräftige poetische Bilder, deren Bildwelt sich von 1,2–2,3 abhebt

jeder Unterabschnitt nennt einmal Ninive/Assur (2,9; 3,7; 3,18)

die Unterabschnitte sind motivlich und strukturell miteinander verbunden

2,4–14 Vernichtungsschilderung – Spottlied – Gottesspruch
3,1–7 Leichenklage – Gottesspruch – Spottlied
3,8–19 Ironischer Vergleich – Vernichtungsschilderung – Spottklage

Theologie

[Bearbeiten]

Die Prophetie des Nahumbuches kann als „Lehrstück zum Thema Gott und die Weltmacht“ verstanden werden. Sie zeigt das Handeln des Schöpfergottes in der Geschichte. Der Fall Ninive wird zum Paradigma des göttlichen Gerichts. Darin wird das Buch zum Zeugnis der Geschichtsmächtigkeit Gottes und zeigt seine Souveränität und Verfügungsgewalt gegenüber den Machthabern der Welt.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Hier zeigt sich auch der universalistische Zug, der meist der nachexilischen Theologie Israels zugeschrieben wird: JHWH setzt als Gott über die ganze Welt sein Recht durch – unabhängig von Nationalitäten. Dass die Gewalt, die Assur ausgeübt hat, sich nun gegen den Verursacher selbst wendet, ist von Gott gelenkt. Er ist derjenige, der Ninive zerstört.<ref name=":0" />

Im Weltgericht Gottes wird die gottgewollte Rechtsordnung in der Völkerwelt wiederhergestellt. Dabei sind „Zorn“ und „Rache“ (vgl. Vorlage:B) als Rechtskategorien und nicht als Ausdruck eines rachsüchtigen, irrationalen Gottesbildes zu verstehen. Der Theophaniepsalm entfaltet eine entscheidende Dialektik: Der Gott der Rache für seine Feinde im Gegenüber zum rettenden Gott für alle, die seine Gemeinschaft suchen (vgl. auch Vorlage:B). Auch die Bildwelt der Offenbarung ist in diesem Punkt vom Buch Nahum inspiriert.<ref name=":4">Vorlage:Literatur</ref><ref name=":0" />

Dabei klingt unterschwellig die Frage an, warum die göttliche Vergeltung erst mit so deutlicher Verzögerung eintritt. Eine indirekte Antwort gibt der Psalm mit seinem Rückgriff auf Vorlage:B bzw. Vorlage:B (Vorlage:B), wo die unbedingte Strafgewissheit zugesichert wird.<ref name=":0" />

Assur baute zwischen 750 und 612 v. Chr. sein Weltreich gewaltsam aus und beutete die unterworfenen Kleinstaaten als Provinzen oder Vasallen aus. Die Gerichtsworte und Spottlieder über Ninive sind als Dokumente des Widerstandes entstanden und überliefert worden.<ref name=":3" />

In Qumran wurde das Buch im 1. Jahrhundert v. Chr. als Kampfschrift aktualisiert. Ninive wurde zum Synonym für die Pharisäer, No-Amon zum Symbol für die Saduzäer. Die Ankündigung ihrer Vernichtung ermutigte die Gemeinde. Ob diese Identifikation so zulässig ist, ist fraglich, jedoch wurde sie zum Trost in Blick auf die Souveränität Gottes, wie in Vorlage:B notifiziert.<ref name=":4" />

Auch im Zusammenhang des Zwölfprophetenbuches ergeben sich neue Sinnlinien. Die in Vorlage:B geschilderte sexuelle Gewalt gegen Ninive findet insbesondere in der Metapher der Hurerei am Beginn des Hoseabuches Parallelen. Im Zusammenklang mit dem Schluss unmittelbar vorhergehenden Michabuches ergibt sich ein zweiseitiges Gottesbild: Gottes Vergebungswille (Vorlage:B) verbunden mit seinem Vergeltungswillen (Vorlage:B). Das Jonabuch beschreibt die Handlungsalternative Gottes: Wenn Ninive ihr Unrecht bereut, nimmt Gott Abstand von der angekündigten Vernichtung.<ref name=":0" />

Siehe auch

[Bearbeiten]

Literatur

[Bearbeiten]
[Bearbeiten]

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Normdaten