Malpighiengewächse

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Die Malpighiengewächse (Malpighiaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Malpighienartigen (Malpighiales) der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida).<ref name="APWebsite" /> Von den etwa 1300 Arten in etwa 77 Gattungen sind die meisten in den Tropen Südamerikas verbreitet. Nur etwa 150 Arten in etwa 17 Gattungen kommen in der Alten Welt vor.<ref name="Davis2010" />

Beschreibung

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Datei:Flore médicale des Antilles, ou, Traité des plantes usuelles (Pl. 110) (8201976093).jpg
Illustration aus Flore médicale des Antilles, ou, Traité des plantes usuelles, 1822, Tafel 110 von Byrsonima crassifolia
Datei:Fragmenta botanica, figuris coloratis illustrata (T. 83) BHL287712.jpg
Illustration aus Fragmenta botanica, figuris coloratis illustrata, Tafel 83 von Bunchosia argentea
Datei:Berliner allgemeine Gartenzeitung (19128618134).jpg
Illustration aus Berliner allgemeine Gartenzeitung, 1857 von Galphimia hirsuta
Datei:Plantae Asiaticae rariores, or, Descriptions and figures of a select number of unpublished East Indian plants (Tab. 13) BHL449471.jpg
Illustration aus Plantae Asiaticae rariores, or, Descriptions and figures of a select number of unpublished East Indian plants, Tafel 13 von Aspidopterys hirsuta
Datei:Plants of the coast of Coromandel Coast Tamil Nadu Andhra Pradesh India Flora Fruits Flowers (42).jpg
Illustration aus Plants of the coast of Coromandel Coast Tamil Nadu Andhra Pradesh India Flora Fruits Flowers, 1795 von Hiptage benghalensis
Datei:Curtis's botanical magazine (No. 809) (8470985248).jpg
Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, 1805, Tafel 809 von Carolus sinemariensis

Vegetative Merkmale

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Es sind meist verholzende Pflanzen: Sträucher, Bäume und Lianen,<ref name="DELTA" /> aber auch ausdauernde krautige Pflanzen. Eine große Zahl von Arten sind Kletterpflanzen, einige davon sind windend.<ref name="UniMichigan" /> Das Sekundäre Dickenwachstum ist oft anomal.<ref name="APWebsite" />

Die meist gegenständig, selten wirtelig oder wechselständig angeordneten Laubblätter sind meist in Blattstiel und Blattspreite gegliedert; selten sind die Laubblätter sitzend.<ref name="DELTA" /> Die einfachen Blattspreiten besitzen meist einen glatten Blattrand.<ref name="DELTA" /><ref name="APWebsite" /> Auf den Blattstielen oder auf den Blattunterseiten sind oft Drüsen vorhanden.<ref name="APWebsite" /> Es sind meist Nebenblätter, die frei oder unterschiedlich verwachsen sind und von winzig bis über 14 Zentimeter lang sein können und sie können sehr unterschiedlich geformt sein, vorhanden; nur bei wenigen Gattungen und Arten fehlen sie.<ref name="UniMichigan" /><ref name="APWebsite" />

Generative Merkmale

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Die end- oder seitenständigen Blütenstände sind sehr unterschiedlich aufgebaut; oft sind es Trauben oder Rispen, wobei die Blüten oft in doldigen oder schirmtraubigen Teilblütenständen angeordnet sind. Die Blütenstiele sind oft gut entwickelt.<ref name="UniMichigan" /> Die Blütenstiele sitzen bei vielen Gattungen an einem „Gelenk“ auf den kurzen Seitenachsen (Peduncle, Floriferis). Es sind meist Trag- und Deckblätter vorhanden.<ref name="UniMichigan" />

Die Blüten sind je nach Art sehr unterschiedlich groß mit Durchmessern von etwa 6 Millimetern bis etwa 4 Zentimetern. Die Blüten sind meist zwittrig; wenigen Gattung sind diözisch oder funktional diözisch. Oft sind die Blüten mehr oder weniger zygomorph, bei einigen Gattung sind sie radiärsymmetrisch. Die Blüten sind meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle.<ref name="UniMichigan" /> Die meist fünf haltbaren Kelchblätter sind und meist in der Knospe dachziegelartig überlappend und frei oder nur an ihrer Basis verwachsen. Bei den meisten Arten der Neuen Welt sind auf allen oder an den vier seitlichen Kelchblättern auf der Außenseite zwei (selten nur eine) große mehrzellige Drüsen (Öldrüsen) vorhanden;<ref name="APWebsite" /> bei den meist Arten der Alten Welt sind Drüsen der Kelchblätter stark reduziert in Zahl und Größe oder fehlen sogar.<ref name="UniMichigan" /> Die fünf freien und sich dachziegelartig überlappenden Kronblätter sind meist genagelt und ihr oberes Ende ist oft gefranst.<ref name="UniMichigan" /><ref name="APWebsite" /> Die Blütenfarben sind meist gelb, rosafarben oder weiß, selten sind sie blau. Das obere Kronblatt unterscheidet sich oft von den vier seitlichen.<ref name="UniMichigan" /> Meist befinden sich zehn Staubblätter in einem Kreis, bei Lasiocarpus sind es 15 und bei wenigen Gattungen sind weniger als zehn Staubblätter vorhanden. Die Staubblätter sind auf dem Blütenboden zwischen den Kronblättern und dem Fruchtknoten inseriert. Staubfäden sind immer erkennbar, sie können kurz bis lang sein, alle gleich oder verschieden, vollständig frei oder teilweise verwachsen sein. Die alle gleichen oder verschiedenen Staubbeutel bestehen aus vier Theken und öffnen sich meist durch einen Längsschlitz (longitudinal) entlang der inneren Kante jeder Theka; bei wenigen Gattungen öffnen sich mehr oder weniger am oberen Ende mit Poren oder sehr kurzen Schlitzen.<ref name="UniMichigan" /> Es sind selten zwei oder vier, meist drei, meist oberständige Fruchtblätter vorhanden, sie können frei bleiben oder zu einem Fruchtknoten verwachsen. Jedes freie Fruchtblatt oder jede fertile Fruchtknotenkammer enthält eine hängende anatrope Samenanlage. Es sind meist gleich viele Griffel wie Fruchtblätter vorhanden, sie können vollständig frei oder verwachsen sein; bei wenigen Gattung ist die Anzahl an Griffeln reduziert.<ref name="UniMichigan" />

An der Frucht sind oft noch die Kelch- und Staubblätter erhalten.<ref name="UniMichigan" /><ref name="APWebsite" /> Es werden fleischigen oder trockenen Früchte gebildet, die sich nicht öffnen. Die fleischigen Früchte sind die oft Steinfrüchte oder Beeren. Diese Früchte sind bei Reife gelb, rot oder blau bis schwarz.<ref name="UniMichigan" /> Die trockenen Früchte sind oft Samara (Flügelnüsss), die bei Reife in, oft drei, Teilfrüchte zerfallen.<ref name="APWebsite" /> Die Teilfrüchte besitzen Aerenchym oder anderes Gewebe oder sind geflügelt.<ref name="UniMichigan" /> Jedes Fruchtfach oder Teilfrucht enthält nur einen Samen. Die Samen enthalten kein Endosperm.<ref name="UniMichigan" />

Chromosomensätze

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In der Familie Malpighiaceae ist die niedrigste Chromosomengrundzahl x = 6 und dies ist wohl die ursprünglichste Chromosomengrundzahl, denn sie wurde bei den drei Gattungen der Galphimia-Klade (Galphimia, Lophanthera, Verrucularia) gefunden, die in der Nähe der Basis des phylogenetischen Stammbaumes stehen. Am häufigsten sind Chromosomengrundzahl von x = 10 und x = 12 oder ein Vielfaches davon zu finden. Es kommt auch x = 8 bei Ectopopterys, x = 9 bei Cordobia und x = 17 bei Camarea vor.<ref name="UniMichigan" />

Inhaltsstoffe und Ökologie

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Vorlage:Belege fehlen Bei einigen Arten akkumulieren Pflanzenteile Gifte, welche zum Fischfang genutzt wurden.

Das Auftreten bei neotropischen Arten von Öldrüsen in den Blüten auf den Außenseiten der Kelchblätter ist eine besondere Koevolution mit den Bestäubern. Einige Gattungen der Apidae und solitärlebende Centridini (Epicharis, Centris) sind Bestäuber. Bienen der Centridini besitzen an vier Beinen Haarbüschel, die sie dazu benutzen, um das Öl der Öldrüsen zu sammeln, während sie sich mit ihren Mandibeln an der schmalen Basis des oberen Kronblattes (dieses wird Fahne genannt) festhalten. Diese Fahnen (oberes Kronblätter) haben oft eine besondere von den anderen Kronblättern abweichende Farbe und diese kann sich im Verlauf der Anthese verändern. Diese Fahnen weisen nach oben, weil sich die Blüten um 36° gedreht haben.<ref name="APWebsite" /> Dieses Öl wird überwiegend von weiblichen Insekten gesammelt, die es als Nahrung für ihre Brut verwenden. Andere Insekten Arten sammeln die Pollen, dabei gibt es auch einige Koevolutionen.<ref name="APWebsite" /> Bei den paläotropischen Arten gibt es ganz unterschiedliche Veränderungen in der Blütenmorphologie und Anpassungen an ihre Bestäuber.<ref name="APWebsite" />

Datei:Acridocarpus natalitius, droë vrug, Krantzkloof NR.jpg
Samara von Acridocarpus natalitius

Malpighiaceae sind mit etwa 400 Arten an Kletterpflanzen eine der drei ökologisch wichtigsten Gruppen von Lianen in der Neotropis.<ref name="APWebsite" />

Die bei Reife auffällige gefärbten Steinfrüchte und Beeren werden durch Vögel (Zoochorie) ausgebreitet.<ref name="UniMichigan" /> Die Teilfrüchte besitzen Aerenchym oder anderes Gewebe um durch Wasser (Hydrochorie) ausgebreitet zu werden oder sind geflügelt zur Ausbreitung über den Wind (Anemochorie). Die Samen werden nie aus den Früchten freigesetzt und so ist die Diaspore immer die Frucht oder Teilfrucht.<ref name="UniMichigan" />

Systematik und Verbreitung

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Datei:Acridocarpus natalitius, knoppe, blomme & vrugte, Krantzkloof NR.jpg
Acridocarpus natalitius
Datei:Byrsonima crassifolia 2.jpg
Byrsonima crassifolia
Datei:Flickr - João de Deus Medeiros - Camarea ericoides.jpg
Camarea ericoides
Datei:Dinemandra ericoides.JPG
Dinemandra ericoides
Datei:Diplopterys pubipetala ( A. Juss.) W. R. Anderson ^ C. Davis - Flickr - Alex Popovkin, Bahia, Brazil (28).jpg
Zweig mit Samara von Diplopterys pubipetala
Datei:Heteropterys chrysophylla Malpighiaceae.jpg
Blütenstand von Heteropterys chrysophylla
Datei:Hiptage benghalensis 011.JPG
Ausschnitt eines Blütenstandes von Hiptage benghalensis mit stark zygomorphen Blüten
Datei:Janusia anisandra (A.Juss.) Griseb. (8122224389).jpg
Janusia anisandra
Datei:Lophanthera lactescens - Feuilles.JPG
Lophanthera lactescens
Datei:Malpighia-coccigera-flower.jpg
Malpighia coccigera
Datei:Pterandra pyroidea.jpg
Pterandra pyroidea
Datei:Sphedamnocarpus pruriens, blomme, Groenkloof NR.jpg
Sphedamnocarpus pruriens
Datei:Stigmaphyllon blanchetii C. E. Anderson (8112391655).jpg
Stigmaphyllon blanchetii
Datei:Tetrapterys phlomoides (Spreng.) Nied. (440806896).jpg
Tetrapterys phlomoides
Datei:Tristellateia australasiae 8189.jpg
Tristellateia australasiae
Datei:Verrucularia glaucophylla (7714191124).jpg
Verrucularina glaucophylla

Die Familie Malpighiaceae wurde am 4. August 1789 durch Antoine Laurent de Jussieu in Genera Plantarum, Seite 252 unter der Bezeichnung „Malpighiae“ aufgestellt.<ref name="Jussieu1789" /> Typusgattung ist Malpighia Vorlage:Person<ref name="Tropicos" /> Malpighiaceae Vorlage:Person nom cons. wurde 1999 in James L. Reveal: Vascular Plant Family Nomenclature: Fate of Suprageneric Proposals at the St. Louis Nomenclature Session for the XVI International Botanical Congress im Appendix IIB konserviert gegenüber Malpighiaceae Vorlage:Person (veröffentlicht in Notions Elém. Bot., 1782, S. 280).<ref name="IBC1999" />

Die Familie der Malpighiaceae wurde von Takhtajan 1997 in die Ordnung der Vochysiales und von Cronquist 1981 in die Polygalales gestellt. Bei APG III und IV wird die Familie Malpighiaceae in der Ordnung der Malpighiales eingeordnet.<ref name="APWebsite" />

Die Systematik der Familie Malpighiaceae wird kontrovers diskutiert und von den Autoren unterschiedlich in Unterfamilien und Tribus gegliedert. Die Familie Malpighiaceae wird seit 2010 in zwei Unterfamilien gegliedert und enthält 64 bis 68 Gattungen mit 1250 bis 1300 Arten:

Die Familie Malpighiaceae umfasst folgende Gattungen:<ref name="Davis2010" /><ref name="GRIN" /><ref name="POWO" />

Datei:Malpighiaceae - Flabellaria mediterranea cropped.jpg
Fossil der ausgestorbenen Art Flabellaria mediterranea

Fossile Funde und Evolution

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Die Familie Malpighiaceae ist wahrscheinlich in der Oberkreide vor etwa 68 Millionen Jahren in Südamerika entstanden. Von dort aus gab es wahrscheinlich neun Migrationen in die Alte Welt. Mehrmals erfolgten Ausbreitungen nach Mexiko und deshalb ist die Aufgliederung in Kladen in den mexikanischen saisonalen Trockenwäldern so groß. Es gibt Ausbreitung der Diasporen durch Tiere, aber im Mittleren Miozän, vor etwa 24 Millionen Jahren nahm die Entwicklung von Ausbreitung durch den Wind zu.<ref name="APWebsite" /> Es gibt beispielsweise Fossilfunde aus dem Quartär (in Panama), dem Pliozän (in Panama), dem Miozän (in Panama sowie Kolumbien) und dem Eozän (in Kolumbien sowie Peru).<ref name="fossilworks" />

Nutzung

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Die Früchte von Acerola, Antillenkirsche (Malpighia glabra) werden gegessen.<ref name="DELTA" />

Quellen

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Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

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<references> <ref name="GRIN"> Vorlage:GRIN </ref> <ref name="CataloguePlantsMadagascar"> Vorlage:Tropicos </ref> <ref name="Tropicos"> Vorlage:Tropicos </ref> <ref name="APWebsite"> Die Familie der Malpighiaceae bei der APWebsite. </ref> <ref name="DELTA">Vorlage:Webarchiv bei Vorlage:Webarchiv</ref> <ref name="Davis2010"> Vorlage:Literatur </ref> <ref name="UniMichigan"> William R. Anderson, Christiane Anderson, Charles C. Davis, 2006: Malpighiaceae Website bei der University of Michigan, zuletzt abgerufen am 16. Oktober 2020. </ref> <ref name="Anderson2018Mezia"> C. Anderson, W. R. Anderson: Revision of Mezia (Malpighiaceae). In: Edinburgh Journal of Botany, Volume 75, Issue 3, November 2018, S. 321–376. doi:10.1017/S096042861800015X </ref> <ref name="Anderson2001"> W. R. Anderson: Observations on the Malagasy genus Rhynchophora (Malpighiaceae). In: Contr. Univ. Michigan Herb. Volume 23, 2001, S. 53–58. </ref> <ref name="Jussieu1789"> Antoine Laurent de Jussieu: Genera Plantarum, 1789, S. 252 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="IBC1999"> James L. Reveal: Vascular Plant Family Nomenclature: Fate of Suprageneric Proposals at the St. Louis Nomenclature Session for the XVI International Botanical Congress online. </ref> <ref name="fossilworks"> Datenblatt bei Fossilworks. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Malpighiaceae bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> </references>

Weiterführende Literatur

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  • Werner Greuter, Rosa Rankin Rodríguez, Pedro González Gutiérrez: Flora de la República de Cuba. Fascículo 24: Malpighiaceae., Februar 2019, ISBN 978-3-946292-32-6. Abstract.