Liedermacher

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Datei:Reinhard-Mey-Jahrhunderthalle-Frankfurt-02.jpg
Typisches Beispiel für einen Liedermacher: Reinhard Mey, 2014

Als Liedermacher wird ein Sänger im deutschsprachigen Raum bezeichnet, der Musik und Texte seines Programms überwiegend selbst geschrieben oder originär bearbeitet hat. Er begleitet sich musikalisch selbst, tritt aber manchmal auch mit einer Begleitband auf.

Zum Begriff

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Der Begriff Liedermacher tauchte vereinzelt bereits lange vor dem 20. Jahrhundert auf,<ref>Liedermacher im deutschen Textarchiv</ref><ref name="Rosenfelder"/> so bezeichnete sich zum Beispiel die Dichterin Anna Louisa Karsch (1722–1791) in einem Brief selbst als „liedermacherin“.<ref>Sie war’s. In: Die Zeit, Nr. 21/1981</ref> Die heutige Verwendung und Popularisierung des Begriffes entstand jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und geht auf Wolf Biermann zurück.<ref name="Rosenfelder">Andreas Rosenfelder: Deutschlands Liedermacher – Wortmörder ahoi! In: FAZ, 17. Januar 2006 </ref><ref>Matthias Konzett (Hrsg.): Encyclopedia of German Literature. Routledge, 2015, ISBN 9781135941222, S. 653 </ref> Er betont die sozialromantische Identifikation der Sänger mit dem arbeitenden Volk und setzte sich im Zuge der 68er-Bewegung durch. Bis dahin sprach man in der Bundesrepublik, etwa im Zusammenhang mit den Burg-Waldeck-Festivals, eher von Sänger-Poeten.<ref>Ulrich Morgenstern: Ritual — Epos — Tanz: Die deutsche Anti-AKW-Bewegung aus ethnomusikologischer Sicht. In: Lied und populäre Kultur / Song and Popular Culture, 54 (2009), S. 273–310, hier S. 279, Anm. 15.</ref>

Verhältnis zu Songwriting und Chansons

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Der Singer-Songwriter (englisch) im Verständnis Bob Dylans ist vom Begriff des Liedermachers vor allem regional (nordamerikanischer Raum) und stilistisch abzugrenzen. Es gibt darüber hinaus neben dem deutschen Liedermacher den Chansonnier (französisch), den Cantautore (italienisch) bzw. Cantautor (spanisch) sowie den Bard (russisch). Die Inhalte haben in der Regel Bezug zur Erfahrungswelt des Liedermachers und sind persönlich oder auch politisch geprägt.

Liedermaching

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Seit den 1990er Jahren entwickelte sich im deutschsprachigen Raum das sogenannte „Liedermaching“, deren Vertreter sich textlich und musikalisch vom Liedermacher absetzen möchten. Als Mitbegründer gilt das Bonner Duo Joint Venture (1993–2000).<ref> Stephan Hammer: Mani Matter und die Liedermacher: zum Begriff des „Liedermachers“ und zu Matters Kunst des Autoren-Liedes. Peter Lang, 2010, ISBN 9783034303071, S. 53 </ref> Ein weiterer Vertreter sind die Monsters of Liedermaching (seit 2003).

Rechtsextremistische Liedermacher

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Waren ab den 1960er Jahren politische Liedermacher zunächst fast ausschließlich dem linken Spektrum zuzuordnen, so gibt es ungefähr seit den späten 1980er Jahren auch rechte bis rechtsextremistische Liedermacher. Nach Angaben von Blick nach Rechts listete das Bundesamt für Verfassungsschutz 2003 in einer internen Studie unter anderem die folgenden „rechtsextremistischen Liedermacher“ auf: Jörg Hähnel, Veit, Annett und Michael Müller sowie Frank Rennicke. Einige davon sind wegen Volksverhetzung vorbestraft und inhaftiert, manche ihrer Aufnahmen sind auf der Liste der jugendgefährdenden Medien. Einige haben der Szene mittlerweile aber auch den Rücken gekehrt.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref><ref>Verfassungsschutzbericht 2005 des Bundesministeriums des Innern, (PDF) S. 64</ref>

Literatur

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  • Robert von Zahn (Hrsg.): Folk & Liedermacher an Rhein und Ruhr. Agenda, Münster 2002, ISBN 978-3-89688-125-0.
  • Lutz Kirchenwitz: Folk, Chanson und Liedermacher in der DDR. Dietz, Berlin 1993, ISBN 3-320-01807-8.
  • Lutz Kirchenwitz: Der Liedermacher – Ende einer Legende. In: FOLKER! 2.06.
  • Stephan Hammer: Mani Matter und die Liedermacher. Zum Begriff des ‚Liedermachers‘ und zu Matters Kunst des Autoren-Liedes. Peter Lang, Bern u. a. 2010, ISBN 978-3-0343-0307-1.
  • Marc Sygalski: Das „politische Lied“ in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1964 und 1989 am Beispiel von Franz Josef Degenhardt, Hannes Wader und Reinhard Mey. (= eScripta. Göttinger Schriftenreihe für studentische Germanistik. Band 1, Vorlage:ISSN), eScripta, Göttingen 2011, Vorlage:DNB. Magisterarbeit an der Georg-August-Universität Göttingen, Seminar für Deutsche Philologie, 2011, escripta.de (PDF; 1 MB; 177 S.).
  • Simone Burel: Politische Lieder der 68er, eine linguistische Analyse kommunikativer Texte, herausgegeben vom Institut für Deutsche Sprache (= Arbeiten und Materialien zur deutschen Sprache, Band 46), IDS, Mannheim 2013, ISBN 978-3-937241-42-5 (Zugleich Dissertation an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2013).
  • Thomas Rothschild: Liedermacher: 23 Porträts. Fischer Taschenbuch, 1980, ISBN 9783596229598.
  • Dietmar Elflein: In Germany After The War: Broadening the Discourse on the Liedermacher. In: Isabelle Marc (Hrsg.), Stuart Green (Hrsg.): The Singer-Songwriter in Europe: Paradigms, Politics and Place. Routledge, 2016, ISBN 9781317016069, S. 109–122.
  • David Robb (Hrsg.): Protest Song in East and West Germany since the 1960s. Camden House, 2007, ISBN 9781571132819.
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Vorlage:Wiktionary

Einzelnachweise

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<references />

Vorlage:Normdaten