Knollenbohne
Die Knollenbohne (Pachyrhizus tuberosus), genauer Amazonische Jamsbohne oder Amazonische Knollenbohne genannt,<ref name="Sørensen1996" /> ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Yambohnen (Pachyrhizus) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).<ref name="Sørensen1996" /><ref name="GRIN" /> Die ursprüngliche Heimat liegt im nördlichen Südamerika im tropischen Tiefland-Wald und prämontanen Wald.<ref name="Sørensen2007" /> Sie ist eine von drei Arten der Gattung Yambohnen (Pachyrhizus), die wegen der essbaren Knollen, Früchte und Samen in Südamerika, Asien und Afrika angebaut werden.<ref name="Sørensen1996" /><ref name="Sørensen2007" />
Beschreibung
[Bearbeiten]Vegetative Merkmale
[Bearbeiten]Die Knollenbohne ist eine kräftige, kletternde, ausdauernde krautige Pflanze mit bis zu 7 Meter langen Sprossachsen.<ref name="FoPeru1943" /><ref name="Alkämper1998" /> Die Knollenbohne wird aber meist als einjährige Pflanze angebaut, weil alle Pflanzenteile wegen der Knollen abgeerntet werden und dann am Beginn der Vegetationszeit eine Neuaussaat erfolgt.<ref name="Sørensen1996" /> Sie bildet stärkehaltige Wurzelknollen als unterirdische Speicherorgane.<ref name="FoPeru1943" /> Die Wurzelknollen erreichen eine Länge von 50 bis 60 Zentimetern sowie einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern.<ref name="Alkämper1998" />
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist 4 bis 20,8 Zentimeter lang. Es sind flaumig behaarte Pulvini vorhanden.<ref name="Sørensen2007" /> Die Blattspreite ist dreizählig gefiedert. Das Terminalblatt ist rhomboid geformt, die zwei Seitenblättchen sind asymmetrisch<ref name="FoPeru1943" /> mit einer Länge von etwa 28 Zentimetern und einer Breite von etwa 26 Zentimetern.<ref name="Alkämper1998" /> Der Blattrand ist glatt bis gezähnt<ref name="Sørensen2007" /> oder nur leicht gewinkelt, die seitlichen Kanten stehen leicht schräg zueinander.<ref name="FoPeru1943" /> Die Nebenblätter sind linealisch-lanzettlich.<ref name="Sørensen2007" />
Generative Merkmale
[Bearbeiten]Der Blütenstandsschaft ist relativ lang.<ref name="Alkämper1998" /> Je zwei oder drei Blüten stehen in Gruppen meist entlang der oberen Hälfte eines sehr langen, traubigen Blütenstandes.<ref name="FoPeru1943" /> Anders als bei Phaseolus-Arten fallen relativ kleinen, borstenförmigen Trag- und Deckblätter früh ab.<ref name="FoPeru1943" />
Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch hat eine Länge von 1 Zentimetern und ist mit anliegenden, rostbraunen Trichomen fein behaart.<ref name="FoPeru1943" /> Die meist violette, selten weiße<ref name="Alkämper1998" /> oder gelbe Krone ist 1,5 bis fast 2,0 Zentimeter lang und besitzt die typische Form einer Schmetterlingsblüte.<ref name="FoPeru1943" /> Die Öhrchen an der Basis der Fahne stehen aufrecht nach oben.<ref name="FoPeru1943" /> Das Schiffchen ist nahezu gerade, nur leicht gebogen.<ref name="FoPeru1943" /> Es ist ein scheibenförmiges Nektarium vorhanden.<ref name="Sørensen1996" /> Der etwas nach oben eingerollt und am oberen Ende abgeflacht Griffel endet in einer fast kugeligen Narbe.<ref name="FoPeru1943" /><ref name="Sørensen1996" /> Auf der Innenseite des Fruchtblattes, des gekrümmten Griffels und der Narbe befindet sich eine bärtige, kurze Behaarung (Indument), dies ist ein Merkmal, das nur die Pachyrhizus-Arten aufweisen.<ref name="Sørensen1996" /><ref name="FoPeru1943" />
Die Reife rötlich behaarte Hülsenfrucht ist bei einer Länge von 4 bis 30 Zentimetern sowie einer Breite von kaum 2 Zentimetern linealisch, zwischen den Samen in der Querrichtung zusammengedrückt und besitzen einen dreieckigen, bis zu 3 Millimeter langen Schnabel.<ref name="FoPeru1943" /><ref name="Alkämper1998" /> Die in ihre Farbe von schwarz, schwarz-weiß gesprenkelt, oder rot bis orangefarben stark variierende Samen sind bei einer Länge von 10 bis 14 Millimetern und einem Durchmesser von etwa 14 Millimetern relativ groß und nierenförmig.<ref name="Sørensen1996" /><ref name="FoPeru1943" /><ref name="Alkämper1998" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.<ref name="IPCN" />
Ökologie und Phänologie
[Bearbeiten]Die Knollenbohne besitzt als Symbiose in den Wurzelknöllchen stickstofffixieren Knöllchenbakterien der Gattungen Rhizobium sowie Bradyrhizobium.<ref name="Sørensen1996" /><ref name="Sørensen2007" /><ref name="PFAF" /> Sie ist deshalb wichtig in der Fruchtfolge in den Anbaugebieten und kann deshalb im ökologischen Landbau eine zunehmende Rolle spielen.<ref name="Sørensen1996" /><ref name="Sørensen2007" />
Sowohl Wildbestände als auch Kulturformen haben fast das ganze Jahr Blütezeit, nur in den Monaten Februar und Juli beobachtet man selten Blüten; die meisten Bestände blühen von Oktober bis Juni. Reife Früchte gibt es von März bis Dezember.<ref name="Sørensen1996" />
Es erfolgt meist Selbstbestäubung, selten erfolgt die Bestäubung durch Insekten.<ref name="Sørensen1996" />
Inhaltsstoffe
[Bearbeiten]Ein charakteristischer Inhaltsstoff der Knollenbohne ist Rotenon. Rotenon wird hauptsächlich in den Samen, aber kaum in den Wurzelknollen gefunden und besitzt eine insektizide Wirkung.<ref name="Sørensen1996" /> Ein weiterer Inhaltsstoff ist Pachyrhizin.<ref name="Sørensen1996" />
Taxonomie
[Bearbeiten]Die Erstveröffentlichung erfolgte 1786 unter dem Namen (Basionym) Dolichos tuberosus durch Jean Baptiste de Monnet de Lamarck in Encyclopédie Méthodique, Botanique 2, 1, S. 296.<ref name="Tropicos" /> Die Neukombination zu Pachyrhizus tuberosus Vorlage:Person wurde 1827 durch Kurt Sprengel in Systema Vegetabilium, editio decima sexta 4, S. 281 veröffentlicht.<ref name="Tropicos" /> Weitere Synonyme für Pachyrhizus tuberosus Vorlage:Person sind: Stizolobium tuberosum Vorlage:Person, Cacara tuberosa Vorlage:Person nom. rej.<ref name="Tropicos" />
Nutzung
[Bearbeiten]Die Wurzelknollen werden roh oder gegart gegessen; sie sind durstlöschend und nahrhaft. Aus den Wurzelknollen wird Stärke gewonnen und in süßen Soßen sowie Pudding verwendet.<ref name="Sørensen1996" /><ref name="PFAF" /> Eine Wurzelknolle kann bis zu 20 kg,<ref name="PFAF" /> meist 3 bis 4 kg<ref name="Alkämper1998" /> wiegen. Junge Hülsenfrüchte werden wie grüne Bohnen gegart und verwendet; sie müssen gut durchgegart sein um die Giftstoffe zu unwirksam zu machen.<ref name="PFAF" /> Aus den Samen kann reichlich Öl gewonnen werden, doch wird dies wohl nicht als Nahrungsmittel, sondern nur als technisches Öl verwendet.<ref name="Sørensen1996" />
Beim Anbau liegen die Hektarerträge bei 70 bis 100 dt Wurzelknollen. Die Kornerträge lagen im Versuchsanbau bei 6 dt/ha.<ref name="Alkämper1998" /> Durch die Symbiose in den Wurzelknöllchen mit stickstofffixieren Knöllchenbakterien der Gattungen Rhizobium sowie Bradyrhizobium<ref name="Sørensen1996" /><ref name="Sørensen2007" /><ref name="PFAF" /> ist Pachyrhizus tuberosus wichtig in der Fruchtfolge in den Anbaugebieten und kann deshalb im ökologischen Landbau eine zunehmende Rolle spielen.<ref name="Sørensen1996" /><ref name="Sørensen2007" /> Von Vorteil gegenüber anderen knollenlieferenden Pflanzenarten ist, es werden nicht Pflanzenteile gepflanzt, sondern es erfolgt eine Aussaat.<ref name="Sørensen2007" /> Es gibt viele Landrassen, von denen aber einige bedroht sind auszusterben.<ref name="Sørensen2007" />
Quellen
[Bearbeiten]- Marten Sørensen, Oré Balbin, Lars Kvist, Octavio Vásquez: Review of the Pachyrhizus tuberosus (Lam.) Spreng. Cultivar groups in Peru. In: Plant genetic resources newsletter (Rome, Italy: 1979), Volume 151, 2007, S. 2–13. online.
- Monica Santayana, Genoveva Rossel, Jorge Nuñez, Marten Sørensen, Marc Delêtre, Ronald Robles, Víctor Fernández, W. Grüneberg, Bettina Heider: Molecular characterization and diversity analysis of the genus Pachyrhizus Rich. ex DC. by AFLP markers. In: Conference: 2014 Science Meeting, International Potato Center (CIP)At: Lima, Peru. online.
- Marten Sørensen: Yam bean (Pachyrhizus DC.) In: Promoting the conservation and use of underutilized and neglected crops. 2. International Plant Genetic Resources Institute = IPGRI. Institute of Plant Genetics and Crop Plant Research, Gatersleben / International Plant Genetic Resources Institute, Rome, 1996, ISBN 92-9043-282-9. PDF.
- C. Tapia, Marten Sørensen: Morphological characterization of the genetic variation existing in a Neotropical collection of yam bean, Pachyrhizus tuberosus (Lam.) Spreng. In: Genet. Resources Crop Evol., Volume 50, 2003, S. 681–692.
- Illustration aus Abbas 2014.
- J. Francis Macbride: Pachyrrhizus. S. 294. In: Flora of Peru, Fieldiana Botany, Band XIII, Teil III, Nummer 1, 1943.
- Walter H. Schuster, Joachim Alkämper, Richard Marquard, Adolf Stählin: Leguminosen zur Kornnutzung : Kornleguminosen der Welt, Justus-Liebig-Universität Gießen, 1998.: Joachim Alkämper: Informationen zur Andine Knollenbohne (Pachyrrhizus tuberosus). Vorlage:Webarchiv (Vielseitige Informationen zur Gattung und Art, deutsch)
- Kisambira Abbas: Physicochemical characteristics of yam bean (pachyrhizus spp) seed flour. „Thesis to submit the Directorate of Research and Graduate Training of Makerere“ an der Islamic University in Uganda, 2014. doi:10.13140/2.1.4934.0809 PDF.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references> <ref name="PFAF"> Vorlage:PFAF </ref> <ref name="GRIN"> Vorlage:GRIN </ref> <ref name="Tropicos"> Vorlage:Tropicos </ref> <ref name="IPCN"> Vorlage:Tropicos </ref> <ref name="FoPeru1943"> J. Francis Macbride: Pachyrrhizus. S. 294. In: Flora of Peru, Fieldiana Botany, Band XIII, Teil III, Nummer 1, 1943. </ref> <ref name="Sørensen1996"> Marten Sørensen: Yam bean (Pachyrhizus DC.) In: Promoting the conservation and use of underutilized and neglected crops. 2. International Plant Genetic Resources Institute = IPGRI. Institute of Plant Genetics and Crop Plant Research, Gatersleben / International Plant Genetic Resources Institute, Rome, 1996, ISBN 92-9043-282-9. PDF. </ref> <ref name="Alkämper1998"> Walter H. Schuster, Joachim Alkämper, Richard Marquard, Adolf Stählin: Leguminosen zur Kornnutzung : Kornleguminosen der Welt, Justus-Liebig-Universität Gießen, 1998.: Joachim Alkämper: Informationen zur Andine Knollenbohne (Pachyrrhizus tuberosus). Vorlage:Webarchiv (Vielseitige Informationen zur Gattung und Art, deutsch) </ref> <ref name="Sørensen2007"> Marten Sørensen, Oré Balbin, Lars Kvist, Octavio Vásquez: Review of the Pachyrhizus tuberosus (Lam.) Spreng. Cultivar groups in Peru. In: Plant genetic resources newsletter (Rome, Italy: 1979), Volume 151, 2007, S. 2–13. online. </ref> </references>