Knöterichgewächse

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Die Knöterichgewächse (Polygonaceae) sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Die etwa 48 Gattungen mit etwa 1200 Arten kommen hauptsächlich in den nördlichen gemäßigten Zonen vor, mit wenigen Arten in den Tropen oder Permafrostgebieten.

Beschreibung

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Datei:Rheum officinale - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-256.jpg
Illustration des Chinesischen Rhabarbers (Rheum officinale)
Datei:Emexaustralis.jpg
Früchte von Emex australis

Erscheinungsbild und Blätter

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Häufig sind es krautige Pflanzen, aber es gibt auch verholzende Taxa: Sträucher (beispielsweise Coccoloba-Arten), Lianen oder seltener Bäume (Triplaris). Manche Arten (beispielsweise bei Calligonum) sind Rutensträucher, bei denen die Sprossachsen den Hauptanteil der Photosynthese übernehmen. Die selbstständig aufrechten, niederliegenden, windenden oder kletternden Sprossachsen sind gestreift, gerillt oder stachelig und besitzen oft verdickte Knoten (Nodien).<ref name="FoC" /><ref name="DELTA" /> An einem Knoten zweigen mehr als drei Blattspuren ab (vielspurig, multilakunär).

Die Laubblätter sind gut entwickelt oder reduziert. Die meist wechselständig, selten gegenständig oder wirtelig angeordneten Laubblätter sind deutlich oder kaum erkennbar gestielt bis fast sitzend. Die Blattspreiten sind meist einfach. Bei der Unterfamilie Polygonoideae sind Nebenblätter vorhanden und bei der Unterfamilie Eriogonoideae fehlen sie. Die Taxa der Unterfamilie Polygonoideae weisen ein typisches Merkmal auf: die Ochrea (Tute), eine röhrige, meist häutige Scheide am Grund der Blattstiele, die von den verwachsenen Nebenblättern gebildet wird; sie umhüllt den Vegetationspunkt und wird während des Wachstums der Sprossachse durchbrochen.<ref name="FoC" /><ref name="DELTA" />

Blütenstände und Blüten

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Manche Arten sind einhäusig (monözisch) oder zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtig. Die end- oder seitenständigen, ährigen, rispigen, traubigen oder kopfigen Blütenstände enthalten oft viele Blüten. Die Blattstiele sind manchmal gegliedert.<ref name="FoC" />

Die selten eingeschlechtigen, meist zwittrigen Blüten sind relativ klein, radiärsymmetrisch und dreizählig. Es gibt ein oder zwei Kreise mit je drei häutigen Blütenhüllblättern, die sich alle oder nur die inneren bis zur Fruchtbildung vergrößern und auch noch an der Frucht erhalten sind und dann geflügelt, warzig oder bestachelt sein können. Es sind selten ein, meist zwei oder drei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die Staubfäden sind frei oder höchstens an ihrer Basis verwachsen. Die Staubbeutel besitzen zwei Theken und öffnen sich mit Längsschlitzen. Der ringförmige Diskus ist oft gelappt. Zwei oder drei, selten vier Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Die zwei oder drei, selten vier Griffel sind vollständig frei oder nur an ihrer Basis verwachsen.<ref name="FoC" />

Früchte und Samen

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Die meist dreieckigen, bikonvexen oder bikonkaven Nussfrüchte, bei dieser Familie auch Achänen genannt, sind oft durch die haltbaren Blütenhüllblätter geflügelt. Die Samen enthalten viel Endosperm. Der Embryo ist gerade oder gekrümmt, selten gefaltet.<ref name="FoC" />

Datei:Ontade.JPG
Unterfamilie Polygonoideae: Habitus von Aconogonon weyrichii var. alpinum
Datei:Calligonum polygonoides.JPG
Unterfamilie Polygonoideae: Habitus von Calligonum polygonoides
Datei:竹節蓼 Homalocladium platycladum -香港動植物公園 Hong Kong Botanical Garden- (9237370999).jpg
Unterfamilie Polygonoideae: Platykladien mit Blüten und Früchten von Homalocladium platycladum
Datei:Koenigia islandica-MW0163518-live (cropped).jpg
Unterfamilie Polygonoideae: Koenigia islandica
Datei:Muehlenbeckia tamnifolia.jpg
Unterfamilie Polygonoideae: Muehlenbeckia tamnifolia
Datei:Persicaria amphibia-01 (xndr).jpg
Unterfamilie Polygonoideae: Wasserknöterich (Persicaria amphibia)
Datei:Polygonum aviculare Pihatatar C H7247.jpg
Unterfamilie Polygonoideae: Vogelknöterich (Polygonum aviculare)
Datei:Reynoutria sachalinensisa flower (01).jpg
Sachalin-Staudenknöterich (Reynoutria sachalinensis)
Datei:Rheum rhaponticum 01.JPG
Unterfamilie Polygonoideae: Rheum rhaponticum

Systematik und Verbreitung

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Die Arten der früheren Familien Calligonaceae Vorlage:Person, Coccolobaceae Vorlage:Person nom. nud., Eriogonaceae Vorlage:Person, Persicariaceae Vorlage:Person, Rumicaceae Vorlage:Person sind heute hier enthalten.<ref name="GRIN" />

Die Familie der Knöterichgewächse wird in zwei Unterfamilien gegliedert und enthält etwa 43 Gattungen (nach Brandbyge 1993 – wie in folgender Liste – sind es mehr (etwa 53), da dort Polygonum in mehrere Gattungen aufgegliedert ist). Sie enthält 1110 bis 1200 Arten.<ref name="GRIN" /><ref name="FoNA" />

Unterfamilie Polygonoideae

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In China kommen etwa 13 Gattungen mit etwa 238 Arten vor, 65 davon nur dort.<ref name="FoC" /> Etwa 16 Gattungen mit etwa 160 Arten kommen in Nordamerika, hauptsächlich in gemäßigten Regionen vor.<ref name="FoNA" />

Die Unterfamilie Polygonoideae enthält 15 bis 28 Gattungen mit 590 bis 850 Arten:

Datei:Centrostegia thurberi 1.jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Habitus von Centrostegia thurberi
Datei:Coccoloba sintenisii.jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Habitus von Coccoloba sintenisii
Datei:Cayos pict079.jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Coccoloba uvifera
Datei:Eriogonum arborescens 2.jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Habitus von Eriogonum arborescens
Datei:Goldcarpet at Artists Palette wash Death Valley NP.jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Habitus von Gilmania luteola
Datei:Oxytheca dendroidea (3714537447).jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Habitus von Oxytheca dendroidea
Datei:Pterostegia drymarioides 1.jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Habitus von Pterostegia drymarioides
Datei:Triplaris.jpg
Unterfamilie Eriogonoideae: Blütenstände des Ameisenbaums Triplaris americana

Unterfamilie Eriogonoideae

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Sie ist überwiegend neuweltlich und enthält 20 bis 28 Gattungen mit 325 bis 520 Arten. Nur zwei bis vier Arten sind in Afrika beheimatet. Das Zentrum der Artenvielfalt sind die gemäßigten Gebiete im westlichen Nordamerika von Alaska bis Mexiko mit sehr vielen Arten in Kalifornien. Relativ wenige Arten sind in den östlichen USA beheimatet. In Nordamerika gibt es etwa 19 Gattungen mit etwa 281 Arten. In Südamerika gibt es nur wenige Arten in Argentinien und Chile.<ref name="FoNA" /> Die meist verholzenden Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch).

Datei:메밀.JPG
Unterfamilie Polygonoideae: Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum)

Nutzung

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Der Buchweizen (Fagopyrum esculentum) war früher ein wichtiger Bestandteil der Ernährung und wird auch heute noch in der Küche verwendet. Als Obst werden Sorten des Gemeinen Rhabarbers (Rheum rhabarbarum) angebaut. Als Heilpflanzen werden Rheum rhabarbarum und Rheum officinale verwendet.

Quellen

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  • Die Familie der Polygonaceae auf der Website der Angiosperm Phylogeny Group (Abschnitte Beschreibung und Systematik).
  • L. Watson, M.J. Dallwitz: Polygonaceae Juss. In: L. Watson, M.J. Dallwitz: The families of flowering plants: descriptions, illustrations, identification, and information retrieval. delta-intkey.com (Abschnitt Beschreibung).
  • Craig C. Freeman, James L. Reveal: Polygonaceae - textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Bd. 5: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 2. Oxford University Press, New York und Oxford, 2005, ISBN 0-19-522211-3 (Abschnitte Beschreibung und Systematik).
  • Anjen Li, Bojian Bao, Alisa E. Grabovskaya-Borodina, Suk-pyo Hong, John McNeill, Sergei L. Mosyakin, Hideaki Ohba, Chong-wook Park: Polygonaceae - textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Bd. 15: Myrsinaceae through Loganiaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1996, ISBN 0-915279-37-1, S. 277–337 (Abschnitte Beschreibung und Systematik).
  • Vorlage:Webarchiv. Universität Ulm.
  • A. S. Lamb Frye, K. A. Kron: rbcL phylogeny and character evolution in Polygonaceae. In: Systematic Botany. Volume 28, Issue 2, 2003, S. 326–332 (Vorlage:DOI, Vorlage:JSTOR).

Einzelnachweise

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<references> <ref name="GRIN"> Vorlage:GRIN </ref> <ref name="DELTA"> Vorlage:Webarchiv. In: L. Watson, M.J. Dallwitz: The families of flowering plants: descriptions, illustrations, identification, and information retrieval auf delta-intkey.com.</ref> <ref name="FoNA"> Craig C. Freeman, James L. Reveal: Polygonaceae - textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Bd. 5: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 2. Oxford University Press, New York und Oxford, 2005, ISBN 0-19-522211-3.</ref> <ref name="FoC"> Anjen Li, Bojian Bao, Alisa E. Grabovskaya-Borodina, Suk-pyo Hong, John McNeill, Sergei L. Mosyakin, Hideaki Ohba, Chong-wook Park: Polygonaceae - textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China.Bd. 15: Myrsinaceae through Loganiaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1996, ISBN 0-915279-37-1, S. 277–337.</ref> <ref name="Mabberley2008"> David John Mabberley: Mabberley’s Plant-Book. A portable dictionary of plants, their classification and uses. 3. Auflage, Cambridge University Press, 2008, ISBN 978-0-521-82071-4.</ref> </references>

Weiterführende Literatur

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  • T. M. Schuster, J. L. Reveal, M. J. Bayly, K. A. Kron: An updated molecular phylogeny of Polygonoideae (Polygonaceae): Relationships of Oxygonum, Pteroxygonum, and Rumex, and a new circumscription of Koenigia. In: Taxon. Volume 64, Issue 6, 2015, ISSN 0040-0262, S. 1188–1208, Vorlage:DOI, Volltext bei ResearchGate.
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