Johannisbeeren

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Die Johannisbeeren (bundesdeutsches Hochdeutsch, auch in Vorarlberg) oder Ribiseln (österreichisches Schriftdeutsch, auch in Bayern und Südtirol; Ribes),<ref>Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner, Ruth Esterhammer, Markus Gasser, Lorenz Hofer, Birte Kellermeier-Rehbein, Heinrich Löffler, Doris Mangott, Hans Moser, Robert Schläpfer, Michael Schloßmacher, Regula Schmidlin, Günter Vallaster: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin / New York: Walter de Gruyter, 2004; S. 375, 632; .</ref> im Schweizerdeutschen (Meer-)Trübeli oder Ribiseli (weitere Namen siehe unten), sind die einzige Pflanzengattung in der Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae). Sie umfasst die im Deutschen als Johannisbeere bzw. Ribisel und Stachelbeere bezeichneten Arten. Einige Arten und ihre Sorten werden als Beerenobst, andere als Zierpflanzen genutzt.

Beschreibung

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Datei:282 Ribes alpinum.jpg
Illustration der Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum)

Vegetative Merkmale

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Bei den Ribes-Arten handelt es sich um meist laubabwerfende, selten immergrüne (Ribes viburnifolium) oder fast immergrüne (Ribes speciosum ) Sträucher, die Wuchshöhen von 1 bis 1,5 Meter erreichen, oder selten kleine Bäume.<ref>John Borg: Cultivation and diseases of fruit trees in the Maltese Islands. Govt. Printing Office, Malta 1922.</ref><ref>D. L. Domondon, J. Poppe, L. J. L. D. van Griensven: Fruit optimization with wastes used for outdoor cultivation of king stropharia. In: Science and cultivation of edible fungi. Band 2, 2000, S. 909–918.</ref> Wenige Arten leben als Epiphyten. Meist sind Kurz- und Langtriebe ausgebildet. Ein Teil der Arten ist mit Dornen bewehrt. Die Knospen besitzen papierartige bis krautige Schuppen; in ihnen sind die Blätter meist gefaltet. Die wechselständig und spiralig oder selten zu mehreren zusammengefassten, an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist einfach (Ribes speciosum, Ribes viburnifolium), oft drei- bis fünffach gelappt; bei einigen Arten besitzen sie einen auffälligen Geruch. Nebenblätter fehlen meist.

Generative Merkmale

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Es werden meist einfache, traubige, fast sitzende doldige oder schirmtraubige Blütenstände gebildet, bei einigen Arten ist der Blütenstand auf ein bis wenige Blüten reduziert. Unter jeder Blüte befinden sich zwei Tragblätter.

Datei:Ribes rubrum (knospend).jpg
Blütenstand der Roten Johannisbeere (Ribes rubrum)

Die Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtig; wenn die Blüten eingeschlechtig sind (beispielsweise Ribes diacanthum ), dann sind die Pflanzen zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Es ist ein freier Blütenbecher (Hypanthium) vorhanden. Es ist nur ein Kreis mit vier oder fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Die radiärsymmetrischen Blüten sind vier- oder fünfzählig im Grundsatz mit doppelten Perianth. Die vier bis fünf, meist kronblattartigen, grünlichen, weißen, gelben, von rosafarben über rot bis purpurfarbenen Kelchblätter sind untereinander und mit der Basis des Fruchtknotens verwachsen. Die Kelchlappen sind aufrecht oder zurückgebogen. Es sind vier oder fünf grünliche, weiße, gelbe, von rosafarben über rot bis purpurfarbene Kronblätter vorhanden oder sie fehlen bei manchen Arten. Es ist nur der äußere Kreis mit vier bis fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Bei funktional weiblichen Blüten sind die Staubblätter steril. Zwei Fruchtblätter sind zu einem meist unterständigen, selten halbunterständigen, einfächerigen Fruchtknoten verwachsen und enthalten viele Samenanlagen. Bei männlichen Blüten kann ein Gynözeum rudimentär vorhanden sein. Der Griffel ist zweilappig oder sogar bis zur Hälfte seiner Länge zweigeteilt. Es ist ein prominenter, relativ dicker, dunkelroter, purpurfarbener oder gelber Diskus vorhanden, oder er ist prominent und grünlich. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie). Lang- und kurzrüsselige Bienen und Kolibris sind die häufigsten Bestäuber; die Blüten einiger Arten werden von Schmetterlingen besucht.

Datei:Schwarzejohannisbeere.jpg
Fruchtstände der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum)
Datei:Riau 002 lhp.jpg
Samen der Gold-Johannisbeere (Ribes aureum)

Auf den saftigen Beeren ist der Kelch noch erhalten, und sie enthalten selten nur drei bis zehn, meist zehn bis hundert Samen. Die braunen bis schwarzen Samen enthalten Öl, aber keine Stärke. Die Testa und das viele Endosperm sind gelatinös. Der gerade Embryo ist zylindrisch und winzig.

Die Chromosomen­grundzahl beträgt x = 8.

Namen

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Der Name „Johannisbeere“ leitet sich vom Johannistag (24. Juni) her, um den herum die ersten Sorten reif werden.

Die Bezeichnung „Ribiseln“, von lateinisch ribes, über das gleichlautende italienische Wort,<ref>Günther Drosdowski (Hrsg.): Duden "Etymologie": Herkunftswörterbuch der Deutschen Sprache. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1989, ISBN 3-411-20907-0.</ref> stammt vom arabischen ribâs, einer im Libanon wachsenden Rhabarberart, was die mittelalterlichen Botaniker zu ribes veränderten.<ref>Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band IV, Nachdruck. Parey, Berlin 1975, ISBN 3-489-70021-X, S. 43 f.</ref>

Es existiert eine Vielzahl von weiteren, mitunter landschaftlichen Bezeichnungen für die Johannisbeere/Ribisel, darunter:

In vielen rheinfränkischen und alemannischen Mundarten im Gebiet zwischen Lothringen im Westen, Untermain im Nordosten und der Schweiz im Süden finden sich Zusammensetzungen mit Traube/Träubel:<ref name="kretschmer">Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:DWB</ref><ref>Vorlage:DWB</ref>

Weltproduktion

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2016 betrug die Welternte 655.000 Tonnen. Das Land mit der größten Johannisbeerenproduktion der Welt war Russland, das 52,7 % der weltweiten Ernte produzierte. Europa war für etwa 97,5 % der Welternte verantwortlich.<ref name="FAOSTAT">FAOSTAT-Produktionsstatistik, aufgerufen am 25. Januar 2018.</ref>

Die zehn größten Johannisbeeren-Produzenten waren 2016:<ref name="FAOSTAT" />

Produktionsland Menge in t % der Weltproduktion
Vorlage:RUS 345.049 52,7
Vorlage:POL 166.110 25,4
Vorlage:UKR 24.500 3,7
Vorlage:DEU 13.992 2,1
Vorlage:GBR 11.353 1,7
Vorlage:NZL 10.733 1,6
Vorlage:DNK 9.890 1,5
Vorlage:HUN 3.056 0,5
Vorlage:AZE 2.805 0,4
Vorlage:NLD 1.867 0,3
Welt 655.030 100

Systematik und Verbreitung

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Datei:Ribes alpinum - berries (aka).jpg
Untergattung Berisia Sektion Berisia: Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum)
Datei:Ribes fasciculatum var chinense.jpg
Untergattung Berisia Sektion Hemibotrya: Ribes fasciculatum var. chinense
Datei:Ribes divaricatum 5378.JPG
Untergattung Grossularia Sektion Grossularia: Blüten der Oregon-Stachelbeere (Ribes divaricatum var. divaricatum) mit zurückgekrümmten Kelchblättern
Datei:Ribes leptanthum berries1.jpg
Untergattung Grossularia Sektion Grossularia: Früchte der Zartblütigen Stachelbeere (Ribes leptanthum)
Datei:Grosellas.JPG
Untergattung Grossularia Sektion Grossularia: Stachelbeere (Ribes uva-crispa)
Datei:Ribes lacustre 10504.JPG
Untergattung Grossularioides: Sumpf-Stachelbeere (Ribes lacustre)
Datei:Ribes bracteosum 9124.JPG
Untergattung Ribes Sektion Botrycarpum: Ribes bracteosum
Datei:SvVinbärI0008.JPG
Untergattung Ribes Sektion Botrycarpum: Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)
Datei:Ribes malvaceum var veridifolium 2.jpg
Untergattung Ribes Sektion Calobotrya: Ribes malvaceum var. viridifolium
Datei:Ribes sanguineum A.jpg
Untergattung Ribes Sektion Calobotrya: Blut-Johannisbeere (Ribes sanguineum)
Datei:Ribes cereum var cereum 2.jpg
Untergattung Ribes Sektion Cerophyllum: Ribes cereum var. cereum
Datei:Ribes laxiflorum (Flower).jpg
Untergattung Ribes Sektion Heritiera: Blütenstände von Ribes laxiflorum
Datei:Ribes meyeri (Flower).jpg
Untergattung Ribes Sektion Ribes: Blütenstände von Ribes meyeri
Datei:Ribes petraeum a1.jpg
Untergattung Ribes Sektion Ribes: Felsen-Johannisbeere (Ribes petraeum)
Datei:Ribesaureum1pl.jpg
Untergattung Ribes Sektion Symphocalyx: Gold-Johannisbeere (Ribes aureum)

Die Familie Grossulariaceae wurde 1805 von Augustin-Pyrame de Candolle in Flore Française, Troisième Édition, 4(2), S. 405 aufgestellt. Die Typusgattung Grossularia Vorlage:Person wurde 1754 von Philip Miller in The Gardeners Dictionary … Abridged …, 4. Auflage mit der Typusart Grossularia hirsuta Vorlage:Person veröffentlicht. Einige der noch bei A. Cronquist 1981 in die Grossulariaceae eingegliederte Gattungen mit Kapselfrüchten bilden heute eigene Familien: Itea als Iteaceae und Escallonia Vorlage:Person f. als Escalloniaceae.

Der Gattungsname Ribes wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 200–202 erstveröffentlicht. Typusart ist die Ribes rubrum Vorlage:Person Synonyme für Ribes L. sind: Botrycarpum A. Rich., Botryocarpium Vorlage:Person, Calobotrya Vorlage:Person, Cerophyllum Vorlage:Person, Chrysobotrya Vorlage:Person, Coreosma Vorlage:Person, Grossularia Vorlage:Person, Liebichia Vorlage:Person, Rebis Vorlage:Person, Ribesium Vorlage:Person, Rolsonia Vorlage:Person<ref name="GRINfam" />

Die Gattung Ribes wird in Untergattungen und Sektionen gegliedert, hier jeweils mit einer Auswahl an Arten:<ref name="GRIN" />

Weltweit umfasst die Gattung etwa 140 bis 160 Arten. Hauptverbreitungsgebiet sind die gemäßigten Klimagebiete der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden gibt es einige Arten. In der Volksrepublik China kommen 59 Arten vor, davon 25 nur dort. 53 Arten kommen in Nordamerika vor. Dagegen sind nur wenige Arten in Südamerika beheimatet.

Gärtnerische Züchtungen:

Nutzung

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Datei:Weiße Johannisbeere.JPG
Fruchtstand der Weißen Johannisbeere
Datei:Bijeli ribizl.jpg
Weiße Johannisbeeren

Einzelne Ribes-Arten werden als Obststräucher, Zierpflanzen und zur Herstellung von Parfüm genutzt:

  • Insbesondere Sorten der Alpen-Johannisbeere, der Gold-Johannisbeere und der Blut-Johannisbeere sind Zierpflanzen in Parks und Gärten, die sowohl einzeln als auch als Hecke gepflanzt werden.

Weiterführende Literatur

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  • Claude-Antoine Thory: Monographie; ou, Histoire naturelle du genre groseillier: contenant la description, l'histoire, la culture et les usages de toutes les groseilles connues ..., Verlag P. Dufart, 1829: PDF bei Google-Books, Google-Books Online.
  • L. M. Donoghue & M. J. Donoghue: Molecular phylogeny and biogeography of Ribes (Grossulariaceae), with an emphasis on gooseberries (subg. Grossularia), in Syst. Bot. 29, 2004, 77–96.

Quellen

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  • Die Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae) bei der APWebsite (Abschnitt Beschreibung, Systematik)
  • Die Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae) bei DELTA von L. Watson & M. J. Dallwitz.. (Abschnitt Beschreibung)
  • Jin-tang Pan, Cuizhi Gu, Shumei Huang, Chao-fen Wei, Shu-ying Jin, Lingdi Lu, Shinobu Akiyama, Crinan Alexander, Bruce Bartholomew, James Cullen, Richard J. Gornall, Ulla-Maj Hultgård, Hideaki Ohba & Douglas E. Soltis: Saxifragaceae in der Flora of China, Volume 8, S. 428: Ribes - Online. (Abschnitt Beschreibung, Systematik und Verbreitung)
  • Nancy R. Morin: Grossulariaceae in der Flora of North America, Volume 8, 2009 ab S. 8: Online. (Abschnitt Beschreibung und Verbreitung)
  • O. Sebald, S. Seybold, G. Philippi: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Band 3, Ulmer Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-8001-3314-8
  • Walter Erhardt u. a.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7

Einzelnachweise

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<references> <ref name="GRIN"> Vorlage:GRIN </ref> <ref name="GRINfam"> Vorlage:GRIN </ref> </references>

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Vorlage:Commonscat Vorlage:Wikispecies Vorlage:Wiktionary


Vorlage:Normdaten