Gemüsekohl

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Gemüsekohl (Brassica oleracea) ist eine formenreiche Pflanzenart der Gattung Kohl (Brassica) in der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).<ref name="Euro+Med" /> Die Zuchtformen umfassen etliche Gemüse-Kulturformen.

Beschreibung

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Datei:Brassica oleracea Helgoland1.jpg
Blütenstand eines Wildkohls
Datei:Brassica oleracea Helgoland5.jpg
Stängel und Blätter des Wildkohls

Vegetative Merkmale

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Der Gemüsekohl ist eine ein- bis zweijährige (Kulturformen) oder ausdauernde, krautige Pflanze, die im höheren Alter verholzt sein kann. Die Wuchshöhen betragen meist 50 bis 100 (40 bis 120) Zentimeter.<ref name="Jepson_eFlora2012" /> Der Stängel ist abstehend-sparrig, jedoch wenig verzweigt und aufrecht.

Die wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind oft in Blattstiel und -spreite gegliedert und oft abwischbar blau bereift sowie meist kahl. Die Blattspreite ist meist leierförmig fiederspaltig oder auch ungeteilt.<ref name="Markgraf1958" /> Die oberen Stängelblätter sind an der Spreitenbasis gerundet oder verschmälert und sitzend.

Generative Merkmale

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Blütezeit ist April bis September.<ref name="Markgraf1958" /> Der Blütenstand ist schon beim Aufblühen verlängert und locker; die geöffneten Blüten stehen tiefer als die Knospen.<ref name="Markgraf1958" /> Die Blütenstiele sind meist länger als der Kelch und fast so lang wie die ganze Blüte.<ref name="Markgraf1958" />

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier aufrechten Kelchblätter sind bei einer Länge von 6 bis 12 Millimetern schmal-elliptisch lang.<ref name="Markgraf1958" /> Die vier schwefel-gelben Kronblätter sind bei einer Länge von 12 bis 26 Millimetern schmal-elliptisch oder schmal verkehrt-eiförmig; ihre Platte ist am Grund allmählich verschmälert und ihr Nagel ist schmal keilförmig und etwa so lang wie der Kelch.<ref name="Markgraf1958" /> Die Staubblätter sind aufrecht. Von den vier Nektardrüsen stehen zwei an der Innenseite der beiden kürzeren Staubblätter und die 2 anderen außen je zwischen den zwei längeren Staubblättern.<ref name="Markgraf1958" />

Der Fruchtstiel ist erst aufrecht, später abstehend oder hängend.<ref name="Markgraf1958" /> Die Früchte sind die für die Familie typischen Schoten. Die Schoten sind 4 bis 13 Zentimeter lang und 3 bis 4 Millimeter breit.<ref name="Markgraf1958" /> Die Fruchtklappen sind gewölbt und durch die Samen höckerig aufgetrieben.<ref name="Markgraf1958" /> Jedes Fruchtfach enthält 8 bis 16 Samen.<ref name="Markgraf1958" /> Der Fruchtschnabel weist etwa ein Zehntel bis ein Viertel der Länge der Fruchtklappen auf.<ref name="Markgraf1958" /> Die Samen sind bei einem Durchmesser von 1,5 bis 4 Millimetern fast kugelig.<ref name="Markgraf1958" />

Chromosomen

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Alle Formen und Varietäten haben dieselbe Chromosomenzahl 2n = 18. Sie besitzen ca. 100.000 Gene verteilt auf ein Genom von 599 bis 868 Mbp (Millionen Basenpaare), und somit vier- bis zehnmal so viele wie die Modellpflanze Arabidopsis thaliana.<ref name="NCBI" />

Ökologie

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Datei:Knolvoet bij bloemkool (Plasmodiophora brassicae on cauliflower).jpg
Kohlhernie beim Blumenkohl

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten oder durch Selbstbestäubung. Die Ausbreitung der Samen erfolgt durch den Wind, durch Selbstausbreitung oder durch den Menschen (Anemochorie, Autochorie, Hemerochorie). Die Samen, die sich im Schnabelteil der Frucht entwickeln, sind leichter als die anderen, diese entwickeln sich auch später zu schwächeren Pflanzen.<ref name="Markgraf1958" />

Brassica oleracea ist Wirtspflanze für den Pilz Plasmodiophora brassicae, der die Kohlhernie hervorruft. Der Pilz Olpidium brassicae bewirkt das Umfallen der jungen Kohlpflanzen. Eine andere Umfallkrankheit, die Wurzelhals- und Stängelfäule wird durch den Pilz Phoma lingam hervorgerufen. Eine Schwarztrockenfäule des Kohls wird durch das Bakterium Pseudomonas campestris erzeugt. Die häufigste Krankheit durch Viren wird durch das Blumenkohlmosaikvirus hervorgerufen.<ref name="Markgraf1958" />

Vorkommen

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Ursprünglich ist die Wildform des Gemüsekohls in den meridionalen bis temperaten, ozeanisch geprägten Küstenbereichen Europas heimisch. Sie wächst auf Felsen, zum Teil auf Küstenkliffen, aber auch in Gebirgen. Wenige Autoren glauben, dass die Wildform ursprünglich nur in Spanien, Frankreich und Großbritannien vorkommt; die Vermutungen gehen aber weit auseinander; es gibt Autoren, die ein weites ursprüngliches Verbreitungsgebiet für die Wildformen angeben.<ref name="IUCN" /> In Deutschland kommt die Wildform nur auf Helgoland vor und wird hier „Klippenkohl“ genannt. Er wächst hier in der Pflanzengesellschaft Brassicetum oleraceae (Crithmo-Armerion maritimae) an den Felshängen der Insel und teilweise an Ruderalstandorten, die den Schafen nicht zugänglich sind.

Die Zuchtformen kommen außer in Gärten und auf Äckern selten auch verwildert vor und siedeln dann auf Schutt und auf frischen, nährstoffreichen Böden. Im Berner Oberland wird die Art bis in Höhen von 1870 Meter kultiviert.<ref name="Markgraf1958" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 5 (sehr nährstoffreich bis überdüngt), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch), Salztoleranz 1 = tolerant.<ref name="InfoFlora" />

Wirtschaftliche Bedeutung

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2022 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit 72.603.755 t Gemüsekohl geerntet.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Produzenten von Gemüsekohl weltweit, die insgesamt 79,4 % der Erntemenge produzierten.

Größte Gemüsekohlproduzenten (2022)<ref name="fao">Vorlage:Internetquelle</ref>
Rang Land Menge
(in t)
Vorlage:01 Vorlage:CHN 34.986.294
Vorlage:02 Vorlage:IND 9.825.000
Vorlage:03 Vorlage:KOR 2.428.894
Vorlage:04 Vorlage:RUS 2.298.209
Vorlage:05 Vorlage:UKR 1.533.450
Vorlage:06 Vorlage:IDN 1.503.798
Vorlage:07 Vorlage:JPN 1.460.066
Vorlage:08 Vorlage:KEN 1.381.935
Vorlage:09 Vorlage:VNM 1.174.615
10 Vorlage:USA 1.029.337
Top Ten 57.621.598
restliche Länder 14.982.157

Die größten Produzenten in der europäischen Union waren: Deutschland (650.360 t), Italien (403.890 t), und Rumänien (387.400 t).<ref name="fao" />

Datei:Kohlrabi violett blueht seitlich.jpg
Blühender Kohlrabi

Systematik

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Wildformen

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Der Wildkohl kommt in fünf größeren, nicht aneinandergrenzenden Gebieten vor. Die Pflanzenpopulationen dieser Gebiete unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Morphologie (Wuchshöhe, Verzweigungsgrad, Blattmerkmale, Blütenfarbe), lassen sich jedoch frei untereinander kreuzen. Sie werden daher je nach Autor als Art oder als geografische Unterart geführt:

  1. Brassica cretica Vorlage:Person kommt im südlichen Griechenland inklusive Kreta und in der Südwesttürkei auf Küstenkliffen vor. Es ist eine ausdauernde (fünf- bis achtjährige) Form mit verzweigten, holzigen Strünken, fleischigen Blättern und hellgelben bis weißen Blüten.<ref name="Rakow2004" />
  2. Brassica rupestris-incana-Komplex ist in Mittel- und Süditalien mit Sizilien und im Dinarischen Gebirge beheimatet.<ref name="Rakow2004" /> Es ist eine heterogene Gruppe mit folgenden gemeinsamen Merkmalen: große, dünne, behaarte Blätter mit einem einzelnen hohen gipfelständigen Blütentrieb.
  3. Brassica insularis Vorlage:Person auf Korsika, Sardinien und in Tunesien sind niedrige, verzweigte Pflanzen mit steifen, fleischigen Blättern und großen weißen Blüten.
  4. Brassica montana Vorlage:Person, manchmal der Brassica-oleracea-Gruppe zugeordnet, wächst an der nördlichen Mittelmeerküste von Spanien, Frankreich und Italien.<ref name="Rakow2004"/> Es sind strauchige, mehrjährige Pflanzen mit grünen, nicht blaugrauen Blättern.
  5. Brassica oleracea Vorlage:Person wächst an den Küstenfelsen des Atlantiks von Spanien bis Südengland sowie auf Helgoland. Die Blätter sind graugrün und haarlos.

Zuchtformen

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Datei:Broccoli2.jpg
Broccoli
Datei:ConeCabbage3200ppx.jpg
Spitzkohl
Datei:Wirsingkohl.jpg
Wirsing
Datei:Cabbage.jpg
Weißkohl

Die vielen Zuchtformen des Gemüsekohls werden als Varietäten geführt. Man unterscheidet in der Regel (in Klammern die genutzten Pflanzenteile):

  • Brassica oleracea convar. capitata Vorlage:Person = Kopfkohl
    • Brassica oleracea convar. capitata var. alba Vorlage:Person = Weißkohl, Weißkraut (Blätter des gestauchten Sprosses)
    • Brassica oleracea var. capitata fo. alba subfo. conica = Spitzkohl, Spitzkraut, Filderkraut
    • Brassica oleracea convar. capitata var. rubra Vorlage:Person = Rotkohl, Rotkraut (Blätter des gestauchten Sprosses)
    • Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda Vorlage:Person = Wirsing, Savoyer Kohl (Blätter des gestauchten Sprosses)

Dagegen gehört der Chinakohl (Brassica rapa subsp. pekinensis) Vorlage:Person zu den Rübsen (Brassica rapa).

Nutzungsgeschichte

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Wann und wo die Wildformen in Kultur genommen wurden, lässt sich nicht nachvollziehen. Noch 1980 wurde etwa auf Samos die dort wild vorkommende Brassica cretica von den Einheimischen auf den Äckern kultiviert. Alle Wildformen und Kulturformen sind miteinander kreuzbar. Der Grüne Krauskohl lässt sich zumindest für das Griechenland des 3. Jahrhunderts v. Chr. nachweisen, ebenso für Italien. In Deutschland findet er sich in den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts. Kohlrabi und Markstammkohl werden von Plinius dem Älteren erwähnt, in Deutschland lässt er sich ab dem 16. Jahrhundert nachweisen. Die festen Kohlköpfe sind auch erst aus dieser Zeit nachgewiesen, dürften aber schon zur Zeit Hildegards von Bingen im 11. Jahrhundert existiert haben. Die Deutung von lateinisch strucium bzw. strutium (bzw. caulis agrestis) für Wildkohl als Brassica-Art ist wohl spekulativ.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 229 („Strucium – wiltkol, ungeplanzet kol, caulis agrestis […] est cauliculus agrestis“).</ref> Brokkoli und Blumenkohl dürften aus Südgriechenland stammen. Über Genua (um 1490) dürften sie nach Frankreich, Flandern und Deutschland gekommen sein. Die ersten Abbildungen stammen von 1542. Der Rosenkohl wurde im 15. Jahrhundert in den spanischen Niederlanden beschrieben.

Inhaltsstoffe

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Neben Vitaminen und Mineralstoffen, beispielsweise Vitamin C, Vitamine des B-Komplexes, Betacarotin, Folsäure und Kalium, Calcium sowie Eisen, sind in Kohlgemüsen reichlich Ballaststoffe, Glucosinolate und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten.

Alle Kohlsorten enthalten organische Schwefelverbindungen, die den typischen Eigengeruch beim Garen und in der Verdauung bewirken.

Literatur

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Einzelnachweise

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<references> <ref name="InfoFlora"> Vorlage:InfoFlora </ref> <ref name="IUCN"> Vorlage:IUCN </ref> <ref name="NCBI"> National Center for Biotechnology Information = NCBI - Taxonomy Browser Brassica oleracea online. </ref> <ref name="Rakow2004">G. Rakow: Species Origin and Economic Importance of Brassica. In: Biotechnology in Agriculture and Forestry, Volume 54, Springer, 2004. (Vorlage:Webarchiv)</ref> <ref name="Markgraf1958"> Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. S. 439–454. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Verlag Carl Hanser, München 1958. </ref> <ref name="Jepson_eFlora2012"> Ihsan A. Al-Shehbaz: Datenblatt Brassica oleracea, 2012 In: Jepson Flora Project (Hrsg.): Jepson eFlora. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Brassicaceae. Datenblatt Brassica oleracea In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

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Vorlage:Commonscat