Farne
Die Farne (Mehrzahl von Farn, mittelhochdeutsch farn und daneben farm, ‚Farn, Farnkraut‘, von indogermanisch *porn-no-, ‚Feder, Blatt‘<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 184–185.</ref>) sind eine Gruppe von Gefäßsporenpflanzen, die die Schwestergruppe der Samenpflanzen bilden. Die Farne umfassen alle Gefäßsporenpflanzen exklusive der Bärlapppflanzen. Somit zählen zu ihnen die Schachtelhalme, die Gabelblattgewächse, die Natternzungengewächse, die Marattiaceae und die Echten Farne. Sie werden häufig als Monilophyten bezeichnet, die Bezeichnungen Monilophyta oder Moniloformopses sind jedoch keine gültigen Taxon-Bezeichnungen.<ref name="Smith" />
Es gibt weltweit rund 12.000 Arten, die meisten davon in den immerfeuchten Tropen. In Europa sind etwa 171<ref name="FE1" /> Arten, in Mitteleuropa etwa 101<ref name="Hegi" /> Arten beheimatet.
Geschichte
[Bearbeiten]Im Karbon (vor etwa 360–300 Millionen Jahren) bildeten Farne (in größerer Form als heute, meist Baumfarne genannt) zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapppflanzen riesige Wälder und schufen die Basis für die meisten heutigen Steinkohle-Vorkommen.<ref name="Fitschen12" /> Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem unteren Devon (vor etwa 400 Millionen Jahren). Farne sind somit wahrscheinlich älter als die Samenpflanzen, die erstmals im oberen Devon auftraten.
Merkmale
[Bearbeiten]Die Farne besitzen alle Merkmale der Gefäßsporenpflanzen. Sie haben eine besondere Form der Gefäßbündel: Das Protoxylem ist auf bestimmte Lappen des Xylemstrangs beschränkt. Daher kommt auch der Name Monilophyta: Lateinisch moniliformis bedeutet „halsbandförmig“. Alle rezenten Vertreter haben auch eine spezifische Insertion im Plastiden-Gen rps4 von neun Nukleotiden.
Farnpflanzen sind in der Regel außerdem durch Wedelblätter (ähnlich den Palmwedeln) mit Rhachis gekennzeichnet, die über rand- oder unterständige Sporangien verfügen. Die Fiederblätter von Farnen sind bei den meisten Arten flächig ausgebildet und in der Jugend eingerollt.<ref name="SPE" />
In tropischen Gebieten wachsen die größten Farnpflanzen, die Baumfarne. Vertreter der Familien Cyatheaceae und Dicksoniaceae bilden einen Scheinstamm aus und ähneln daher Bäumen.<ref name="LEXB" />
Verbreitung
[Bearbeiten]Durch ihre unterschiedlichen Wuchsformen besiedeln Farne weltweit unterschiedliche Lebensräume, wobei sie eher feuchte Standorte bevorzugen. Ihren Verbreitungsschwerpunkt, sowie die größte Artenvielfalt weisen Vertreter der Farne in Orientalis, Mittelamerika und dem nördlichen Südamerika auf.<ref name="SPE" />
Viele Farnpflanzen bevorzugen schattige Plätze im Wald, in Mauerritzen, Felsspalten und Schluchten oder in der Nähe von Gewässern, es gibt aber auch lichtliebende Arten.
Nutzung
[Bearbeiten]Manche Farne werden als Zierpflanzen genutzt, da sie winterhart sind und auch an schattigen Standorten gedeihen.<ref name="NDR" /><ref name="Schoener_Garten" /> Junger Adlerfarn und Straußenfarn werden trotz ihrer Giftigkeit regional als Salat oder Wildgemüse gegessen.<ref name="Cole" /><ref name="Ashkenazi" /><ref name="University_of_Maine" />
In den Küchen asiatischer Länder wie der chinesischen und der japanischen stehen unterschiedliche Arten von Farnen bereits seit rund 3000 Jahren auf dem Speiseplan zahlreicher Menschen. Dabei werden sämtliche Teile diverser Farne (wie des Adlerfarns) so zubereitet, dass sie sich für den menschlichen Verzehr eignen.<ref name="Liu" />
In der Weißkrain wurde auf sogenannten Steljniki Adlerfarn als Einstreu kultiviert.<ref name="rtvslo.si" /><ref name="stat.si" />
Farne wurden auch in der Heilkunde verwendet. Als Farnkraut bzw. Farn wurden im Mittelalter meist Echter Wurmfarn („männlich“) und Wald-Frauenfarn („weiblich“),<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 185 (zu Filex – farnkrut […]).</ref> weniger<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 375 (Varm).</ref> der Bergfarn.
Systematik
[Bearbeiten]Die Farne werden nach der hier verwendeten Systematik von Smith et al. (2006)<ref name="Smith"/> in vier Klassen unterteilt, die alle monophyletisch sind:
- Klasse Psilotopsida
- Ordnung Natternzungenartige (Ophioglossales)
- Familie Natternzungengewächse (Ophioglossaceae) (inkl. Botrychiaceae, Helminthostachyaceae)
- Ordnung Gabelblattartige (Psilotales)
- Familie Gabelblattgewächse (Psilotaceae) (inkl. Tmesipteridaceae)
- Ordnung Natternzungenartige (Ophioglossales)
- Klasse Equisetopsida [= Sphenopsida]
- Ordnung Schachtelhalmartige (Equisetales)
- Familie Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)
- Ordnung Schachtelhalmartige (Equisetales)
- Klasse Marattiopsida
- Ordnung Marattiales
- Familie Marattiaceae (inkl. Angiopteridaceae, Christenseniaceae, Danaeaceae, Kaulfussiaceae)
- Ordnung Marattiales
- Klasse Echte Farne (Polypodiopsida) [= Filicopsida]
- Ordnung Königsfarnartige (Osmundales)
- Ordnung Hautfarnartige (Hymenophyllales)
- Ordnung Gleicheniales
- Ordnung Schizaeales
- Ordnung Schwimmfarnartige (Salviniales)
- Ordnung Baumfarne (Cyatheales)
- Ordnung Tüpfelfarnartige (Polypodiales)
- Für die Gliederung bis auf Familienebene siehe Echte Farne
Fossile Gruppen, die an der Basis der heute existierenden Farne stehen, sind:<ref name="Taylor" />
- Cladoxylopsida
- Frühe farnähnliche Pflanzen
Bildergalerie
[Bearbeiten]-
Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium)
-
Wiesen-Schachtelhalm (Equisetum pratense)
-
Farnwedel vor dem Ausrollen
-
Junger Farn, der nur zum Teil ausgerollt ist
-
Wappen von Fornach
Literatur
[Bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references> <ref name="Smith">Vorlage:Literatur</ref> <ref name="Fitschen12">Vorlage:Literatur</ref> <ref name="NDR">Vorlage:Internetquelle</ref> <ref name="Cole">Vorlage:Literatur</ref> <ref name="Taylor">Vorlage:BibISBN</ref> <ref name="SPE">Vorlage:Internetquelle</ref> <ref name="LEXB">Vorlage:Internetquelle</ref> <ref name="Hegi">Vorlage:BibISBN</ref> <ref name="FE1">Vorlage:BibISBN</ref> <ref name="Schoener_Garten">Vorlage:Internetquelle</ref> <ref name="Ashkenazi">Vorlage:Literatur</ref> <ref name="University_of_Maine">Vorlage:Internetquelle</ref> <ref name="Liu">Vorlage:Literatur</ref> <ref name="rtvslo.si">Vorlage:Internetquelle</ref> <ref name="stat.si">Vorlage:Internetquelle</ref> </references>
Weblinks
[Bearbeiten]- Ralf Appelt: www.farndatenbank.de – Projekt zur Farnbestimmung
- www.Bambusarium.de – Bilder von Freilandfarnen
- Hans-Jürgen Czichowski: Farnpflanzen im Harz