Evangelische Räte
Die evangelischen Räte (lat. consilia evangelica) sind Ratschläge, die Jesus Christus im Evangelium denen gab, die, wie in Vorlage:B beschrieben, „vollkommen sein“ wollten. Sie lauten Keuschheit, Armut und Gehorsam. Ihre Befolgung ist für Christen – unter anderem dem Römerbrief zufolge Vorlage:Bibel – nicht zur Erlangung des ewigen Lebens notwendig. Sie beruhen auf der Lehre und dem Beispiel Christi und sind ein Geschenk Gottes für diejenigen Gläubigen, die er in besonderer Weise dazu beruft.
Geschichte
[Bearbeiten]Seit dem 12. Jahrhundert trat eine Trias von Räten als Rechtsinhalt von Ordensgelübden hervor.<ref>Vorlage:LThK</ref> Insbesondere Menschen, die sich für ein gottgeweihtes Leben entscheiden (Ordensmänner und -frauen, Eremiten, geweihte Jungfrauen, Mitglieder der Säkularinstitute), verpflichten sich seitdem zu einem Leben nach den evangelischen Räten:
- Keuschheit, Jungfräulichkeit oder Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen: Der Rat zu einem Leben in Jungfräulichkeit bzw. eheloser Keuschheit wird aus Vorlage:B abgeleitet. Manche geistliche Gemeinschaften nehmen auch verheiratete Mitglieder auf.
- Armut: Vorlage:B warnt vor einer Überbewertung und einer zu starken Bindung an irdische Güter und verlangt einen einfachen Lebensstil. In den Bettelorden spielt das Gelübde der Armut per definitionem eine besondere Rolle.
- Gehorsam: In Anlehnung an Vorlage:B kann der Gehorsam als Bereitschaft zur Einordnung in eine Gemeinschaft oder zum Gehorsam gegenüber einem Oberen verstanden werden. In den Orden findet dies seinen Ausdruck im Gehorsamsversprechen bei der Profess vor dem Abt oder Prior; allein lebende Personen des geweihten Lebens sind dagegen in der Regel dem Bischof der jeweiligen Diözese direkt unterstellt.
Die drei evangelischen Räte werden zuweilen auch als franziskanische Tugenden bezeichnet. Das geht auf eine Legende des heiligen Franz von Assisi zurück, der auf einem Weg nach Siena drei Frauen begegnete, allegorischen Verkörperungen von Armut, Keuschheit und Gehorsam.
Gegenwärtiges Verständnis
[Bearbeiten]Das Zweite Vatikanische Konzil betonte im Kontext der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit in Lumen gentium: Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat
Entsprechend wird im Katechismus der Katholischen Kirche die Unterscheidung zwischen den Geboten und den evangelischen Räten zwar auch auf die Vollkommenheit der Liebe bezogen, jedoch in übergreifender Weise: Vorlage:Zitat
Literatur
[Bearbeiten]- Papst Pius XII., Enzyklika Sacra virginitas. Über die gottgeweihte Jungfräulichkeit. 25. März 1954.
- Johannes Bours, Franz Kamphaus: Leidenschaft für Gott. Ehelosigkeit, Armut, Gehorsam. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1991, ISBN 3-451-19435-X.
- Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1994, ISBN 3-451-22568-9.
- Vorlage:Literatur
- Vorlage:Literatur
- Paul Zulehner: Evangelische Räte/Prophetische Lebensstile. In: Christian Schütz (Hrsg.): Praktisches Lexikon der Spiritualität. Herder, Freiburg i.Br. u. a. 1992, ISBN 3-451-22614-6, Sp. 352–356.
Weblinks
[Bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references/>