Commelinagewächse

Aus Demo Wiki
Zur Navigation springenZur Suche springen

Vorlage:Taxobox

Die Commelinagewächse (Commelinaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Commelinaartigen (Commelinales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Sie sind hauptsächlich in den Subtropen und Tropen beheimatet. Einige Arten sind in vielen Gebieten der Welt Neophyten. Viele Taxa dieser Familie werden als Zierpflanzen verwendet, in den gemäßigten Breiten besonders als Zimmerpflanzen bekannt.

Beschreibung und Ökologie

[Bearbeiten]
Datei:Streptolirion volubile transaction linnean society 1846 edgeworth.jpeg
Illustration von Streptolirion volubile, aus Transaction Linnean Society, 1846
Datei:Cochliostema relutinum0.jpg
Blüte von Cochliostema velutinum

Erscheinungsbild und Blätter

[Bearbeiten]

Es sind selten einjährige (beispielsweise alle Tinantia-Arten) oder meist immergrüne, ausdauernde krautige bis sukkulente Pflanzen, die manchmal an der Basis etwas verholzen. Arten in ariden Gebieten bilden Rhizome oder Wurzelknollen als Überdauerungsorgane. Sie wachsen selbständig aufrecht, kriechend, hängend oder kletternd (beispielsweise Palisota thollonii) und wenige Arten als Epiphyten (beispielsweise beide Cochliostema-Arten und Belosynapsis vivipara). Die jungen Stängel brechen oft leicht an den meist verdickten Knoten (Nodien).

Bei fast allen Commelinaceae sind nadelförmige Calciumoxalat-Kristalle (Raphiden) in Reihen („Raphidenkanälen“) vorhanden – sie fehlen nur bei Cartonema. Drüsige Mikrohaare sind bei allen Commelinoideae vorhanden – sie fehlen aber bei allen Cartonematoideae (ein wichtiges Merkmal um die beiden Unterfamilien zu trennen).

Datei:Commelina communis 001.jpg
Zygomorphe Blüte von Commelina communis
Datei:Zebrina pendula 20060521 2 closer.jpg
Radiärsymmetrische Blüte von Tradescantia zebrina
Datei:Palisota barteri (BG Zurich)-02.JPG
Tribus Tradescantieae Subtribus Palisotinae: Fruchtstände von Palisota barteri mit Beeren

Die wechselständig und spiralig oder zweizeilig in einer grundständigen Rosette oder am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind gestielt oder ungestielt und besitzen eine Blattscheide. Oft umhüllt die Blattscheide den Stängel teilweise bis sich ihre Enden berühren. Die Laubblätter sind oft mehr oder weniger fleischig oder krautig. Die einfachen Blattspreiten ist parallelnervig und ganzrandig. Um die Stoma sind meist vier oder sechs, selten zwei Nebenzellen sehr charakteristisch angeordnet.

Blütenstände, Blüten und Bestäubung

[Bearbeiten]

Die Blüten stehen selten einzeln, sondern meist zu vielen in unverzweigten oder verzweigten Blütenständen, die aus Zymen zusammengesetzt sind. Manchmal sind große Hochblätter vorhanden.

Die meist zwittrigen, selten eingeschlechtigen Blüten sind dreizählig und radiärsymmetrisch bis stark zygomorph. Es gibt einige einhäusig (monözisch) und zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtige Arten. Die zwei Kreise mit je drei nicht gleichgestaltigen Blütenhüllblätter sind in Kelch- und Kronblätter gegliedert. Die drei Kelchblätter sind meist frei oder selten an ihrer Basis verwachsen. Die meist drei, manchmal genagelten Kronblätter sind oft frei oder manchmal im mittleren Bereich röhrig verwachsen. Manchmal ist ein Kronblatt anders gefärbt oder mehr oder weniger stark reduziert bis nur noch zwei Kronblätter erkennbar sind. Die Kronblätter können weiß, blau bis purpurfarben oder selten gelb (aber bei allen Cartonematoideae) sein. Es sind zwei Kreise mit je drei freien Staubblättern vorhanden. Entweder sind alle Staubblätter fertil oder nur zwei bis drei bis selten nur noch eines, dann sind Staminodien vorhanden. Die Staubfäden sind kahl oder besitzen oft auffällige Haare. Die Staubbeutel öffnen sich meist mit einem Längsschlitz und besitzen manchmal Anhängsel. Die meist sulcaten, zweizelligen Pollenkörner besitzen meist eine Apertur oder seltener zwei bis vier. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen mit einer bis einigen bis vielen (1 bis 50) aufsteigenden Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. Der einfache Griffel endet in einer kleinen oder vergrößerten Narbe.

Die Bestäubung erfolgt autogam oder entomophil. Es wird kein Nektar produziert, sondern viele Arten besitzen einen sehr speziellen Anlockungsmechanismus: Es werden zwei verschiedene Staubblatttypen gebildet, neben den fertilen Staubblättern gibt es hellgelbe, sogenannte „Futterstaubblätter“, die die Bestäuber durch die Produktion kleiner Pollen anlocken, die diesen Insekten als Nahrung dienen. Bei einigen Arten werden auch spezielle Haare auf den Staubblättern gebildet, die den Bestäubern als Nahrung dienen.

Früchte, Samen und Keimlinge

[Bearbeiten]

Es werden meist zwei- bis dreifächerige, meistens trockene, lokulizide Kapselfrüchte gebildet; selten sind sie fleischig und beerenähnlich (Pollia). Manchmal werden Beeren (Palisota) gebildet. Die Früchte enthalten wenige Samen. Die große Samen sind stärkehaltig und besitzen einen chlorophylllosen Embryo.

Es ist meist ein Keimblatt (Kotyledonen), manchmal sind aber zwei vorhanden. Ein Hypocotyl-Internodium ist oft vorhanden, manchmal ist es lang, oder es fehlt beispielsweise bei Cyanotis.

Chromosomensätze und Inhaltsstoffe

[Bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahlen sind unterschiedlich: meist x = 6 bis 16, möglich sind aber x = 4 bis 29. An Inhaltsstoffen können je nach Taxon beispielsweise Cyanidin, Proanthocyanidine, Alkaloide und bei Cyanotis Saponine vorhanden sein.

Systematik

[Bearbeiten]
Datei:Blue Pair.JPG
Tribus Commelineae: Commelina erecta
Datei:Murdannia edulis in Hyderabad, AP W IMG 9922.jpg
Tribus Commelineae: Murdannia edulis
Datei:Yabumyoga 07c4477.jpg
Tribus Commelineae: Pollia japonica
Datei:Coleotrype natalensis Jaarsveld 18098 Levubu River South Africa.jpg
Tribus Tradescantieae Subtribus Coleotrypinae: Coleotrype natalensis
Datei:Cyanotis somaliensis.jpg
Tribus Tradescantieae Subtribus Cyanotinae: Cyanotis somalensis ist halbsukkulente Art aus Ostafrika und ist an ihren kleinen, längsgefalteten, behaarten Blättern zu erkennen
Datei:Cochliostema relutinum2.jpg
Tribus Tradescantieae Subtribus Dichorisandrinae: Habitus von Cochliostema velutinum
Datei:Dichorisandra thyrsiflora 2.jpg
Tribus Tradescantieae Subtribus Dichorisandrinae: Dichorisandra thyrsiflora
Datei:Palisota pynaertii 'Elizabethae'1.jpg
Tribus Tradescantieae Subtribus Palisotinae: Palisota pynaertii Sorte 'Elizabethae'
Datei:Tinantia erecta - Fleur-2.jpg
Tribus Tradescantieae Subtribus Thyrsantheminae: Blütenstand von Tinantia erecta
Datei:Dragãozinho.jpg
Tribus Tradescantieae Subtribus Tradescantiinae: Callisia warszewicziana, eine sukkulente Art
Datei:Cartonema spicatum (Illustrationes Florae Novae Hollandiae plate 7).jpg
Unterfamilie Cartonematoideae Tribus Cartonemateae: Illustration von Cartonema spicatum

Die Familie Commelinaceae wurde 1804 durch Charles François Brisseau de Mirbel in Histoire naturelle, générale et particulière, des plantes, Band 8, S. 177 aufgestellt. Typusgattung ist Commelina Vorlage:Person<ref name="Tropicos" /> Der botanische Gattungsname Commelina ehrt die holländischen Botaniker Jan Commelijn (1629–1692) und dessen Neffen Caspar Commelijn (ca. 1667–1731).<ref name="Burkhardt2016" /> Die Taxa der früheren Familien Cartonemataceae Vorlage:Person, Ephemeraceae und Tradescantiaceae Vorlage:Person gehören entsprechend APG IV in die Familie der Commelinagewächse (Commelinaceae).<ref name="GRIN" />

Die Familie Commelinaceae ist in zwei Unterfamilien mit jeweils zwei Tribus gegliedert und enthält etwa 40 Gattungen mit etwa 652 Arten (Stand Juli 2009):<ref name="GRIN" /><ref name="Evans2000" /><ref name="Burns2011" />

Die Familie Commelinaceae ist nach mit vielen molekulargenetischen Daten abgesichert monophyletisch. Nach Evans et al. 2003 und Burns et al. 2011 ergibt sich folgendes Kladogramm:<ref name="Burns2011" /><ref name="Evans2003" />

Vorlage:Klade

Nutzung

[Bearbeiten]

Viele Arten der Familie Commelinaceae werden als Zierpflanzen in tropischen bis subtropischen Parks und Gärten verwendet. In den gemäßigten Breiten dienen einige Arten und ihre Sorten besonders als Zimmerpflanzen.

Literatur

[Bearbeiten]
  • Die Familie der Commelinaceae bei der APWebsite. (Abschnitte Systematik und Beschreibung)
  • Die Familie der Commelinaceae bei DELTA von L.Watson und M.J.Dallwitz. (Abschnitt Beschreibung)
  • Deyuan Hong, Robert A. DeFilipps: Commelinaceae., S. 19 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000. ISBN 0-915279-83-5 (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik)
  • Robert B. Faden: Commelinaceae. - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 22: Magnoliophyta: Alismatidae, Arecidae, Commelinidae (in part), and Zingiberidae, Oxford University Press, New York und Oxford, 2000. ISBN 0-19-513729-9 (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik)
  • Leslie Watson: Commelinaceae. in der Western Australian Flora: Online, 2008. (englisch)
  • Timothy M. Evans, Robert B. Faden, Michael G. Simpson, Kenneth J. Sytsma: Phylogenetic relationships in the Commelinaceae: I. A cladistic analysis of rbcL sequences and morphology. In: Systematic Botany, Volume 25, Issue 4, 2000, S. 668–691: Volltext-PDF.
  • Timothy M. Evans, Kenneth J. Sytsma, Robert B. Faden, Thomas J. Givnish: Phylogenetic relationships in the Commelinaceae: II. A cladistic analysis of rbcL sequences and morphology. In: Systematic Botany, Volume 28, Issue 2, 2003, S. 270–292. Vorlage:DOI, Vorlage:JSTOR
  • Michael G. Simpson: Commelinaceae. In: Plant Systematics, Elsevier Inc., 2005, S. 188–190. ISBN 0-12-644460-9
  • Vorlage:Literatur
  • Alexandre Rizzo Zuntini, Lorna P. Frankel, Lisa Pokorny: A comprehensive phylogenomic study of the monocot order Commelinales, with a new classification of Commelinaceae. In: American Journal of Botany, S. 108, Issue 7, Juli 2021, S. 1–21. DOI:10.1002/ajb2.1698
[Bearbeiten]

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

[Bearbeiten]

<references responsive> <ref name="GRIN"> Vorlage:GRIN </ref> <ref name="Tropicos"> Vorlage:Tropicos </ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Evans2000"> Timothy M. Evans, Robert B. Faden, Michael G. Simpson, Kenneth J. Sytsma: Vorlage:Webarchiv. In: Systematic Botany, Volume 25, Issue 4, 2000, S. 668–691. </ref> <ref name="Evans2003"> Timothy M. Evans, Kenneth J. Sytsma, Robert B. Faden, Thomas J. Givnish: Phylogenetic relationships in the Commelinaceae: II. A cladistic analysis of rbcL sequences and morphology, in Systematic Botany, Volume 28, Issue 2, 2003, S. 270–292. DOI:10.1043/0363-6445-28.2.270 </ref> <ref name="Wade2006"> D. J. Wade, T. M. Evans & R. B. Faden: Subtribal relationships in tribe Tradescantieae (Commelinaceae) based on molecular and morphological data. In: Proceedings for the Third International Symposium on Monocots, Ontario, California, 2006, S. 520–526. </ref> <ref name="Plowmanianthus"> Christopher R. Hardyabd, Robert B. Faden: Plowmanianthus, a New Genus of Commelinaceae with Five New Species from Tropical America. In: Systematic Botany, Volume 29, Issue 2, 2004, S. 316–333. </ref> <ref name="Burns2011"> Vorlage:Literatur </ref> <ref name="Hertweck2014"> Kate L. Hertweck, J. Chris Pires: Systematics and Evolution of Inflorescence Structure in the Tradescantia Alliance (Commelinaceae). In: Systematic Botany, Volume 39, Issue 1, 2014, S. 105–116. DOI:10.1600/036364414X677991 </ref> <ref name="Berazaín2008"> Vorlage:Internetquelle In: Revista del Jardín Botánico Nacional, Tomo 29, 2008, S. 3–10. </ref> <ref name="Burkhardt2016"> Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-946292-10-4, S. 237. DOI:10.3372/epolist2016 </ref> </references>