Christoph von Dohnányi
Christoph von Dohnányi (ungarisch: [[[:Vorlage:IPA]]])<ref>Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. 19., völlig neu bearbeitete Auflage, 5. Band: COT-DR, Seite 582. Brockhaus: Mannheim 1988. </ref> (* 8. September 1929 in Berlin; † 6. September 2025 in München) war ein deutscher Dirigent und Intendant.
Leben
[Bearbeiten]Christoph von Dohnányi war ein Sohn des Juristen und Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus, Hans von Dohnanyi, und seiner Ehefrau Christine Bonhoeffer, der Schwester von Dietrich Bonhoeffer. Er besuchte die Thomasschule zu Leipzig, wo er Mitglied des Thomanerchores war, das Benediktinergymnasium Ettal und das Victoria-Gymnasium Potsdam.<ref>Jochen Thies: Die Dohnanyis. Eine Familienbiografie. Propyläen, Berlin und München 2004, ISBN 3-549-07190-6, S. 222.</ref> Er studierte bereits mit sechzehn Jahren<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> wie sein älterer Bruder Klaus (ehemaliger Hamburger Bürgermeister und Minister im Kabinett Willy Brandts) zunächst Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er wechselte dann zu Komposition, Klavier und Dirigieren an die Hochschule für Musik und Theater München, damals in der Villa Stuck untergebracht, wo er sein Studium mit der Auszeichnung des Richard-Strauss-Preises abschloss. Danach setzte er seine Ausbildung bei seinem Großvater Ernst von Dohnányi, Pianist, Komponist und Dirigent, an der Florida State University fort und nahm an einem Dirigierkurs in Tanglewood teil, wo er Leonard Bernstein kennenlernte.
Er schlug Angebote von Bernstein in New York und László Halász in Hollywood aus. Stattdessen kehrte er nach Deutschland zurück und wurde 1953 Assistent von Georg Solti an der Oper Frankfurt. Mit 27 Jahren wurde er am Theater Lübeck zum jüngsten Generalmusikdirektor (GMD) in Deutschland ernannt. Von 1963 bis 1966 war er GMD des Staatstheaters Kassel. Von 1964 bis 1969 leitete er gleichzeitig das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester. Ab 1968 war er Generalmusikdirektor und ab 1972 zusätzlich Direktor der Oper Frankfurt, für die er Ensemblemitglieder wie z. B. Agnes Baltsa, Ileana Cotrubaș, Éva Marton, Julia Varady und Hildegard Behrens gewann,<ref name="ndr-werdegang">Vorlage:Internetquelle</ref> und des Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchesters. Von 1977 bis 1984 war von Dohnányi Intendant und Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Dort schränkten allerdings strukturelle Probleme seinen Handlungsspielraum ein.<ref>Wolfgang Sandner: Kopf und Herz für Kunst und Leben. Zu sensibel um nicht distanziert zu sein: Zum Tod des Dirigenten Christoph von Dohnányi. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. September 2025, S. 9.</ref> Von Hamburg aus begann seine internationale Karriere als Dirigent.
Von 1982 bis 1984 war von Dohnányi Music Director Designate des Cleveland Orchestra und wurde dessen sechster Music Director, eine Position, die er achtzehn Jahre lang, von 1984 bis 2002, bekleidete. Im September 2002 ernannte ihn das Cleveland Orchestra zu seinem ersten Music Director Laureate. Von 1997 bis 2008 war er außerdem Principal Conductor and Artistic Advisor des Philharmonia Orchestra in London, dessen erster Gastdirigent er ab 1994 war. 2008 wurde er Honorary Conductor for Life des Philharmonia Orchestra. Von 1998 bis 2000 war er zusätzlich Chefdirigent und künstlerischer Berater des Orchestre de Paris.
Christoph von Dohnányi dirigierte über hundert Mal die Wiener Philharmoniker in Konzerten und in der Wiener Staatsoper<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> und regelmäßig die Berliner Philharmoniker. Als Operndirigent leitete er Inszenierungen des Royal Opera House Covent Garden, der Metropolitan Opera, der San Francisco Opera, der Lyric Opera of Chicago und der Opéra National de Paris.
Im Jahre 2004 kehrte von Dohnányi nach Hamburg zurück und leitete bis 2010 als Chefdirigent das NDR Sinfonieorchester, jetzt NDR Elbphilharmonie Orchester. Ab 2002 gastierte er regelmäßig bei dem New York Philharmonic Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra, dem Cleveland Orchestra,<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> dem Philadelphia Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic, Kansas City Symphony, National Symphony Orchestra in Washington D.C. und dem Israel Philharmonic. Er war regelmäßig in Tanglewood zu Gast, dem Sommerfestival des Boston Symphony Orchestra, wo er auch mit dem Tanglewood Music Center Orchestra, dem Orchester der Studenten, arbeitete. Zudem dirigierte er die Orchester der Julliard School in New York, des New England Conservatory in Boston, des Curtis Institute in Philadelphia, des Cleveland Institute of Music und des Civic Orchestra of Chicago. Zwei Tage vor seinem 96. Geburtstag verstarb er am 6. September 2025 in München.<ref>Ein Kämpfer für die Kultur: Dirigent Christoph von Dohnanyi gestorben NDR, 7. September 2025.</ref>
Wirken
[Bearbeiten]Während seiner zwei Jahrzehnte beim Cleveland Orchestra nahm von Dohnányi sämtliche Sinfonien von Beethoven, Brahms und Schumann und ausgewählte Werke von Bruckner, Mahler und Richard Strauss mit diesem Orchester auf.<ref name="ndr-werdegang" /> Aus der Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern gingen Einspielungen von Bergs Wozzeck, Wagners Der fliegende Holländer, Strauss’ Salome, Schönbergs Erwartung und eine Gesamtaufnahme der Sinfonien Mendelssohns hervor.<ref name="ndr-werdegang" />
Von Dohnányi, der in Frankfurt am Main mit Gerard Mortier, Peter Mario Katona und Klaus Schultz künstlerische Mitstreiter für seine Idee fand, die Oper und das Musiktheater zu „entstauben“, engagierte sich auch für die Neue Musik; so brachte er neben zahlreichen Orchesterwerken u. a. von György Ligeti, Harrison Birtwistle oder John Adams auch Hans Werner Henzes Der junge Lord (1965) und Die Bassariden (1966) sowie Friedrich Cerhas Baal (1981) zur Uraufführung.
Auch als Mentor tat sich von Dohnányi hervor. Alan Gilbert, später Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker, war Dohnányis Assistent beim Cleveland Orchestra von 1995 bis 1997. Jens Georg Bachmann, später Chefdirigent und Intendant des Cyprus Symphony Orchestra,<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> war in gleicher Position beim NDR Sinfonieorchester von 2007 bis 2009.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Während seiner Zeit an der Staatsoper Hamburg unterrichtete von Dohnányi auch an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater; zu seinen dortigen Absolventen gehörte u. a. der deutsche Dirigent Michael Boder.
Familie
[Bearbeiten]Christoph von Dohnányi war in erster Ehe mit der Schauspielerin Renate Zillessen verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte, darunter den Schauspieler Justus von Dohnányi. Aus seiner zweiten Ehe mit der Sängerin Anja Silja stammen drei Kinder. In dritter Ehe war er bis zu seinem Tod mit Barbara Koller verheiratet. Sein Bruder ist der Politiker Klaus von Dohnanyi.
Auszeichnungen
[Bearbeiten]Dohnányi war Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres, Träger des Bartók-Preises (Ungarn), der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main, des Hamburger Kunst- und Wissenschaftspreises und des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und des Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich<ref>Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB).</ref> (1992). Außerdem erhielt er Ehrendoktorwürden der Kent State University, der Case Western Reserve University, des Oberlin College, der Eastman School of Music und des Cleveland Institute of Music. 2013 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Royal Academy of Music der London University ausgezeichnet.
- 1951: Richard-Strauss-Preis der Stadt München
- 1978: Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg
- 1992: „Dirigent des Jahres“ durch Musical America
- 2002: Music Director Laureate des Cleveland Orchestra
- 2008: Honorary Conductor for Life des Philharmonia Orchestra
- 2020: Johannes-Brahms-Medaille der Freien und Hansestadt Hamburg
Literatur
[Bearbeiten]- Jochen Thies: Die Dohnanyis. Eine Familienbiografie. Propyläen Verlag, München 2004, ISBN 3-549-07190-6.
- Anja Silja: Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren. Berlin 1999, ISBN 3-932529-29-4
- Klaus Schultz (Hrsg.): Offen sein zu – hören. Der Dirigent Christoph von Dohnányi. Murmann Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-86774-074-6
- Vorlage:Munzinger
Weblinks
[Bearbeiten]- Vorlage:DNB-Portal
- Vorlage:Discogs
- Offizielle Webpräsenz Christoph von Dohnányis
- Vorlage:Webarchiv im Gespräch bei KlassikAkzente
- Ludwig Hartmann: Ein Kämpfer für die Kultur: Dirigent Christoph von Dohnányi gestorben. NDR, 7. September 2025
Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references />
- Seiten mit defekten Dateilinks
- Dirigent
- Opernintendant
- Generalmusikdirektor (Hamburg)
- Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Dohnányi
- Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich
- Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
- Musiker (Frankfurt am Main)
- Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main
- Generalmusikdirektor (Kassel)
- Generalmusikdirektor (Lübeck)
- Klaus von Dohnanyi
- Absolvent der Hochschule für Musik und Theater München
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- Gestorben 2025
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