Uhrwerk Orange (Roman)

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Uhrwerk Orange oder Die Uhrwerk-Orange (Vorlage:EnS) ist ein 1962 veröffentlichter dystopischer Roman von Anthony Burgess. Stanley Kubrick verfilmte das Werk 1971 unter gleichem Titel. Das Magazin Time zählt diesen Roman zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden. 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler den Roman zu einem der bedeutendsten britischen Romane.<ref name="guardian">The best British novel of all times – have international critics found it? In: The Guardian. Aufgerufen am 2. Januar 2016.</ref>

Titel

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Burgess hat die Herkunft und die Bedeutung des Buchtitels wiederholt erläutert. Demnach hörte er die Formulierung „as queer as a clockwork orange“ zum ersten Mal um die Zeit des Zweiten Weltkriegs in einem Londoner Pub. Auf Deutsch bedeutet der Ausspruch ungefähr so viel wie „jemand sei so panne wie eine Uhrwerk-Orange“.<ref>Übersetzung von Ulrich Blumenbach in: Anthony Burgess: Uhrwerk Marmelade. Essay enthalten in: Clockwork Orange. Die Urfassung. Stuttgart 2013, S. 263.</ref> Es handelt sich hierbei um eine alte Redewendung aus dem Cockney-Slang und meint eine Verrücktheit wider die Natur, denn was „könnte bizarrer sein als die Vorstellung einer Uhrwerk-Orange?“<ref>Anthony Burgess: The Clockwork Condition. The author comments on his most famous book, in 1973. In: The New Yorker vom 4. und 11. Juni 2012 sowie vorab online am 28. Mai 2021.</ref> In den romanischen Sprachen wurde der Ausdruck auch als „mechanische Orange“ übersetzt (zum Beispiel in Italien: Arancia meccanica). Burgess war von der Wendung so fasziniert, dass er sie unbedingt für einen Text verwenden wollte.

Inhalt

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Handlung

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Der Roman spielt im England der nahen Zukunft. Alex, ein eigentlich intelligenter Teenager, erzählt seine Geschichte selbst: Aus Spaß an der Gewalt verbringen er und seine drei Freunde ihre Zeit damit, wahllos wehrlose Opfer brutal zusammenzuschlagen, auszurauben und, sofern diese Frauen sind, zu vergewaltigen. Schlägereien und Messerstechereien mit anderen Banden, mit denen sie um die Vorherrschaft in ihrer Gegend konkurrieren, sind an der Tagesordnung. Es werden in Milch aufgelöste synthetische Drogen wie Drenchrom, Synthemesc und Vellocet konsumiert. Die Polizei steht dem herrschenden Verbrechen weitestgehend machtlos gegenüber und verkommt teilweise selbst zum Schlägertrupp. Alex’ Eltern sind unfähig, auch nur zu versuchen, auf ihn Einfluss zu nehmen. Er respektiert sie nicht im Geringsten.

Alex’ Freunde sind mit seiner Führungsrolle in der Gruppe nicht mehr zufrieden. Es gibt Unstimmigkeiten, und bei einem ihrer Raubzüge lassen sie ihn im Stich und überlassen ihn der nahenden Polizei. Das Opfer ihres Verbrechens stirbt unglücklicherweise an den Misshandlungen, sodass Alex wegen Mordes angeklagt und zu 14 Jahren Haft verurteilt wird.

Wegen seines unterwürfigen Verhaltens wird Alex für ein neuartiges Experiment der Gehirnwäsche vorgeschlagen, welches ihn zu einem guten Bürger umerziehen soll. Dabei wird er so konditioniert, dass er unfähig zur Gewalt wird, weil ihm der Gedanke an Gewalt sofort Übelkeit verursacht. Seine moralische Einstellung zur Gewalt ändert sich dadurch allerdings nicht. Im Vorfeld warnte ihn der Gefängnispfarrer vor den Konsequenzen:

Vorlage:Zitat

Nach der 14-tägigen Behandlung wird Alex als „geheilt“ in die Freiheit entlassen. Zunehmend wird deutlich, dass auch in die Gesellschaft integrierte Bürger ihm „ein paar verpassen“ wollen, da sie jetzt die Möglichkeit haben. Er trifft auf einige seiner Opfer und wird zusammengeschlagen.

Eins seiner Opfer (dessen Frau Alex vergewaltigt hat) engagiert sich – ironischerweise – gegen die Brutalität und Unmenschlichkeit des staatlichen Systems. Er versucht, Alex in den Selbstmord zu treiben, um von seinem Tod politisch zu profitieren, aber auch, weil ihm durch einen Zufall bewusst wird, wer dieses „Opfer der modernen Gesellschaft“ tatsächlich ist. Alex überlebt jedoch und erwacht im Krankenhaus. Fortan ist er wieder zur Gewalt fähig.

Die politischen Machthaber arrangieren sich mit ihm, um bei der anstehenden Wahl nicht unter seiner Geschichte leiden zu müssen. Der Systemgegner wird weggesperrt. Alex erhält einen gutbezahlten Job und findet neue Freunde, mit denen er wiederum Unheil stiftet. Doch die Gewalt macht ihm keinen Spaß mehr. Er merkt, dass er älter wird, und als er einen seiner früheren „Droogs“ (Nadsat für „Kumpels“) trifft, der gerade eine Familie gegründet hat, träumt er selbst von einer Familie und merkt schließlich, dass sich das Uhrwerk weiter dreht und er ihm nicht entrinnen kann.

Das 21. Kapitel

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Die ursprüngliche Buchfassung enthält drei Teile mit je sieben Kapiteln. Burgess wählte bewusst die Zahl 21, da sie ehemals Volljährigkeit symbolisierte. Der Verlag in New York wollte jedoch das 21. Kapitel streichen, und Burgess musste zusagen, da er das Geld brauchte. Andernorts erschien das Buch mit allen 21 Kapiteln. Da Stanley Kubrick die US-Version verfilmte, fehlt in seinem Film das eigentlich von Burgess intendierte Ende.

Im 21. Kapitel sieht Alex ein, dass es so in seinem Leben nicht weitergehen kann, und findet ohne äußeren Einfluss den rechten Weg; das wurde in den USA als „zu britisch“ bewertet, und man wollte bewusst ein pessimistischeres Ende. Burgess schreibt: Vorlage:"<ref>Vorwort der ersten kompletten Auflage in den USA</ref>

Charaktere

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  • Alex: Protagonist; intelligenter, aber gewalttätiger Anführer einer Jugendbande („Droogs“)
  • Dim (In der Übersetzung von Wolfgang Krege „Doofie“ genannt), Georgie und Pete: Mitglieder einer Jugendbande – die „Droogs“
  • Mr. Deltoid: Alex’ Sozialarbeiter
  • F. Alexander: Menschenrechtler und Autor eines Romans mit dem Titel „A Clockwork Orange“
  • Dr. Brodsky: Psychologe, der Alex mit der sogenannten Ludovico-Technik behandelt

Nadsat

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Vorlage:Hauptartikel Seine Sprache ist ein auf der Basis des Russischen konstruierter Jugendslang. Aus dem russischen golowa (Kopf) macht Burgess gulliver, aus choroscho (gut) horrorshow und aus sluschat (hören) slooshy. Diese Sprache und ihre Kunstwörter, die so eingesetzt sind, dass man sie auch entschlüsseln kann, wenn man nicht Russisch versteht, tragen wesentlich zum Leseerlebnis bei.

Moralische Fragestellung

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Burgess stellt in diesem Roman die Frage, ob es schlechter ist, den Menschen zum Gutsein zu konditionieren oder ihm die Freiheit zu lassen, böse zu sein. Burgess steht auf der Seite der Freiheit. In diesem Sinn ist „A Clockwork Orange“ eine Fortführung der Debatte zwischen Augustinus von Hippo und Pelagius, ob der Mensch von Geburt an schlecht sei (Erbsünde) und sich verbessern müsse, oder ob er die freie Wahl hätte zwischen Gut und Böse. Im Pelagianismus ist die Gnade Gottes gegenüber dem freien Willen, Gutes oder Böses zu tun, nur zweitrangig.<ref>vgl. den Kommentar in der Reclam-Ausgabe von Uhrwerk Orange</ref>

Witzig und unterhaltsam ist der Roman trotz aller Brutalität vor allem durch die Sprache und die Art, wie der Protagonist aus der Ich-Perspektive dargestellt wird. Alex hat überhaupt keine innere moralische Instanz und ist unfähig zur Empathie. Er ist intelligent und liebt Musik, vor allem Ludwig van Beethoven. In einem Zeitungsartikel liest Alex, dass ein Theoretiker meint, man könne die heutige Jugend besser in den Griff bekommen, wenn man sie für Künste interessiere. Alex kann darüber nur lachen, denn Musik (und gerade in seinem Fall die als kultivierter als die Rock-Musik eingestufte klassische Musik) erweckt in ihm umso mehr bestialische Gelüste (vgl. Kapitel I, 4).

Fortsetzung

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Ende April 2019 wurde bekannt, dass im Nachlass von Anthony Burgess ein angeblich unveröffentlichtes Manuskript mit dem Arbeitstitel The Clockwork Condition, welches 1972–1973 geschrieben wurde, gefunden wurde.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Das Magazin The New Yorker hatte bereits im Juni 2012 einen Text mit dem Titel The Clockwork Condition veröffentlicht, den Burgess im Jahr 1973 verfasst hatte.<ref>Anthony Burgess: The Clockwork Condition. The author comments on his most famous book, in 1973. In: The New Yorker vom 4. und 11. Juni 2012 sowie vorab online am 28. Mai 2021.</ref>

Sonstiges

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Ausgaben

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Englische Originalausgaben

  • 1962: UK, William Heinemann, 1962, Erstausgabe
  • 1962, US, W. W. Norton & Co Ltd 1962,

Deutsche Ausgaben und Übersetzungen

Musical

  • Anthony Burgess: A Clockwork Orange: A Play with Music. Hutchinson 1987.

Hörbuch

Literatur

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  • Thomas Nöske: Clockwork Orwell. Über die kulturelle Wirklichkeit negativ-utopischer Science Fiction. Unrast, Münster 1997. ISBN 3-928300-70-9.
  • Arno Heller: Anthony Burgess: A Clockwork Orange. In: Hartmut Heuermann (Hrsg.): Der Science-Fiction-Roman in der angloamerikanischen Literatur. Interpretationen. Bagel, Düsseldorf 1986, S. 236–254. ISBN 3-590-07454-X

Dokumentarfilm

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Vorlage:Commonscat

  • International Anthony Burgess Foundation Podcast: Vorlage:YouTube (englisch)

Einzelnachweise

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<references />