Peter Müller (Ministerpräsident)

Aus Demo Wiki
Zur Navigation springenZur Suche springen
Datei:Peter Müller (2009).jpg
Peter Müller (2009)

Peter Aloysius Müller (* 25. September 1955 in Illingen, Saarland) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CDU). Er war von 1999 bis 2011 Ministerpräsident und von 2009 bis 2011 auch Justizminister des Saarlandes. Von Dezember 2011 bis Dezember 2023 war er Richter des Bundesverfassungsgerichts. Ab Dezember 2025 leitet er gemeinsam mit Elisabeth Steiner das Präsidium der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut.

Leben

[Bearbeiten]

Ausbildung und Beruf

[Bearbeiten]

Müller wuchs im Eppelborner Gemeindeteil Bubach-Calmesweiler auf. 1974 absolvierte er das Abitur am Realgymnasium Lebach. Von 1975 bis 1983 studierte er an der Universität des Saarlandes und an der Universität Bonn Rechts- und Politikwissenschaft. Das Jurastudium schloss er 1983 mit der Ersten juristischen Staatsprüfung und der Note „sehr gut“ ab;<ref name="focus586498">Hartmut Kistenfeger, Frank Thewes, T. Zorn: Ein Krokodil für Karlsruhe. Am 3. November 2011 auf focus.de, abgerufen am 16. Oktober 2018</ref> das Studium der Politikwissenschaft beendete er ohne Abschluss. Es folgte von 1983 bis 1986 das Rechtsreferendariat. Zeitgleich war er als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht II der Universität des Saarlandes tätig. Eine in dieser Zeit begonnene Doktorarbeit blieb unvollendet.<ref name="focus586498" /> Nach seiner Zweiten juristischen Staatsprüfung mit der Note „gut“ war er ab April 1986 als Richter tätig, zunächst am Amtsgericht Ottweiler, später am Landgericht Saarbrücken. Seit 1990 war Müller beurlaubt. Des Weiteren war er Lehrbeauftragter an der Universität des Saarlandes.

Politische Laufbahn

[Bearbeiten]

Partei

[Bearbeiten]

In den Anfangsjahren seiner politischen Tätigkeit war er zunächst in der Jungen Union tätig. Ihr trat er 1971 bei. Schnell stieg er in den Bundes- und Landesvorstand auf. Von 1983 bis 1987 war er Landesvorsitzender der JU Saar. Ab 1990 war Müller Mitglied der CDU-Landtagsfraktion. In jener Legislaturperiode bekleidete er durchgehend das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers. Am 12. April 1994 wurde er zum Fraktionsvorsitzenden der CDU gewählt.

Dem Landesvorstand gehörte er zu Beginn als Grundsatzreferent an. Im November 1995 wurde Müller zum Landesvorsitzenden der Saar-CDU gewählt. In diesem Amt wurde er 1997 mit 97 % der Stimmen bestätigt. Nach fast 16 Jahren Amtszeit trat Müller im Mai 2011 von diesem Amt zurück. Als Nachfolgerin wurde seine Wunschkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt.

Von 1998 bis 2011 war Müller Mitglied im Bundespräsidium der CDU. Er steht der informellen parteiinternen Gruppe der „Jungen Wilden“ nahe und er wird dem Andenpakt zugerechnet. Am 17. August 2005 berief die damalige CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel Müller für das Wirtschaftsressort in ihr Kompetenzteam. Da nach der Bundestagswahl Michael Glos (CSU) das Wirtschaftsressort übernahm, blieb Müller trotz des über die Landesliste erreichten Bundestagsmandats Ministerpräsident. Am 28. November 2005 gab er sein Bundestagsmandat wieder auf. Für ihn rückte Hermann-Josef Scharf nach.

Ministerpräsident

[Bearbeiten]

Bei der Landtagswahl 1999 erhielt die CDU 45,5 % der Stimmen und eine knappe absolute Mehrheit der Mandate. Müller wurde am 29. September 1999 zum Ministerpräsidenten des Saarlandes gewählt. Er regierte bis August 2009 mit absoluter Mehrheit (Kabinette Müller I und Müller II) und anschließend bis zum 9. August 2011 mit einer Jamaika-Koalition (Müller III).

Gemeinsam mit anderen CDU-Ministerpräsidenten, insbesondere Roland Koch, protestierte er während der Bundesratssitzung vom 22. März 2002 gegen den Ablauf der Abstimmung über das Zuwanderungsgesetz<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> und verließ schließlich die Sitzung. „Die Empörung hatten wir verabredet“, sagte Müller später. „Das war Theater, aber legitimes Theater.“<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Das Zuwanderungsgesetz wurde später vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt, weil die Stimmabgabe im Bundesrat falsch abgelaufen war.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Die CDU erhielt bei der Landtagswahl am 5. September 2004 47,5 % der Stimmen und konnte damit ihren Vorsprung gegenüber der bis 1999 regierenden SPD ausbauen.

Ab dem 4. Juli 2007 war er als Vertreter der Länder Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat. Am 10. Oktober 2008 wurde Müller turnusgemäß zum Bundesratspräsidenten gewählt. Er amtierte vom 1. November 2008 bis 31. Oktober 2009; ihm folgte der Senatspräsident von Bremen Jens Böhrnsen. Müller blieb bis zum 31. Oktober 2010 als Erster Vizepräsident Mitglied des Präsidiums des Bundesrates.

Die CDU Saar nominierte Müller als ihren Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2009. Die CDU erhielt 34,5 Prozent der Stimmen und verlor die absolute Mehrheit der Landtagssitze. In Sondierungsgesprächen mit FDP und Bündnis 90/Die Grünen schloss Müller die erste Jamaika-Koalition in einem deutschen Bundesland. Am 10. November 2009 wurde er mit allen 27 (von 50) Stimmen seiner Koalition als Ministerpräsident wiedergewählt. In seinem dritten Kabinett übernahm Müller zudem die Leitung des Justizministeriums. Er gehörte dem Ausschuss der Regionen der Europäischen Union an.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref>

Der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes entschied am 1. Juli 2010 (Lv 4/09), dass die Regierung Müller mit der Beifügung von Broschüren über die Arbeit der Landesregierung zu den Besoldungsabrechnungen der Beamten in unzulässiger Weise Wahlwerbung betrieben habe.

Von 2003 bis 2006 und kurzzeitig 2011 war Müller zudem Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit.

Am 9. August 2011 trat Müller, wie bereits im Januar angekündigt, vom Amt des Ministerpräsidenten zurück.<ref>Peter Müller verlässt die politische Bühne, sr-online.de</ref> Als Hintergrund galt sein späterer Wechsel als Richter ans Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.<ref>Müller kündigt Rücktritt an, sueddeutsche.de vom 22. Januar 2011</ref> Zu seiner Nachfolgerin wurde am 10. August Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt.

Richter des Bundesverfassungsgerichts

[Bearbeiten]

Im Dezember 2010 wurde bekannt, dass Müller im Herbst 2011 als Nachfolger von Udo Di Fabio ans Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wechseln solle.<ref>Vorlage:Webarchiv. In: Financial Times Deutschland. 17. Dezember 2010</ref> Müller dementierte die Meldung nicht und ließ verkünden, da „im Augenblick“ keine Entscheidung anstehe, gebe es „keinerlei Veranlassung“ für eine Stellungnahme.<ref>Volker Hildisch: Zukünftiger Verfassungsrichter: Peter Müller ist Regierungschef auf Abruf. In: Der Tagesspiegel. 18. Dezember 2010</ref> Ende Januar 2011 wurde die Frage laut, welche juristischen Qualifikationen Müller für das Amt eines Richters des Bundesverfassungsgerichts aufweise.<ref>Frank Drieschner: Saarlands Regierungschef Müller: Plötzlich Richter. In: Die Zeit. 27. Januar 2011</ref><ref name="cicero-sept2012">Benno Stieber: Vorlage:Webarchiv. In: Cicero. 8. September 2012</ref> Am 25. November 2011 wurde er schließlich einstimmig vom Bundesrat zum Richter in den Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts gewählt.<ref>Vorlage:Webarchiv (PDF; 14 kB)</ref><ref>Wahl im Bundesrat: Ex-Ministerpräsident Müller wird Verfassungsrichter. In: Die Welt. 25. November 2011</ref> Am 19. Dezember 2011 wurde er vom Bundespräsidenten ernannt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Nach Gebhard Müller ist er damit der zweite Ministerpräsident, der Verfassungsrichter wurde.<ref>Heribert Prantl, Marc Widmann: Von Saarbrücken nach Karlsruhe – Müller wird Richter am Bundesverfassungsgericht. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Dezember 2010</ref>

Zu dem Urteil des Gerichts vom 26. Februar 2014, das die Drei-Prozent-Sperrklausel im Europawahlgesetz für verfassungswidrig erklärte, gab Müller ein Sondervotum ab.<ref>Urteil vom 26. Februar 2014 – 2 BvE 2/13. Auf bundesverfassungsgericht.de, abgerufen am 16. Oktober 2018</ref>

Im Juli 2014 wurde Müller von seinen Richterkollegen einstimmig zum Berichterstatter des Dezernats „Wahlen und Parteienrecht“ gewählt. Damit folgte er dem Bundesverfassungsrichter Michael Gerhardt, der aus persönlichen Gründen seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand beantragt hatte.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Am 24. November 2023 wählte der Bundesrat Peter Frank zu Müllers Nachfolger.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Drucksache 624/23 (Beschluss) (PDF) des deutschen Bundesrats.</ref> Am 21. Dezember 2023 übergab der Bundespräsident Müller die Entlassungsurkunde und ernannte seinen Nachfolger.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Sonstiges Engagement

[Bearbeiten]

Seit 2024 ist Müller Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Seit 2025 ist Müller Vorsitzender des Ständigen Schiedsgerichts für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Ab 1. Dezember 2025 übernimmt er, zusammen mit Elisabeth Steiner, die Präsidentschaft der neu errichteten „Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut“, die im Streitfall über die Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts entscheidet.<ref>https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/meilenstein-auf-dem-weg-zur-schiedsgerichtsbarkeit-ns-raubgut-ausschuss-verstaendigt-sich-im-kanzleramt-auf-schiedsrichterverzeichnis-und-praesidium-2385176</ref>

Familie

[Bearbeiten]

Peter Müller ist verheiratet. Mit seiner Frau Astrid hat er drei Kinder.

Politische Positionen

[Bearbeiten]

Müller spricht sich für die Einführung des Mehrheitswahlrechts in Deutschland aus.<ref name="lto25">Vorlage:Internetquelle</ref>

Ehrungen

[Bearbeiten]
[Bearbeiten]

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

[Bearbeiten]

<references responsive />

Vorlage:NaviBlock

Vorlage:Normdaten

Vorlage:Personendaten