Mulde (Fluss)
Vorlage:Infobox Fluss Die Mulde, auch Vereinte Mulde oder Vereinigte Mulde, ist ein linker, nicht schiffbarer Nebenfluss der Elbe. Sie entsteht südöstlich von Leipzig bei Sermuth (Sachsen) durch Vereinigung zweier großer Quellflüsse, der längeren Zwickauer Mulde und der mit größerem Abfluss ein größeres Einzugsgebiet entwässernden Freiberger Mulde.
Das Einzugsgebiet des Flusses umfasst große Teile Sachsens und besonders den weitaus größten Teil der Nordabdachung des Erzgebirges. Mit einer Wasserführung von annähernd 73 m³/s an der Mündung<ref name="MQ" /> ist sie der viertgrößte Nebenfluss der Elbe.
Die alte Namensform der Mulde, Milda, wird von Namenforschern als die Wasserreiche übersetzt.<ref>Albrecht Greule: Von der Memoria zum Kognitiven Merkzettel. Namentypen und Memoria. In: Nomen et Fraternitas: Festschrift für Dieter Gruenich zum 65. Geburtstag. Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020238-0, S. 201.</ref> Der Wortbestandteil Mel mit Bezug auf Mahlen wird zuweilen angesichts einer Vielzahl früher am Fluss betriebener Mühlen mit dem Namen in Verbindung gebracht, was außer Acht lässt, dass Flussnamen die älteste, oft slawische bzw. keltische geographische Namensschicht darstellen.
Einzugsgebiet
[Bearbeiten]Obwohl die Vereinigung der beiden Quellflüsse bei ungefähr der Hälfte der gesamten Lauflänge der Mulde stattfindet, führen ihr die Freiberger und die Zwickauer Mulde bereits über 80 % der gesamten Wassermenge zu. Dies liegt zum einen an der Form des Einzugsgebietes, das im Erzgebirge sehr breit ist und zur Elbe hin schmal wird, und zum anderen an den im Gebirge höheren Niederschlägen und gleichzeitig höheren Anteilen abfließenden Wassers. Die Form der Einzugsgebiete bedingt auch, dass die längere Zwickauer Mulde am Zusammenfluss der kleinere der Quellflüsse ist.
Der stark dominierende hydrologische Hauptast des Flusssystems der Freiberger Mulde ist die Zschopau. In deren oberem Einzugsgebiet ist es mit der Flöha wiederum ein namentlicher Nebenfluss, der die größere Wasserführung einbringt und damit der eigentliche Quellfluss der Mulde ist. Über diesen Hauptfließweg ist die Mulde rund 267 Kilometer lang, über den längsten Fließweg (Zwickauer Mulde) gut 314 Kilometer.<ref name="B" />
Das Einzugsgebiet der Mulde weist für viele wichtige Fließwege Gesamtgefälle von 600 bis 900 Metern auf, so dass hier für Norddeutschland außergewöhnlich hohe Fließgeschwindigkeiten vorherrschen. Die Mulde wird mitunter sogar als der am schnellsten fließende Fluss Mitteleuropas bezeichnet.<ref>Anm.: Dies kann allenfalls für höhere Wasserstände erwogen werden und nur im Vergleich mit mindestens gleich großen Flüssen gelten. Der Vergleich mit großen Alpenflüssen lässt jedoch Zweifel an der Aussage zu.</ref>
Verlauf
[Bearbeiten]Die Mulde verläuft ausschließlich im Norddeutschen Tiefland, fließt anfangs durch das Sächsische Hügelland und führt an Grimma, Nerchau und Trebsen vorbei. Ungefähr bei Wurzen, an dessen westlichem Rand sie verläuft, erreicht die Mulde das Elbe-Mulde-Tiefland. Sie durchfließt anschließend Eilenburg und Bad Düben und verlässt kurz darauf sächsisches Gebiet. Den restlichen Fließweg bis zu ihrer Mündung legt die Mulde in Sachsen-Anhalt zurück.
Im weiteren Verlauf floss die Mulde bis 1975 westlich der beiden Orte Pouch und Friedersdorf auf dem Gebiet des heutigen Goitzschesees. Seitdem wird sie östlich der beiden Orte im Muldestausee – einem ehemaligen Tagebau – aufgestaut. Anschließend fließt die Mulde an Muldenstein, Jeßnitz, Raguhn und Dessau vorbei und mündet zwischen Dessau und Roßlau nach 147 km in die Elbe.<ref name="C" />
Das Revitalisierungsprojekt „Wilde Mulde“ für den Unterlauf in Dessau wurde im November 2018 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Geologie
[Bearbeiten]Zum Ende der Elster-Kaltzeit floss die Mulde ab Großbothen und Großbardau weiter in Richtung Nordwesten durch die heutige Stadt Leipzig, wo ihr zeitweilig auch die Saale zufloss. Sie erodierte dabei mehrere Rinnen, die sie bis zur Saale-Kaltzeit wieder auffüllte – der Markkleeberger Muldelauf die Espenhainer Rinne und der Leipziger Muldelauf die Naunhofer Rinne.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Vor etwa 130.000 bis 160.000 Jahren, zum Ende der Saale-Kaltzeit, brach die Mulde bei Grimma durch und floss im heutigen Flussbett nach Norden. Das verbliebene Leipziger Muldetal wird seitdem von der Parthe durchflossen.
Hochwasser
[Bearbeiten]Beim Jahrhunderthochwasser 2002 war das Flussgebiet der Mulde neben denen der Elbe, der Müglitz und der Weißeritz am stärksten betroffen. Beim Hochwasser im Juni 2013 musste ein an der Mulde zum Seelhausener See führender Damm zur Entlastung des Sees gesprengt werden.<ref>Dörfer in Sachsen werden zwangsevakuiert, im Liveticker auf welt.de vom 5. Juni 2013.</ref>
Belastung
[Bearbeiten]Im Juli 2005 wurden vom Umweltbundesamt in Dessau Ergebnisse einer Untersuchung aus dem Jahre 2004 veröffentlicht, wonach in Fischen eine bis zu 18-fach über dem Grenzwert liegende Konzentration von Beta-HCH gemessen wurde. Beta-HCH ist ein Rückstand aus der früheren, seit 1984 allerdings eingestellten Lindan-Produktion in Bitterfeld.
Künstlerische Darstellungen
[Bearbeiten]Die Flusslandschaft an den Mulden ist vielfach künstlerisches Motiv gewesen; eine 2013 veröffentlichte Studie dazu führt etwa 260 Werke auf, die die Zeitspanne von den Anfängen der Landschaftsmalerei bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts umfassen.<ref>Andreas Martin und Anke Fröhlich: Die Flusslandschaft an den Mulden. Frühe Wahrnehmungen in bildender Kunst und Reiseliteratur. Thelem, Dresden, 2013, ISBN 978-3-942411-66-0 (Teilweise digitalisiert: Flipbook)</ref> In neuerer Zeit hat die Künstlerin und Kunstpädagogin Marion Bekker (* 1958) Landschaft und Architektur des sächsischen Muldetals in zahlreichen ihrer Bilder in expressionistischer Weise festgehalten.
Galerie
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Zusammenfluss bei Sermuth
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Schiffsmühle Höfgen
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Die Grimmaer Hängebrücke
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Kollauer Wehr mit Fischtreppe
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Muldebrücke in Eilenburg (1999 errichtet)
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Mulde bei Eilenburg
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Muldebrücke in Bad Düben (1995 errichtet)
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Mulde bei Bad Düben
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Muldestausee
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Muldestausee und Friedersdorf
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Mulde bei Friedersdorf
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Dessau mit Mulde
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Jagdbrücke über die Mulde bei Dessau
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Mulde in Dessau
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Falschfarbenbild der Dessau-Wörlitzer Elbauen zwischen Dessau und Coswig mit Muldemündung aus DGM1-Daten
Siehe auch
[Bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten]- Adolf Böhm: Die Hochwasser in der Vereinigten Mulde. In: Sächsische Heimatblätter. 47 (2001) 2, S. 93–95.
- Hansjörg Küster: Die Elbe. Landschaft und Geschichte. Kapitel 12: Die Mulde. 1. Aufl. München 2007, ISBN 978-3-406-56209-9.
- Andreas Martin (Hrsg.): Die Flusslandschaft Mulde. Geschichte und Wahrnehmung. Thelem, Dresden 2013, ISBN 978-3-942411-83-7.
- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft (Hrsg.): Hochwasser 2002 im Muldegebiet (= Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Heft 32/2009). Dresden 2009 (Vorlage:Urn).
- Hans-Joachim Böttcher: Entlang der Mulde – Zwischen Eilenburg und Dessau. Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-653-5.
- Hans-Joachim Böttcher: Ein Fluss wie kein anderer – die Mulde. In: Bitterfelder Heimatblätter. Heft XXVIII, 2010, Bitterfeld 2010, Vorlage:ISSN, S. 55–60.
- Thomas Böttger: Die Mulde: Eine Bilderreise entlang des schnellsten Flusses Europas. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2009, ISBN 978-3-937496-26-9.
- Internationale Kommission zum Schutz der Elbe: Die Elbe und ihr Einzugsgebiet – ein geographisch-hydrologischer und wasserwirtschaftlicher Überblick. Kapitel 4.6: Die Mulde. o. J., (nach 2002; Digitalisat).
- Thomas Fleischhacker: Dynamik fluvialer Verlagerungsprozesse – Beobachtungen an der Mulde zwischen Eilenburg und Bad Düben. Onlineartikel im Fachinformationsdienst Geo. 2021, doi:10.23689/fidgeo-4215
- Thomas Fleischhacker: Laufverlagerungen der Mulde nördlich Eilenburg – Naturprozesse und menschlicher Einfluss seit 1905. Onlineartikel im Fachinformationsdienst Geo. 2022, doi:10.23689/fidgeo-5309
Weblinks
[Bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references />