Lamaismus

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Als Lamaismus bezeichnen zahlreiche westliche Autoren und Tibetologen sowie einige tibetische Autoren die vorwiegend im tibetischen, mongolischen und mandschu-tungusischen Kulturkreis sowie in Bhutan, Sikkim und Ladakh verbreitete Form des Buddhismus. Auch in der Mongolistik ist der Begriff üblich. Der Begriff ist nach Heinz Bechert<ref>Vorlage:Literatur</ref> bestimmt durch die Konjunktion der kritischen Attribute:

Die beiden Hauptvertreter der unter diesem Oberbegriff zusammengefassten Richtungen sind

Die gelegentlich anzutreffende Gleichsetzung mit dem Vajrayana-Buddhismus ist unzutreffend, da dieser (neben Sutrayana und Mahayana) lediglich eines der drei Lehrsysteme („Fahrzeuge“) des Lamaismus ist und das Vajrayana (neben historischen Schulen) auch in China und Japan eigene Formen ausgebildet hat (Mizong und Mikkyō).

Autoren

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Zu den genannten westlichen Autoren und Tibetologen gehören Vorlage:Mehrspaltige Liste

Tibetische Autoren sind

  • Dawa Norbu<ref>Dawa Norbu: Red star over Tibet. Collins, 1974; Dawa Norbu: China's Tibet Policy. Routledge, 2001.</ref>
  • Tenzin Chhodak<ref>Tenzin Chhodak: The 1901 Proclamation of H. H. Dalai Lama XIII. In: Alex McKay (Hrsg.): The History of Tibet. The modern period, 1895–1959. RoutledgeCurzon 2003.</ref>
  • Tsultim Gyatso<ref>Tsultim Gyatso: A Letter from Ladakh to Our Foreign Visitors. In: Recent research on Ladakh 6. Motilal Banarsidass, 1997.</ref>.

Kritik

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In jüngerer Zeit wird die Verwendung des Begriffs vor allem von tibetischen Buddhisten (u. a. dem Dalai Lama<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>) bzw. Anhängern des tibetischen Buddhismus kritisiert. Plädiert wird in der Regel für den Begriff „Tibetischer Buddhismus“ als Alternative. Problematisch ist jedoch die Anwendung von „Tibetischer Buddhismus“ als Oberbegriff z. B. auf den Mongolischen Buddhismus, für den der Tibetische Buddhismus lediglich der Prototyp ist. Von akademischer Seite argumentiert Donald Sewell Lopez, dass der Begriff vermutlich eine westliche Adaption des chinesischen lǎmajiào Vorlage:Zh darstellt, was sich als „Lehre der Lamas“ übersetzen lässt. Das Wort lǎmajiào sei während der Qing-Dynastie ins Chinesische eingeführt worden, um die von ihr (vor allem durch Kaiser Qianlong) protegierte Form des Buddhismus von der chinesischen Form, fójiào Vorlage:Zh, zu unterscheiden.<ref>Donald S. Lopez Jr.: Prisoners of Shangri-La: Tibetan Buddhism and the West. Chicago: University of Chicago Press 1999, S. 6.</ref> Lopez kritisiert die Verwendung des Begriffs in der chinesischen Propaganda sowie die Loslösung des Begriffes von der kulturellen und politischen Realität Tibets im westlichen Diskurs.<ref>Donald S. Lopez Jr.: Prisoners of Shangri-La: Tibetan Buddhism and the West. Chicago: University of Chicago Press 1999, S. 44.</ref> Lopez’ Buch Prisoners of Shangri-La wurde sehr kontrovers beurteilt, u. a. von Robert A. F. Thurman scharf kritisiert: „Das Buch ist grundsätzlich verdorben durch die üblichen Markenzeichen einer Polemik: bloße Behauptungen vorgeführt als Beweise, verworrene Verzerrungen in der Argumentation und ein Posieren des Autors in schulmeisterlicher Selbstgerechtigkeit“ (The book is fundamentally marred by the usual trademarks of a polemic: mere assertions paraded as evidence, confused distortions in reasoning, and an authorial pose of scholarly self-righteousness<ref>Vorlage:Literatur</ref>). Per Kværne verteidigt den Gebrauch des Begriffs ‚Lamaismus‘, wenn er ohne pejorative Nebenbeutung gebraucht wird: „Dieser Begriff unterstreicht die Schlüsselrolle, welche der geistige Lehrer (‚Lama‘) in der religiösen Gesellschaft Tibets einnimmt. Bisweilen hat ‚Lamaismus‘ einen abschätzigen Unterton im Sinne eines ‚entarteten‘ Buddhismus erhalten; wenn man diese Bedeutung jedoch bewusst ausschließt, lässt er sich durchaus verwenden, da er auf eine Tatsache von grundlegender Bedeutung hinweist: der Lama muss in Tibet nicht unbedingt ein vollordinierter Mönch (dge-slong) sein, und dementsprechend bleibt die Weitergabe des dharma nicht wie in anderen buddhistischen Ländern allein dem Mönch vorbehalten.“<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Literatur

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Einzelnachweise

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<references />