Vaterunser

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Datei:Majolikaplatte mit dem deutschen Text des Vaterunsers.jpg
Tafel mit dem deutschen Text in der Paternosterkirche (Jerusalem)

Das Vaterunser oder Unservater (lateinisch Pater noster oder Oratio Dominica, deutsch Gebet des Herrn oder Herrengebet) ist das Gebet, das Jesus von Nazaret nach dem Neuen Testament (NT) seine Nachfolger gelehrt hat. Es ist einer der bekanntesten Texte der Bibel und des Christentums. Es gehört mit den Zehn Geboten und dem Credo zum Grundwissen des Christen<ref>Vorlage:TRE</ref> und wird in den meisten christlichen Konfessionen nach Vorlage:B gebetet, auch im Gottesdienst.

Neues Testament

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Varianten

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Das NT überliefert zwei Fassungen des Vaterunsers, je eine im Evangelium nach Matthäus (Mt) und im Evangelium nach Lukas (Lk):<ref>Griechische Fassung bei Barbara Aland, Kurt Aland (Hrsg.): Novum Testamentum Graece. 27. Auflage, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2001, ISBN 3-438-05115-X</ref>

Mt 6,9–13<ref name="Ü17">Übersetzung nach Rudolf Pesch, Reinhard Kratz, Ulrich Wilckens: Synoptisches Arbeitsbuch zu den Evangelien, Band 2. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1980, ISBN 978-3-545-23027-9, S. 17</ref> Lk 11,2–4<ref name="Ü17" />
Unser Vater in den Himmeln, Vater,
geheiligt werde Dein Name, geheiligt werde Dein Name,
es komme Dein Reich, es komme Dein Reich!
es geschehe Dein Wille
wie im Himmel auch auf Erden!
Unser Brot für den nächsten Tag gib uns heute! Unser Brot für den nächsten Tag gib uns Tag um Tag!
Und lass uns nach unsere Verschuldungen, Und lass uns nach unsere Sünden,
wie auch wir nachgelassen haben unseren Schuldnern! denn auch wir lassen nach jedem, der uns schuldet!
Und bringe uns nicht in Versuchung hinein, Und bringe uns nicht in Versuchung hinein!
sondern errette uns von dem Bösen!
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Die beiden Fassungen unterscheiden sich nach Umfang und Wortwahl:

  • Gott wird bei Mt „Unser Vater in den Himmeln“, bei Lk nur als „Vater“ angeredet.
  • Die dritte Bitte bei Mt fehlt bei Lk.
  • Die Brotbitte ist bei Mt mit „heute“, bei Lk mit „täglich“ formuliert.
  • Bei Mt wird Vergebung oder Erlassung von „Schulden“, bei Lk von „Sünden“ erbeten.
  • Im Nachsatz „wie auch wir…“ steht bei Mt ein Aorist („vergeben haben“), bei Lk Präsens („vergeben“).
  • Nur bei Mt ist die Bitte um Bewahrung vor der Versuchung mit der Bitte um Errettung vom Bösen ergänzt.

Somit wurde das Gebet eher ergänzt als gekürzt, und die kürzere Lk-Fassung ist eher die ältere. Die Varianten zeigen, dass die Urchristen eher den Inhalt des Gebets in der Sprache der Adressaten weitergeben als einen „echten“ Wortlaut Jesu streng bewahren wollten.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 18–20</ref>

Die Doxologie („rühmendes Wort“) am Mt-Schluss fehlt bei Lk und in den ältesten Mt-Handschriften. Eine spätere Mt-Redaktion ergänzte sie, wohl für einen im Gottesdienst liturgisch verbindlich rezitierbaren Gebetsabschluss. Dabei erweiterte der Redaktor eine ältere zweigliedrige Doxologie des Vaterunsers in der Didache auf drei Glieder.<ref>Jürgen Wehnert: Zum Vaterunser in der Didache. In: Florian Wilk (Hrsg.): Das Vaterunser in seinen antiken Kontexten, Göttingen 2016, S. 159 und Fn. 55</ref> Die Doxologie kommt auf die Anfangsbitte um das Kommen des Reiches Gottes zurück und gibt die vorausgegangene Zusage Gottes im Munde Jesu gleichsam appellativ an Gott zurück. Die übrigen Zusätze lehnen sich wohl an Gebetssätze Jesu wie „Dein Wille geschehe“ in Getsemani Vorlage:Bibel und „bewahre sie vor dem Bösen“ im „hohepriesterlichen GebetVorlage:Bibel an.<ref>Rainer Riesner: Jesus als Lehrer. Eine Untersuchung zum Ursprung der Evangelien-Überlieferung. Mohr Siebeck, Tübingen 1981, S. 446</ref>

Struktur

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Beide Fassungen sind formal in Anreden und Bitten unterteilt und haben dieselbe Abfolge. Die Anreden („Dein Name – Reich – [Wille]“) sind als Wünsche im Imperativ formuliert und beziehen sich im Gesamtkontext der Verkündigung Jesu auf Gottes eigene Anliegen und Ziele. Die Beter bejahen diese mit diesen Wunschsätzen zuerst, ordnen ihre eigenen Bedürfnisse also Gottes Anliegen unter.

Dem folgen die Wir-Bitten um materielle und geistliche Anliegen der Beter (Nahrung bzw. Existenzerhaltung, Vergebung, Bewahrung vor Versuchung). Die materiellen Bedürfnisse sind den geistlichen vorgeordnet, dafür werden letztere breiter behandelt.

Der im Indikativ oder Präsens formulierte Nachsatz („wie auch wir“) verbindet die Vergebungsbitte an Gott eng mit dem analogen zwischenmenschlichen Verhalten. Damit beteuern und versprechen die Beter, ihren Mitmenschen auch künftig wie Gott zu vergeben bzw. ihnen Schulden zu erlassen. Das macht die Nachahmung Gottes zum Ansatz der Nachfolge Jesu. Dabei wird die Gottesebenbildlichkeit des Menschen (nicht die der ganzen Schöpfung) nach Vorlage:B vorausgesetzt: Das ganze Menschsein soll ein Hinweis auf das Wesen des Schöpfers sein, einen Rückschluss auf Gott erlauben.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 21f.</ref>

Wie die Wir-Bitten zeigen, wurde das Vaterunser von Anfang an in Gemeinschaft gebetet. Dazu mussten die Beter es auswendig lernen. Die Lukasfassung enthält fünf Bitten, wahrscheinlich um sie an den Fingern einer Hand abzählen und so merken zu können. Die Matthäusfassung enthält sechs oder sieben Bitten, je nachdem ob man den Nachsatz „sondern erlöse uns von dem Bösen“ zur sechsten Bitte zählt oder als eigene siebte Bitte auffasst. Sie lässt sich ohne die Doxologie in zehn Zeilen oder Sprecheinheiten einteilen. Dabei fallen die beiden Hälften genau mit dem Einschnitt zwischen Du-Anreden und Wir-Bitten zusammen. Diese Einteilung ist wie beim Dekalog an zehn Fingern abzählbar, also ebenfalls wohl didaktisch begründet.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 23</ref>

Kontext

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Die Matthäusfassung steht in der Mitte der Bergpredigt, die als Lehre Jesu seinem heilvollen Handeln vorangestellt ist Vorlage:Bibel. Das Vaterunser konkretisiert Jesu Lehre vom Beten der Nachfolger Vorlage:Bibel: Es soll sich von einer öffentlichen, wortreichen, auf Außenwirkung bedachten Art des Betens bei Pharisäern und Nichtjuden unterscheiden. Seine Grundlage ist die allem Beten vorlaufende Zusage in Vorlage:B: „Euer Vater weiß, was ihr braucht, ehe ihr darum bittet.“ Darauf folgt die Aufforderung Vorlage:Bibel: „Darum sollt ihr so beten: […]“<ref>Peter von der Osten-Sacken: Das Vaterunser als Zugang zum Matthäusevangelium. In: Florian Wilk: Das Vaterunser in seinen antiken Kontexten, Göttingen 2016, S. 103–124, hier S. 103f.</ref>

In der Lukasfassung folgt Jesu Gebetslehre auf ein eigenes Gebet Jesu und eine Bitte eines Jüngers (Vorlage:B): Vorlage:Zitat Demnach gehörte die Anleitung zu einer bestimmten Gebetspraxis zu dem, was ein Jünger von seinem Meister erwartete. Offenbar lehrten Johannes und Jesus ihre Nachfolger jeweils besondere Gebete. Das Vaterunser war also ein Erkennungsmerkmal der Jesusnachfolger. Dies bestätigen zwei Verse der Paulusbriefe (Vorlage:B} und Vorlage:B): Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Die doppelte, aramäische und griechische Vater-Anrede spielt wahrscheinlich auf das Vaterunser an, da Jesus selbst Gott laut Vorlage:B mit Abba anredete. Solche aramäischen Zitate übernahm Paulus von Tarsus aus der Jerusalemer Urgemeinde. Somit gehörte das Vaterunser zu deren Erkennungszeichen und wurde von den Urchristen als Gabe des Heiligen Geistes verstanden.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 16f.</ref> Die Gott so familiär Anredenden seien „Kinder Gottes“.<ref>Wiard Popkes: Gebet des Herrn. In: Helmut Burkhardt (Hrsg.): Das große Bibellexikon Band 2, Wuppertal 1996, S. 636</ref>

Entstehung

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Beide Varianten des Vaterunsers gehören zu jenen Texten, die nur bei Mt und Lk vorkommen und dort großenteils wörtlich übereinstimmen. Die historisch-kritische NT-Forschung ordnet diese Texte der hypothetischen Logienquelle Q zu, also gemäß der Zweiquellentheorie der zweiten schriftlichen Vorlage von Mt und Lk neben dem Evangelium nach Markus. Die Logienquelle enthält fast nur wörtliche Rede Jesu. Ihre ältesten Textbestandteile spiegeln die Situation missionierender Wanderprediger, die Jesus zu ihren Lebzeiten begegnet waren und seine Worte anfangs mündlich überliefert hatten. Darum führt die NT-Forschung einen Kern des Vaterunsers, der der älteren Lukasfassung nahekommt, auf Jesus selbst zurück.<ref>Günter Unger: Das Vaterunser, Stuttgart 2016, S. 14ff.</ref>

Das griechische Adjektiv Epiousion in der Brotbitte kommt nur hier im NT vor (Hapax legomenon). Es übersetzte eventuell das aramäische Wort machar („morgen“, „morgig“), um die für den kommenden Tag nötige Nahrungsmenge zu erbitten. Es verweist also auf eine aramäische Urfassung des Gebets.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 155–157 und Fn. 4–9</ref>

Ein Versuch, das Vaterunser dem historischen Jesus abzusprechen und auf eine bloße Bearbeitung jüdischer Gebete durch Urchristen zurückzuführen,<ref>Ulrich Mell: Gehört das Vater-Unser zur authentischen Jesus-Tradition? (Mt 6,9-13; Lk 11,2-4) Berliner Theologische Zeitschrift, Berlin 1994, S. 148–180</ref> setzte sich vor allem wegen widersprüchlicher oder falscher Anwendung der Echtheitskriterien in der NT-Forschung nicht durch.<ref>Klaus Haacker: Anhang 2: Stammt das Vaterunser etwa nicht von Jesus? In: Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 257–263</ref>

Jüdische Tradition

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Das Vaterunser knüpft an Gebetstraditionen des Judentums an. Zu jeder seiner Aussagen gibt es jüdische Vorbilder und Parallelen. Jüdische Gebete wurden auf Hebräisch gesprochen und gelehrt. Dagegen lehrte Jesus das Vaterunser auf Aramäisch, der damaligen Umgangssprache einfacher Juden.

Er redete JHWH nicht wie im Judentum üblich als Adonai („Herr“) an, sondern als „Vater“, aramäisch Abba, und lehrte seine Jünger diese Anrede.<ref>Martin Hengel, Anna Maria Schwemer: Jesus und das Judentum. Mohr Siebeck, Tübingen 2007, ISBN 978-3-16-149359-1, S. 408 und 417.</ref> Die Metapher „Vater“ für JHWH ist im Tanach selten und bezieht sich im Gebetskontext vor allem auf Gottes fürsorgliches Erbarmen.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 25</ref> Die schlichte „Vater“-Anrede war damals bereits im jüdischen Privatgebet üblich, jedoch nicht im Gottesdienst der Synagoge.<ref>Joseph Heinemann: The Background of Jesus' Prayer in the Jewish Liturgical Tradition. In: Jakob Josef Petuchowski, Michael Brocke (Hrsg.): The Lord's Prayer and Jewish Liturgy. Seabury Press, 1978, ISBN 0-8164-0381-3, S. 81–89, hier S. 88</ref> Die Anrede „Unser Vater im Himmel“ taucht auch in der damaligen Literatur der Tannaim (~0–200 n. Chr.) auf.<ref>Elke Tönges: „Unser Vater im Himmel“: Die Bezeichnung Gottes als Vater in der tannaitischen Literatur. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-17-016584-7</ref>

Der Wunsch „Geheiligt werde Dein Name“ entspricht der ersten Bitte des Kaddisch: „Erhoben und geheiligt werde sein großer Name in der Welt […]“ Analog zum nächsten Satz „Dein Reich komme“ folgt auch im Kaddisch: „[…] sein Reich erstehe in eurem Leben und in euren Tagen und dem Leben des ganzen Hauses Israel schnell und in naher Zeit.“ Auch die Berakhaformel (Lob- und Segensformel) der Liturgie des zweiten Jerusalemer Tempels verband die Heiligung des Gottesnamens mit dem (im Himmel schon ewig präsenten, auf Erden als Zukunft erwarteten) Reich Gottes: „Gepriesen sei der Name der Herrlichkeit seiner Königsherrschaft für immer und ewig.“ Sinngemäß erscheint die Bitte um das zukünftige Aufrichten der Königsherrschaft Gottes auch im Achtzehnbittengebet: „Bringe wieder unsere Richter wie vordem […] und sei König über uns, Du allein.“<ref>Gerd Theißen, Annette Merz: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. 4. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-52198-4, S. 231 (Zitate ebd.)</ref>

Der Satz „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“ knüpft an die biblische Vorstellung vom „Himmel“ als Bereich JHWHs an, in dem sein Wille schon herrscht. Laut Vorlage:B führen die Engel diesen Willen widerspruchslos aus. So sollen auch die Menschen auf der Erde Gottes Willen erfüllen. Der biblischen Hoffnung auf Gottes Reich entspricht der Gehorsam gegenüber JHWHs Tora: Dies lehrten Rabbiner ebenso wie Jesus, etwa in einer Sifra zu Vorlage:B und der Mischnah (Ber 2,2) zum Schma Jisrael. Dabei geraten die Tora-Befolger laut Vorlage:B unter Umständen in tödliche Konflikte mit irdischen Herrschern, die JHWHs Willen zynisch missachten und ihn aus der Welt ausgrenzen. Gehorsam gegenüber JHWH beinhaltet daher im Judentum wie im Urchristentum die Bereitschaft zum Konflikt mit der Staatsräson und den Widerstand gegen eine angebliche Eigengesetzlichkeit von politischer Macht.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 116f.</ref>

Der Anrede Gottes als „Vater“ entspricht die Bitte um Vergebung und um die eigene Vergebungsbereitschaft. Denn die Bibel verknüpft Gottes väterliche Fürsorge mit seiner Barmherzigkeit, etwa Vorlage:B: „Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten.“ Demgemäß gebot Jesus Feindesliebe nach Gottes Vorbild (Vorlage:B): „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 32</ref> Das Nachahmen von Gottes vergebender Barmherzigkeit gehörte zur gelebten jüdischen Alltagsreligion. Indem Jesus die Vergebungsbitte hinter die Brotbitte stellte, machte er das Vergeben zur Alltagspraxis seiner Nachfolger, setzte also ihr tägliches Zurückbleiben hinter Gottes Willen voraus. Damit verstärkte er eine jüdische Tradition, die Vergebung wie Johannes der Täufer mit der Taufe an eine einmalige, durchgreifende Lebenswende band.<ref>Klaus Haacker: Was Jesus lehrte, Neukirchen-Vluyn 2010, S. 176f.</ref>

Der hinzugefügte Lobpreis am Gebetsende lehnt sich eventuell an König Davids Gebet nach Vorlage:B an.<ref>Michael Jonas: Mikroliturgie: Liturgische Kleinformeln im frühen Christentum. Mohr Siebeck, Tübingen 2015, ISBN 978-3-16-154224-4, S. 76</ref>

Übersetzungen

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Rückübersetzungen ins Aramäische

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Manche Neutestamentler übersetzen die ältesten griechischen NT-Handschriften des Gebets ins Aramäische. Sie versuchen damit, einen vermuteten historischen Wortlaut zu rekonstruieren, da Jesus von Nazaret Aramäisch gesprochen hat. Der evangelische Theologe Günther Schwarz vermutete ein aramäisches Gebet Jesu in Reimform: Vorlage:Zitat Darin entfiel der Unterschied zwischen Du- und Wir-Bitten, die alle um das Tun der Beter bitten. Vergebung, erläuterte Schwarz, habe Jesus erst nach dem Tod von Gott erwartet.<ref>Bernhard Lang (Hrsg.): International Review of Biblical Studies, Volume 50 (2003–2004). Brill, Leiden 2005, ISBN 90-474-0540-4, S. 185 (Rezension)</ref> Universitätstheologen wie Markus Tiwald lehnen Schwarz' Methodik und Übersetzung als unwissenschaftlich ab.<ref>Markus Tiwald: Krude Fantasien. Furche.at, 18. Dezember 2003</ref>

Die Altphilologin Ursula Schattner-Rieser legte ihrer Rekonstruktion von 2019 die „mittelaramäische-palästinensische Phase“ von Texten aus Qumran zugrunde. Ihre Rückübersetzung unterscheidet sich in vielen Details von anderen.<ref>Ursula Schattner-Rieser: Abba. Vaterunser: The Lord’s Prayer in the Context of Jewish-Aramaic Prayer Traditions in the Time of Jesus. In: Daniel A. Smith, Christoph Heil (Hrsg.): Prayer in the Sayings Gospel Q. Mohr Siebeck, Tübingen 2019, ISBN 978-3-16-156660-8, S. 23–56</ref>

Vulgata

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In der lateinischen Vulgata (entstanden um 380) lautet das Vaterunser: Vorlage:Zitat

Der Übersetzer Hieronymus gab das griechische Adjektiv epiousion in Lk 11,3 mit cotidianum („täglich“), in Mt 6,11 dagegen mit supersubstantialem („übernatürlich“) wieder. Das deutete das erbetene Brot als nichtmaterielle Nahrung und bahnte die spätere Transsubstantiationslehre zur Eucharistie an.<ref>Günter Unger: Das Vaterunser, Stuttgart 2016, S. 121</ref> Die Römisch-Katholische Kirche übernahm jedoch cotidianum in ihre bis heute verwendete lateinische Matthäusversion des Gebets.<ref>Siegfried Heinimann: Oratio Dominica Romanice: Das Vaterunser in den romanischen Sprachen von den Anfängen bis ins 16. Jahrhundert mit den griechischen und lateinischen Vorlagen. De Gruyter, Berlin 2018, ISBN 978-3-11-096386-1, S. 77</ref>

Lutherbibel

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Die Lutherbibel von 1545 wurde mehrfach revidiert, zuletzt 2017. Dort lautet Vorlage:B: Vorlage:Zitat

In seinem Kleinen Katechismus (1529) legte Martin Luther das „Brot“ der Brotbitte gegen die spiritualisierende Umdeutung umfassend als „alles, was not tut für Leib und Leben“ aus und zählte dann detailliert auf, was für den gesamten Lebensunterhalt unbedingt nötig sei.<ref>Okko Herlyn: Das Vaterunser, Neukirchen-Vluyn 2017, S. 122</ref>

Der Lutherbibel von 1984 folgen Evangelisch-lutherische Kirchen und Reformierte Kirchen. Letztere teilen die Matthäusversion gemäß Johannes Calvins Genfer Katechismus in sechs statt sieben Bitten ein.<ref>Gerhard J. Bellinger: Der Catechismus Romanus und die Reformation. Georg Olms Verlag, Hildesheim 1987, ISBN 978-3-487-41457-7, S. 44 f.</ref> Auch die Neuapostolische Kirche übernahm das Vaterunser der Lutherbibel.<ref>Wilhelm Leber (Hrsg.): Neuapostolische Kirche International: Liturgie der Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche, Band I. Bischoff, Neu-Isenburg 2010, S. 6</ref>

Ökumenische Fassungen

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Das ökumenische Vaterunser der Arbeitsgemeinschaft für liturgische Texte (ALT) von 1968 stimmt bis auf die umgestellte Anrede „Vater unser“ wörtlich mit der Lutherbibel von 1984 überein. Es weicht nur geringfügig von früheren römisch-katholischen, lutherischen und alt-katholischen Fassungen ab: etwa mit „im Himmel“ statt „der du bist im Himmel“, „geheiligt“ statt „geheiliget“, „Dein Reich komme“ statt „zu uns komme Dein Reich“, „so auf Erden“ statt „also auch auf Erden“, „unser tägliches Brot“ statt „unser täglich Brot“, „wie auch wir vergeben“ statt „wie wir vergeben“, „von dem Bösen“ statt „von dem Übel“. Sie unterteilt die Verse oder Satzteile mit Punkten statt mit Kommata oder Ausrufezeichen.<ref>Herbert Goltzen: Ökumenische Gebets- und Bekenntnistexte. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie. Band 16, 1971, Vorlage:ISSN, S. 119–133</ref>

Auch das matthäische Vaterunser in der revidierten Einheitsübersetzung von 2016 (Vorlage:B) steht dem der Lutherbibel von 1984 nahe: Vorlage:Zitat

Der oder die „Himmel“

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Mt 6,9 redet Gott als „Vater unser in den Himmeln“ an. Der griechische Plural ouranois geht auf das hebräische Schamajim zurück, dessen Endsilbe stets eine Mehrzahl bedeutet. Darum übersetzte die Vulgata das Wort hier pluralisch mit in caelis, in der Willensbitte (Mt 6,10) dagegen singularisch mit in caelo. Auch französische und viele heutige deutsche Bibelübersetzungen unterscheiden Singular und Plural bei dem Wort, während die Elberfelder Bibel und die englische King James Bibel beide Male den Singular verwenden. Dieser erschien erstmals im frühesten deutschsprachigen Vaterunser im St. Gallener Katechismus (um 800).<ref>Horst Dieter Schlosser: Lebens- und Erfahrungsräume in altsächsischen Texten. In: Andrea Hohmeyer, Jasmin S. Rühl, Ingo Wintermeyer (Hrsg.): Spurensuche in Sprach- und Geschichtslandschaften: Festschrift für Ernst Erich Metzner. LIT-Verlag, Münster 2003, ISBN 978-3-8258-6565-8, S. 463–476, hier S. 464</ref>

Die Vergebungsbitte

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Die Vergebungsbitte wird meist nach Lk 11,4 im Präsens („wie auch wir vergeben“), nicht nach Mt 6,12 im Perfekt („wie auch wir […] vergeben haben“) übersetzt. Demnach soll der Betende Gott nicht um Vergebung bitten, bevor er nicht selber vergeben hat. Das Präsens entspricht Vorlage:B: Vorlage:Zitat

Die Bitte um Bewahrung vor Versuchung

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Mt 6,13 nennt Gott als Subjekt und wird meist mit „Und führe uns nicht in Versuchung“ übersetzt. Die spanische Fassung lautete seit dem 16. Jahrhundert: „Lass uns nicht in Versuchung fallen“.<ref>Luis Gil Fernández: Versiones del ‘Pater Noster’ al castellano en el Siglo de Oro. (PDF; 1,4 MB). In: Excerpta philologica. Revista de filología griega y latina de la Universidad de Cádiz. Vorlage:ISSN, Jg. 1 (1991), Nr. 1, S. 281–297</ref> Manche deutschen Bibelexegeten übersetzten den Vers seit den 1960er Jahren sinnerfassend mit „Und lass uns nicht in Versuchung geraten“.<ref>Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus, Teil 1: Mt 1–7. 5., völlig neubearbeitete Auflage, Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2002, ISBN 978-3-545-23135-1, S. 345–347</ref>

2013 beschlossen die katholischen Bischöfe Frankreichs, diese Änderung zum ersten Advent 2017 in Frankreich einzuführen. Papst Franziskus unterstützte sie dabei und kritisierte die traditionelle Übersetzung: Nicht Gott, sondern Satan führe den Menschen in Versuchung.<ref name="Zeit7Dez17">Papst plädiert für neue Übersetzung des Vaterunser. Zeit, 7. Dezember 2017</ref> 2016 beschloss auch die Vereinigte Protestantische Kirche Frankreichs, das bisherige „Unterwirf uns nicht der Versuchung“ zu „Lass uns nicht in Versuchung eintreten“ zu ändern, um das Vaterunser weiter mit Katholiken gemeinsam beten zu können.<ref>Julia Lauer: Mit einer Stimme beten. Domradio, 28. Februar 2018</ref> Die reformierten Kirchen der Schweiz und die Schweizerische Evangelische Allianz wollten die Änderung bis Ostern 2018 übernehmen.<ref name="Zeit7Dez17" /> Ab November 2020 änderte auch die katholische Kirche in Italien die Aussage „Führe uns nicht in Versuchung“ zu „Überlasse uns nicht der Versuchung“.<ref>Neues Vaterunser für Italiens Katholiken. Österreichischer Rundfunk (ORF), 29. Januar 2020</ref>

Dagegen lehnte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die Änderung im Januar 2018 ab, um nicht in den griechischen Originaltext einzugreifen und den im gesamten deutschen Sprachraum einheitlichen Gebetstext zu bewahren. Die Bitte drücke das Vertrauen in Gott aus, uns vor Versuchung zu bewahren, nicht das Gegenteil.<ref>Zur aktuellen Diskussion über die Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“: Stellungnahme der Glaubenskommission. DBK.de, 25. Januar 2018</ref> Auch EKD-Vertreter sahen keinen Änderungsbedarf.<ref>Clara Pfeffer, Florentine Fritzen: Textänderung wird abgelehnt: Das Vaterunser bleibt. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 17. Dezember 2017</ref> Der evangelische Theologe Thomas Wagner kritisierte den Papst-Vorschlag als „konfessionelle Exegese“.<ref>Thomas Wagner: Übersetzung als konfessionelle Exegese? Rezensionszeitschrift zur Literaturübersetzung (ReLÜ), Ausgabe 17, Dezember 2017</ref> Sein katholischer Kollege Thomas Söding betonte: „Wer mit den Worten Jesu beten will, hält sich am besten ans Neue Testament.“ Bischof Rudolf Voderholzer warnte vor einer „Verfälschung der Worte Jesu“, die Mt und Lk hier einheitlich überlieferten. Man müsse sie so erklären, „dass das Gottesbild nicht verdunkelt wird“.<ref name="Zeit7Dez17" />

Gottesdienst

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Antike und Mittelalter

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Das Vaterunser erhielt früh einen festen Platz im christlichen Gottesdienst. Gemäß der Didache (8,2f.) sollten Christen es auch privat dreimal am Tag beten.<ref>Gunnar Garleff: Urchristliche Identität in Matthäusevangelium, Didache und Jakobusbrief. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 978-3-8258-7928-0, S. 124, Fn. 174</ref>

Seit Ambrosius von Mailand erfolgte das Vaterunsergebet liturgisch nach dem Canon Missae und vor der Kommunion. Bei Augustinus von Hippo bereitete es als Bischofsgebet die Kommunion vor. In der Mailändischen Messe (8. Jahrhundert) hatte es seinen festen Platz nach Oration und Invitatorium, vor dem Embolismus. Das Messbuch, das ambrosianische Missale und das Missale Romanum nahmen verschiedene Gesangsformen des Vaterunsers auf; in einigen sollte die Gemeinde die gesungenen Bitten mit Amen beantworten und die siebte Bitte selbst singen. Bis auf diese Beteiligung der Laien blieb das Vaterunser im römischen Ritus bis 1965 ein Priestergebet. Im orientalischen und gallikanischen Ritus dagegen sang es stets die ganze Gemeinde.<ref name="GH805">Günter Hartmann: Pater Noster. In: Ralf Noltensmeier (Hrsg.): Metzler Sachlexikon Musik. Springer, Wiesbaden 1998, ISBN 978-3-476-05199-8, S. 805</ref>

Das Vaterunser gehört auch zu einigen Horen des Stundengebets, das ab dem 2. Jahrhundert entstand und im christlichen Mönchtum weiterentwickelt wurde. Mit ihm schließt unter anderem die morgendliche Laudes.<ref>Rhabanus Erbacher, Roman Hofer, Godehard Joppich (Hrsg.): Benediktinisches Antiphonale, Band I – Vigil, Laudes. Vier-Türme-Verlag, Schwarzach am Main 2021, ISBN 978-3-7365-0386-1, S. 429</ref>

Später ordneten die Kapitularien Karls des Großen an, dass jeder Christ es auswendig hersagen können sollte. Wer dies nicht vermochte, sollte nicht als Pate (Taufzeuge) zugelassen werden.<ref>Die Sprache Deutsch: Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums von 2008. Sandstein Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-940319-57-9, S. 50</ref> Aus dieser Zeit, dem späten 8. und frühen 9. Jahrhundert, stammen die ersten althochdeutschen Vaterunser. Das Freisinger Paternoster war zudem kommentiert.<ref>Wilfried Hartmann: Karl der Große. Kohlhammer, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-17-025573-9, S. 194</ref>

Römisch-katholische Kirche

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Das Vaterunser gehört zum festen Ablauf der römisch-katholischen heiligen Messe.<ref>Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2759–2856.</ref> Es folgt auf das eucharistische Hochgebet, ihm folgen der Friedensgruß und das Agnus Dei. Noch nach der Liturgie von 1962 sprach oder sang der Zelebrant die ersten Vaterunserbitten allein. Nur die letzte Bitte (sed libera nos al malo) sprachen oder sangen die Ministranten oder die Choralschola. Die Liturgische Bewegung bezog im 20. Jahrhundert jedoch zunehmend alle Gottesdienstteilnehmer ein.

Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil ab 1963 eingeleitete Liturgiereform wurde mit dem Ordo Missae von 1969 verbindlich eingeführt. Sie sieht vor, dass die Laien viele Teile der Messe, darunter das Vaterunser, in ihrer Landessprache mitsprechen oder mitsingen.<ref>Jürgen Bärsch, Winfried Haunerland: Liturgiereform und Bistum: Gottesdienstliche Erneuerung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Friedrich Pustet, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7917-7020-8, S. 74f.</ref> Seitdem gehören der Embolismus des Zelebranten und die folgende Doxologie, die bis dahin gefehlt hatten, zur Messliturgie.<ref>Wortlaut des Embolismus im Katechismus der Katholischen Kirche. Neuübersetzung aufgrund der Editio typica Latina. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58145-4, S. 715</ref>

Das Vaterunser gehört zum Ritus einer Sakramentenspendung (Taufe, Firmung, Krankensalbung, Krankenkommunion, Eheschließung), die außerhalb der heiligen Messe geschieht. Bei der kirchlichen Begräbnisfeier wird es am Grab gebetet, bei Wort-Gottes-Feiern und Andachten meist vor der abschließenden Segensbitte.

Das Vaterunser ist auch Teil des Rosenkranzgebets. Jeder der fünf Teile (Gesätze) besteht aus einem Vaterunser und dem danach zehnmal wiederholten Ave Maria.<ref>Liborius Olaf Lumma: Crashkurs Liturgie: Eine kurze Einführung in den katholischen Gottesdienst. Friedrich Pustet, Regensburg 2024, ISBN 978-3-7917-6264-7, S. 115</ref>

Orthodoxe Kirchen

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Datei:Отче Наш Глаголица Кирилица 03.03.2020.png
Vaterunser in Glagoliza, 10./11. Jahrhundert, und Kyrilliza aus dem Tetraevangeliar von Zar Iwan Alexander, 1355

Auch im byzantinischen Ritus der orthodoxen Kirchen gehört das Vaterunser zur Vorbereitung auf die Eucharistie. Wie in der römisch-katholischen und evangelischen Liturgie folgt es auf Präfation, Sanctus, Anamnese (Erinnerung mit den Einsetzungsworten) und Epiklese (Bitte um den Heiligen Geist).<ref name="BW37">Konfessionskundliches Institut (Hrsg.): Was eint? Was trennt? Ökumenisches Basiswissen. 2. überarbeitete Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-87192-9, S. 37</ref> Die Epiklese erfolgt als Ektenie des Priesters, der Gott um Annahme des Opfers und Gnade für die Teilnehmer der Kommunion bittet.<ref>Ilie Ursa, Ioan-Vasile Leb, Kōnstantinos Nikolakopoulos (Hrsg.): Die orthodoxe Kirche in der Selbstdarstellung: ein Kompendium. LIT Verlag, Münster 2016, ISBN 978-3-643-12844-7, S. 149</ref>

Darauf singt die Gemeinde stehend das Vaterunser. In Teilen der Orthodoxie spricht der Priester das Vaterunser allein, wie es im Zarismus üblich war.<ref>Hildegard Schaeder, Karl Pinggéra: Impulse für die evangelisch-orthodoxe Begegnung: ausgewählte Schriften von 1949 bis 1972. LIT Verlag, Münster 2016, ISBN 978-3-643-13529-2, S. 172</ref> Anders als bei Katholiken und Protestanten folgt dann nicht das Agnus Dei, sondern direkt die Kommunion.<ref name="BW37" />

Evangelische Kirchen

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Martin Luther formulierte für seine Deutsche Messe (1526) anstelle der Fürbitte eine Paraphrase des Vaterunsers, die der Prediger am Altar oder von der Kanzel sprechen sollte. Beim Abendmahlsgottesdienst ließ er Präfation und Sanctus vor dem Vaterunser weg und rückte dieses vor die Einsetzungsworte. Dem folgten andere Reformatoren. Im lutherischen Predigtgottesdienst ohne Abendmahl rückte das Vaterunser vor den Segen am Ende.<ref>Martin Klöckener, Reinhard Meßner (Hrsg.): Gottesdienst der Kirche Handbuch der Liturgiewissenschaft: Wissenschaft der Liturgie Band 1.1: Begriff, Geschichte, Konzepte. Friedrich Pustet, Regensburg 2022, S. 127–130</ref>

Die Mitgliedskirchen der EKD geben dem Vaterunser in ihren Agenden einen festen Platz. Im gewöhnlichen lutherischen Hauptgottesdienst schließt es das allgemeine Fürbittengebet ab. Darauf folgt der Aaronitische Segen zur Entlassung der Gemeinde.<ref>Anne Käfer: Systematisch-theologishe Einordnung des VELKD-Agendenwerks. In: Konstanze Kemnitzer (Hrsg.): Gussformen der Gottesdienstgestaltung: Das Agendenwerk der VELKD zwischen Neuaufbruch und Restauration. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2021, ISBN 978-3-374-06830-2, S. 67–80, hier S. 69</ref> Im Abendmahlsgottesdienst folgt es auf das Agnus Dei nach Präfation, Sanctus, Einsetzungsworten; ihm folgt die Austeilung. In diesem Kontext beziehen sich die Vaterunserbitten unmittelbar auf das folgende Abendmahl. Dadurch wird dieses zur Feier der ganzen fortlaufenden Heilsgeschichte.<ref>Helmut Schwier: Dienst an Wort und Sakrament mit der Gemeinde. Unsere Perspektiven auf die VELKD-Agende I. In: Konstanze Kemnitzer: Gussformen der Gottesdienstgestaltung, Leipzig 2021, S. 219–234, hier S. 230</ref>

Kirchenlieder

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Das Vaterunser wird im Gottesdienst seit langem auch gesungen. Ältester Beleg dafür ist ein Sakramentar der Abtei Montecassino aus dem 8. Jahrhundert.<ref name="GH805" />

Die Gesangbücher der Großkirchen enthalten Vaterunserlieder verschiedener Herkunft. Das katholische Gotteslob von 1975 enthielt für die Liturgie die deutschsprachigen Lieder Nr. 362, 363 und 691 sowie das lateinische Nr. 378.<ref>Udo Hildenbrand: Das Einheitsgesangbuch Gotteslob: Eine theologische Analyse der Lied- und Gesangtexte in ekklesiologischer Perspektive. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-58176-6, S. 986, 988, 1077 und öfter</ref> Im Stammteil fehlte ein Vaterunserlied für den Gemeindegesang.<ref name="GH806">Günter Hartmann: Pater Noster. In: Ralf Noltensmeier (Hrsg.): Metzler Sachlexikon Musik. Wiesbaden 1998, S. 806</ref> Das Gotteslob von 2013 enthält für die Messe weiterhin das gregorianische Paternoster Nr. 589,2 (deutsch) und 589,3 (lateinisch, früher Nr. 362), für das Stundengebet Nr. 632,2. Hinzu kommen das ostkirchliche Vaterunserlied Nr. 661,8 und das Vaterunserlied von Peter Janssens (Nr. 731).

Das Evangelische Gesangbuch (EG) von 1994 enthält für die Abendmahlsliturgie die Vaterunserlieder EG 186, 187, 188 und 659. Melodie und Text von EG 186 sind mit GL 589,2 (früher GL 362) identisch; dieses gregorianische Lied wird daher auch als ökumenisches Vaterunser bezeichnet.<ref>F. Irenäus Herzberg (Hrsg.): Nordisch-katholisches Sakramentar. Ergänzungsband Pontificale parvum & Kalendarium. St. Ambrosius-Verlag, Mönchengladbach 2020, ISBN 978-3-7519-8908-4, S. 58</ref> Für den Gemeindegesang gibt es EG 344 (Vater unser im Himmelreich nach Luthers Text von 1539) und eine gregorianische Litanei für die Tagesgebete. In der Regionalausgabe für Niedersachsen/Bremen ist dies Nr. 783.8, identisch mit Nr. 784,8; 785,8; und 786,12.<ref>Evangelisches Gesangbuch: Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Niedersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche. (1994) 3. Auflage, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2019, ISBN 978-3-525-64205-4, S. 960 (Alphabetisches Inhaltsverzeichnis)</ref>

Einige neuere evangelische Vaterunserlieder sind nicht in das EG gelangt. Besonders erfolgreich wurde Unser Vater von Christoph Zehendner (Text) und Hans Werner Scharnowski (Melodie) für ihr Album Felsenfest – Lieder zur Bergpredigt (1994).<ref>Ilsabe Alpermann et al.: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt: Hymnologische Kommentare zu den Liedern im Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch. Jan Janssen zum 60. Geburtstag. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2023, ISBN 978-3-647-50034-8, S. 64f.</ref> Für die Französisch-reformierte Kirche komponierte Clément Marot ein französisches Vaterunserlied.<ref name="GH806" />

Brüderbewegung

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Die Brüderbewegung lehnt das Beten des Vaterunsers ab: Jesus habe es nur seinen Jüngern vor Ostern gegeben, nicht der Gemeinde danach. Diese Auffassung beruht theologisch auf dem Dispensationalismus, der die biblische Heilsgeschichte in Epochen einteilt und diese streng voneinander abgrenzt.<ref>Stefan Schweyer: Freikirchliche Gottesdienste: Empirische Analysen und theologische Reflexionen. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2020, ISBN 978-3-374-06711-4, S. 246f.</ref> Der Begründer der dispensationalistischen Bibelauslegung John Nelson Darby ordnete Jesu vorösterliche Verkündigung dem Judentum, nicht der Kirche zu, so dass Jesus das Vaterunser nicht die Christen gelehrt habe. Darum fehlt es in von Darby beeinflussten freikirchlichen Gottesdiensten.<ref>Heinzpeter Hempelmann: Bibel, Hermeneutik und der weiße Elefant im Raum. Warum uns der gemeinsame Umgang mit der Schrift entzweit und wie wir damit umgehen (können). In: Theologische Beiträge 54 (2023), Heft 2, S. 70–88, hier S. 73</ref>

Rezeption

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Literatur

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Literarische Auslegungen des Vaterunsers sind seit dem ersten lateinischen Kirchenschriftsteller Tertullian (* nach 150) in vielfältiger Weise erschienen. Ein Beispiel ist eine Auslegung in Versform in einer bairischen Exegese des 12. Jahrhunderts im Versmaß des Septenar.<ref>Edgar Papp: Auslegung des Vaterunsers. In: Burghart Wachinger et al. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 1 (‘A solis ortus cardine’ – Colmarer Dominikanerchronist). 2., völlig neu bearbeitete Auflage, De Gruyter, Berlin 1978, ISBN 3-11-007264-5, Spalte 554–556</ref>

Ab dem 15. Jahrhundert entstand die Literaturgattung gedichteter oder gesungener Parodien des Vaterunsers zu allen möglichen Themen, Personen oder Zeitereignissen. Prediger wie Abraham a Sancta Clara dichteten ironische Vaterunserparodien auf Wucherer (deutsch 1481), Trinker und andere. Umgekehrt dichteten auch als Verbrecher eingestufte Gruppen Vaterunserparodien, die jedoch aus Furcht vor dem Vorwurf der Blasphemie nur selten aufgezeichnet wurden. In der Reformationszeit gab es etwa ein lateinisches Vaterunser gegen die Bauern, ein deutsches gegen die Hussiten oder protestantische Vaterunser gegen den Papst. Das Reutlinger Vaterunser (1519) bezog sich auf Herzog Ulrich von Württemberg. Das Bauernvaterunser (vor 1700) war ein Zorn- und Klagegebet von Bauern gegen Soldaten, das jeweils neu gegen kriegsführende Nationen gerichtet wurde: im 18. Jahrhundert etwa gegen die Schweden oder die Deutschen, im 19. Jahrhundert gegen die Franzosen, so Das Vaterunser eines Unterwaldners von Johann Martin Usteri (1803). Ein Vaterunser auf Wilhelm Tell („Wilhelm Tell, der Du bist der Stifter unserer Freiheit“) propagierte die Helvetische Verfassung von 1798. Revolutionäre Texte hatten etwa das Lola Montez- und Metternich-Vaterunser, ab 1914 das Vaterunser gegen Wilhelm II.<ref>Alfred Liede: Artikel Parodie. In: Paul Merker, Werner Kohlschmidt, Wolfgang Mohr, Wolfgang Stammler (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte Band 3: p-sk. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-087956-8, S. 12–72, hier S. 62f.</ref>

Bildende Kunst

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Datei:Lichtentaler Pfarrkirche - Kuppelfresko Die sieben Bitten des Vaterunser.jpg
Kuppelfresko der Lichtentaler Pfarrkirche mit den sieben Vaterunserbitten

Seit dem Mittelalter entstanden bebilderte Septenare zum Vaterunser, anknüpfend an die seit Augustinus übliche Einteilung von Mt 6,9–13 in sieben Bitten. Sie wurden auf Septenare zu anderen religiösen Themen bezogen, etwa zu den Seligpreisungen, Gaben des Heiligen Geistes, Leidensstationen Christi, Tugenden und Lastern. Sie wurden graphisch mit figurae auf einem Blatt bebildert, bevorzugt als Rad (rota), Baumschema (arbor), Tabelle (scalae) oder Perlenschnur. Dem lag der Glaube an eine geordnete Schöpfung zugrunde.<ref>Ulrich Rehm, Florian Trenner: Die bildliche Auslegung des Vaterunsers im Mittelalter, München 2004, S. 27 und 92</ref> Dabei wurde die Reihenfolge der Vaterunserbitten umgekehrt, gemäß dem Gedanken eines Aufstiegs zur göttlichen Ordnung.<ref name="UR229">Ulrich Rehm: Bebilderte Vaterunser-Erklärungen des Mittelalters, Baden-Baden 1994, S. 229</ref> Solche Figurae waren Lern-, Predigt- und Unterrichtshilfen.<ref>Ulrich Rehm: Bebilderte Vaterunser-Erklärungen des Mittelalters, Baden-Baden 1994, S. 172</ref>

Das Werk Somme le Roi („Garten der Tugend“, 1279) stellte die Vaterunserbitten erstmals allegorisch dar, hier als junge Frauen.<ref>Ulrich Rehm, Florian Trenner: Die bildliche Auslegung des Vaterunsers im Mittelalter, München 2004, S. 97–99</ref> Blockbücher wie das Exercitium super Pater noster<ref>Exercitium super Pater noster. Universität Mons, 24. Oktober 2018 (PDF; 31 MB)</ref> erläuterten jede Gebetsaussage mit Bildern und boten so eine eigenständige, geschlossene, allegorische Bilderzählung.<ref>Ulrich Rehm: Bebilderte Vaterunser-Erklärungen des Mittelalters, Baden-Baden 1994, S. 230–232</ref>

Seit der Reformation wurden Septenare zum Vaterunser kaum noch mit anderen Septenaren verbunden, auch nicht auf Seiten der Gegenreformation.<ref>Ulrich Rehm: Bebilderte Vaterunser-Erklärungen des Mittelalters, Baden-Baden 1994, S. 21</ref> Anders als ältere Künstler illustrierte Lucas Cranach der Jüngere das Vaterunser durchgängig mit neutestamentlichen Beispielen der Taten Jesu. Die Bilder dienten der Textauslegung und sollten Gottes Gnade und Willen auch Laien deutlich machen.<ref>Elke Anna Werner, Anne Eusterschulte, Gunnar Heydenreich: Lucas Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder, Band 2. Hirmer, München 2015, ISBN 978-3-7774-2368-5, S. 50</ref>

Nach dem Ersten Weltkrieg fertigte Max Pechstein 1921 Holzdrucke zum Vaterunser an,<ref>Max Pechstein: Das Vater Unser, 1921, auf st.museum-digital.de</ref> die mit Stilmitteln des Expressionismus einen sozialkritischen Bezug zur Gegenwart herstellten.<ref>Gerd Presler: Max H. Pechstein: Das Vaterunser. PDF</ref>

Moderne Vaterunser-Zyklen in Gemälden von Siegfried Angermüller,<ref>Vaterunser-Zyklus „Gott ist rund“, auf saga-kunst.de</ref> Henning Diers,<ref>VaterUnser Zyklus, auf diersign.de</ref> Andreas Felger<ref>Werkzyklen/Vaterunser. Andreas Felger Kulturstiftung</ref> und Jörgen Habedank<ref>Jörgen Habedank: Sakrale Themen.</ref> sowie in den Kirchenfenstern von Alois Plum<ref>Die Fenster der Pfarrkirche St. Bartholomäus. morlautern.de</ref> benutzen Farbe und Form als Ausdrucksmittel, ohne sich auf konkrete Bibelstellen und aktuelle Zeitgeschichte zu beziehen.

Vokalmusik

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Das Vaterunser wurde in der Geschichte der Musik oft und auf verschiedene Weisen musikalisch vertont. Ab dem 16. Jahrhundert schufen europäische Komponisten Chorwerke zum Vaterunser, darunter Josquin Desprez, Adrian Willaert, Cristóbal de Morales, Nicolas Gombert, Jakob Arcadelt, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Jacobus Gallus, Heinrich Schütz, Otto Nicolai, Franz Liszt, Giuseppe Verdi, Max Reger, Igor Strawinsky, Günter Raphael<ref name="GH806" /> und Pēteris Vasks (1991).<ref>Hartmut Krones: Multikulturelle und internationale Konzepte in der Neuen Musik. Böhlau, Wien 2008, ISBN 978-3-205-77501-0, S. 456</ref> Weitere Chorwerke verarbeiten Luthers Vaterunserlied (EG 344), so von Johannes Driessler, Sixt Dietrich, Johannes Eccard, Hans Leo Haßler, Orlando di Lasso, Michael Praetorius und Samuel Scheidt. Werke für Singstimmen mit Instrumenten zum Vaterunser oder zu Luthers Vaterunserlied schrieben Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach (Kantaten BWV 90, 101, 102, 245), Günter Raphael, Franz Liszt, Leoš Janáček, Frank Martin und Heinz Werner Zimmermann. Peter Cornelius schuf einen Zyklus von neun Sololiedern zu Einzelbitten des Vaterunsers und eigenen Gedichten (op. 2, 1921),<ref name="GH806" /> Max Gulbins ein Lied für Frauenstimme und Orgel (op. 29, 1906).<ref>Neue Zeitschrift für Musik, Band 74. Schott, Mainz 1969, S. 302</ref>

Weitere Chor- und Orchesterwerke zum Vaterunser stammen von Max Baumann (op. 51, 1955), Hans Georg Bertram (2002/2003), Joachim Camerarius der Ältere (16. Jh.), Rihards Dubra, Maurice Duruflé (1977), Thomas Fortmann (1983), Friedrich Theodor Fröhlich (1832), Christian Geist (ca. 1684), Gustav Gunsenheimer, Stefan Hippe (2001), Gottfried August Homilius (1777), Lorenz Maierhofer (2008), Giacomo Meyerbeer, Arvo Pärt (2005), Carlo Pedini (2000), Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (Op. 31, 1910), Christian Ritter (ca. 1681), Hugo Röhr (1904), Miklós Rózsa (1961), John Serry senior (1992), Clive Strutt (2015), Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1878) und Felix Woyrsch.

Instrumentalmusik

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Werke für Orgel zu Luthers Vaterunserlied schufen unter anderen Samuel Scheidt, Johann Ulrich Steigleder, Johann Sebastian Bach (BWV 636, 682, 683), Felix Mendelssohn Bartholdy (op. 65,6)<ref name="GH806" /> und Manfred Kluge (1963).<ref>Hans Klotz: Das Buch von der Orgel: Über Wesen und Aufbau des Orgelwerkes, Orgelpflege und Orgelspiel. 14. Auflage, Bärenreiter, Kassel 2012, ISBN 978-3-7618-0826-9, S. 166</ref>

Vaterunserwerke für andere Instrumente oder Orchester schufen Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (op. 17,1; 1904), Walter Steffens (1984), Leonard Bernstein (in Mass, 1973), Peter Michael Braun (2004), Luigi Cherubini, Charles Gounod, Pjotr Iljitsch Tschaikowski.

Popularmusik

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Als Volkslied oder Schlager vertonten das Vaterunser auf Englisch etwa Albert Hay Malotte (The Lord's prayer, 1935), auf Deutsch Gotthilf Fischer (1976) und Hanne Haller (2003). Als englischen Popsong vertonte es Cliff Richard (The Millenium Prayer, 1999), als deutschsprachigen Solosprechgesang Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims (2004).<ref>Thomas Schipperges: Musik und Bibel Band 2 Neues Testament: 111 Figuren und Motive, Themen und Texte. Bärenreiter, Kassel 2015, ISBN 978-3-7618-7006-8, S. 204</ref>

Als Rockmusik vertonte Prince das Vaterunser für sein Album Controversy (1981). Damit begann er mit einer schwarzen, prophetisch-sozialen Botschaft zu experimentieren.<ref>Zada Johnson: “Dear Mr. Man”: The Socially conscious Music of Prince als Black Prophetic Fire. In: Suzanne Castle et al.: Theology and Prince. Lexington Books, London 2019, ISBN 978-1-978704-18-3, S. 19–44, hier S. 26</ref> Der Deutschrock-Sänger Marius Müller-Westernhagen schrieb für sein Album Jaja (1992) den Song Vater unser.<ref>Uwe Böhm, Gerd Buschmann: Popmusik – Religion – Unterricht. Modelle und Materialien zur Didaktik von Popularkultur. LIT Verlag, Münster 2000, ISBN 978-3-8258-5179-8, S. 160 und Fn. 13</ref> Die Techno-Band E Nomine veröffentlichte 1999 auf ihrem Album Das Testament den Song Vater Unser. Er kombiniert sonoren Sprechgesang von biblischem und lateinischem Text mit synthetischen Klängen und Rhythmen.<ref>Uwe Böhm, Gerd Buschmann: Popmusik – Religion – Unterricht, Münster 2000, S. 175–177</ref>

Das Konzeptalbum Opium fürs Volk (1996) der Punkrock-Band Die Toten Hosen beginnt mit dem Song Vaterunser. Er bietet den Gebetstext rein vokal mit Anklängen an den Gregorianischen Choral. Der Folgetitel Mensch konfrontiert das Gebet mit der menschlichen Realität. Auch die weiteren Titel und das CD-Booklet ordnen das Gebet in eine schonungslose Religions- und Gesellschaftskritik ein.<ref>Uwe Böhm, Gerd Buschmann: Popmusik – Religion – Unterricht, Münster 2000, S. 209–216</ref>

Siehe auch

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Literatur

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Exegese

  • Katja Hess: Das matthäische Vaterunser (Mt 6,9–13). Ein Kompendium jesuanischer Gotteslehre und Ethik. In: Studien zum Neuen Testament und seiner Umwelt A 44/45 (2019), S. 57–80.
  • Florian Wilk (Hrsg.): Das Vaterunser in seinen antiken Kontexten. Zum Gedenken an Eduard Lohse. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-647-54052-8
  • Günter Unger: Das Vaterunser: Jesu Themensammlung für das eigenständige Beten und Besinnen der Jünger. Kohlhammer, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-17-030917-3
  • Hartmut Gese: Bemerkungen zum Vaterunser unter dem Gesichtspunkt alttestamentlicher Gebetsformen. In: Christof Landmesser, Hans-Joachim Eckstein, Hermann Lichtenberger (Hrsg.): Jesus Christus als die Mitte der Schrift: Studien zur Hermeneutik des Evangeliums. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-081180-3, S. 405–438
  • Klaus Haacker: Was Jesus lehrte. Die Verkündigung Jesu – vom Vaterunser aus entfaltet. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2010, ISBN 978-3-7887-2427-6.
  • Eduard Lohse: Vater unser. Das Gebet der Christen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010.
  • Gerhard Lohfink: Das Vaterunser neu ausgelegt. Verlag Urfeld, Bad Tölz 2007, ISBN 3-932857-32-1.
  • Holger Finze-Michaelsen: Vater unser – unser Vater. Entdeckungen im Gebet Jesu. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-61581-7
  • Oscar Cullmann: Das Gebet im Neuen Testament. 2. Auflage, Mohr Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 978-3-16-146685-4
  • Ulrich Luz, Clemens Leonhard, Manfred Seitz: Art. Vaterunser I. Neues Testament II. Judentum III. Kirchengeschichtlich und praktisch-theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie 34 (2002), S. 504–529.
  • Marc Philonenko: Das Vaterunser. Vom Gebet Jesu zum Gebet der Jünger. Mohr Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 3-16-147694-8
  • Michael Brocke, Jacob J. Petuchowski, Walter Strolz: Das Vaterunser. Gemeinsames im Beten von Juden und Christen. (1974) 3. Auflage, Herder, Freiburg 1990, ISBN 3-451-17079-5
  • Pinchas Lapide: Das Vaterunser – ein christliches oder ein jüdisches Gebet? In: Tribüne 12, 1973, S. 5456–5461.
  • Joachim Jeremias: Das Vater-Unser im Lichte der neueren Forschung. Calwer, Stuttgart 1962.

Theologie und Gebetspraxis

  • Moshe Navon, Thomas Söding: Gemeinsam zu Gott beten: Eine jüdisch-christliche Auslegung des Vaterunsers. Herder, Freiburg im Breisgau 2018, ISBN 3-451-34056-9
  • Jürgen Werbick: Vater unser: Theologische Meditationen zur Einführung ins Christsein. Herder, Freiburg 2011, ISBN 978-3-451-33252-4
  • Eugen Biser: Glaubensbekenntnis und Vaterunser. Eine Neuauslegung. Patmos, Düsseldorf 2003, ISBN 3-491-69401-9.
  • Hans Martin Dober: Das Vaterunser im Gottesdienst: Ritualtheoretische Aspekte des gemeinsamen Gebets. In Deutsches Pfarrerblatt 5, 2002, S. 225–230
  • Reinhard Körner: Das Vaterunser. Spiritualität aus dem Gebet Jesu. Benno-Verlag, Leipzig 2002, ISBN 3-7462-1566-8
  • Romano Guardini: Das Gebet des Herrn. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2000, ISBN 3-7867-8366-7
  • Dietmar Rost, Joseph Machalke: Das Vaterunser den Kindern erzählt, mit Bildern von Heide Mayr-Pletschen. Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 1994, ISBN 3-7666-9513-4

Kunst

  • Ulrich Rehm, Florian Trenner: Die bildliche Auslegung des Vaterunsers im Mittelalter. In: Vaterunser im Himmel: das Gebet des Herrn. Klerusblatt, München 2004, ISBN 3-00-014974-0
  • Ulrich Rehm: Bebilderte Vaterunser-Erklärungen des Mittelalters. Valentin Koerner, Baden-Baden 1994, ISBN 3-87320-428-2
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Einzelbelege

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