Arabisches Alphabet
Das arabische Alphabet (Vorlage:ArS) ist u. a. das Alphabet der arabischen Sprache und besteht aus 28 Buchstaben. Zur Bildung von Wörtern werden mit sechs Ausnahmen alle Buchstaben entsprechend der Laufrichtung der arabischen Schrift von rechts nach links verbunden.
In Unicode sind die arabischen Buchstaben in den Blöcken Arabic (U+0600 bis U+06FF) und Arabic Supplement (U+0750 bis U+077F), Arabic Extended-A (U+08A0 bis U+08FF), -B (U+0870 bis U+089F) und -C (U+10EC0 bis U+10EFF) sowie in Arabic Presentation Forms-A (U+FB50 bis U+FDFF) und -B (U+FE70 bis U+FEFF) kodiert.
Buchstaben
[Bearbeiten]Die Buchstaben Alif, Dāl, Dhāl, Rā', Zāy und Wāw (Nr. 1, 8, 9, 10, 11, 27) werden nicht nach links verbunden. Darauf weist jeweils ein Sternchen (*) hin.
Reihenfolge
[Bearbeiten]iii isoliert, iv nach rechts verbunden, v beidseitig verbunden, vi nach links verbunden
Ursprünglich waren Alif, Bā', Dschīm, Dāl (heute die Buchstaben Nr. 1, 2, 5 und 8) die ersten vier Buchstaben. Das Wort Abdschad für „Alphabet“ bezieht sich auf diese vier Buchstaben in der klassischen Reihenfolge, es entspricht also der Bezeichnung „ABC“ für das lateinische Alphabet. Die alte Reihung lässt sich noch am Zahlenwert der Buchstaben ablesen (siehe Tabelle rechts). Vor der Einführung der indischen Ziffern wurden die Buchstaben für die Niederschrift von Zahlen verwendet, teilweise auch noch heute, siehe Abdschad-Zahlensystem. Diese alte Reihenfolge des Alphabets wurde später durch die heute gültige ersetzt, in der Schriftzeichen mit ähnlicher Form zusammengefasst sind.
Vokalisation
[Bearbeiten]Arabisch ist wie alle semitischen Schriften eine Konsonantenschrift. Aus dem Vokalbestand des Arabischen werden nur das lange a, i und u durch eigene Buchstaben wiedergegeben:
- langes a: Alif Vorlage:Ar
- langes i: Yā' Vorlage:Ar
- langes u: Wāw Vorlage:Ar
Wāw und Yā' bezeichnet man auch als Halbvokale, da sie im Silbenanlaut wie das englische w (و) bzw. das deutsche j (ي) ausgesprochen werden.
Viele Wörter beginnen mit einem Alif Vorlage:Ar. Dieses Anlaut-Alif hat keinen eigenen Lautwert, sondern ist lediglich der Träger für das Hamza. Ein darauffolgender kurzer Anlautvokal wird in der Regel nicht, und falls doch, dann mit dem entsprechenden Hilfszeichen wiedergegeben. Hat das Alif am Wortanfang ausnahmsweise tatsächlich einen eigenen Lautwert als langes a, so wird es mit dem Hilfszeichen Madda gekennzeichnet.
Anders das Verbindungsalif: Am Anfang des Artikels Vorlage:Ar (al-), der Verbstämme VII bis X sowie einigen Wörtern wie Vorlage:Ar (ibn = Sohn) und Vorlage:Ar (ism = Name) ist das Alif stumm; es erhält ein Wasla-Zeichen (ein Ṣād ص ohne Schlussbogen). Am Satzanfang (bzw. nach einer „Pause“) wird das Hamza doch gesprochen (es erfolgt ein Stimmabsatz im Anlaut, wie im Deutschen). In der nicht-vokalisierten Schreibung wird das Wasla nicht geschrieben, sondern das Alif steht ohne Zusatzzeichen: Vorlage:Ar
Im Auslaut kann für das lange a auch das Alif maqsūra („kurzes Alif“) Vorlage:Ar stehen. Vokale in fremden Eigennamen werden abhängig von Aussprache und Betonung mit Langvokalen umschrieben, wobei o zu Wāw und e zu Yā' werden, oder gar nicht wiedergegeben werden.
Kurze Vokale werden in der Schrift nicht wiedergegeben. Nur in ganz bestimmten Fällen werden sie durch Hilfszeichen markiert: im Koran immer, um die unverfälschte Originalform zu garantieren, manchmal in Gedichten sowie in Lehrbüchern für Schulanfänger. Diese Hilfszeichen sind keine Buchstaben, sondern nur Lesehilfen und gehören folglich auch nicht zum Alphabet.
Falls sie notiert werden, so erscheinen Fatha, Kasra und Damma in verdoppelter Form zur Kennzeichnung der Nunation am Ende unbestimmter Nomen. Träger dieser Vokalzeichen können alle Buchstaben sein. Sie werden entweder über (Fatha, Damma) oder unter (Kasra) den betreffenden Buchstaben gesetzt, der in der Aussprache immer nach dem Buchstaben realisiert wird.
Buchstaben-Verdoppelung
[Bearbeiten]Die Verdoppelung (Verstärkung) eines Buchstaben wird im Arabischen mit einem Taschdīd (Vorlage:Ar auch: Schadda Vorlage:Ar) über dem Buchstaben angezeigt (1). Tritt als Vokalzeichen Kasra für „i“ hinzu, steht es normalerweise nicht unter dem Buchstaben, sondern darüber, aber unter dem Schadda.
Fehlen eines Vokals
[Bearbeiten]Trägt ein Konsonant keinen Vokal, wird dies durch die Zeichen (2a) und (2b) angezeigt. Sie heißen im Inlaut Sukūn (Vorlage:Ar, Ruhe) und im Auslaut Dschazma (Vorlage:Ar, Abschnitt). Die Herkunft vom Dschīm des Dschazma ist in der Form (2b) noch rudimentär zu erkennen.
Verbindungsalif
[Bearbeiten]Endet das vorhergehende Wort auf einen Vokal, fällt das „a“ des Artikels al- aus. Dies kann durch das Zeichen (9) (Waṣla Vorlage:Ar) über dem Alif angezeigt werden.
Stimmloser glottaler Plosiv
[Bearbeiten]Mit dem Hamza (Vorlage:Ar) verfügt das arabische Alphabet über ein Zeichen für einen zusätzlichen Konsonanten, den stimmlosen glottalen Plosiv, also dem Laut, der im Deutschen vor jedem anlautenden Vokal gesprochen wird und auch vorangehende Konsonanten stimmlos macht, aber orthografisch nie dargestellt wird (Beispiele: „beantworten“, „Lesart“). Im Arabischen sorgt das Hamza im Anlaut dafür, dass die poetischen Silbenregeln eingehalten werden. Im Auslaut kann es in achtloser Aussprache wegfallen. Hamza wird meist mit einem „Träger“ geschrieben, der Alif, Wāw oder Yā' sein kann. Dadurch können zwei gleiche Buchstaben aufeinander treffen (z. B. im Wort ru'ūs Vorlage:Ar); in diesem Fall sind auch Schreibungen mit Hamza ohne Träger Vorlage:Ar oder mit defektivem Langvokal Vorlage:Ar anzutreffen. Die Form des Hamza (Vorlage:Ar) ist vom ʿAin abgeleitet.
Ziffern
[Bearbeiten]Im Arabischen wird wie in Europa die indische Zahlschrift verwendet. Da die indischen Ziffern über die arabische Welt nach Europa kamen, heißen sie im Deutschen „arabische Ziffern“. Die Unterschiede in der Form sind in Europa später entstanden. Es werden in den verschiedenen Ländern drei verschiedene Varianten benutzt: die „europäischen“, die „arabischen“ und die „persischen“ Ziffern.<ref>Vgl. den Abschnitt Persische Varianten der Ziffern.</ref>
Zahlen (sowohl europäische als auch arabische) werden im Gegensatz zu Wörtern immer von links nach rechts geschrieben. Die Araber übernahmen diese indische Schreibweise bei den Zahlen.
Arabische Ziffern
[Bearbeiten]Im Arabischen werden meistens folgende Ziffern verwendet:
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |
| Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar | Vorlage:Ar |
Persische Varianten der Ziffern
[Bearbeiten]Die persischen Varianten der arabischen Ziffern werden in Iran, Pakistan, Afghanistan und Indien verwendet.
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |
| Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa | Vorlage:Fa |
Fremdsprachliche Sonderzeichen
[Bearbeiten]Für Fremdwörter werden im Arabischen einige Sonderzeichen verwendet:
- Vorlage:Ar – Für den Laut p wird der Buchstabe Bā' verwendet, oder ein Bā' mit drei Punkten darunter (anstatt eines Punktes). So wird der bekannte Markenname „Pepsi“ im Arabischen Vorlage:Ar und im Persischen Vorlage:Fa (Aussprache: Pepsī Kōlā) geschrieben.
- Vorlage:Ar – Dieses Zeichen kann als Fā' mit drei Punkten statt einem verstanden werden oder als Qāf mit drei statt zwei Punkten. Verwendet wird es allgemein als Abwandlung des Fā' für das stimmhafte Vorlage:IPA-Zeichen (z. B. in Vorlage:Ar = Wien oder dem Markennamen Nivea: Vorlage:Ar). Im Maghrebinischen Arabisch wird es als Abwandlung des uvularen Verschlusslautes Qāf für den velaren Verschlusslaut Vorlage:IPA-Zeichen verwendet.<ref>Jabal al-lughat – Climbing the mountain of languages: <g> in Arabic. In: lughat.blogspot.com, Januar 2007, abgerufen am 12. August 2019.</ref> Ein bekanntes Beispiel ist die tunesische Getränkemarke „Boga“ Vorlage:Ar.
- Vorlage:Ar – In Ägypten, wo die Aussprache des Dschim g statt dsch ist, wird ein Dschim mit 3 Punkten als dsch verwendet. Im Irakisch-Arabisch wird dieser Buchstabe für tsch verwendet, meist als Ersatz für Vorlage:Ar (z. B. Vorlage:Ar tschalb für Hund statt Vorlage:Ar kalb). Für die Aussprache von tsch verwendet man auch im Maghreb diesen Buchstaben. Obwohl im Algerischen Arabisch das Vorlage:Ar als leichtes dsch ausgesprochen wird, werden die Wörter trotzdem mit Vorlage:Ar geschrieben (Vorlage:Ar al-dschazayir), hingegen werden Wörter mit einem stark ausgesprochenen dsch (tsch) mit Vorlage:Ar geschrieben, als Beispiel Vorlage:Ar tschbuq „Stock“.
- Vorlage:Ar – In Marokko wird dieser Buchstabe für den velaren Verschlusslaut Vorlage:IPA-Zeichen verwendet. Bekanntestes Beispiel ist die Stadt Agadir Vorlage:Ar.
- Vorlage:Ar bzw. Vorlage:Ar – Im maghrebinischen Arabisch werden diese Buchstaben benutzt, um ein V darzustellen. Um Verwechselungen mit Vorlage:Ar zu vermeiden, da dieser Buchstabe innerhalb eines Wortes sehr ähnlich wie Vorlage:Ar aussieht, wird der Buchstabe Vorlage:Ar benutzt; als Beispiel Vorlage:Ar oder Vorlage:Ar für „Video“.
Vorlage:Fa, Vorlage:Fa, Vorlage:Fa und Vorlage:Fa repräsentieren Phoneme, die im Arabischen selbst nicht Verwendung finden, wohl aber in anderen mit dem arabischen Alphabet geschriebenen Sprachen, also z. B. in Iran, Afghanistan, Pakistan und Indien für Sprachen wie Persisch bzw. Dari, Urdu, Paschtu, Kurdisch und Türkisch (vor Einführung der lateinischen Schrift) genutzt werden. Im Arabischen selbst werden die genannten Konsonanten wie folgt in das eigene Phonemsystem integriert:
- Vorlage:Fa – [p] als [b]
- Vorlage:Fa – [tʃ] als [dʒ]
- Vorlage:Fa – [g] als K oder Q
- Vorlage:Fa – [ʒ] durch [z]
Eine Übersicht über fremdsprachliche Sonderzeichen gibt die Liste arabisch-basierter Alphabete.
Sonderformen im Internet
[Bearbeiten]Vorlage:Hauptartikel In Domainnamen, Internetforen sowie bei der Benutzung von Chatprogrammen, die den Gebrauch arabischer Schriftzeichen nicht ermöglichen, werden häufig lateinische Buchstaben und arabische Ziffern in europäischer Ausprägung verwendet, um arabische Wörter zu schreiben; aufgrund einer wahrgenommenen Ähnlichkeit repräsentiert dabei: die Ziffer „2“ das Hamza, die Ziffer „3“ das ʿAin, die Ziffer „5“ das Chā', die Ziffer „6“ das Ṭā', die Ziffer „7“ das Ḥā' und die Ziffer „8“ das Ghain.
Literatur
[Bearbeiten]- Carl Brockelmann: Arabische Grammatik. Leipzig 1960.
- Carl Brockelmann: Die Transliteration der arabischen Schrift in ihrer Anwendung auf die Hauptliteratursprachen der islamischen Welt. Denkschrift der Transkriptionskommission der DMG für den 19. internationalen Orientalistenkongress in Rom. Franz Steiner, Leipzig 1935 (dmg-web.de [PDF; 14,7 MB]).
- Mohamed Badawi, Christian A. Caroli: As-Sabil al-Arabiyy: Kombinierte Grundlagen der arabischen Grammatik, Konstanz 2024, online unter: https://www.caroli.com/as-sabil/al-arabiyy/kombinierte-grundlagen-der-arabischen-grammatik/
Weblinks
[Bearbeiten]Umschrift
- Die Umschrift (Transkription) des arabisch-persischen Alphabets. (PDF; 124 kB) Tutorium an der Universität Heidelberg
- Umschrift der ALA-LC 1997. (PDF; 144 kB) American Library Association/Library of Congress (englisch, arabisch)
- Transliteration of Arabic. (PDF; 180 kB) Vergleich der Transliterationen
Textverarbeitung
- Arabic Windows: Arabicizing Windows Application to read and write Arabic. Arabisch unter Windows, Linksammlung
- ArabTeX. Arabischer Schriftsatz für TeX
- Vorlage:Internetquelle
Einzelnachweise und Anmerkungen
[Bearbeiten]<references />