Volapük

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Volapük-Symbole
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Datei:JM Schleyer 1888.jpg
Johann Martin Schleyer (1888)
Datei:Litzelstetten Volapuek.jpg
Gedenkinschrift in Litzelstetten

Volapük (Volapük für „Weltsprache“) ist eine gemischte Aposteriori-Plansprache, die 1879/80 von dem Pfarrer Johann Martin Schleyer geschaffen und vorgestellt wurde.

Geschichte

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Vorläufer

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Nach Solresol 1817 bzw. 1856 war Volapük die zweite Plansprache überhaupt, die nennenswerte Verbreitung fand. Wie Solresol bildet sie in ihren Aspekten einen Forschungsgegenstand der Interlinguistik.

Entstehung

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Schleyers Idee zum Volapük wird einmal durch einen Traum, ein anderes Mal durch eine fehlerhafte englischsprachige Anschrift erklärt, durch die ein Brief nicht angekommen war. Zunächst versuchte Schleyer, aus sechs europäischen Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch – eine gemischte Sprache zu konstruieren. Dieser wollte er den Namen „Völkerdolmetsch“ geben. Weil aber eine gemeinsame Verständigung unter den verschiedenen Völkern eine gemeinsame Schreibung voraussetzt, versuchte es Schleyer zunächst mit der Aufstellung eines „Weltalphabets“ (18. Januar 1878).<ref name="kniele">Rupert Kniele: Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük. Überlingen 1889. S. 69</ref>

Erfolge

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Datei:Schleyertafel.jpg
Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Schleyers in Konstanz, Schottenstraße 37 im Stadtteil Paradies

Die ersten Versuche, Volapük der Öffentlichkeit zu präsentieren, finden sich in der von Schleyer herausgegebenen Sionsharfe: Monatsblätter für katholische Poesie. Zuerst (März 1879) gab Schleyer darin Proben seines Weltalphabets. Im Mai desselben Jahres erschien als Beilage der Entwurf einer Weltsprache und Weltgrammatik für die Gebildeten aller Völker der Erde. Dieser Entwurf brachte die Grundsätze und die ersten Wörter. Der erste Probesatz lautete:

Ko God beginobsöd dinis valik!<ref name="kniele" /> ‚Lasst uns alle Dinge mit Gott beginnen!‘ – Wörtlich: Mit Gott lasst-uns-beginnen Dinge alle.

Anfangs war die Sprache recht erfolgreich. Es bildeten sich Volapük-Gesellschaften in Europa, die sich nach Nord- und Südamerika und sogar einigen Teilen von Asien ausbreiteten. Bereits nach wenigen Jahren hatte Volapük angeblich über 100.000 Anhänger – ob diese jedoch die Sprache wirklich beherrschten, ist ungewiss. Es gab laut Rupert Kniele<ref name="kniele" /> aber Ende 1888 immerhin 885 diplomierte Volapük-Lehrer.

Der Stenograf Karl Lenze aus Eisleben wurde Schleyers erster Schüler und erhielt das erste Diplom als Weltsprachelehrer.

Datei:VolapükSymbol3.GIF
Menad(e) bal – Pük(i) bal!
Datei:Volapük.png
Anzeige für das Erlernen von Volapük von 1889

1880 erschien die erste Grammatik mit Wörterbuch. Die neue Sprache erhielt jetzt den Namen Volapük, gebildet aus den englischen Wörtern world und speak. Volapük bedeutet also „Sprache der Welt“ oder „Weltsprache“. In der Februarnummer der Sionsharfe, die anfangs als Organ für Volapük diente, erschien als erster Vers die Devise „Einer Menschheit – eine Sprache“: Vorlage:Zitat Ein Jahr nach der Erfindung des Volapük erschien in Sigmaringen die Grammatik unter dem Titel Volapük, die Weltsprache. Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde. Verfasser: J. M. Schleyer, Redakteur der „Sionsharfe“. Diese Grammatik enthielt auch ein Wörterbuch mit 2780 Wörtern. Einflussreiche Zeitungen veröffentlichten empfehlende Artikel. Das Luxemburger Wort verglich die Bedeutung der sogenannten „Weltsprache“ für die ganze Menschheit mit der Bedeutung der Weltpost und schließt mit der folgenden Ermahnung: Vorlage:Zitat

Datei:Volapükabled2.png
Volapükabled („Weltspracheblatt“)

Schleyer entschloss sich bald zur Herausgabe eines eigenen Weltspracheblattes. Ab dem 1. Januar 1881 erschien das Weltspracheblatt Volapükabled. Die erste Nummer enthielt Grammatisches, einen Brief, eine Anzahl von Firmen, Gewerben, Anstalten, die empfohlen wurden, dann vergleichende Sätze in 20 verschiedenen Sprachen mit Text in Volapük daneben.

Otto Büchler aus Öhringen hielt in einer humanistischen Lehrerversammlung in Heilbronn einen Vortrag, der als der erste Vortrag über Volapük gilt, und schloss mit dem Ausdruck der Freude darüber, dass es ein Deutscher sei, der den Anstoß zu einer Weltsprache gegeben habe.

Datei:DieKunstSchnellVolapukZuLernen.jpg
„Die Kunst schnell Volapük zu lernen“

1882 fing Kamerer J. Hyberg im schwedischen Ankarsrum an, Volapük zu lernen, und gründete einen Verein unter dem Namen Första svenska verldsspråkkluben „Volapükaflens svedik“ mit neun Mitgliedern, der aber keine weiteren Fortschritte machte, obwohl er sich viel Mühe gab, Volapük in Schweden einzuführen.

Der erste Weltspracheverein wurde im selben Jahr von Rupert Kniele im Dorf Alberweiler bei Biberach gegründet. Das Jahr 1884 kann als das Jahr der Versammlungen betrachtet werden. Schleyer war um diese Zeit sehr krank und suchte ein Volapükwort für „Neid“, das es damals noch nicht gab. Er sagte zu Rupert Kniele, der ihn besuchte: Vorlage:Zitat

Kniele schuf daraufhin das Wort „glöt“.

Vom 25. bis zum 28. August 1884 fand die erste Generalversammlung im Kursaal der Bodenseestadt Friedrichshafen statt.<ref>Jürgen Oellers: Sprachenverwirrung in Friedrichshafen. Der erste Volapük-Kongress im Jahre 1884. In: Leben am See. Jahrbuch, Jahr unbekannt, S. 26.</ref> Das Wort „Volapük“ wurde von dieser Versammlung zum Neutrum erklärt, während man bisher „die Volapük“ gesagt hatte. Im März 1885 wandte sich Schleyer gegen die sogenannten „Verbesserer“, die er als Quelle für alle Differenzen ansah.

Anfang 1887 schrieb der Düsseldorfer Anzeiger: Vorlage:Zitat Wissenschaftliche Autoritäten wie der Linguist Friedrich Max Müller und der Geograf Alfred Kirchhoff sprachen sich nun für Volapük aus. Das französische Blatt Le Temps schrieb am 16. Januar 1887: Vorlage:Zitat Die Kölnische Volkszeitung schrieb am 11. Februar 1887 gar: Vorlage:Zitat Im Mai 1887 hielt die „Association française“ internationale Prüfungen ab, an denen sich über 300 Personen aus allen Erdteilen beteiligten. Das erste Diplom als „plofed“ (Professor der Weltsprache) erhielt der Direktor der Handelsschule in Bukarest. Vom 6. bis zum 9. August fand der 2. Kongress aller Weltsprachefreunde in München statt.

Anfang 1888 sah sich Schleyer veranlasst, seine Rechte als Erfinder zu bekräftigen. Schleyer führte den Namen „cifal“, als der er auch von der 2. Generalversammlung in München anerkannt wurde. Sein Wohnsitz galt als Zentralpunkt für alle Volapükisten der Erde. Die einheitliche Leitung geschah durch Schleyers monatlich erscheinendes Organ, das Volapükabled zenodik („Zentralblatt der Weltsprache“). Der Wohnsitz des Erfinders in Konstanz galt als Zentralbureau der Schleyer’schen Weltsprache.

Dem cifal standen die Senatoren (senätans) zur Seite. Diese Senatoren wählte sich Schleyer nach seinem Ermessen aus. Insgesamt wollte er 100 Senatoren auswählen.

Im selben Jahr 1888 wurde Volapük auch in China und Japan eingeführt. Am Ende des ersten Jahrzehnts (1888) gab es 885 Weltsprachelehrer, 190 Oberlehrer (löpitidel), 50 Professoren (plofed). Weltweit wurde die Zahl der Volapük-Anhänger auf 1 bis 2 Millionen geschätzt. Kurse wurden an 272 Orten erteilt und es gab 253 Vereine, die sich für Volapük engagierten (laut Kniele,<ref name="kniele" /> S. 69).

Der britische Philologe Alexander Ellis erwähnt in seinen Schriften ein Chicagoer Mädchen namens Corinne Cohn, das mit Volapük aufwuchs. Es war die Tochter des Volapük-Aktivisten Henry Cohn und 1888 sechs Jahre alt. Es gibt aber keine weiteren Berichte von ihm.

Niedergang

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Mit der Zeit erwies sich Volapük als zu schwer erlernbar, um sich dauerhaft durchsetzen zu können. Der Wortschatz wurde zwar verschiedenen europäischen Sprachen entnommen, allerdings wurden die einzelnen Wörter zum Teil so stark verändert, dass sie kaum noch zu erkennen waren.

Eine weitere Bürde für die Entstehung eines lebendigen Volapük war, dass Schleyer versuchte, die Kontrolle über seine Sprache zu behalten und die Volapük-Akademie autokratisch zu beherrschen. So behielt er sich beispielsweise als Datuval (= „Großer Erfinder“) die Einführung neuer Vokabeln sowie ein absolutes Vetorecht vor.

Nachdem die 1889 auf dem 3. Volapük-Kongress in Paris gegründete Volapük-Akademie einige Reformen gefordert hatte, die Schleyer ablehnte, begann der rasche Niedergang des Volapük. Reformversuche wie das Idiom Neutral fanden keinen Zulauf.

Bereits ab Mitte der 1880er Jahre verließen immer mehr Volapük-Anhänger die Weltsprachbewegung. 1888 trat der Nürnberger Volapük-Verein zum Esperanto über. Volapük verlor schnell an Bedeutung.

Datei:ArieDeJong.png
Arie de Jong

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg begann der Niederländer Arie de Jong mit einer kompletten Durchsicht von Wortschatz und Grammatik. 1929 traf er sich mit Mitgliedern der noch immer bestehenden Volapük-Akademie und dem Volapük-Präsidenten, dem sogenannten Cifal. Nachdem diese revidierte Fassung akzeptiert wurde, veröffentlichte er zu Beginn der 1930er Jahre eine neue Leitgrammatik sowie ein modellhaftes Wörterbuch Volapük–Deutsch und Deutsch–Volapük.

Bedeutung

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Zurzeit gibt es nur noch wenige Menschen, die Volapük beherrschen. Die Bedeutung des Volapük liegt darin, dass zum ersten Mal eine neue Sprache nicht ein bloßes Projekt blieb, sondern von einer Sprachgemeinschaft angewandt wurde.

Volapük hat die ISO-639-Kürzel vo und vol.

Chronologie

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Datei:JM Schleyer.jpg
Johann Martin Schleyer, undatiert
  • 1879 Johann Martin Schleyers Konzept einer Welthilfssprache
  • 1880 Veröffentlichung des ersten Volapük-Lehrbuchs in Sigmaringen
  • 1884 Erster Weltkongress in Friedrichshafen
  • 1887 Zweiter Weltkongress in München – Gründung der Volapük-Akademie
  • 1888 Geschlossener Übertritt der Nürnberger Volapük-Gruppe zum Esperanto
  • 1889 Dritter Weltkongress in Paris
  • 1889 Präsident der Volapük-Akademie Auguste Kerckhoffs, Streit mit Schleyer
  • 1902 Veröffentlichung des völlig anderen Sprachprojektes Idiom Neutral durch die ehemalige Volapük-Akademie unter Waldemar Rosenberger
  • 1931 Veröffentlichung des revidierten Volapük durch Arie de Jong nach Billigung durch Akademie und Cifal

Cifals

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Cifal“ (Chef) war der Titel, den sich Schleyer als Oberhaupt der Volapük-Bewegung geben ließ. Der Titel „Cifal“ wurde in ununterbrochener Reihenfolge von Schleyer bis in die Gegenwart fortgeführt. Seine Nachfolger bis heute waren oder sind:

  1. Johann Martin Schleyer 1879–1912
  2. Albert Sleumer 1912–1948
  3. Arie de Jong (kommissarisch) 1947–1948,<ref>volapük.com</ref> 1951–1957<ref>volapük.com</ref>
  4. Jakob Sprenger 1948–1950
  5. Johann Schmidt 1950–1977
  6. Johann Krüger 1977–1983
  7. Brian Reynold Bishop 1984–2014
  8. Hermann Philipps 2014 bis heute<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Auf Grund der geringen Sprecherzahl hatte Brian Bishop zuerst Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. 2012 wurde der Deutsche Hermann Philipps aus Bonn als Vize-Cifal („Vicifal“) bestimmt.<ref>Dalebüd Cifala de 2012, Dekul 1, Nüm: 1</ref>

Rezeption

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Der Schwede Paul Nylén beschrieb seinen Eindruck vom Volapük, nachdem er sich einem anderen Plansprachenprojekt angeschlossen hatte, rückblickend wie folgt: Vorlage:Zitat

Adalbert Baumann, der Urheber von Weltdeutsch, übt in seinem Buch Wede: Die Sprache der Zentralmächte und ihrer Freunde (1915) scharfe Kritik an den bestehenden Sprachprojekten, auch an Volapük: Vorlage:Zitat

Volapük-Alphabet

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Das Volapük-Alphabet besteht aus 27 Buchstaben:

Buchstabe IPA
a Vorlage:IPA-Phon
ä Vorlage:IPA-Phon oder Vorlage:IPA-Phon
b Vorlage:IPA-Phon
c Vorlage:IPA-Phon oder Vorlage:IPA-Phon
d Vorlage:IPA-Phon
e Vorlage:IPA-Phon
f Vorlage:IPA-Phon
Buchstabe IPA
g Vorlage:IPA-Phon
h Vorlage:IPA-Phon
i Vorlage:IPA-Phon
j Vorlage:IPA-Phon oder Vorlage:IPA-Phon
k Vorlage:IPA-Phon
l Vorlage:IPA-Phon
m Vorlage:IPA-Phon
Buchstabe IPA
n Vorlage:IPA-Phon
o Vorlage:IPA-Phon
ö Vorlage:IPA-Phon
p Vorlage:IPA-Phon
r Vorlage:IPA-Phon
s Vorlage:IPA-Phon oder Vorlage:IPA-Phon
t Vorlage:IPA-Phon
Buchstabe IPA
u Vorlage:IPA-Phon
ü Vorlage:IPA-Phon
v Vorlage:IPA-Phon
x Vorlage:IPA oder Vorlage:IPA
y Vorlage:IPA-Phon
z Vorlage:IPA-Phon oder Vorlage:IPA-Phon
Datei:VolapukAOU.svg
Schleyers Entwurf für die Umlaute

Durch den Ausschluss von „q“ und „w“ enthält das Volapük-Alphabet nur 24 der 26 Nicht-Umlaute des deutschsprachigen Alphabet plus die drei Umlaute, in Summe also 27.

Die meisten Buchstaben werden wie im Deutschen ausgesprochen. Abweichungen gibt es nur bei:

  • c = stimmloses tsch [tʃ] (oder stimmhaftes dsch [dʒ]): cil [tʃil] = Kind (aus dem Englischen „child“ [tʃaɪld])
  • j = stimmloses sch [ʃ] (oder stimmhaftes sch [ʒ]): jad [ʃad] = Schatten (aus dem Englischen „shadow“ [ˈʃædəʊ])
  • v = w [v]: vin [vin] = Wein (aus dem Englischen „wine“ [waɪn]; [v] < [w])
  • y = j [j]: yag [jag] = Jagd

Ursprünglich ging Schleyer von 26 Buchstaben aus („Unser Weltalfabet“).<ref>Johann Martin Schleyer: Volapük. Die Weltsprache. Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde. Sigmaringen 1880</ref> Eingerechnet sind dabei das ħ – entsprechend dem englischen th – sowie die Partikel ' als h-Anlaut wie im Griechischen, die beide später abgeschafft wurden. Noch nicht berücksichtigt in seiner Liste von 1880 sind die drei Umlaute ä, ö und ü. In dieser Phase sieht Schleyer diese noch als bloße Varianten der Stammvokale, die durch „einen starken 4ekigen Punkt inmitten derselben“ erzeugt werden. Er entwickelt dann sogar eine eigene Typografie, aber schon 1880 benutzt er auch das Trema zur Darstellung der Umlaute.

Beispiele

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Volapük ist eine agglutinierende Sprache, das heißt Wörter bekommen durch das Anhängen von Vorsilben und Nachsilben unterschiedliche Bedeutungen:

pük = Sprache
pükön = sprechen (-ön ist die Infinitiv-Endung)
pükel = Redner
nepük = Schweigen (ne- ist die verneinende Vorsilbe)
Beispielsätze
Odelo ovisitobs flenis obas. (Morgen besuchen wir unsere Freunde.)
Lif ela Schleyer äbinon vemo nitedik. (Schleyers Leben war sehr interessant.)
Givob ole bukis tel. (Ich gebe dir zwei Bücher.)

Das „Vaterunser“ auf Volapük

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Vorlage:Siehe auch

Volapük-Hymne

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Datei:Volapükahüm.png
Volapükahüm

Anfang des Johannes-Evangeliums

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Vorlage:Siehe auch

  1. Primo vöd ädabinon, e vöd äbinon in God, e vöd äbinon God.
  2. Si! vöd äbinon primao in God;
  3. val edavedon dub on, e nen on nos edavedon uta, kel edavedon.
  4. In on lif äbinon, e lif äbinon lit menas.
  5. Lit stralon ini dag, e dag no elasumon oni.

Grammatik

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Im Zwölften Band von Pierers Konversations-Lexikon aus dem Jahr 1883 wird unter dem Stichwort „Volapük“ eine kurze Einführung in die Grammatik dieser Plansprache gegeben: Vorlage:Zitat

Kasus

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Vorlage:Siehe auch

Deklination Singular Plural
Nominativ vol (die Welt) vols (die Welten)
Genitiv vola (der Welt) volas (der Welten)
Dativ vole (der Welt) voles (den Welten)
Akkusativ voli (die Welt) volis (die Welten)

Wortbildung

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Bei zusammengesetzten Wörtern (Komposita) steht das Grundwort am Ende:

pokamon = Taschengeld
monapok = Geldtasche

Adjektive

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Eigenschaftswörter (Adjektive) enden immer auf ik:

Substantiv IPA Bedeutung Adjektiv IPA Bedeutung Herkunft
gret [gret] Größe gretik [greˈtik] groß Englisch „great“ [gɹeɪt]
smal [smal] Kleinheit smalik [smaˈlik] klein Englisch „small“ [smɔːl]
pöf [pøf] Armut pöfik [pøˈfik] arm Französisch „pauvre“ [povʀ], „ö“ < „[o]“ und „f“ < „v“
gud [gud] Güte gudik [guˈdik] gut Englisch „good“
bad [bad] das Böse badik [baˈdik] böse Englisch „bad“ [bæd]

Substantive

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Substantive beginnen und enden immer mit einem Konsonanten.

Substantiv IPA Bedeutung Herkunft
cem [tʃem] Zimmer Englisch „chamber“ [ˈtʃeɪmbə]
yad [jad] Hof Englisch „yard“ [jɑːd]
völ [vøl] Wand Englisch „wall“ [wɔːl], [v] < [w]
böd [bød] Vogel Englisch „bird“ [bɜːd]
log [log] Auge Lateinisch „oculus“ („log“ = „l“ + „og“ („og“ o[g] < „oc“ o[k]) < oc-ulus)
lil [lil] Ohr Englisch „ear“ [ɪə], „an ear is“ [ən ɪəɹ ɪz] – „lil“ = „l“ + „il“ („il“ < „ir“)

Von den Substantiven Auge und Ohr sind die Verben logön [loˈgøn] (= sehen) und lilön [liˈløn] (= hören) abgeleitet.

Vorlage:Überarbeiten Von männlichen Substantiven abgeleitete weibliche Substantive werden durch die Vorsilbe ji gekennzeichnet, zum Beispiel tidel = Lehrer, jitidel = Lehrerin. Das Geschlecht von männlichen Tieren wird mit der Vorsilbe om, das von weiblichen Tieren durch die Vorsilbe ji gekennzeichnet, zum Beispiel omdog = Rüde, jidog = Hündin.<ref>Jürgen Oellers: Sprachenverwirrung in Friedrichshafen. Der erste Volapük-Kongress im Jahre 1884. In: Leben am See. Jahrbuch, Jahr unbekannt, S. 26–37.</ref>

Grundzahlen

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Die Grundzahlen beginnen und enden auf einem Konsonanten mit einem Vokal. Endkonsonant ist stets ein „l“. Man beachte die Reihenfolge der Vokale (a, e, i, o, u, ä, ö, ü); nur bei „7“ ist wieder ein „e“ eingeschoben. Im schleyerschen Volapük wurden die Zehner mit dem Plural-s gebildet: 10 bals, 20 tels, 30 kils usw. 11 balsebal, 12 balsetel, 13 balsekil usw. Erst in der großen Volapükreform durch Arie de Jong wurde mit Einführung des Wortes „deg“ ein eigenes Wort für zehn und zur Bildung der Zehnerreihe eingeführt.

Volapük Ziffer Deutsch Beispiel
bal 1 eins degbal = 11
tel 2 zwei teldegtel = 22
kil 3 drei tumteldegkil = 123
fol 4 vier teldegfol = 24
lul 5 fünf telmil kiltumfoldeglul = 2.345
mäl 6 sechs tummäl = 106
vel 7 sieben veldeg = 70
jöl 8 acht jölmil = 8.000
zül 9 neun zülbalion = 9.000.000
bals
deg
10 zehn teldeg = 20
Weitere Zahlen
tum = 100
mil = 1.000
degmil = 10.000
milion / balion = 1.000.000 (Million)
miliád / telion = 1.000.000.000 (Milliarde)
bilion = Bilion, kilion = Trillion, folion = Quadrillion

folbalion jöltumveldegmälmil kiltumteldegzül = 4.876.329

„Fünf große Bäume“ heißt in Volapük „bims gretik lul“.

Verbformen

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Die Passivformen der Verben werden durch Voransetzen des Konsonanten „p“ und eines Vokals gebildet. Hier aufgezeigt anhand des Verbslöf“ (= lieben, abgeleitet vom englischen Wort „love“):

Passivformen
Grundform Tempus Form Übersetzung
pa Präsens palöfob ich werde geliebt
Imperfekt löfob ich wurde geliebt
pe Perfekt pelöfob ich bin geliebt worden
pi Plusquamperfekt pilöfob ich war geliebt worden
po Futur I polöfob ich werde geliebt werden
pu Futur II pulöfob ich werde geliebt worden sein

Kritik

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Die bedeutungstragenden Unterschiede sind oft sehr gering, so dass viele Wörter nur schwer auseinanderzuhalten sind.<ref>Wegen der Ähnlichkeit der Wörter muss man „auf eine gut artikulierte Aussprache viel Mühe verwenden“ und sie sind „durch ihre geringe lautliche Differenziertheit schwer einprägsam“ laut Heinz F. Wendt (Hrsg.): Das Fischer Lexikon Sprachen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1977, S. 357.</ref>

Laute
Die Umlaute ö (Vorlage:IPA-Phon) und ü (Vorlage:IPA-Phon) sind für einen großen Teil der Menschen schwer auszusprechen.

Das „gerollte“ Zungenspitzen-R (Vorlage:IPA-Phon) eliminierte der Projektautor Johann Martin Schleyer aus seiner Plansprache, um den Chinesen den Zugang zu Volapük zu erleichtern. Was von Volapük blieb, wurde in den 1920er Jahren von dem Niederländer Arie de Jong reformiert, der den Buchstaben R wieder einführte. Er begründete diesen Schritt damit, dass die Japaner mit dem L Schwierigkeiten hätten.

Wortschatz
Internationalismen fehlen oder sind so entstellt, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind. Obwohl ein großer Teil des Wortschatzes dem Englischen entnommen ist, sind doch gerade für Muttersprachler des Englischen viele Wörter (zum Beispiel „pük“) auf Grund der darin enthaltenen Umlaute nur schwer auszusprechen.

Auch wird der Muttersprachler des Englischen nicht ohne Hinweis darauf kommen, dass zum Beispiel das Wort „flen“ für Freund vom englischen Wort „friend“ abgeleitet ist.

Übertragene Begriffsverwendung

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Im Dänischen wird das Wort Vorlage:Lang heute synonym für (absichtlich) Unverständliches (Fachchinesisch, elitäres Kauderwelsch) benutzt – oder auch im Sinne von ‚Quatsch‘: Vorlage:Lang (wörtl.: ‚Das ist das reinste Volapük‘) bedeutet so viel wie ‚Ich verstehe nur Bahnhof‘.<ref>Langenscheidt: Taschenwörterbuch Dänisch. 2007, ISBN 978-3-468-11103-7, S. 521.</ref> Ähnlich hat es Erich Kästner in seinem sarkastischen Gedicht Sogenannte Klassefrauen verwendet.

Im Esperanto wird volapukaĵo („in Volapük Abgefasstes“) auch in der Bedeutung „Unverständliches“ verwendet.<ref>Erich-Dieter Krause: Großes Wörterbuch Esperanto-Deutsch. Buske, Hamburg 1999, S. 873.</ref>

In Kurt Tucholskys Satire Der Löw’ ist los (1929)<ref>Kurt Tucholsky: Der Löw’ ist los! – Volltext bei Wikisource</ref> wird Russisch als das Volapük der Tiere bezeichnet. Es wird nicht näher darauf eingegangen, was darunter genau zu verstehen ist.

In dem Werk Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus von Lenin mokiert sich der Autor über den „spintisierenden Eifer“ des „linken“ Kommunismus (ergo der KPD) in Deutschland. Unter anderem heißt es: „Das alles sind Binsenwahrheiten. Das alles ist einfach und klar. Wozu bedurfte es statt dessen eines Kauderwelsch, eines neuen Volapüks?“

Mit dem Namen Wolapjuk (Vorlage:RuS = ‚Kodierung „Volapük“‘; Vorlage:EnS) bezeichnet man heute im slawischen Sprachraum auch die (inoffizielle) Transkription kyrillischer Buchstaben über Computersysteme mit westlichem Lateinalphabet, basierend auf deren Option, etwa bei Chat oder Instant messaging, z. B. in folgender Form: СОВЕТСКИЙ СОЮЗ (kyrillisch) = COBETCKNÑ CO1O3 (lateinisch). In dieser Bedeutung spielt Volapük auch in William Gibsons „Quellcode“ eine Rolle.

Literatur

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  • Philipp Engert und Leonard Schwägerl (Hrsg.): Schleyer und Volapük – Geschichte und Linguistik. Seminarkurs 2012/2013 Martin-Schleyer-Gymnasium, Lauda-Königshofen. Verlag tredition GmbH Hamburg 2013; ISBN 978-3-8495-7238-9
  • Hans-Dieter Kuhn: Die Plansprachen Volapük und Esperanto in Konstanz. Geschichte und lokale Ereignisse; Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2010; ISBN 978-3-86628-357-2
  • Jürgen Oellers: Sprachenverwirrung in Friedrichshafen. Der erste Volapük-Kongress im Jahre 1884. In: Leben am See. Jahrbuch, Jahr unbekannt, S. 26–37.
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Vorlage:Commonscat Vorlage:Wiktionary Vorlage:Wikipedia Vorlage:Wikisource Vorlage:Wikisource Vorlage:Wikisource

Einzelnachweise

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<references />