Thales

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Darstellung des Thales aus einem schwedischen Lexikon 1875

Thales von Milet (Vorlage:GrcS; * wahrscheinlich um 624/23 v. Chr. in Milet; † zwischen 548 und 544 v. Chr.<ref name="Schirren2013-182f">Thomas Schirren, Georg Rechenauer: Biographie. In: Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Frühgriechische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Band 1). Schwabe Verlag, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2598-8, S. 182 f.</ref> ebenda) war ein vorsokratischer Naturphilosoph, Geometer und Astronom des archaischen Griechenlands.

Thales hat wahrscheinlich keine Schriften hinterlassen. Die Überlieferung fand durch andere Autoren der Antike statt. Da sich schon früh Legenden um ihn gebildet haben, kann man sich auf über ihn bekannte Details meist nicht verlassen. Es lässt sich jedoch ein grobes Bild zeichnen. Demnach hat er sich in seiner Heimatstadt Milet politisch betätigt und war jemand, der für seine große Weisheit bewundert wurde. So erachtete man ihn als einen der Sieben Weisen und als Begründer der antiken Naturphilosophie, Astronomie und Geometrie.

Leben

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Thales, dessen Eltern Examyes und Kleobuline hießen, war in der Stadt Milet an der Westküste Kleinasiens beheimatet. Ob er phönizischer Herkunft war oder nicht, ist umstritten. Er (oder wenigstens seine Mutter) entstammte laut Diogenes Laertios dem hochadeligen Geschlecht der Theliden.<ref>Diogenes Laertios I,22.</ref><ref name="Woehrle2015">Georg Wöhrle: Thales, ein Phönizier? In: Mnemosyne. Band 68, Nr. 3, 2015, S. 470–478, doi:10.1163/1568525X-12341649.</ref> Es wird allerdings auch die Meinung vertreten, dass Thales’ Mutter griechischer, sein Vater karischer Abstammung war.<ref>Alexander Herda: Greek (and our) views of the Karians. In: Alice Mouton, Ian Rutherford, Ilya Yakubovich (Hrsg.): Luwian Identities. Culture, Language and Religion Between Anatolia and the Aegean. Brill, Leiden und Boston 2013, S. 437.</ref>

Nach der Chronika des Apollodors von Athen (etwa 180–110 v. Chr.<ref>Thomas Schirren, Georg Rechenauer: Biographie. In: Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Frühgriechische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Band 1). Schwabe Verlag, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2598-8, S. 175.</ref>) soll Thales im ersten Jahr der 35. Olympiade, also 640/39 v. Chr., geboren sein und ein Alter von 78 Jahren erreicht haben.<ref name=Diogenes>Diogenes Laertios: Leben und Lehren der Philosophen 1,37-38 (Digitalisat)</ref> Auch Eusebius von Caesarea setzte seine Geburt in diese Zeit.<ref>Eusebius von Caesarea: Chronik (Digitalisat)</ref> Bei Sophronius Eusebius Hieronymus fällt die Geburt des Thales je nach Handschrift in das vierte Jahr der 34. oder erste Jahr der 35. Olympiade.<ref>Hieronymus: Chronik (Digitalisat)</ref> Nach dem Chronicon Paschale soll er im 4. Jahr der 55. Olympiade, also 557/56 v. Chr. im Alter von 91 Jahren gestorben sein.<ref>Barthold Georg Niebuhr: Corpus scriptorum historiae byzantinae. Bonn 1832, S. 268 (Digitalisat)</ref> Im selben Werk ist jedoch auch angegeben, dass er im 3. Jahr der 10. Olympiade, also 738/37 v. Chr. auf der Insel Tenedos gestorben sei.<ref>Barthold Georg Niebuhr: Corpus scriptorum historiae byzantinae. Bonn 1832, S. 214 (Digitalisat)</ref> Solch ein frühes Datum wie es auch bei John Anthony Cramer<ref>John Anthony Cramer: Anecdota graeca e codd. manuscriptis bibliothecae regiae Parisiensis, Teil 2, Oxford 1839, S. 263 (Digitalisat)</ref> erscheint ist undenkbar und möglicherweise auf eine falsche Olympiadenzählung durch Phlegon von Tralleis zurückzuführen.<ref name=Rohde>Erwin Rohde: Kleine Schriften, Band 1, Tübingen und Leipzig 1901, S. 169–170 Digitalisat)</ref> Die Erwähnung, dass Thales auf Tenedos gestorben sei führte jedoch dazu, dass man Kleostratos von Tenedos zu seinem Schüler und Nachfolger erklärte.

Alle anderen Quellen legen das Todesjahr in die 58. Olympiade (548–545 v. Chr.).<ref>Kyrill von Alexandria: Gegen Julian, Teil 1, S. 12 (Digitalisat)</ref> Eusebius von Caesarea datierte dies ins erste Jahr der 58. Olympiade (548/47 v. Chr.).<ref>Eusebius von Caesarea: Chronik (Digitalisat)</ref> Je nach Handschrift fällt es bei Hieronymus ins 4. Jahr der 57. oder ins erste Jahr der 58. Olympiade. Sosikrates von Rhodos (etwa 200–128 v. Chr.) gab an, dass Thales im Alter von 90 Jahren während der 58. Olympiade starb.<ref name=Diogenes/> Die überlieferten Daten scheinen nahezulegen, dass Thales 639 v. Chr. geboren wurde und 548 v. Chr. im Alter von 91 Jahren starb. Hermann Diels vermutete jedoch, dass Thales’ Akme mit der Voraussage der Sonnenfinsternis 585 v. Chr. zusammenfiel und er zu diesem Zeitpunkt um die 40 Jahre war. Er ging deshalb davon aus, dass die Angabe der Olympiade für Thales’ Geburt verdorben und Apollodors Angabe zum Sterbealter korrekt war. Diels korrigierte das Geburtsdatum auf das erste Jahr der 39. Olympiade (624/23 v. Chr.) und seinen Tod ins dritte Jahr der 58. Olympiade (546/45 v. Chr.).<ref name=Rohde/><ref>Hermann Diels, Walther Kranz: Die Fragmente der Vorsokratiker, Band 1, Berlin 1960, S. 71–72 (Digitalisat)</ref>

Über Thales’ Familiensituation gibt es widersprüchliche Informationen. Möglicherweise hatte er eine Frau und ein Kind, nach anderen Aussagen war er unverheiratet und hat den Sohn seiner Schwester adoptiert.<ref>Diogenes Laertios I,25 f.</ref>

Diogenes Laertios berichtet, Thales sei von niemandem angeleitet worden, abgesehen von den Ägyptern und den Priestern.<ref>Diogenes Laertios I,27.</ref> Er zitiert Pamphile, Thales habe von den Ägyptern die Geometrie gelernt.<ref>Diogenes Laertios I,24.</ref> Vermutlich hielt er sich eine Zeit lang zu Forschungszwecken in Ägypten (und auch Kreta) auf und lernte dort von Priestern und Astronomen auf den Gebieten der Mathematik und Astronomie.<ref>Diogenes Laertios I,24; I,27; I,43.</ref>

Politisches Wirken

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Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass Thales in Milet einen gewissen politischen Einfluss hatte. Spätestens seit Platon<ref>Platon, Protagoras 342e ff.</ref> wurde meist Thales als Erster der Sieben Weisen genannt,<ref>Georg Wöhrle (Hrsg.): Thales (= Traditio Praesocratica. Die Milesier. Band 1). De Gruyter, Berlin 2009, S. 17.</ref> zu denen sonst vor allem Staatsmänner wie der berühmte athenische Gesetzgeber Solon zählten.

Es gibt auch Berichte darüber, dass Thales als politischer Berater hervortrat: Herodot berichtete etwa, Thales habe den Ioniern den guten Rat gegeben, „ein gemeinsames Versammlungshaus zu errichten, und zwar in Teos, denn Teos sei der Mittelpunkt Ioniens, die anderen Städte sollten aber nach wie vor als eigenständige Kommunen gelten“.<ref>Herodot, Historiae I,170; deutsche Übersetzung von Georg Wöhrle in: derselbe (Hrsg.): Thales (= Traditio Praesocratica. Die Milesier. Band 1). De Gruyter, Berlin 2009, S. 35.</ref> Dies erscheint unplausibel, da dieser zentralistische Gedanke eher in Perikles’ als in Thales’ Zeit gehört.<ref>M. Laura Gemelli Marciano (Hrsg.): Die Vorsokratiker. Band 1, Artemis & Winkler, Mannheim 2007, ISBN 978-3-7608-1735-4, S. 22.</ref>

Außerdem erzählt Diogenes Laertios, er habe den Milesiern abgeraten, ein Bündnis mit Kroisos, dem Lyderkönig einzugehen, was die Milesier angesichts des Sieges Kyros’, des Perserkönigs, später gerettet habe.<ref>Diogenes Laertios I,25.</ref> Dies ist ein Widerspruch zu der Anekdote bei Herodot, Thales habe den Fluss Halys umgeleitet, damit Kroisos’ Heer ihn habe überqueren können.<ref>Herodot, Historiae I,75.</ref>

Im Einzelnen mögen die Berichte erdichtet sein. Im Ganzen erscheint es jedoch plausibel, dass Thales eine Rolle in der milesischen Politik spielte.

Philosophie und Wissenschaft

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Naturphilosophie

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Wasser als archḗ

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Wasser war neben anderen Begriffen schon lange vor Thales ein Begriff, der in Kosmogonien des Alten Orients dazu benutzt wurde, die Herkunft der Welt zu erklären. Die Vorstellung eines kosmischen Urozeans, innerhalb dessen Himmel und Erde entstanden sein sollen, findet sich unter der Bezeichnung Apsu bereits in der sumerischen Mythologie und gelangte von dort aus wahrscheinlich sowohl nach Babylonien wie ins Alte Ägypten. Auch in der Ilias, die im 8. Jahrhundert v. Chr. von Homer gedichtet wurde, wird von dem Flussgott Okeanos gesagt, er sei der „Ursprung der Götter“<ref>Homer, Ilias 14,201.</ref> und der „Ursprung von allem.“<ref>Homer, Ilias 14,246.</ref> Im 7. Jahrhundert v. Chr. schrieb der Dichter Alkman eine Weltentstehungsgeschichte, an deren Anfang die Gewässer stehen.<ref>Jaap Mansfeld (Hrsg.): Die Vorsokratiker I. Griechisch/Deutsch, Reclam, Stuttgart 1998, S. 40.</ref> Es kann angenommen werden, dass einige dieser alten Vorstellungen Thales beeinflusst haben. Jedenfalls ist dieser in die Philosophiegeschichte eingegangen, weil er das Wasser als den Anfang oder Urgrund aller Dinge bezeichnet haben soll:

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Ein Thales-Denkmal in Deggendorf

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Nach Aristoteles war Thales der erste Philosoph, der die Frage nach einem Urgrund aller Dinge stellte.<ref>Aristoteles, Metaphysica 983b20f.</ref> Aristoteles unterscheidet die Ansichten der Vorsokratiker nach Anzahl und Beschaffenheit des angenommenen Ursprungs aller Dinge (archḗ). Thales habe nicht mehrere Ursprünge angenommen – wie Empedokles, der von den vier Ursprüngen Feuer, Wasser, Luft und Erde ausging –, sondern nur einen, der zudem „materieller“ Natur gewesen sei, also nicht „immateriell“ wie etwa „das Unbegrenzte“ seines Schülers Anaximander.<ref>Aristoteles, Metaphysica 983b; vgl. auch Physica 184b.</ref> Ähnliches wie Aristoteles berichten auch Hippolyt von Rom und Diogenes Laertios, wobei Hippolyt von Rom im folgenden Zitat auch die Theologie und Astronomie des Thales, sowie eine Anekdote erwähnt:

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Sonstiges

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Aristoteles berichtet, Thales habe die Ruhelage der Erde damit erklärt, dass die Erde auf Wasser schwimme.<ref>Aristoteles, Über den Himmel II,13,294a28–b6; vgl. Aristoteles, Metaphysica 983b20.</ref>

Als Grund für die jährliche Überschwemmung des Nils soll Thales die Etesien genannt haben, denn diese Sommerwinde, die der nördlichen Fließrichtung des Nils entgegengesetzt sind, würden das Abfließen ins Mittelmeer verhindern.<ref>Herodot, Historiae II,20 (ohne Nennung Thales’); Diogenes Laertios I,37.</ref>

Mathematik

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Veranschaulichung des Satzes des Thales
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Hier steht die Sonne so, dass der Schatten eines Stabes (B) genauso lang ist, wie der Stab selbst (A) und die Länge des Schattens einer Pyramide plus deren halbe Seitenlänge (ergibt C) genauso lang ist, wie die Höhe der Pyramide (D). Thales hat den Schatten und die Seitenlänge der Pyramide abgemessen und so sagen können, wie hoch sie ist.

Diogenes Laertios hat uns zwei mathematische Erkenntnisse des Thales überliefert. So sage Pamphile, Thales habe „als Erster das rechtwinklige Dreieck in den Kreis eingetragen.“<ref>Diogenes Laertios I,24; deutsche Übersetzung von Georg Wöhrle in: derselbe (Hrsg.): Thales (= Traditio Praesocratica. Die Milesier. Band 1). De Gruyter, Berlin 2009, S. 197.</ref> Üblicherweise wird diese Stelle bei Diogenes Laertios so interpretiert, dass hier der Satz des Thales gemeint ist. Der Satz des Thales ist ein mathematischer Lehrsatz, nach dem ein Dreieck, von dem eine Seite dem Durchmesser seines Umkreises entspricht, ein rechtwinkliges Dreieck ist. Man kann die Stelle aber auch so interpretieren, dass Thales das zum Kreis flächengleiche rechtwinklige Dreieck gezeichnet habe, dabei ergibt sich 3 als Näherung für die Kreiszahl.<ref>Vgl. Fritz Krafft: Geschichte der Naturwissenschaften I, Rombach, Freiburg 1971, S. 90 f.</ref> Die zweite Stelle lautet: „Auch berichtet Hieronymos, er habe die Höhe der Pyramiden gemessen vermittelst ihres Schattens, den er genau in dem Zeitpunkt abmaß, wo unser Schatten und unser Leib die gleiche Länge haben.“<ref>Diogenes Laertios I,27.</ref> Dieses Messverfahren kann als früher Vorläufer eines späteren Strahlensatzes angesehen werden, der Wahrheitsgehalt der überlieferten Stelle ist jedoch umstritten. So ist das beschriebene Messverfahren nicht zur Messung der Höhe von jeder Pyramide geeignet (einige haben einen zu flachen Steigungs­winkel), bei einer geeigneten stand auch nur bei günstigem Sonnenstand, also an ein oder zwei Tagen im Jahr, die Spitze des Pyramidenschattens genau senkrecht über einer Pyramidenkante, sodass dieser direkt messbar war.<ref>Helmuth Gericke: Mathematik in Antike und Orient. S. 75.</ref> Diese Methode war für die Messung von Pyramidenhöhen also kaum praktisch verwendbar und auch nicht besonders eindrucksvoll, denn die Ägypter konnten die Höhe einer Pyramide ohne Schwierigkeit berechnen.<ref>Helmuth Gericke: Mathematik in Antike und Orient. S. 60 f.</ref>

Weitere mathematische Erkenntnisse des Thales gibt Proklos in seinem Kommentar zu Euklids Elementen an: „Dass der Kreis durch den Durchmesser halbiert wird, soll zuerst Thales bewiesen haben.“<ref>Proklos, In primum Euclidis elementorum librum commentarii 157,10 f. (= Hermann Diels, Walther Kranz (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker 11A20).</ref> Weiter schreibt Proklos: „Es wird gesagt, er habe als erster gewusst und gesagt, dass in jedem gleichschenkligen Dreieck die Winkel an der Grundlinie gleich sind, wobei er in altertümlicher Weise die gleichen [ἴσας, d. h. maßgleich] Winkel ähnlich [ὁμοίας, d. h. gestaltgleich] nannte.“<ref>Proklos, In primum Euclidis elementorum librum commentarii 250,22 f. (= Hermann Diels, Walther Kranz (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker 11A20).</ref> Nach Eudemos soll Thales auch zuerst gefunden haben, dass Scheitelwinkel gleich sind, aber erst Euklid habe einen Beweis für erforderlich gehalten.<ref>Proklos, In primum Euclidis elementorum librum commentarii 299,1 (= Hermann Diels, Walther Kranz (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker 11A20).</ref> Eine weitere Stelle lautet: „Eudemos führt in seiner Geschichte der Geometrie diesen Satz [den dritten Kongruenzsatz] auf Thales zurück. Er sagt, die Methode, nach der er die Entfernung der Schiffe auf dem Meer errechnete, müsse notwendig auf Verwendung dieses Satzes beruhen.“<ref>Proklos, In primum Euclidis elementorum librum commentarii 352,14 f. (= Hermann Diels, Walther Kranz (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker 11A20).</ref> Es ist jedoch bis heute unklar, wie Thales dies durchgeführt haben soll, antike Messverfahren waren dafür kaum geeignet.<ref>Helmuth Gericke: Mathematik in Antike und Orient. S. 76 f.</ref> Eudemos nahm zudem nur an, dass Thales diesen Satz kannte.

Astronomie

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Herodot berichtet, Thales habe das Jahr einer Verfinsterung korrekt vorhergesagt, welche plötzlich während einer Schlacht zwischen Lydern und Medern eingetreten sei.<ref>Herodot, Historiae I,74.</ref> Häufig wird dies so gedeutet, dass damit eine totale Sonnenfinsternis gemeint ist. Plinius der Ältere berichtete dass Thales der erste Grieche war, der eine Sonnenfinsternis voraussagte und datierte dieses Ereignis in das vierte Jahr der 48. Olympiade, also in das Jahr 485/84 v. Chr.<ref>Plinius, Naturalis historia 2, 12 (Digitalisat).</ref> Eusebius von Caesarea setzt die von Thales vorhergesagte „Verfinsterung der Sonne“ in das 2. Jahr der 49. Olympiade, 483/82 v. Chr.<ref>Eusebius von Caesarea: Chronik (Digitalisat)</ref> und Sophronius Eusebius Hieronymus das „Verschwinden der Sonne“, je nach Handschrift, zwischen 588/87 und 585/4 v. Chr.<ref>Hieronymus: Chronik (Digitalisat)</ref> Georgios Synkellos, der kein genaues Datum angibt, legt die „Sonnenfinsternis“ zeitlich vor die ersten Pythischen (582 v. Chr.) und ersten Isthmischen Spiele (580 v. Chr.).<ref>Georgios Synkellos: Chronographia p. 239 (Wilhelm Dindorf (Hrsg.): Georgius Syncellus et Nicephorus Cp. Band 1, Bonn 1829 (= Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae. Band 22), S. 453 (Digitalisat))</ref>

Rückwirkend wurde berechnet, dass am ehesten die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 v. Chr. zu diesen Angaben passe. Herodots Zitat lässt jedoch offen, um was für eine Verfinsterung es sich handelte. Totale Sonnenfinsternisse geschehen äußerst selten, eine atmosphärische Verfinsterung ist viel wahrscheinlicher. Die späteren Autoren scheinen von einer totalen Sonnenfinsternis zu berichten. Mit dem Kenntnisstand zu Thales’ Zeit war es zudem nicht möglich, den Zeitpunkt einer Sonnenfinsternis im Voraus zu berechnen. Wahrscheinlich ist, dass Thales etwas anderes vorhergesagt hat, das nachträglich von Herodot mit der Verfinsterung bei jener Schlacht identifiziert wurde.<ref>Otta Wenskus: Die angebliche Vorhersage einer Sonnenfinsternis durch Thales von Milet. Warum sich diese Legende so hartnäckig hält und warum es wichtig ist, ihr nicht zu glauben. In: Hermes. Band 144, Nr. 1, 2016, S. 2–17.</ref> Der Astronom Miguel Querejeta möchte Thales’ Voraussage der Sonnenfinsternis mittels eines Zyklus, ähnlich dem Saroszyklus, nicht vollständig ausschließen, dass diese Vorhersage zutraf war jedoch ein Zufall und ist kaum auf wissenschaftliche Erkenntnis zurückzuführen.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Folgendes hat Diogenes Laertios zur Astronomie des Thales überliefert:

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Der Mondkrater Thales ist nach ihm benannt.

Technik

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Auch von einer möglichen Ingenieursleistung des Thales wurde berichtet. So habe er den Fluss Halys zumindest teilweise umgeleitet, damit ihn das Heer des Kroisos habe überqueren können.<ref>Diogenes Laertios I,38.</ref> Herodot bezweifelte dies und ließ das Heer den Fluss auf bestehenden Brücken überqueren.<ref>Herodot, Historiae I,75.</ref>

Anekdoten

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Bekannt geworden sind vor allem zwei Anekdoten über Thales. Nach der ersten soll er aufgrund seiner astronomischen Kenntnisse eine große Olivenernte prognostiziert und daraufhin gewinnbringend in Ölpressen investiert haben: Vorlage:Zitat

Nach der zweiten soll er von einer Magd verspottet worden sein, weil er beim Sterneschauen in einen Brunnen gefallen sei: Vorlage:Zitat

Siehe dazu auch [[Liste griechischer Phrasen/Sigma#Σὺ τὰ ἐν οὐρανῷ βλέπειν πειρώμενος τὰ ἐπὶ τῆς γῆς οὐχ ὁρᾷς;|Vorlage:Lang]] in der Liste griechischer Phrasen.

Eine häufig rezipierte Anekdote ist, dass Thales einen Dreifuß erhalten habe, welcher als Preis für den weisesten aller Menschen gedacht gewesen sei. Es existieren einige widersprüchliche Fassungen dieser Geschichte.<ref>Diogenes Laertios I,27–33.</ref>

Überlieferung

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Fast alle Forscher gehen davon aus, dass Thales kein Schriftsteller war.<ref>Niels Christian Dührsen: Thales. In: Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Frühgriechische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Band 1). Schwabe Verlag, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2598-8, S. 239.</ref> Was von ihm bekannt ist, wurde durch andere antike Autoren überliefert.<ref>Niels Christian Dührsen: Thales. In: Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Frühgriechische Philosophie (= Die Philosophie der Antike. Band 1). Schwabe Verlag, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2598-8, S. 237.</ref> Eine der Hauptquellen zu seinem Leben und Werk ist der antike Schriftsteller Diogenes Laertios, der allerdings etwa 800 Jahre nach Thales gelebt hat. Schon dieser war auf manchmal widersprüchliche Quellen angewiesen. Frühere Autoren, die über Thales berichten, sind der Geschichtsschreiber Herodot sowie die Philosophen Platon und vor allem Aristoteles.

Ehrung

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Nach Thales ist die Pflanzengattung Thalesia Vorlage:Person aus der Familie der Weinrebengewächse (Vitaceae) benannt.<ref>Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5 doi:10.3372/epolist2018.</ref>

Quellensammlungen

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  • Hermann Diels, Walther Kranz (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker. 6. Auflage. Band 1, Berlin 1951, S. 67–81 (nur teilweise mit deutscher Übersetzung; zahlreiche Neuauflagen).
  • M. Laura Gemelli Marciano (Hrsg.): Die Vorsokratiker. Band 1, Artemis & Winkler, Mannheim 2007, ISBN 978-3-7608-1735-4, S. 6–31 (mit deutscher Übersetzung, Erläuterungen sowie Einführung zu Leben und Werk).
  • Jaap Mansfeld (Hrsg.): Die Vorsokratiker. Band 1, Reclam, Stuttgart 1983, S. 44–55 (nur deutsche Übersetzung; zahlreiche Neuauflagen).
  • Georg Wöhrle (Hrsg.): Thales (= Traditio Praesocratica. Die Milesier. Band 1). De Gruyter, Berlin 2009 (mit deutscher Übersetzung).

Literatur

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Übersichtsdarstellungen in Handbüchern

  • Dmitri Panchenko: Thalès de Milet. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 6, CNRS Éditions, Paris 2016, ISBN 978-2-271-08989-2, S. 771–793.
  • Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Frühgriechische Philosophie (= Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike. Band 1). Halbband 1, Schwabe, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2598-8, S. 182–184 (Thomas Schirren: Biographie des Thales) und S. 237–262 (Niels Christian Dührsen: Werk, Lehre, Rezeption).
  • Vorlage:DictSciBiogr
  • R. Flood, R. Wilson: Thales. In: The Great Mathematicians. Arcturus, London 2012, ISBN 978-1-84858-843-1, S. 30–33.
  • Vorlage:RE
  • Vorlage:RE
  • Vorlage:KlP

Gesamtdarstellungen und Untersuchungen

  • Hans Blumenberg: Das Lachen der Thrakerin. Eine Urgeschichte der Theorie. Frankfurt 1987.
  • Helmuth Gericke: Mathematik in Antike und Orient. Springer, Berlin 1984.
  • Willy Hartner: Eclipse Periods and Thales’ Prediction of a Solar Eclipse. Historic Truth and Modern Myth. In: Centaurus. Band 14, 1969, S. 60–71.
  • Pietro Mazzeo: Talete, il primo filosofo. Editrice Tipografica, Bari 2010.
  • Bruno Snell: Die Nachrichten über die Lehren des Thales und die Anfänge der griechischen Philosophie- und Literaturgeschichte. In: Philologus. Band 96, 1944, S. 170 ff. (auch in: Bruno Snell: Gesammelte Schriften. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966, S. 119–128; sowie in: Carl Joachim Classen (Hrsg.): Sophistik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1976, S. 478–490).
  • Patricia F. O’Grady: Thales of Miletus: The Beginnings of Western Science and Philosophy. Taylor & Francis, 2017, ISBN 978-1-351-89537-8.
  • Gotthard Strohmaier (Hrsg.): Die Milesier: Thales. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-019669-6.

Rezeption

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Fußnoten

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<references />

Vorlage:Normdaten

Vorlage:Personendaten