Teff

Aus Demo Wiki
Version vom 6. Juli 2025, 15:51 Uhr von imported>SchlurcherBot (Bot: http → https)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springenZur Suche springen

Vorlage:Taxobox

Teff<ref name=deutsch />, Tef<ref name=deutsch /> oder Zwerghirse<ref name=deutsch /> (Eragrostis tef, Vorlage:AmS, Vorlage:TiS) ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Äthiopien und Eritrea, doch wird die Art auch in anderen tropischen und subtropischen Gebieten angebaut, wo sie auch häufig verwildert ist. Die Samen sind glutenfrei und reich an essenziellen Fettsäuren. Diese Hirseart ist das wichtigste Getreide Äthiopiens und Eritreas, wo es zu Fladenbrot und Bier weiterverarbeitet und als Viehfutter verwendet wird.

Beschreibung

[Bearbeiten]

Erscheinungsbild und Blatt

[Bearbeiten]

Teff ist ein einjähriges, büschelig aufrecht wachsendes, 30 Zentimeter bis 1 Meter hohes Gras.<ref name=Nowak2 /> Die meist aufrechten, einfachen oder verzweigten Halme erreichen Wuchshöhen bis 90 cm und besitzen keine Drüsen. Die Knoten (Nodien) sind kahl.<ref name="FZ" />

Das Laubblatt ist in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die Blattscheide ist kahl. Das Blatthäutchen (Ligula) besitzt eine Linie mit Haaren (Trichome). Die einfache, kahle Blattspreite ist bei einer Länge von 6 bis 30 cm und einer Breite von 2 bis 4 mm linealisch, flach oder nach oben eingerollt; sie besitzt keine Drüsen.<ref name="FZ" />

Blütenstand, Blüte und Frucht

[Bearbeiten]

Der Blütenstand ist eine 10 bis 50 Zentimeter lange, zusammengezogene oder offene, häufig überhängende Rispe mit langen Rispenästchen. Die Ästchen sind im unteren Teil des Blütenstands quirlig angeordnet<ref name=Nowak2 />, alle weiteren darüber sind nicht quirlig<ref name="FZ" />. Die Ährchen stehen auf 4 bis 9 mm langen schlanken<ref name="FZ" />, fadenförmigen Stielen. Die Verzweigungen sind kahl oder dünn verteilt lang-fein behaart. Auch das oberste Ährchen ist fertil.<ref name="FZ" /> Die Ährchen sind bei einer Länge von 5,5 bis 9 Millimeter und einer Breite von 1,5 bis 2 Millimeter schmal länglich und etwas seitlich abgeflacht.<ref name="FZ" />

Datei:Teff aartjes Eragrostis tef.jpg
Ährchen von Eragrostis tef

Jedes Ährchen enthält vier bis zwölf Blüten<ref name="FZ" />. An der Ährchenachse bleiben die Blüten einige Zeit erhalten. Die ungleichen Hüllspelzen besitzen fast die Hälfte der Länge der angrenzenden Deckspelze. Es sind keine Grannen vorhanden<ref name=Nowak2 />. Die gekielten, kahlen im Umriss lanzettlichen Hüllspelzen besitzen ein spitzes oder zugespitztes oberes Ende; die unteren sind 1,2 bis 2,5 mm lang und die oberen 1,7 bis 3 mm lang. Die gekielte, dünnhäutige Deckspelze ist bei einer Länge von 2 bis 2,7 mm länglich-elliptisch bis länglich-eiförmig und besitzt deutliche Seitennerven. Die Vorspelze verwelkt mit der Deckspelze erst spät. Die Vorspelze ist an den Seiten kahl und ihr Kiel ist schlank, ungeflügelt sowie rau. Die drei Staubbeutel sind 0,3 bis 0,6 mm lang.<ref name="FZ" />

Die weißlichen oder dunkel rotbraunen Karyopsen sind oval<ref name=Nowak2 /> oder länglich sowie angeschwollen und 1 bis 1,5 Millimeter lang<ref name="FZ" />. Die Karyopsen verbleiben in den reifen Ährchen<ref name="FZ" />.

Chromosomensatz und Abstammung

[Bearbeiten]

Bei Teff liegt Allotetraploidie mit 2n = 4x = 40 vor. Die Chromosomengrundzahl ist also x = 10. Der Ursprung dieser Getreideart aus diploiden Wildformen innerhalb der artenreichen Gattung Eragrostis ist unbekannt.<ref name="Ingram2003" />

Verbreitung

[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Teff war das nordöstliche und östliche tropische Afrika und die Arabische Halbinsel.<ref name="WCSP" /> Die Zwerghirse stammt aus dem Hochland von Abessinien und wird dort bevorzugt in Höhen zwischen 1000 und 3000 Metern<ref name=Nowak3 /> als Getreide angebaut. Sie wird auch außerhalb ihres Verbreitungsgebiets in tropischen und subtropischen Zonen kultiviert und ist bis in mittlere Breiten häufig verwildert.<ref name=Nowak2 />

Taxonomie

[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1775 unter dem Namen (Basionym) Poa tef durch Attilio Zuccagni in Dissertazione Ditef. Die Neukombination zu Eragrostis tef Vorlage:Person wurde 1918 durch Alessandro Trotter in Bolletino della Società Botanica Italiana, S. 62 veröffentlicht; er stellte diese Art damit in die Gattung Eragrostis.<ref name="GRIN" /><ref name="tropicos" /> Das Artepitheton tef stammt aus dem Amharischen und wird in Äthiopien für die Zwerghirse verwendet<ref name=Gen_Art />.

Weitere Synonyme für Eragrostis tef Vorlage:Person sind: Poa abyssinica Vorlage:Person, Poa radicans Vorlage:Person, Poa cerealis Vorlage:Person nom. superfl., Cynodon abyssinicus Vorlage:Person, Eragrostis abessinica Vorlage:Person orth. var., Eragrostis abyssinica Vorlage:Person, Poa flaccida Vorlage:Person pro syn., Eragrostis pilosa subsp. abyssinica Vorlage:Person, Eragrostis abyssinica var. alba Vorlage:Person, Eragrostis abyssinica var. viridis Vorlage:Person, Eragrostis pilosa var. tef Vorlage:Person, Eragrostis tef f. spiciformis Vorlage:Person, Eragrostis tef subsp. spiciformis Vorlage:Person.<ref name="WCSP" />

Verwendung

[Bearbeiten]
Datei:Mashella ena Teff.JPG
Unten die nur 1–1,5 mm langen Schließfrüchte des Teff und daraufliegend 4–5 mm große Sorghumkörner, Zutaten zur Herstellung von Tella

Teffsamen sind glutenfrei und reich an essentiellen Fettsäuren. Sie sind trotz ihrer geringen Größe das wichtigste Getreide Äthiopiens und Eritreas und werden gemahlen zu Brot oder Grütze verarbeitet. Teffmehl ist Grundlage für das äthiopische und eritreische Nationalgericht Injera, ein pfannkuchenähnliches Fladenbrot, das zu Gemüse- und Fleischgerichten gegessen wird.<ref name=Nowak3 /> Teff ist auch die Grundlage für die Herstellung von Tella, einem Bier, und anderen alkoholischen Getränken wie z. B. Katikalla.<ref name="Ternes">Waldemar Ternes (Hrsg.): Lebensmittellexikon. Behr’s Verlag DE, 2005, ISBN 3-89947-165-2</ref> Als Brotgetreide werden weißliche Samen bevorzugt; die braunsamigen Sorten werden als Viehfutter verwendet und dienen zur Bierherstellung. Das Stroh der Pflanzen ist ein geschätztes Viehfutter.<ref name=Nowak3 />

Brennwert und Inhaltsstoffe

[Bearbeiten]

100 Gramm Teff haben einen Brennwert von 1.541,4 kJ (= 367 kcal). Die gleiche Menge weist folgende Inhaltsstoffe auf:<ref>Vorlage:Webarchiv</ref>

Inhaltsstoffe Anteil
Wasser Vorlage:08,8 g
Eiweiß 13,3 g
Fett Vorlage:02,4 g
Kohlenhydrate 73,1 g
Ballaststoffe Vorlage:08,0 g
Zucker, gesamt Vorlage:01,8 g
Natrium Vorlage:012,0 mg
Kalium 427 mg
Calcium 180 mg
Phosphor 429 mg
Magnesium 184 mg
Eisen Vorlage:07,6 mg
Vitamin E, Tocopherol Vorlage:00,08 mg
Vitamin B1, Thiamin Vorlage:00,39 mg
Vitamin B2, Riboflavin Vorlage:00,27 mg
Vitamin B3, Niacin Vorlage:03,4 mg
Vitamin B6, Pyridoxin Vorlage:00,48 mg

Anbau

[Bearbeiten]

Die Aussaat erfolgt meist in der Regenzeit. Die Pflanzen wachsen schnell und sind im Wasserbedarf genügsam. Teff wird etwa drei Monate nach der Aussaat geerntet.<ref name=Nowak3 />

Die Samenkörner sind sehr klein (weniger als 1 mm Durchmesser, Tausendkornmasse von 0,35 bis 0,47 g). Diese Eigenschaft macht Teff besonders geeignet für halbnomadische Lebensweisen, denn das Saatgut für große Flächen kann problemlos im Gepäck mitgeführt werden. In Äthiopien liegt der durchschnittliche Ertrag bei ungefähr 9 dt/ha. Die besten Sorten liefern bis knapp 30 dt/ha. Seit einigen Jahren gibt es einen erfolgreichen Anbau aus Nachzüchtungen in den Niederlanden. In letzter Zeit wird Teff auch in Deutschland kultiviert. In Europa liegt der Ertrag zwischen 7 und 13 dt/ha, je nach klimatischem Verlauf des Jahres.

Krankheiten

[Bearbeiten]

Wirtschaftlich bedeutend ist der Befall mit dem Rostpilz Uromyces eragrostidis.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Kontroverse um Patentanmeldungen

[Bearbeiten]

Der niederländische Konzern Health & Performance Food International B.V. reichte 2003 eine Patentanmeldung auf Teff-Mehl beim Niederländischen Patentamt für die Niederlande ein, die unter der Nummer NL20031023977 anhängig geworden ist. Unter Inanspruchnahme der Priorität (Datum des Anmeldetages) dieser Anmeldung und darauf basierend wurde 2004 eine Patentanmeldung bei der WIPO (World Intellectual Property Organisation) nach dem PCT (Patent Cooperation Treaty) eingereicht, welche unter der Nummer WO2005025319<ref>Vorlage:Patent</ref> anhängig geworden ist. Es wurden dabei unter anderem die Europäische Patentbehörde EPO für ein Europäisches Patent (Aktenzeichen EP1646287<ref> Vorlage:Patent </ref>), Japan (JP2006527996)<ref>Vorlage:Patent</ref> für entsprechende Patente in diesen Ländern benannt.

Bei dieser Art der Patentanmeldung wird ein Patent zwar zentral bei der WIPO angemeldet, es entstehen jedoch einzelne nationale bzw. regionale Patente soweit diese bei der Anmeldung benannt worden sind. Das Internationale Büro der WIPO veranlasst noch den Internationalen Recherchebericht, der jedoch keine bindende Wirkung für die nachgeordneten Patentbehörden hat, welche die Prüfung des Schutzgegenstandes jede für sich vornehmen und die Erteilung für das eigene Territorium bewirken. So wurde die PCT-Anmeldung vor den Ämtern der USA und Japans national und vor dem Europäischen Patentamt als sogenannte regionale Patentanmeldung anhängig. Das Europäische Patentamt hat in seiner Funktion als Internationale Recherchebehörde (ISA) den Internationalen Recherchebericht erstellt und die darin genannten Entgegenhaltungen<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> veröffentlicht. Obwohl darin bekannte Teff-Mehle und Teff-Backprodukte gelistet werden, hat das Europäische Patentamt ein Europäisches Patent erteilt und einen Einspruch der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am 3. Juni 2011 zurückgewiesen<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>.

Am 31. Mai 2019 wurde gegen das deutsche Patent (DE602004004273)<ref> Vorlage:Patent </ref> beim Bundespatentgericht eine Nichtigkeitsklage anhängig gemacht<ref name=":0">Vorlage:Internetquelle</ref>, woraufhin am 13. Juni 2019 auf das deutsche Patent verzichtet wurde<ref name=":0" />. Die Zurücknahme der Nichtigkeitsklage 3Ni18/19(EP) ist am 5. November 2019 im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes veröffentlicht worden<ref name=":0" />. Die Folge davon ist, dass der Gegenstand des deutschen Patents keiner Überprüfung durch ein nationales Gericht zugänglich war.

Die übrigen nationalen Patentanmeldungen wurden zurückgewiesen. So ist kein Patentschutz entstanden in den USA<ref> Vorlage:Patent </ref> und in Japan<ref> Vorlage:Patent

</ref>. In den Niederlanden fand noch eine nationale Prüfung statt, auf die ein beschränktes Patent erteilt worden war, das jedoch am 8. Mai 2020 wegen Nichtzahlung der Jahresgebühr erloschen ist<ref> Vorlage:Patent </ref>.

Die Anmeldungen und die Erteilung von Patenten auf den Anmeldungsgegenstand eines Teff-Mehls sowie auf Produkte daraus kann als ein Beispiel für die seit einiger Zeit kontrovers diskutierte Diskrepanz zwischen Stand der Technik und traditionellem Wissen angesehen werden. Danach besteht die Kontroverse dahingehend, ob Patentfähigkeit (Neuheit, erfinderische Höhe) für Merkmale aus traditionellem Wissen existiert oder nicht. Die Frage ist, ob ein Naturprodukt, ein traditionelles Verfahren oder ein traditioneller Wirkstoff patentfähig sein können, wenn deren Merkmale in bestimmten Teilen der Welt, beispielsweise bei indigenen Völkern, bereits zum traditionellen Wissensschatz gehören, jedoch im Rest der Welt im Sinne von nationalem sowie internationalem Patentrecht weder dem Fachmann naheliegend noch neuheitsschädlich und somit patentfähig sind.

Patenterteilungen auf technische Merkmale, denen solches traditionelles Wissen zugrunde liegt, haben die Folge, dass diejenigen, aus deren Wissensschatz sich die Patentanmelder bedient haben, an der Nutzung in den Patentländern ausgeschlossen bleiben. Die WIPO (World Intellectual Property Organisation) hat dieses Problem aufgenommen<ref name=":1">Vorlage:Internetquelle</ref> und eine Datenbank eingerichtet, die Informationen sammelt über nationale, wissenschaftliche oder private Sammlungen von traditionellem Wissen<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>. Diesen Sammlungen liegt die Aufgabe zugrunde, das traditionelle Wissen zu dokumentieren. Dabei wird von den Betreibern der Sammlungen gewünscht, dieses Wissen einerseits allen nutzbar zu machen sowie andererseits zu verhindern, dass lang bekanntes Wissen durch Patente zu Privateigentum Weniger wird<ref name=":1" />.

Literatur

[Bearbeiten]
  • Thomas A. Cope: Gramineae. In: Flora Zambesiaca. Volume 10, 1999. (Abschnitt Beschreibung)
  • Vorlage:Literatur
  • Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 46, 232, 632 (Nachdruck von 1996).

Einzelnachweise

[Bearbeiten]

<references> <ref name="FZ">Thomas A. Cope: Gramineae, In: Flora Zambesiaca, Volume 10, 1999.</ref> <ref name=deutsch>Deutsche Namen nach Nowak, Schulz: Taschenlexikon tropischer Nutzpflanzen und ihrer Früchte, S. 262</ref> <ref name=Nowak2>Nowak, Schulz: Taschenlexikon tropischer Nutzpflanzen und ihrer Früchte, S. 262</ref> <ref name=Nowak3>Nowak, Schulz: Taschenlexikon tropischer Nutzpflanzen und ihrer Früchte, S. 263</ref> <ref name="tropicos">[[[:Vorlage:Tropicos]] Eintrag bei Tropicos.]</ref> <ref name="GRIN">Vorlage:Internetquelle</ref> <ref name=Gen_Art>Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. S. 632</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Ingram2003">Amanda L. Ingram & Jeff J. Doyle: The origin and evolution of Eragrostis tef (Poaceae) and related polyploids: evidence from nuclear waxy and plastid rps161, In: American Journal of Botany, Volume 90, No. 1, 2003, S. 116–122. Volltext-online. Vorlage:DOI</ref> </references>

[Bearbeiten]

Vorlage:Commonscat Vorlage:Wiktionary