Priamos
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Priamos (Vorlage:GrcS, lesbisch Vorlage:Lang, latinisiert Priamus, eingedeutscht Priam<ref>Vgl. Friedrich von Schiller: Das Siegesfest, Vers 1: „Priams Feste war gesunken“.</ref>) ist der Sohn des Laomedon<ref>Homer, Ilias 20,237; Hyginus, Fabulae 89.</ref> und der Strymo oder der Plakia, der Tochter des Otreus.<ref>Bibliotheke des Apollodor 3,12,3,8.</ref> Er ist in der griechischen Mythologie der König von Troja (Ilios) während des Trojanischen Krieges.
Name und Geschichte
[Bearbeiten]Sein Name rührt wohl aus dem Luwischen her: 𒉺𒊑𒀀𒈬𒀀 Pa-ri-a-mu-a-. „der hervorragenden, vortrefflichen Mut hat“. Nach dem griechischen Mythos stammt er von dem (altgriechischen oder lydischen) Wort Vorlage:Lang. Diesen Namen habe er erhalten, weil seine Schwester Hesione ihn freikaufte, als die Stadt von Herakles erstürmt worden war, da dieser von seinem Vater und damaligen König Laomedon betrogen worden war. Davor soll er Podarkes (Vorlage:Lang) genannt worden sein.<ref>Bibliotheke des Apollodor 2,6,4,5; Hyginus, Fabulae 89; vgl. Diodor 4,32,5.</ref>
Als seine (Halb-)Brüder gelten Tithonos, Lampos, Klytios, Hiketaon, als (Halb-)Schwestern Hesione, Killa und Astyoche.
Homer berichtete auch, dass Priamos als junger Mann Phryger, die sich am Sangarios niedergelassen hatten, im Kampf unterstützte, als diese von Amazonen angegriffen wurden.<ref>Homer, Ilias 3,184–190.</ref> Er nahm am Kampf um Troja seines Alters wegen nicht teil. In der Ilias tritt er als Greis durch seinen nächtlichen Gang ins griechische Schiffslager hervor, wo er von Achilleus den geschändeten Leichnam seines Sohnes Hektor erbittet und schließlich auch erhält.<ref>Homer, Ilias 24,228–698.</ref>
Priamos wurde bei der Eroberung Trojas von Neoptolemos, dem Sohn des Achilles, am Altar des Zeus vor seinen Angehörigen niedergemacht.<ref>Pindar, Paean 6,102–115; Vergil, Aeneis 2,553; Hyginus, Fabulae 113; Bibliotheke des Apollodor, Epitome 5,21; Pausanias 4,17,4; Quintus Smyrnaeus, Posthomerica 13,243–244; Proklos, Chrestomathia 4</ref> Nach Erstürmung der Stadt Troja habe sich Priamos bewaffnet und wollte sich so in die feindliche Menge stürzen. Hekabe flehte ihn aber an zu fliehen, weshalb er sich mit ihr und seinen Töchtern an den Altar des Zeus Herkeios flüchtete. Hier sah er, wie sein Sohn Polites durch Neoptolemos getötet wurde, warf eine wirkungslose Lanze nach ihm, wurde aber von ihm mit dem Schwert getötet.<ref>Vergil, Aeneis 2,506–554; in der Aeneis heißt Neoptolemos meist Pyrrhus („Roter“).</ref>
Ehen und Nachkommen
[Bearbeiten]Priamos’ erste Frau soll Arisbe, Tochter des Merops, gewesen sein, mit der er Aisakos zeugte.<ref>Bibliotheke des Apollodor 3,12,5,1.</ref> Danach heiratete er Hekabe (lateinisch Hecuba) und zeugte mit ihr insgesamt 19 Kinder,<ref>Homer, Ilias 24,496; Ovid, Metamorphosen 13,399–575.</ref> darunter Hektor, Krëusa, Helenos, Antiphos, Polites, Laodike, Paris, Kassandra, Polydoros, Polyxena, Troilos, Agathon, Pammon, Hipponoos, Hippothoos, Dios, Deiphobos.<ref name="Ency">Homer, Ilias 24,249–251; Bibliotheke des Apollodor 3,12,6 und 7</ref>
Weitere Frauen und Nachkommen des Priamos:
- von Laothoë (Tochter des lelegischen Königs Altes)<ref>Homer, Ilias 21,84–88.</ref>: Lykaon
- von Kastianeira aus Aisyme: Gorgythion<ref>Homer, Ilias 8,302–305.</ref>
- von anderen teils nicht bekannten Frauen:
- Söhne: Melanippos, Philaimon, Glaukos, Chersidamas, Euagoras, Hippodamas, Mestor, Atas, Doryklous, Dryops, Bias, Chromios, Astygonos, Telestas, Euander, Kebriones, Mylios, Archemachos, Laodokos, Echephron, Idomeneus, Hyperion, Askanios, Demokoon, Aretos, Deioptes, Klonios, Echemon, Hypiochos, Aigeoneus, Lysithous, Polymedon, Isos, Antiphonos
- Töchter: Medusa, Medesikaste, Lysimache, Aristodeme<ref>Hyginus, Fabulae 90</ref>
Er soll mit allen seinen Frauen und Nebenfrauen mindestens 50 Kinder gehabt haben,<ref>Vgl. Euripides, Die Troerinnen 135–136; Hyginus, Fabulae 90</ref> die fast alle im Krieg um Troja gefallen oder umgekommen sind.
Namensgeber
[Bearbeiten]Nach Priamos wurde 1872 von Heinrich Schliemann der „Schatz des Priamos“ benannt, den dieser bei Ausgrabungen in den Ruinen von Troja entdeckt hatte.
Priamos in Literatur und Kunst
[Bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten]Priamos tritt sowohl in Homers Ilias als auch in der Aeneis Vergils auf, sowie in zahlreichen Erzählungen und Bühnenstücken über den Trojanischen Krieg, bis hinein in die Moderne.
Priamos’ Klage bei Homer:<ref>In der Übersetzung von Johann Heinrich Voß.</ref> Vorlage:Zitat
Priamos im Film und Fernsehen (Auswahl)
[Bearbeiten]- 1956: Die schöne Helena, dargestellt von Cedric Hardwicke
- 1985: König Priamos, dargestellt von Rodney Macann
- 1997: Die Abenteuer des Odysseus, dargestellt von Alan Smithie
- 2003: Helena von Troja, dargestellt von John Rhys-Davies
- 2004: Troja, dargestellt von Peter O’Toole
- 2018: Troja – Untergang einer Stadt, dargestellt von David Threlfall
Literatur
[Bearbeiten]- Margaret Miller: Priam, King of Troy. In: Jane B. Carter, Sarah P. Morris (Hrsg.): The Ages of Homer. A Tribute to Emily Townsend Vermeule. University of Texas Press, Austin 1995, S. 449–465.
- Vorlage:Roscher
- Hans von Geisau: Priamos. In: Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1979, Band 4, Sp. 1127–1129, ISBN 3-423-05963-X.
- Frank Starke: Untersuchung zur Stammbildung des keilschrift-luwischen Nomens. Harrassowitz, Wiesbaden 1990 (Studien zu den Bogazköy-Texten, H. 31) ISBN 3-447-02879-3.
Weblinks
[Bearbeiten]Anmerkungen
[Bearbeiten]<references/>