Bergulme
Vorlage:Taxobox Die Bergulme (Ulmus glabra Vorlage:Person, Synonym: Ulmus scabra Vorlage:Person, Ulmus montana Vorlage:Person), in fachsprachlicher Rechtschreibung Berg-Ulme, ist ein großer Baum aus der Gattung der Ulmen (Ulmus) und gehört in die Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae). Seit einigen Jahrzehnten wird sie stark vom Ulmensterben bedroht.
Beschreibung
[Bearbeiten]Die Bergulme wächst als sommergrüner Baum, sie erreicht Wuchshöhen von bis über 40 Meter und Stammdurchmesser von bis über 2,7 Meter und ein Alter von bis über 400 Jahren. Die jungen Zweige sind olivgrün bis dunkelbraun und abstehend behaart.
Knospen und Blätter
[Bearbeiten]Die Blütenknospen sind kugelig und die Blattknospen zugespitzt eiförmig. Die Seitenknospen sind vom Zweig abstehend. Die Knospenschuppen sind dunkelbraun/schwarz, abgerundet und deutlich eingekerbt. Beide Knospentypen sind 5–7 mm (maximal 9 mm) lang. Die Knospen sind anfangs rostrot bis bräunlich behaart, später verkahlend und nur noch am Rand der Knospenschuppen bewimpert. Die Blütenknospen treiben in Abhängigkeit von der Witterung in der Zeit von Februar bis April aus, die Laubknospen erst im späten Frühjahr (Mai, Juni). Zu diesem Zeitpunkt sind die Früchte schon weit entwickelt.<ref name="Godet"/><ref name="Schütt"/>
Die zweizeilig angeordneten Laubblätter der Bergulme sind kurz gestielt. Die Länge des Blattstiels beträgt 3–6 mm. Er wird oft vom unteren Ende der längeren Seitenhälfte (teilweise) verdeckt. Die 5–16 cm langen Blätter sind elliptisch, eiförmig oder verkehrt-eiförmig, wobei sie dann im oberen Drittel am breitesten sind. Das Blattende ist bespitzt bis schmal zugespitzt oder geschwänzt. Es kommen auch zwei- bis vierspitzige Blätter vor, die neben der normalen Blattspitze jeweils Nebenspitzen aufweisen. Die für Ulmen typische Asymmetrie der Spreitenbasis ist bei der Bergulme nur schwach ausgeprägt, z. B. weniger schwach als bei der Flatterulme. Der Blattrand ist meist grob doppelt gesägt und manchmal im unteren Bereich einfach gesägt. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und fühlt sich rau an. Die Blattunterseite ist mittelgrün und auf den größeren Adern fein weißhaarig. Jede Blattseite besitzt 13–20 Seitenadern, die zum Blattrand hin meist gegabelt sind.<ref name="Gehölzführer">Jean-Denis Godet: Der Godet Gehölzführer, Bäume und Sträucher. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1987, S. 192–193.</ref>
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Blatt-Seitenknospe
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Blatt-Endknospe
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Zweig mit Laubblättern und Früchten
Blüten und Früchte
[Bearbeiten]Die Blütezeit reicht von März bis April, wobei die unauffälligen, sehr kurz gestielten, kleinen Blüten vor den Blättern erscheinen. Die Blüten stehen dicht und sind zu 20–30 in kugeligen Büscheln vereinigt. Sie haben ein trichterförmiges, hell-grünliches bis rötliches, einfaches Perianth, d. h., dass die Blütenhülle nicht in Kelch und Krone untergliedert ist. Das Perianth ist 4–6-teilig (meist 5-teilig), wobei die Perigonblätter im unteren Bereich miteinander verwachsen sind. Die kurzen Zipfel tragen rosarote Wimpern. Die Blüten sind zwittrig, wobei die 4–6 (meist 5) dunkelvioletten Staubblätter etwas vorstehen. Der Fruchtknoten ist oberständig und trägt eine zweispaltige, drüsige Narbe mit zwei weißlichen oder rötlichen Narbenästen.<ref name="Godet">Jean-Denis Godet: Einheimische Bäume und Sträucher. Eugen Ulmer KG, Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-8186-0945-0, S. 230–231.</ref><ref name="Schütt">Schütt, Weisgerber, Schuck, Lang, Stimm, Roloff: Enzyklopädie der Laubbäume. Nikol-Verlag, 2006, ISBN 978-3-937872-39-1, S. 623–635.</ref>
Die Früchte der Bergulme sind kurz gestielte, ringsum dünn geflügelte, breit-eiförmige bis rundliche 20–30 mm große Flügelnüsse. Der einzige Samen liegt bei der Bergulme fast in der Mitte der Frucht. Die früh reifenden, grünen Früchte übernehmen die Photosynthese solange die Blätter noch nicht ausgetrieben sind. Die Samenreife erfolgt zwei Monate nach der Blüte.<ref name="Schütt" /><ref name="Hecker">Ulrich Hecker: Bäume und Sträucher. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München, 2003, ISBN 3-405-16621-7, S. 126–127.</ref>
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Blütenbüschel mit jüngeren Blüten
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Blütenbüschel mit älteren Blüten
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Büschel mit unreifen Früchten
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Einzelne, reifere Früchte mit Blatt
Chromosomensatz
[Bearbeiten]Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.<ref name="Oberdorfer" /><ref>Ulmus glabra Huds. auf Tropicos.org, IPCN Chromosome Reports</ref>
Systematik
[Bearbeiten]Die Bergulme (Ulmus glabra) wird wie die Feldulme (Ulmus minor) innerhalb der Gattung Ulmen (Ulmus) in die Untergattung Ulmus und dort in die Sektion Ulmus eingeordnet.<ref name="GRIN-Ulmus glabra">Ulmus glabra Huds. auf GRIN-Global (U.S. National Plant Germplasm System)</ref> Die Berg- und die Feldulme bilden die Holländische Ulme (Ulmus × hollandica) als Hybridform.<ref name="GRIN-Ulmus xhollandica">Ulmus × hollandica Mill. auf GRIN-Global (U.S. National Plant Germplasm System)</ref>
Die wie die Berg- und die Feldulme einheimische Flatterulme (Ulmus laevis) ist verwandtschaftlich weiter von der Bergulme entfernt als die Feldulme und wird innerhalb der Gattung Ulmen wie die Amerikanische Ulme (Ulmus americana) in die Untergattung Oreoptelea und dort in die Sektion Blepharocarpus eingeordnet.<ref name="GRIN-Ulmus laevis">Ulmus laevis Pall. auf GRIN-Global (U.S. National Plant Germplasm System)</ref> Im Gegensatz zur Feldulme bildet die Flatterulme auch keinen Hybrid mit der Bergulme.
Ökologie
[Bearbeiten]Die Berg-Ulme kann bis 400 Jahre alt werden. Die Umtriebszeit in der Forstwirtschaft beträgt 120 bis 140 Jahre. Stamm und Äste werden mehrfach übergipfelt durch Seitensprosse (Verzweigung sympodial monochasial). Die Laubblätter ebenso wie die Seitenzweige sind zweizeilig angeordnet (Lichtschutz). Bei den Ulmen wird die Photosynthese im Frühjahr, bevor die Laubblätter erscheinen, schon von den blattartigen Flügeln der heranreifenden grünen Früchte übernommen.<ref name="Düll" />
Bergulmen haben in der Jugend ein Pfahlwurzelsystem. Im Alter bildet sich ein Senkerwurzelsystem mit einer Tendenz zur Herzwurzel (viele Senker aus flach bis schräg streichenden Hauptwurzeln) aus. Die Wurzeln bilden eine Arbuskuläre Mykorrhiza aus, frühere Angaben über eine Ektomykorrhiza wurden nicht bestätigt.
Die Blütenknospen überwintern. Blütenökologisch handelt es sich um den „vorlaufend“, d. h. vor dem Laubaustrieb erscheinenden und windblütigen „Hängeblütigen Typ“. Reste von Pollenkitt, wie er für die Insektenbestäubung üblich ist, sind vorhanden.<ref name="Düll" /> Die Blüten sind streng vormännliche Zwitterblüten. Reste von Nektardrüsen produzieren am Grunde der Staubblätter Spuren von Nektar, so dass auch an dieser Stelle die prinzipielle Anlage zur Insektenbestäubung zu erkennen ist.<ref name="Düll" /> Der Pollen ist zudem eine wichtige Bienennahrung im Frühjahr. Die Blühfähigkeit der Bergulme beginnt nach 30 bis 40 Jahren.<ref name="Düll" />
Die Flügelfrüchte sind Gleitflieger mit einer Sinkgeschwindigkeit von 0,67 m/s. Sie werden nur bei starkem Wind weit forttransportiert. Auch durch Wasserhaftung an Tieren ist Ausbreitung möglich.<ref name="Düll" /> Die frühe Fruchtreife wird durch die in den heranreifenden Früchten stattfindende Photosynthese ermöglicht. Die Samen sind Lichtkeimer, aber nur wenige Tage keimfähig.
Die Raupen folgender Schmetterlingsarten sind von der Bergulme als Nahrungsquelle abhängig (Auswahl):<ref name="FloraWeb" /><ref name="Welt der Schmetterlinge" /><ref name="bkmakro.de" /><ref name="schmetterlingeinwildauundberlin" />
- C-Falter (Nymphalis c-album)
- Ulmen-Fleckenspanner (Abraxas grossulariata)
- Großer Rindenspanner (Hypomecis roboraria)
- Weißstirn-Weißspanner (Cabera pusaria)
- Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium w-album)
- Bergulmen-Spanner (Venusia blomeri bzw. Discoloxia blomeri)
Vorkommen
[Bearbeiten]Die Bergulme ist fast über ganz Europa verbreitet, von Mittelspanien, Italien und Südosteuropa bis Südskandinavien, von den Britischen Inseln bis zum Ural. Sie ist vom Tiefland bis in eine Höhenlage von etwa 1300 Metern anzutreffen. In den Allgäuer Alpen steigt sie bis zu einer Höhenlage von 1500 Metern auf.<ref name="EUFORGEN" /><ref name="Dörr-Lippert" />
Die Berg-Ulme kommt zerstreut in Schluchtwäldern und schattigen Hangwäldern vor. Sie bevorzugt sickerfeuchte, nährstoff- und basenreiche, auch bewegte Lehm- und Tonböden. Nach Ellenbergs Zeigerwerten ist sie ein Mäßigwärmezeiger, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger, an stickstoffreichen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart der Linden-Ahorn- und Ahorn-Buchen-Mischwälder (Tilio platyphylli-Acerion pseudoplatani).<ref name="Ellenberg" />
Gefährdung
[Bearbeiten]Das bekannte Ulmensterben wird durch den Schlauchpilz Ophiostoma ulmi verursacht. Er lebt in den Tracheen der jüngsten Jahresringe und regt zur Verthyllung an, die zur Verstopfung der Tracheen und damit zum Absterben des Baumes führt. Der Pilz wird durch einen Borkenkäfer, den Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus) übertragen, vor allem, wenn die Bäume – wie in Anpflanzungen an Straßen – ungünstige Standortbedingungen haben und eng beisammenstehen. Die Krankheit wird durch Grundwasserabsenkung deutlich gefördert. Erkrankte Äste (oder auch die ganzen Bäume) sollten sofort beseitigt werden.<ref name="Düll" />
Verwendung
[Bearbeiten]Auch als Alleebaum wird sie gepflanzt.<ref name="Oberdorfer" /> Mancherorts zählen Bergulmen zum Baumbestand in städtischen Anlagen. Zahlreiche alte Bergulmen sind als Naturdenkmale geschützt, beispielsweise eine Bergulme in der Altstadt von Gotha (Lutherstraße).
Das mittelschwere, elastische und zähe, moderat beständige Holz der Berg-Ulme zeigt eine schöne Maserung, ist schön gezeichnet. Es ist unter der Bezeichnung „Rüster“ im Handel und liefert vor allem Furnier für Möbel und den Innenausbau. Auch zum Drechseln wird es verwendet.<ref name="Düll" /> Das Kernholz der Bergulme ist blassbraun.<ref name="Harz" />
Rekorde und Auszeichnungen
[Bearbeiten]Der älteste, dickste und größte Baum der Art in Europa war die „Bergulme am Grenzhammer“ im thüringischen Ilmenau, die 2015 einem Unwetter zum Opfer fiel. Nach bisherigen Erkenntnissen war sie die einzige, die gegen den Pilzbefall immun war, welcher durch den Ulmensplintkäfer hervorgerufen wird.<ref name="TA-Ilmenau" />
Die Bergulme wurde 1992 zum Baum des Jahres gewählt.
Literatur
[Bearbeiten]- Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
Weblinks
[Bearbeiten]- Vorlage:DNB-Portal
- Vorlage:FloraWeb
- Vorlage:BIB
- Ulmus glabra. In: Info Flora (Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora).
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Steckbrief bei www.baumkunde.de
- Steckbrief bei www.wald.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten]<references> <ref name="Harz">Kurt Harz: Bäume und Sträucher. Blätter, Blüten, Früchte der heimischen Arten (= BLV-Naturführer). 12., durchgesehene Auflage. blv, München 2005, ISBN 3-405-15107-4.</ref> <ref name="Oberdorfer">Vorlage:BibISBN</ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 427.</ref> <ref name="Ellenberg">Vorlage:BibISBN</ref> <ref name="Düll">Vorlage:BibISBN</ref> <ref name="FloraWeb">Die Bergulme als Schmetterlingspflanze bei FloraWeb</ref> <ref name="Welt der Schmetterlinge">Vorlage:Webarchiv</ref> <ref name="bkmakro.de">Kleines ganz Groß-Schmetterlinge</ref> <ref name="schmetterlingeinwildauundberlin">Schmetterlinge um Wildau und Berlin</ref> <ref name="TA-Ilmenau">Arne Martius: In Ilmenau steht die einzige resistente Bergulme Europas. In: Thüringer Allgemeine. 15. März 2014. Auf Thueringer-Allgemeine.de, abgerufen am 26. November 2019.</ref> </references>
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