Triumph des Willens

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Vorlage:Infobox Film

Triumph des Willens ist ein NS-Propagandafilm über den sechsten Reichsparteitag der NSDAP vom 4. bis 10. September 1934 in Nürnberg und gilt als eines der einflussreichsten Werke der Regisseurin Leni Riefenstahl. Die Uraufführung fand am 28. März 1935 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin statt. Er ist der mittlere Teil von Riefenstahls Parteitags-Trilogie und reiht sich ein zwischen dem Vorgänger Der Sieg des Glaubens und Nachfolger Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht.

Produktion

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Der inszenierte Dokumentarfilm enthält Bildmaterial vom Parteitag 1934 mit seinen Paraden und Aufzügen sowie zahlreiche Redeauszüge von NS-Funktionären, so von Adolf Hitler. Dieser unterstützte den Film und erscheint im Abspann als inoffizieller leitender Produzent. Das vorrangige Thema ist die Rückkehr Deutschlands als Großmacht mit einem heilbringenden Führer. Hitler selbst wählte den Titel in Anlehnung an Friedrich Nietzsches Schlagwort vom „Willen zur Macht“.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Datei:Bundesarchiv Bild 152-42-31, Nürnberg, Leni Riefenstahl mit Heinrich Himmler.jpg
Leni Riefenstahl mit Reichsführer SS Heinrich Himmler bei Aufnahmen zu ihrem Film Triumph des Willens am 9. September 1934

Triumph des Willens wurde 1935 veröffentlicht und wurde schnell zu einem der bekanntesten Beispiele für Propagandafilme. Seine Ästhetik beeinflusste nach dem Zweiten Weltkrieg Spiel- und Dokumentarfilme bis hin zur Werbung. Dies führte oft zu Diskussionen über das Verhältnis von Kunst, Politik und Ethik.

Riefenstahl selbst verwendete einerseits relativ neuartige Techniken wie bewegte Kameras, Teleobjektive, eine dynamische Schnitttechnik sowie neuartige Kameraperspektiven. Auch bewährte Mittel wie die suggestive Untermalung mit Musik,<ref>z. B. durch den Parademarsch Nr. 1 von Julius Möllendorf.</ref> schnelle Schnitte und raffinierte Bildmontagen setzte sie gekonnt ein. Triumph des Willens gilt als politisch und moralisch zweifelhafter, dennoch filmgeschichtlich und ästhetisch bedeutsamer Film.

Riefenstahl gewann mehrere Preise in Deutschland, in den Vereinigten Staaten, Frankreich, Schweden und anderen Ländern. 1937 wurde Riefenstahl für diesen Film während der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Vorgeschichte

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Im vorangedrehten Film Der Sieg des Glaubens – der im Rückblick wie die Generalprobe zu diesem Film wirkt – wurde Hitler noch nicht als personifiziertes Zentrum der Macht inszeniert, sondern nach wie vor teilte er diese mit dem obersten Führer der Sturmabteilung (SA), Ernst Röhm. Etwa zwei Monate vor dem Parteitag kam es zur so genannten „Nacht der langen Messer“ (30. Juni/1. Juli 1934), bei der hochrangige Funktionäre der SA am Tegernsee von Hitler zusammengerufen wurden; sie wurden verhaftet und – zum Teil noch in derselben Nacht – getötet, darunter auch Röhm. In Triumph des Willens stand Hitler alleine im Mittelpunkt.<ref>Peter Zimmermann: Propagandafilme der NSDAP (PDF; 464 kB). Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 7. Februar 2019.</ref>

Handlung

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Der Film beginnt mit einem Prolog, dem einzigen Kommentar im Film. Auf einer Steintafel erscheint folgender Text: „Am 5. September 1934 … 20 Jahre nach Ausbruch des Weltkrieges … 16 Jahre nach dem Anfang deutschen Leidens … 19 Monate nach dem Beginn der deutschen Wiedergeburt … flog Adolf Hitler wiederum nach Nürnberg um Heerschau abzuhalten über seine Getreuen.“ Die Filmchronologie weicht vom tatsächlichen Verlauf des Reichsparteitags ab, der auch drei Tage länger dauerte als im Film dargestellt.

Erster Tag

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Der Film beginnt mit Aufnahmen der Wolken über der Stadt. Dann bewegt sich die Kamera durch die Wolken, um über den Massen zu schweben und Schönheit und Würde auszustrahlen. Der Schatten von Hitlers Flugzeug ist zu sehen, während es über die winzigen marschierenden Menschen fliegt, begleitet von den Klängen eines Sinfonieorchesters. Es spielt Variationen eines Themas, das bald als das Horst-Wessel-Lied erkennbar wird.<ref>Stefan Strötgen: „Ich komponiere den Parteitag…“. Zur Rolle der Musik in Leni Riefenstahls Triumph des Willens. In: Annemarie Firme, Ramona Hocker (Hrsg.): Von Schlachthymnen und Protestsongs. Zur Kulturgeschichte des Verhältnisses von Musik und Krieg. Transcript, Bielefeld, S. 139–157, hier: S. 153f. Siehe auch David B. Dennis: „The most German of all operas“: Die Meistersinger through the Lens of the Third Reich. In: Nicholas Vazsonyi (Hrsg.): Wagner’s Meistersinger. Performance, History, Representation. The University of Rochester Press, Rochester, S. 98–119, hier: S. 98f.</ref> Als Hitler den Nürnberger Flughafen erreicht, wird er unter donnerndem Applaus von einer euphorischen Menge empfangen. Er fährt dann ebenso bejubelt zu seinem Hotel in Nürnberg, wo später eine nächtliche Kundgebung stattfindet.

Zweiter Tag

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Der zweite Tag beginnt mit einer Montage, bei der sich die Angehörigen verschiedener NS-Organisationen in ihren Zeltlagern auf die Eröffnung des Reichsparteitags vorbereiten. Die Führungsriege der Partei erreicht währenddessen die Luitpoldarena. Erst jetzt nach überwiegend musikalisch unterlegtem Bildmaterial folgt ab Minute 23 die erste Szene mit gesprochenem Text: Ein Schnitt zur Eröffnungszeremonie, in der Rudolf Heß den Beginn des Parteitags verkündet. Der Film führt dann mehrere hochrangige NSDAP-Mitglieder ein; unter anderem Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg, Hans Frank, Fritz Todt, Robert Ley und Julius Streicher. Danach ist eine Kundgebung des Reichsarbeitsdienstes zu sehen. Hier hält Hitler seine erste Rede über die Verdienste der Arbeitsmänner und lobt ihre Leistungen bei der Wiedererrichtung Deutschlands. Der Tag endet mit einer SA-Parade im Fackelschein.

Dritter Tag

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Datei:Bundesarchiv Bild 183-2004-0312-504, Nürnberg, Reichsparteitag, Rede Adolf Hitler.jpg
Hitler im Städtischen Stadion bei seiner Rede an die Jugend, 8. September 1934

Der dritte Tag beginnt mit einer Kundgebung der Hitler-Jugend (HJ) auf dem Paradeplatz. Wieder zeigt die Kamera die Ankunft der Nazi-Würdenträger und die Einführung Hitlers durch Baldur von Schirach. Hitler spricht zur Jugend und vermittelt ihr, warum sie „friedfertig und mutig zugleich“ sein solle und warum sie sich „stählen“ müsse. Die Hitlerjugend marschiert ab zu den Klängen von „Unsre Fahne flattert uns voran“. Es folgt eine Vorführung von berittenen und motorisierten Einheiten der Reichswehr. In der Nacht hält Hitler bei Fackelschein eine Rede zu den Politischen Leitern, in der er des ersten Jahres, seitdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, gedenkt und erklärt, dass Partei und Staat eine Einheit seien.

Vierter Tag

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Datei:Bundesarchiv Bild 183-2004-0312-503, Nürnberg, Reichsparteitag, Marsch der Wehrmacht.jpg
Parade auf dem Hauptmarkt, im Hintergrund St. Sebald, mittig rechts im Bild Hitler sowie Riefenstahl mit Team, 9. September 1934

Der vierte Tag stellt den Höhepunkt des Films dar. Hier werden die einprägsamsten Bilder gezeigt. Während die Blaskapelle den Trauermarsch des Komponisten Ernst Hanfstaengl spielt, schreitet Hitler, begleitet von Heinrich Himmler und Viktor Lutze, in der Luitpold-Arena durch ein Meer von über 150.000 SA- und SS-Männern, um einen Gedenkkranz am Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges niederzulegen. Hitler und Lutze halten dann eine Rede vor den Truppen über die Säuberungsaktion „Nacht der langen Messer“ in der SA einige Monate zuvor. Lutze beteuert noch einmal die Loyalität der SA zur Parteiführung, und Hitler spricht die SA von jeglichen Verbrechen, die durch Ernst Röhm veranlasst worden seien, los. Die neuen Parteiflaggen werden durch Berührung mit der Blutfahne (Flagge, die von den Nationalsozialisten während des Hitler-Ludendorff-Putsches am 9. November 1923 getragen wurde) geweiht. Anschließend findet eine große Parade vor dem Hintergrund der Frauenkirche am Hauptmarkt in Nürnberg (April 1933–1945 „Adolf-Hitler-Platz“) statt, bei der zahlreiche Verbände der Partei und des Staates an Hitler vorbeimarschieren. Anschließend hält Hitler in der Luitpoldhalle seine Abschlussrede. In dieser beteuert er nochmals die Vorrangstellung der NSDAP in Deutschland. Er erklärt: „Alle anständigen Deutschen werden Nationalsozialisten. Nur die besten Nationalsozialisten sind Parteigenossen!“ Heß führt die versammelte Menschenmenge bei einem finalen Sieg-Heil-Salut für Hitler, womit der Parteitag beendet ist. Der Film blendet aus, während die Menge das Horst-Wessel-Lied singt.

Nachwirkungen

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Der Film ist bis heute wirkungsgeschichtlich relevant und weiterhin umstritten. Der Meinung, es sei ein ästhetischer Dokumentarfilm, steht entgegen, der Film sei reine Propaganda. Martin Loiperdinger betont, dass der Film nicht die Wirklichkeit des Nationalsozialismus darstelle, sondern lediglich zeige, wie dieser sich selbst inszenierte. Die im Film so dargestellte Volksgemeinschaft habe nicht der Realität entsprochen. Sabine Hake stellt heraus, dass der Film nicht so repräsentativ für den Nationalsozialismus sei, wie oft angenommen werde. Vielmehr dokumentiere der Film eine Ausnahmesituation, die teilweise bewusst für die Filmaufnahmen inszeniert wurde.<ref>siehe #Literatur und das Buch Sabine Hake: Film in Deutschland. Geschichte und Geschichten seit 1895. Rowohlt, Hamburg 2004, ISBN 3-499-55663-4.</ref>

Ein Anstoß für eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten Riefenstahls und ihrer Rolle im Dritten Reich kam in den 70er Jahren aus den USA. Größen der Popkultur wie Andy Warhol, George Lucas oder David Bowie setzten sich mit Riefenstahl auseinander, aus sozialpsychologischer Sicht an prominenter Stelle Susan Sontag in ihrem Buch Fascinating Fascism aus dem Jahr 1974. Im Rahmen der Genderdebatte in den USA, in der man sich auch mit der Rolle von Frauen in der Filmproduktion befasste, beschäftigte man sich auch unter diesem Blickwinkel mit Riefenstahl. Seit den 1980ern kam es dann zu einer Art „Riefenstahl-Renaissance“, in der sich die Frage der Verantwortung der Kunst überhaupt nicht mehr stellte und nur noch die Ästhetik ihrer Bildsprache zählte. „Für die Ästhetiker ist Riefenstahl nichts als die Pionierin, deren Macht der Bilder auch die Werbung und das Showgeschäft geprägt hat“<ref>Alice Schwarzer: Leni Riefenstahl, Propagandistin oder Künstlerin? in: Emma, 1. Januar 1991, abgerufen am 21. Februar 2017.</ref> schrieb Alice Schwarzer nach einem Interview mit Riefenstahl, stellte aber gleichzeitig die Frage nach der moralischen Verantwortung der Kunst.

Rezeption im Kino und Popkultur

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Es dominiert die Ansicht, dass Riefenstahl völlig neue und richtungsweisende Kameraführungen und neuartige Mittel der Regie einsetzte und dass der Film großen Einfluss auf die Entwicklung des modernen Films hatte – obwohl einige der Elemente ihrer Filmkunst bereits durch den sowjetischen Revolutionsfilm (insbesondere durch Sergei Eisenstein) geprägt wurden. Für die Sportberichterstattung in Film und Fernsehen habe Riefenstahl bis heute neue Maßstäbe gesetzt.<ref>Alice Schwarzer: Propagandistin oder Künstlerin? 1991.</ref>

Triumph des Willens wurde von vielen Künstlern der jüngeren Zeit rezipiert, unter anderem von Regisseuren wie Peter Jackson, George Lucas und Ridley Scott. Auf einer Fotosession soll Mick Jagger Riefenstahl erzählt haben, dass er den Film mindestens 15-mal gesehen habe.<ref>Wilhelm Bittorf: Photographie. Blut und Hoden Spiegel.de, 25. Oktober 1976, abgerufen am 21. Februar 2017 </ref> Der erste bekannte Spielfilm, der die Szenerie von Triumph des Willens zitiert, ist die Nazi-Parodie Der große Diktator von Charlie Chaplin (erschienen 1940). Viele jüngere Filme haben einzelne Szenen des Filmes imitiert oder zitiert, am bekanntesten sind dabei wohl die Star-Wars-Filme.<ref>Christiane Kuller: Der Führer in fremden Welten: Das Star-Wars-Imperium als historisches Lehrstück? In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History. Online-Ausgabe, 3 (2006), H. 1.</ref> Filme, die eine ähnliche Szenerie oder ganze Szenen wie der Film Triumph des Willens aufweisen, sind Citizen Kane, Uhrwerk Orange, Gladiator, Starship Troopers, Der Herr der Ringe, Der König der Löwen und viele andere. Michael Jackson knüpfte mit den marschierenden Fantasiesoldaten seines Videoclips HiStory an choreografische Vorbilder aus dem Propagandafilm an.<ref>Trivia for The Lord of the Rings: The Two Towers (2002), Internet Movie Database.</ref> Nach Ansicht von Susan Sontag<ref name="Strobl">Ingrid Strobl: Helene Riefenstahl im „Haus der Geschichte der BRD“: Nur der Tod mag sie nicht, hagalil.com, 28. Januar 2003.</ref> und Jürgen Trimborn werden Elemente von Triumph des Willens und anderer Filme Riefenstahls zunehmend aus ihrem politischen Kontext herausgelöst und als eigenständige ästhetische Äußerungen angesehen.<ref>„Riefenstahl – Eine deutsche Karriere. Eine Biografie von Jürgen Trimborn“ ZDF-aspekte, Buchmesse Leipzig 2003, abgerufen am 20. April 2019.</ref>

Rezeption in der politischen Propaganda

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Der Film wurde sogar als Referenz für die Präsidentschaftskampagne von Nelson Rockefeller 1968 in den USA angegeben und habe damit die Praxis der amerikanischen Wahlwerbung beeinflusst. Auch jüngere Wahlkampagnen wurden häufig mit Triumph des Willens verglichen.

Der Historiker Fritz Stern verglich die Inszenierung der Siegesrede des Irakkrieges von US-Präsident George W. Bush 2003 auf einem Flugzeugträger mit einer Leni-Riefenstahlisierung.<ref>Jordan Mejias: Amerika unter Bush: Die Leni-Riefenstahlisierung. In: FAZ. 20. Januar 2005, Interview mit Fritz Stern.</ref>

Schon 2017 gab es eine Untersuchung an der University of Missouri, in der Roger F. Cook Vergleiche zwischen Riefenstahls Film und der Nutzung von Twitter durch Donald Trump zieht.<ref>Roger F. Cook: From Triumph of the Will to Twitter, in: Germanica. Vol. 50. Nr. 3/4. S. 315–326</ref> Einige Zeitungen haben auf die Ähnlichkeiten zwischen dem Video über Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus nach seiner Corona-Erkrankung mit einer Inszenierung im Stil Riefenstahls hingewiesen. So betitelte die Wochenzeitung Der Freitag ihren Artikel mit „Die letzte Ausfahrt eines Postdemokraten. Ein Trump-Video erinnert manchen an die propagandistische Ästhetik Leni Riefenstahls. Abwegig ist das nicht.“<ref>Lucas Curstädt: Die letzte Ausfahrt eines Postdemokraten, der Freitag, abgerufen am 27. April 2021</ref>

Urheberrechte, Aufführungen

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Nachdem Leni Riefenstahl gegen die Verwendung von Teilen des Films in Erwin Leisers Dokumentation Mein Kampf (1960) geklagt hatte, wurden die Rechte an dem Film Triumph des Willens nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29. Dezember 1966 nicht ihr, sondern der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches zugesprochen.<ref>Julia Jacobs, Philipp Schepp: Triumph des Willens. In: Thomas Hoeren, Lena Meyer: Verbotene Filme. Berlin 2007, S. 179 f.</ref> Diese Rechte werden fortan von der bundeseigenen Transit-Film GmbH mit Sitz in München wahrgenommen, wenn auch 1974 (für eine Dauer von dreißig Jahren) vertraglich geregelt worden ist, dass jegliche öffentliche Vorführung von Leni Riefenstahl genehmigt werden muss und sie hingegen 70 % sämtlicher Einnahmen erhielt.<ref>Julia Jacobs, Philipp Schepp: Triumph des Willens. In: Thomas Hoeren, Lena Meyer: Verbotene Filme. Berlin 2007, S. 184 f.</ref>

Hierzu kommentieren Jacobs & Schepp: „Es ist zu vermuten, dass sich die Transit Film GmbH wider besseres juristischen Wissen auf den Vertrag mit Leni Riefenstahl eingelassen hat, um sich zunächst aus der Verantwortung des ‚richtigen‘ Umgangs mit dem äußerst brisanten Filmerbe der NS-Zeit zu ziehen. Jede Nutzungszustimmung der Bundesrepublik hätte kritische Folgen für diese haben können […] Während das Bundesarchiv der nicht-gewerblichen öffentlichen Vorführung nur dann zustimmte, wenn ein entsprechender Rahmen vorgegeben war, d. h., wenn die Vorführung zur Aufklärung der Bevölkerung über die Geschichte Deutschlands diente, verweigerte Leni Riefenstahl ihre Genehmigung immer dann, wenn sie befürchten musste, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Film stattfinden würde.“<ref>Julia Jacobs, Philipp Schepp: Triumph des Willens. In: Thomas Hoeren, Lena Meyer: Verbotene Filme. Berlin 2007, S. 185 f.</ref> Öffentliche Vorführungen erfolgten von daher nur nach der (sehr selten erteilten) Genehmigung von Leni Riefenstahl.

In den 70er Jahren kam es vereinzelt zu Fernsehaufführungen des kompletten Films, allerdings aufgrund des fehlenden FSK-Kennzeichens erst nach 23 Uhr, so am 1. Oktober 1974 im NDR und am 4. September 1976 im HR.<ref>Julia Jacobs, Philipp Schepp: Triumph des Willens. In: Thomas Hoeren, Lena Meyer: Verbotene Filme. Berlin 2007, S. 185.</ref> Mit dem Tode Leni Riefenstahls am 8. September 2003 und dem Auslaufen des o. g. Vertrages liegen nun auch die letzten Rechte bei der Bundesrepublik Deutschland.

Auch der Bundesgerichtshof hat sich mit dem Film „Triumph des Willens“ befasst (siehe BGH UFITA 55 (1970), 313, 320/321).<ref> debier-datenbank abgerufen am 21. Februar 2017</ref> Er stellte fest, dass es sich um eine Produktion der NSDAP handelte, bei der alle Nutzungsrechte uneingeschränkt der NSDAP zur Auswertung eingeräumt wurden. Aufgrund des Gesetzes zur Regelung der Verbindlichkeiten nationalsozialistischer Einrichtungen und der Rechtsverhältnisse an deren Vermögen vom 17. März 1965 sind sämtliche Rechte und Vermögensgegenstände der NSDAP auf die Bundesrepublik Deutschland übergegangen und werden im Filmbereich von der Transit Film GmbH verwaltet.

Als Video oder DVD ist der Film nur im Ausland erhältlich, da die Transit Film GmbH ihr Urheberrecht im Inland geltend macht und eine Veröffentlichung bislang erfolgreich unterbindet: Die im Bundeseigentum stehende Transit Film GmbH hat nach dem Tod Leni Riefenstahls die alleinige Nutzungsbefugnis über sämtliche Rechte an dem Film inne. Die entsprechenden vertraglichen Vereinbarungen hatten vorher in gewissem Umfang eine gemeinsame Rechtswahrnehmung vorgesehen.

Freigabe

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Triumph des Willens ist in Deutschland nicht indiziert, ein entsprechender Antrag wurde von der Prüfstelle mit der Begründung abgelehnt, dass es sich „um ein zeithistorisches Dokument handele, welches als kunsthistorisch hochwertig einzustufen sei, von dem jedoch keine Jugendgefährdung ausgehe“.<ref>Entscheidung Nr. 6219 vom 1. Februar 2018 [1], Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, 2018.</ref>

Der Film gehört nicht zu den Vorbehaltsfilmen, da er nicht zu dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung gehört, sondern der Transit Film, welche den Film unter ähnlichen Bedingungen für wissenschaftliche und dokumentarische Zwecke zur Verfügung stellt.

Da der Film der FSK nicht vorgelegt wurde, darf er nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden.<ref>Julia Jacobs, Philipp Schepp: Triumph des Willens. In: Thomas Hoeren, Lena Meyer: Verbotene Filme. Berlin 2007, S. 177.</ref>

Zitate

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Vorlage:Zitat

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Trivia

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1941 montierte Charles A. Ridley im Auftrag des British Ministry of Information Ausschnitte aus Riefenstahls Film, so dass es aussah, als tanzten die Soldaten zu dem populären Song The Lambeth Walk.<ref>Wir tanzen um die Welt Filmmuseum Potsdam, abgerufen am 4. Juli 2024 </ref> Der Film wurde kostenlos an verschiedene Verleiher vergeben, die ihn vor allem über Wochenschauen publizierten.<ref>Dance, Film, History. The Lambeth Walk & Felix Nussbaum Images musicales, 24. Juni 2018, abgerufen am 4. Juli 2024</ref> Axel Jockwer schrieb dazu in seinem Buch Vom Jazz zur Neuen Deutschen Tanzmusik, dem Film sei eine „Dekonstruktion der faschistischen Ästhetik“ gelungen.<ref>zitiert aus: Lambeth Walk - In Lamberts Nachtlokal grammophon-platten, abgerufen am 4. Juli 2024</ref> Die Viennale in Wien zeigt den Film 2024 mit dem Kommentar, „nur wenige Propagandaerzeugnisse [seien] effektiver gewesen als Charles Ridleys vernichtende Zweckentfremdung der Bilder […], die die stolz marschierenden deutschen Soldaten zu einem britischen Swing lächerlich paradieren lässt“.<ref>Zitat: „Few works of propaganda have been more efficient than Charles Ridley’s devastating repurposing of images [...] with the proudly marching German soldiers now parading ridiculously to a British swing tune“. in: Retrospective Germany Calling (The Lambeth Walk), Viennale 2024, abgerufen am 4. Juli 2024</ref>

Siehe auch

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Literatur

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  • Martin Loiperdinger: Der Parteitagsfilm „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl. Rituale der Mobilmachung. Leske + Budrich, Opladen 1987, ISBN 3-8100-0598-3 (= Forschungstexte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Band 22).
  • Eva Waniek: Triumph des Willens. Zur Ästhetisierung des Politischen bei Leni Riefenstahl. In: Krieg/War. Eine philosophische Auseinandersetzung aus feministischer Sicht. Fink 1997, S. 283–296. ISBN 3-7705-3094-2.
  • Rainer Rother: Führerkult als Film „Triumph des Willens“. In: Gerd Biegel, Wulf Otte (Hrsg.): Ein Volk dankt seinem (Ver)führer. Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg 1933–1937. Vorträge zur Ausstellung. Braunschweigisches Landesmuseum, Braunschweig 2002, ISBN 3-927939-58-7, S. 109–116 (Veröffentlichungen des Braunschweigischen Landesmuseums. 102.)
  • Jürgen Trimborn: Riefenstahl. Eine deutsche Karriere. Aufbau-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-351-02536-X.
  • Sabine Hake: German National Cinema. Reprinted edition. Routledge, London u. a. 2003, ISBN 0-415-08902-6.
  • Susan Sontag: Faszinierender Faschismus. In: Dies.: Im Zeichen des Saturn. Essays. Hanser, München u. a. 2003, ISBN 3-446-20424-5, S. 97–125.
  • David Culbert: The New Goebbels Diary Entries (2006) and Leni Riefenstahl. In: Historical Journal of Film, Radio and Television. Volume 27. 2007. Issue 4, S. 549–559.
  • Nina Gladitz: Leni Riefenstahl. Karriere einer Täterin. Orell Füssli, Zürich 2020, ISBN 978-3-280-05730-8.
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Einzelnachweise

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