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	<title>Wohltemperierte Stimmung - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Demo Wiki</subtitle>
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		<id>https://demowiki.knowlus.com/index.php?title=Wohltemperierte_Stimmung&amp;diff=11761&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Thomas Dresler: Klammern korrigiert</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://demowiki.knowlus.com/index.php?title=Wohltemperierte_Stimmung&amp;diff=11761&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2025-08-09T08:54:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klammern korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;wohltemperierte Stimmung&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet man ein [[Temperierte Stimmung|temperiertes]] [[Stimmung (Musik)|Stimmungssystem]] für [[Musikinstrument]]e mit festgelegten [[Tonhöhe]]n ([[Klavier]], [[Orgel]], [[Harfe]] und weitere), welche die uneingeschränkte Verwendung aller Tonarten des [[Quintenzirkel]]s ermöglicht im Unterschied zur [[Reine Stimmung bei Tasteninstrumenten|reinen]] oder [[Mitteltönige Stimmung|mitteltönigen Stimmung]], die nur eine begrenzte Anzahl von [[Tonart]]en verfügbar machen. Die heute am stärksten verbreitete Variante der wohltemperierten Stimmungen ist die [[gleichstufige Stimmung]], bei der allerdings der spezifische Charakter der Tonarten verloren geht. Deshalb bezieht man im heutigen Sprachgebrauch die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;wohltemperiert&amp;#039;&amp;#039; oft nur auf (nichtgleichstufige) historische Stimmungssysteme ([[Werckmeister-Stimmung|Werckmeister]], [[Kirnberger-Stimmung|Kirnberger]], [[Vallotti-Stimmung|Vallotti]] und andere), die den [[Tonartencharakter]] bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herleitung des Begriffs ==&lt;br /&gt;
Das Verb &amp;#039;&amp;#039;temperieren&amp;#039;&amp;#039; kommt vom [[latein]]ischen {{lang|la|&amp;#039;&amp;#039;temperare&amp;#039;&amp;#039;}}, was so viel wie „mäßigen, mildern, in das richtige Verhältnis bringen“ bedeutet; es bedeutet in der Musik, dass [[Intervall (Musik)|Intervalle]] gezielt ein wenig unrein gestimmt werden, damit kleine Tonhöhenunterschiede wie das [[Syntonisches Komma|syntonische]] und das [[Pythagoreisches Komma|pythagoreische Komma]] verteilt werden und so nicht mehr störend in Erscheinung treten. Diese Tonhöhenunterschiede, resultierend aus der prinzipiellen Nicht-Übereinstimmung übereinander geschichteter Quinten und Terzen im Oktavraum, verhindern bei [[Reine Stimmung|reiner Stimmung]] das [[Transposition (Musik)|Transponieren]] in beliebige Tonarten mit den üblichen zwölf Tasten und erfordern viele zusätzliche Tasten, wie etwa das 31-stufige [[Archicembalo]] von [[Nicola Vicentino]], das die damals übliche [[mitteltönige Stimmung]] transponierfähig erweitert. [[Andreas Werckmeister]] verurteilte derartige Instrumente als „Flickwerke der Subsemitonien“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Unter der Sammelbezeichnung &amp;#039;&amp;#039;wohltemperierte Stimmungen&amp;#039;&amp;#039; führte [[Andreas Werckmeister]] ab 1681 eine Reihe von [[Stimmung (Musik)|Stimmungen]] auf Tasteninstrumenten ein, welche die [[Mitteltönige Stimmung|mitteltönigen Stimmungen]] so erweiterten, dass die Tonarten des gesamten [[Quintenzirkel]]s spielbar wurden. Bisher unmögliche [[Transposition (Musik)|Transpositionen]] und [[enharmonische Verwechslung]]en wurden ermöglicht. In einzelnen Fällen hatte bereits der Orgelbauer [[Christian Förner]] eine Stimmung entwickelt, die ein Spiel in allen Tonarten ermöglichte. Erstmals belegt ist diese Stimmung für die 1668–1673 erbaute Förner-Orgel der [[Schloss Neu-Augustusburg|Schloßkirche]] in [[Weißenfels]].&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Caspar Trost: &amp;#039;&amp;#039;Ausführliche Beschreibung deß Neuen Orgelwercks Auf der Augustus-Burg zu Weissenfels&amp;#039;&amp;#039;. Nürnberg 1677, S.&amp;amp;nbsp;37 ([http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd17/content/pageview/760309 online]); Faksimile in: &amp;#039;&amp;#039;[[Acta Organologica]].&amp;#039;&amp;#039; 27, 2001, S.&amp;amp;nbsp;36–108.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zacharias Thayßner]], ein Schüler von Christian Förner, erbaute 1677–1682 die Orgel der [[Stiftskirche St. Servatius (Quedlinburg)|Stiftskirche St.&amp;amp;nbsp;Servatii]] in [[Quedlinburg]], an der Werckmeister seit 1675 amtierte, und versprach schon im Vertrag 1677 eine in allen Tonarten brauchbare Temperatur.&amp;lt;ref&amp;gt;Vertragstext abgedruckt in: Klaus Beckmann: &amp;#039;&amp;#039;Die norddeutsche Schule. Orgelmusik im protestantischen Norddeutschland zwischen 1517 und 1755.&amp;#039;&amp;#039; Teil&amp;amp;nbsp;II: &amp;#039;&amp;#039;Blütezeit und Verfall 1620–1755.&amp;#039;&amp;#039; Schott, Mainz 2009, S.&amp;amp;nbsp;104–105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten haben die Förner-Schüler Zacharias Thayßner, [[Christoph Junge]] und Tobias Gottfried Trost sowie Förners Enkelschüler, darunter [[Tobias Heinrich Gottfried Trost]] und [[Johann Friedrich Wender]], in Mitteldeutschland weitere modifiziert mitteltönig (ohne [[Wolfsquinte]]) oder wohltemperiert gestimmte Orgeln geschaffen. Johann Friedrich Wender erbaute unter anderem 1687–1691 die Orgel von [[Divi-Blasii-Kirche (Mühlhausen)|Divi Blasii]] in [[Mühlhausen/Thüringen|Mühlhausen]] und 1699–1703 die Orgel der Bonifatiuskirche (heute [[Johann-Sebastian-Bach-Kirche (Arnstadt)|Bach-Kirche]]) in [[Arnstadt]]. An diesen beiden Orgeln amtierte der junge [[Johann Sebastian Bach]] in den Jahren 1703 bis 1708. Sie ermöglichten die Komposition von Orgelwerken, die über die Tonarten hinausgehen, welche die ¼-Komma-mitteltönige Stimmung zulässt. Auch einige Orgelwerke von [[Dietrich Buxtehude]], die eine wohltemperierte Stimmung voraussetzen, dürften in Zusammenhang stehen mit der Einführung einer wohltemperierten Stimmung durch die Förner-Schule: Buxtehude war befreundet mit Andreas Werckmeister und ließ diesem nachweislich eine Vielzahl seiner Orgelwerke zukommen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Klaus Beckmann (Musikwissenschaftler)|Klaus Beckmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Die norddeutsche Schule. Orgelmusik im protestantischen Norddeutschland zwischen 1517 und 1755.&amp;#039;&amp;#039; Teil&amp;amp;nbsp;II: &amp;#039;&amp;#039;Blütezeit und Verfall 1620–1755.&amp;#039;&amp;#039; Schott, Mainz 2009, S.&amp;amp;nbsp;114–115.&amp;lt;/ref&amp;gt; Manche dieser Werke könnte er speziell für Werckmeister und dessen wohltemperierte Thayßner-Orgel geschrieben haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Roland Eberlein]]: [https://www.walcker-stiftung.de/Downloads/Blog/Tunder_Buxtehude_Bruhns_Luebeck.pdf &amp;#039;&amp;#039;Tunder, Buxtehude, Bruhns, Lübeck: Für welche Instrumente schrieben sie und wie waren diese gestimmt?&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 154&amp;amp;nbsp;kB) walcker-stiftung.de, S.&amp;amp;nbsp;5–7; abgerufen am 19.&amp;amp;nbsp;März 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach anderer Auffassung verfügte Buxtehude zeitlebens über keine wohltemperiert gestimmte Orgel. Im norddeutschen Raum treten die ersten belegten Fälle von Umstimmungen in „neue Temperaturen“ erst um das Jahr 1740 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Ibo Ortgies |Titel=Die Praxis der Orgelstimmung in Norddeutschland im 17. und 18. Jahrhundert und ihr Verhältnis zur zeitgenössischen Musikpraxis |Verlag=Göteborgs universitet |Ort=Göteborg |Datum=2007 |JahrEA=2004 |Online=[https://www.gbv.de/dms/clausthal/E_BOOKS/2007/2007EB401/Ibo_Ortgies_Diss.pdf gbv.de] |Format=PDF |KBytes=5400}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele weitere Theoretiker und Praktiker, etwa [[Johann Georg Neidhardt]], [[Johann Philipp Kirnberger]], [[Francesco Antonio Vallotti]], gaben immer neue Vorschläge zur &amp;#039;&amp;#039;Temperierung&amp;#039;&amp;#039;, was zeigt, dass es damals keine eindeutige Lösung gab. Einerseits wollte man für die am häufigsten gebrauchten Tonarten angenähert oder tatsächlich reine Terzen erhalten, andererseits musste der Quintenzirkel ohne [[Wolfsquinte]] geschlossen werden. Jedes System hatte seine Vorteile und Nachteile im Klang und war mehr oder weniger komplex in der (damaligen) handwerklichen Ausführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakteristik ==&lt;br /&gt;
Charakteristisch für wohltemperierte Stimmungen ist, dass alle wichtigen [[Intervall (Musik)|Intervalle]] auf eine Weise von der [[Reine Stimmung|reinen Stimmung]] abweichen, dass die häufig gespielten Tonarten eher reinere Terzen enthalten und die entfernten Tonarten schärfere. Werckmeisters berühmte Stimmung &amp;#039;&amp;#039;[[Werckmeister-Stimmung|Werckmeister&amp;amp;nbsp;III]]&amp;#039;&amp;#039; hat weite Verbreitung gefunden. Sie enthält von einem mitteltönig klingenden C-Dur ({{Audio|Werckmeisetriii c dur.ogg|phonos=0}}) bis hin zu einem pythagoräisch klingenden Fis-Dur ({{Audio|Werckmmeisteriii fis dur.ogg|phonos=0}}) unterschiedlich klingende Tonarten&amp;amp;nbsp;– eine Eigenschaft, die in einer nach Werckmeister „guten Stimmung“ gegeben sein muss. Das heißt, diese Stimmung erzeugt eine durchaus angestrebte, ausgeprägte [[Tonartencharakter]]istik, die durch gezielt ungleichmäßiges Stimmen der zwölf Quinten des Quintenzirkels entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Stimmungssysteme verwenden zu ihrer Definition [[rationale Zahlen]], so dass alle [[Cent (Musik)|Centangaben]] nur näherungsweise korrekt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;text-align:center; margin-left:1.6em;&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Quinten und Terzen in der Stimmung Werckmeister III{{FN|{Anm.} &amp;lt;!-- Leerzeichen erhalten --&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
! Dreiklang&lt;br /&gt;
| c-e-g || des-f-as&amp;lt;br /&amp;gt;cis-f-gis || d-fis-a || es-g-b || e-gis-h || f-a-c || fis-ais-cis&amp;lt;br /&amp;gt;ges-b-des&lt;br /&gt;
| g-h-d || as-c-es&amp;lt;br /&amp;gt;gis-c-dis || a-cis-e || b-d-f || h-dis-fis || c-e-g&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!scope=&amp;quot;row&amp;quot;| Große Terz (c-e usw.) in Cent, näherungsweise&lt;br /&gt;
| 390 || 408 || 396 || 402 || 402 || 390 || 408 || 396 || 408 || 402 || 396 || 402 || 390&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!scope=&amp;quot;row&amp;quot;| Quinte (c-g usw.) in Cent, näherungsweise&lt;br /&gt;
| 696 || 702 || 696 || 702 || 702 || 702 || 702 || 696 || 702 || 702 || 702 || 696 || 696&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:1.6em&amp;quot;&amp;gt;{{FNZ|{Anm.}|Zum Vergleich: reine große Terz≈386&amp;amp;nbsp;[[Cent (Musik)|Cent]], pythagoräische Terz≈408&amp;amp;nbsp;Cent, reine Quinte≈702&amp;amp;nbsp;Cent.}}&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Stimmung Werckmeister III sind alle Quinten des Quintenzirkels rein bis auf die 4&amp;amp;nbsp;Quinten c-g, g-d, d-a und h-fis, die um ¼&amp;amp;nbsp;Komma erniedrigt sind. Die maximale Abweichung von der reinen Quinte beträgt näherungsweise 6&amp;amp;nbsp;Cent, während bei der [[Mitteltönige Stimmung#Stimmpraxis|mitteltönigen Stimmung]] eine Wolfsquinte (Abweichung ≈37&amp;amp;nbsp;Cent) herausragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Terzen in den Akkorden kann man in drei Klassen teilen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;text-align:center; margin-left:1.6em;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Terzen&lt;br /&gt;
! Qualität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| c-e, f-a, d-fis, g-h, b-d&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;text-align:center&amp;quot;| fast rein (rein: ≈386 Cent)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| es-g, e-gis, a-cis, h-dis&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;text-align:center&amp;quot;| vergleichbar den Terzen der gleichstufigen Stimmung (=400 Cent)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des-f, ges-b, as-c&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;text-align:center&amp;quot;| pythagoräische Terz (pythagoreisch: ≈408 Cent)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;margin-left:1.6em&amp;quot;&lt;br /&gt;
| [[Datei:026bachstimmung.gif|Bachstimmung: Abbildung des Notenbildes für F-Dur Es-Dur G-Dur]]&lt;br /&gt;
| Werckmeister III: {{Audio|026werckmeister iii stimmung.ogg|phonos=0}}&amp;lt;br /&amp;gt;gleichstufig: {{Audio|026gleichstufig.ogg|phonos=0}}&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;margin-left:1.6em&amp;quot;&lt;br /&gt;
|[[Datei:Werckmeisteriii.gif|600px|Akkorde in möglichst gleicher Tonlage]]&lt;br /&gt;
{{Audio|Werckmeisteriii.ogg|phonos=0}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die vier Quinten c–g–d–a und h–fis sind um ¼ eines Kommas verengt, alle anderen sind rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier hört man den unruhigen Charakter der ersten Akkorde, die sich allmählich zu einem klaren B-Dur-F-Dur-, C-Dur-, G-Dur- und D-Dur_Akkord wandeln, um dann wieder rauer zu werden. Bei C-Dur hört man die typische Schwebung der mitteltönigen Quinte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beziehung zwischen „wohltemperiert“ und gleichstufig ==&lt;br /&gt;
Heutige Klaviere werden meist [[Gleichstufige Stimmung|gleichstufig temperiert]] (historische Begriffe dafür: gleichmäßig, gleichschwebend). Hier geht die Tonartencharakteristik verloren, da alle kleinen Sekunden möglichst gleichmäßig als lauter gleiche [[Halbton]]-Schritte gestimmt werden. Diese &amp;#039;&amp;#039;gleichmäßige zwölfstufige Temperatur&amp;#039;&amp;#039; kannte Werckmeister von [[Gioseffo Zarlino]], dessen geometrische [[Monochord]]-Konstruktion von 1588 er zitierte. Zarlino beschrieb sie aber als [[Lautenstimmung]], die schon lange vor ihm im frühen 16.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert wohlbekannt war. In Werckmeisters Generalbassschule von 1698 kommt sie ausdrücklich als Grenzfall vor. In seinem 1707 posthum erschienenen Werk &amp;#039;&amp;#039;Musicalische Paradoxal-Discourse&amp;#039;&amp;#039; empfiehlt Werckmeister die gleichschwebende Stimmung sogar emphatisch, da sie „ein Vorbild seyn kan, wie alle fromme und wohl temperirte Menschen mit Gott in stetswährender gleicher und ewiger Harmonia leben und jubiliren werden.“&amp;lt;ref&amp;gt;Andreas Werckmeister: &amp;#039;&amp;#039;Musicalische Paradoxal-Discourse.&amp;#039;&amp;#039; Calvisius, Quedlinburg 1707, S.&amp;amp;nbsp;110 ({{Google Buch|BuchID=SiBDAAAAcAAJ|Seite=110|Linktext=Ansicht}}).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Gleichstufigkeit übernahmen später andere Temperatur-Theoretiker wie [[Georg Andreas Sorge]] (1744). Die gleichstufige Stimmung wurde jedoch wegen der Einebnung der Tonartencharakteristik und wegen bis dahin nicht befriedigend gelöster stimmtechnischer Probleme{{FN|&amp;amp;lowast;}} von verschiedenen Theoretikern abgelehnt, etwa von [[Johann Philipp Kirnberger]], der ab 1766 eigene, ungleichmäßige wohltemperierte Stimmungen entwarf, die sich wesentlich schneller auf Tasteninstrumenten anwenden ließen.&lt;br /&gt;
{{FNBox|&lt;br /&gt;
  {{FNZ|&amp;amp;lowast;|Die gleichstufige Stimmung ließ sich exakt erst seit 1917 mit physikalischen Methoden verwirklichen.}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die weit verbreitete Behauptung (etwa im &amp;#039;&amp;#039;[[Brockhaus Enzyklopädie|Brockhaus]]&amp;#039;&amp;#039;), der Begriff &amp;#039;&amp;#039;wohltemperierte Stimmung&amp;#039;&amp;#039; sei mit der gleichstufigen Stimmung identisch, ist unzutreffend. Ebenso unzutreffend ist es, die gleichstufige Stimmung aus dem Kanon der wohltemperierten Stimmungen auszuschließen, da Werckmeister sie in seinem letzten Werk ja ausdrücklich zumindest für „wohl temperirte Menschen“ empfiehlt. Das bekannte Werk &amp;#039;&amp;#039;[[Das Wohltemperierte Klavier]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Johann Sebastian Bach]] (1685–1750) diente nicht der Demonstration der gleichstufigen Stimmung, sondern vielmehr einer Systematik, die darauf abzielte, in allen Tonarten des Quintenzirkels zu komponieren. Da Bach den Begriff „wohltemperiert“ verwendet, ist der Bezug zu Werckmeister hergestellt. Deutlich ist, dass Bach keine gleichstufige Stimmung meinte; wie seine Stimmung exakt aussah, bleibt jedoch kontrovers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hypothesen zur Wohltemperierten Stimmung bei J.S. Bach ==&lt;br /&gt;
Mit der Entwicklung von &amp;#039;&amp;#039;wohltemperierten&amp;#039;&amp;#039; Stimmungen konnte Bach für besaitete Tasteninstrumente in allen Tonarten des gesamten Quintenzirkels komponieren, was bisher mit den mitteltönigen Stimmungen unmöglich war. Bachs Leipziger Kirchenmusik scheint hingegen weiterhin von mitteltönig gestimmten Orgeln begleitet worden zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Herbert Kelletat]]: &amp;#039;&amp;#039;Zur musikalischen Temperatur: I.&amp;amp;nbsp;Johann Sebastian Bach und seine Zeit&amp;#039;&amp;#039;. 2.&amp;amp;nbsp;Auflage. Merseburger, Berlin/Kassel 1981, ISBN 3-87537-156-9, S.&amp;amp;nbsp;24.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Johann Nikolaus Forkel]] berichtet, dass Bach sein [[Clavichord]] in weniger als 15&amp;amp;nbsp;Minuten stimmte: {{&amp;quot;|Text=Auch stimmte er so wohl den Flügel als sein Clavichord selbst, und war so geübt in dieser Arbeit, daß&amp;lt;!-- historische Rechtschreibung --&amp;gt; sie ihm nie mehr als eine Viertelstunde kostete.|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;In: Johann Nicolaus Forkel: &amp;#039;&amp;#039;Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke&amp;#039;&amp;#039;. Leipzig 1802. Nachdruck Kassel/Basel 1974, S.&amp;amp;nbsp;17 ({{Zeno-Werk|1=Musik/M/Forkel,+Johann+Nikolaus/%C3%9Cber+Johann+Sebastian+Bachs+Leben,+Kunst+und+Kunstwerke/3.?hl=Viertelstunde|2=Digitalisat}}).&amp;lt;/ref&amp;gt;}} Wie Bach genau gestimmt hat, lässt sich aus dem kontroversen Streit zwischen [[Johann Philipp Kirnberger|Kirnberger]] und [[Friedrich Wilhelm Marpurg]] (1718–1795) nicht sicher erschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bach loops.png|mini|hochkant=2|Deutung der Girlande des Titelblatts: Je mehr Schleifen, um so enger die Quinten im Quintenzirkel]]&lt;br /&gt;
Umstritten ist die&amp;amp;nbsp;– für manche bestechend einleuchtende&amp;amp;nbsp;– Deutung der Girlande auf dem Titelblatt von Bachs &amp;#039;&amp;#039;[[Das Wohltemperierte Klavier|Wohltemperiertem Klavier]]&amp;#039;&amp;#039;, I.&amp;amp;nbsp;Teil, 1722 als Vorschrift zum Stimmen des Quintenzirkels von Andreas Sparschuh.&amp;lt;ref&amp;gt;Vortrag auf der Jahrestagung 1999 der [[Deutsche Mathematiker-Vereinigung|Deutschen Mathematiker-Vereinigung]] in Mainz. Quelle: Andreas Sparschuh: &amp;#039;&amp;#039;Stimm-Arithmetik des wohltemperierten Klaviers von J.S. Bach.&amp;#039;&amp;#039; In: Deutsche Mathematiker-Vereinigung Jahrestagung 1999, S.&amp;amp;nbsp;154–155.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierzu sollen die Schleifen in den Kringeln Hinweise geben, die Quinten entsprechend enger zu nehmen, wie dies für wohltemperierte Stimmungen typisch ist. Für Bradley Lehman ist dies der [[Stein von Rosette]] für das Stimmungsproblem bei Bach. Allerdings gibt es zu diesem Thema viele kontroverse Interpretationsmöglichkeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Weblinks zu diesem umstrittenen Thema:&lt;br /&gt;
* Bradley Lehman: [https://www.larips.com/ &amp;#039;&amp;#039;Johann Sebastian Bach’s tuning&amp;#039;&amp;#039;] (englisch).&lt;br /&gt;
* John Charles Francis: (alle englisch:) [https://www.eunomios.org/contrib/francis6/francis6.pdf &amp;#039;&amp;#039;Bach’s Well Tempered Tuning&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 707&amp;amp;nbsp;kB), [https://www.eunomios.org/contrib/francis5/francis5.pdf &amp;#039;&amp;#039;Tuning Interpretation of Bach’s‘1722. Seal’ as Beats Per Second&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 237&amp;amp;nbsp;kB), [https://www.eunomios.org/contrib/francis3/francis3.pdf &amp;#039;&amp;#039;Das Wohltemperirte Clavier. Pitch, Tuning and Temperament Design&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 1,2&amp;amp;nbsp;MB); auch als: {{Bach Cantatas|Art|Das_Wohltemperirte_Clavier|&amp;#039;&amp;#039;Das Wohltemperirte Clavier&amp;#039;&amp;#039;}} Schweiz, 2005&lt;br /&gt;
* von Daniel Jencka, 2006&lt;br /&gt;
* Ross W. Duffin: &amp;#039;&amp;#039;How Equal Temperament Ruined Harmony (And Why You should Care)&amp;#039;&amp;#039;. Verlag W.W. Norton&amp;amp;Company, New York/London 2007, S.&amp;amp;nbsp;148 [https://kilchb.de/rein_duffin.php Auszug] (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Historische Abhandlungen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* [[Johann Philipp Kirnberger]]:&lt;br /&gt;
** &amp;#039;&amp;#039;Construction der gleichschwebenden Temperatur.&amp;#039;&amp;#039; Berlin 1760.&lt;br /&gt;
** &amp;#039;&amp;#039;Die Kunst des reinen Satzes in der Musik&amp;#039;&amp;#039;. Königsberg 1774&lt;br /&gt;
* [[Johann Georg Neidhardt]]:&lt;br /&gt;
** &amp;#039;&amp;#039;Beste und leichteste Temperatur der Monochordi, vermittelst welcher das heutiges Tages Bräuchliche Genius Diatonico-Chromaticum also eingerichtet wird/ daß alle Intervalla, nach gehöriger Proportion, einerley Schwebung überkommen/ und sich daher die Modi regularis in alle und iede Claves, in einer angenehmen Gleichheit/ transponiren lassen.&amp;#039;&amp;#039; Jena 1706.&lt;br /&gt;
**&amp;#039;&amp;#039;Sectio Canonis harmonici.&amp;#039;&amp;#039; Königsberg 1724.&lt;br /&gt;
* [[Andreas Werckmeister]]:&lt;br /&gt;
** &amp;#039;&amp;#039;Orgel-Probe oder kurtze Beschreibung&amp;amp;nbsp;… wie durch Anweiss und Hülffe des Monochordi ein Clavier wohl zu temperiren und zu stimmen sey&amp;amp;nbsp;…&amp;#039;&amp;#039; Frankfurt/Leipzig 1681&lt;br /&gt;
** &amp;#039;&amp;#039;Musicalische Temperatur&amp;#039;&amp;#039;. Quedlinburg 1691.&lt;br /&gt;
** &amp;#039;&amp;#039;Die notwendigsten Anmerkungen und Regeln wie der Bassus continuus oder Generalbaß wol könne tractieret werden&amp;#039;&amp;#039;. Aschersleben 1698.&lt;br /&gt;
** &amp;#039;&amp;#039;Musicalische Paradoxal-Discourse.&amp;#039;&amp;#039; Calvisius, Quedlinburg 1707 ({{Digitalisat|MDZ=10527832|SZ=5}} im [[Münchener Digitalisierungszentrum|MDZ]]).&lt;br /&gt;
* Giuseppe Zarlino: &amp;#039;&amp;#039;Sopplimenti musicali&amp;#039;&amp;#039;. Venedig 1588.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Neuere Fachliteratur&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* [[Alfred Dürr]]: &amp;#039;&amp;#039;Johann Sebastian Bach – Das Wohltemperierte Klavier.&amp;#039;&amp;#039; Bärenreiter, Kassel 1998, ISBN 3-7618-1229-9.&lt;br /&gt;
* Jürgen Grönewald: &amp;#039;&amp;#039;Hat Johann Sebastian Bach gleichschwebend gestimmt?&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Ars Organi]].&amp;#039;&amp;#039; 57, 2009, Heft&amp;amp;nbsp;1, S.&amp;amp;nbsp;38–41.&lt;br /&gt;
* [[Herbert Kelletat]]: &amp;#039;&amp;#039;Zur musikalischen Temperatur.&amp;#039;&amp;#039; Edition Merseburger, Kassel 1981–1994.&lt;br /&gt;
** Teil&amp;amp;nbsp;I: &amp;#039;&amp;#039;Johann Sebastian Bach und seine Zeit&amp;#039;&amp;#039; (ISBN 3-87537-156-9);&lt;br /&gt;
** Teil&amp;amp;nbsp;II: &amp;#039;&amp;#039;Wiener Klassik&amp;#039;&amp;#039; (ISBN 3-87537-187-9);&lt;br /&gt;
** Teil&amp;amp;nbsp;III: &amp;#039;&amp;#039;Franz Schubert&amp;#039;&amp;#039; (ISBN 3-87537-239-5).&lt;br /&gt;
* [[Mark Lindley]]: &amp;#039;&amp;#039;Stimmung und Temperatur.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Frieder Zaminer]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Musiktheorie.&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;6: &amp;#039;&amp;#039;Hören, Messen und Rechnen in der frühen Neuzeit.&amp;#039;&amp;#039; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1987, ISBN 3-534-01206-2, S.&amp;amp;nbsp;109–332.&lt;br /&gt;
* Mark Lindley, Ibo Ortgies: &amp;#039;&amp;#039;Bach-Style Keyboard Tuning.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Early Music.&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;34, Nr.&amp;amp;nbsp;4, November 2006, {{ISSN|0306-1078}}, S.&amp;amp;nbsp;613–623 (englisch).&lt;br /&gt;
* Wilfried Neumaier: &amp;#039;&amp;#039;Was ist ein Tonsystem? Eine historisch-systematische Theorie der abendländischen Tonsysteme, gegründet auf die antiken Theoretiker Aristoxenos, Eukleides und Ptolemaios, dargestellt mit Mitteln der modernen Algebra.&amp;#039;&amp;#039; Lang, Frankfurt am Main u.&amp;amp;nbsp;a. 1986, ISBN 3-8204-9492-8 (&amp;#039;&amp;#039;Quellen und Studien zur Musikgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart&amp;#039;&amp;#039; 9), (zugleich: Tübingen, Univ., Diss., 1985).&lt;br /&gt;
* [[Ibo Ortgies]]: &amp;#039;&amp;#039;Temperatur.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Siegbert Rampe]]: &amp;#039;&amp;#039;Bachs Klavier- und Orgelwerke. Das Handbuch.&amp;#039;&amp;#039; Teilband&amp;amp;nbsp;2&amp;amp;nbsp;= Band&amp;amp;nbsp;4,&amp;amp;nbsp;2. Laaber-Verlag, Laaber 2008, ISBN 978-3-89007-459-7, S.&amp;amp;nbsp;623–640 (&amp;#039;&amp;#039;Bach-Handbuch.&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;4,&amp;amp;nbsp;2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://www.fres.ch/bd/content/music/bach.html Vergleich verschiedener wohltemperierter Stimmungen]&lt;br /&gt;
* [https://kilchb.de/linkmusik.php Wohltemperierte und andere Stimmungen kurz mit Hörbeispielen erklärt]&lt;br /&gt;
* [https://www.sengpielaudio.com/Rechner-centfrequenz.htm Intervall-Umrechnung&amp;amp;nbsp;– Frequenzverhältnis (ratio)&amp;amp;nbsp;– Frequenz nach cent und cent nach Frequenz]&lt;br /&gt;
* [https://home.deds.nl/~broekaert/Wohltemperiert.html „Wohltemperiert, laut Werckmeister-Definition“]&lt;br /&gt;
* [[Willem Kroesbergen]], Andrew Cruickshank&amp;lt;!-- nicht Andrew John Maxton Cruickshank --&amp;gt;: [https://docslib.org/doc/1186965/18th-century-quotations-relating-to-j-s-bachs-temperament &amp;#039;&amp;#039;18th Centure Quotes relating to J.S. Bach’s Temperament&amp;#039;&amp;#039;] (englisch)&lt;br /&gt;
* Dominic Eckersley: [https://dominiceckersley.me/wp-content/uploads/2013/04/rosetta_revisited.pdf &amp;#039;&amp;#039;Rosetta Revisited: Bach’s Very Ordinary Temperament&amp;#039;&amp;#039;] (englisch; PDF, 5,3&amp;amp;nbsp;MB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Navigationsleiste Stimmungen (Musik)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stimmung (Tasteninstrumente)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Thomas Dresler</name></author>
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