<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://demowiki.knowlus.com/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Nation</id>
	<title>Nation - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://demowiki.knowlus.com/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Nation"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://demowiki.knowlus.com/index.php?title=Nation&amp;action=history"/>
	<updated>2026-05-14T14:56:03Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Demo Wiki</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.44.2</generator>
	<entry>
		<id>https://demowiki.knowlus.com/index.php?title=Nation&amp;diff=11090&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Khatschaturjan: /* Politikwissenschaftlicher Begriff */</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://demowiki.knowlus.com/index.php?title=Nation&amp;diff=11090&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2025-04-24T07:28:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Politikwissenschaftlicher Begriff&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|behandelt den sozialwissenschaftlichen Begriff. Zu weiteren Bedeutungen siehe [[Nation (Begriffsklärung)]].}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Nation&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (um 1400 ins [[Deutsche Sprache|Deutsche]] übernommen, von {{laS|natio}}, „[[Volk]], [[Sippe|Sippschaft]], Herkunft“ oder „Geburt“, ursprünglich für eine „Geburtsgemeinschaft“,&amp;lt;ref&amp;gt;Hans-Jürgen Lüsebrink: &amp;#039;&amp;#039;L’Etat-Nation/Staatsnation. Zur frühmodernen Genese und postmodernen Infragestellung des Nationalen&amp;#039;&amp;#039;. In: Rainer Hudemann, Manfred Schmeling (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die ‚Nation‘ auf dem Prüfstand/La ‚Nation‘ en question / Questioning the ‚Nation‘&amp;#039;&amp;#039;. Akademie Verlag, Berlin 2009, S.&amp;amp;nbsp;3.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeleitet vom Verb &amp;#039;&amp;#039;nasci&amp;#039;&amp;#039;, „geboren werden“)&amp;lt;ref&amp;gt;{{Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache |Stichwort=Nation |Abruf=2020-02-11}}&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet größere [[Soziale Gruppe|Gruppen]] oder [[Kollektiv]]e von Menschen, denen gemeinsame Merkmale wie [[Sprache]], [[Tradition]], [[Sitte]]n, [[Brauch|Bräuche]] oder [[Abstammung]] zugeschrieben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Begriffsdefinition ist jedoch empirisch inadäquat, da zum Beispiel nach Ansicht von [[Eric Hobsbawm]] &amp;#039;&amp;#039;keine&amp;#039;&amp;#039; Nation diese Definition vollumfänglich erfüllt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eric J. Hobsbawm: &amp;#039;&amp;#039;Nationen und Nationalismus: Mythos und Realität seit 1780.&amp;#039;&amp;#039; Campus, Frankfurt am Main 2005, S.&amp;amp;nbsp;16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Daneben wird die Bezeichnung auch allgemeinsprachlich als [[Synonym]] für die Bezeichnungen &amp;#039;&amp;#039;[[Staat]]swesen&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Volk&amp;#039;&amp;#039; gebraucht, von denen &amp;#039;&amp;#039;Nation&amp;#039;&amp;#039; in der wissenschaftlichen Darstellung getrennt wird. Die zugeschriebenen kulturellen Eigenschaften können dabei als der [[Nationalcharakter]] eines Volkes oder einer [[Volksgemeinschaft]] dargestellt werden. Der Begriff „Nation“ erweist sich als ein Konstrukt, das wirksam wird, indem Menschen sich handelnd auf ihn beziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Benedict Anderson: &amp;#039;&amp;#039;Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts.&amp;#039;&amp;#039; 2., um ein Nachw. erw. Aufl., Campus, Frankfurt am Main/New York 2005, ISBN 978-3-593-37729-2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Bürgertum|vorbürgerlichen]] Zeit wurden an den ersten [[Universität]]en die Studenten aus bestimmten europäischen Regionen als jeweilige Nation (&amp;#039;&amp;#039;[[nationes]]&amp;#039;&amp;#039;) kategorisiert (z.&amp;amp;nbsp;B. germanische Nation&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www2.bsz-bw.de/depot/media/3400000/3421000/3421308/00_0304.html &amp;#039;&amp;#039;Natio Germanica Bononiae&amp;#039;&amp;#039;], abgerufen am 27. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;). Die staatsbezogene Nationsentwicklung, bei der die (eigentlich verschiedenen) Begriffe &amp;#039;&amp;#039;Staat&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Nation&amp;#039;&amp;#039; miteinander verbunden bzw. gleichgesetzt wurden, geschah zu Beginn des bürgerlichen Zeitalters und der [[Moderne]]. Vor diesem Hintergrund ist zwischen &amp;#039;&amp;#039;Staat&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Nation&amp;#039;&amp;#039; (Kulturnation) und &amp;#039;&amp;#039;[[Nationalstaat]]&amp;#039;&amp;#039; zu unterscheiden. Nur in einem Nationalstaat fällt das Staatsgebilde mit dem Begriff der Nation zusammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Duden, &amp;#039;&amp;#039;Deutsches Universalwörterbuch&amp;#039;&amp;#039;, 5. Auflage, Bibliographisches Institut &amp;amp; F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2003, Stichwort „Nationalstaat“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Nationsbegriff hat Bedeutung für den [[völkerrecht]]lichen und den politischen Bereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Näheres ==&lt;br /&gt;
Für politische Kollektive, die sich wie in der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] (1789–1799) in der Nationalversammlung zu einer Nation als [[Staat]] mit einer [[Verfassung]] konstituieren, bestehen Begriffe wie [[Willensnation]] oder [[Staatsnation]]. &amp;#039;&amp;#039;Staat&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Nation&amp;#039;&amp;#039; werden hier synonym verwendet. Statt ethnischer Konstruktionen dienen hier vor allem gemeinsame Ideale wie „[[Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit]]“ als Grundlage, die das [[Gemeinwesen]] der Nation willentlich zusammenhält. In diesem Zusammenhang wurde auch postuliert, dass territoriale oder sonstige partikulare Gruppenbindungen abgestreift werden müssten, um die Schaffung einer gemeinsamen Nation zu ermöglichen. Die Zugehörigkeit zur Nation wurde hier häufig an ein [[Emanzipation]]sversprechen und einen Zwang zur [[Assimilation (Soziologie)|Assimilation]] geknüpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Willensnation mit einem heterogenen [[Staatsvolk]] gilt insbesondere die [[Schweiz|Schweizerische Eidgenossenschaft]], die aus deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Bevölkerungsgruppen besteht. Eine &amp;#039;&amp;#039;[[Ethnie|ethnische]] Nation&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;[[#Kulturnation|Kulturnation]]&amp;#039;&amp;#039; bildet dagegen nicht zwingend ein einheitliches Staatsvolk, da auch ein überstaatlicher Kulturraum wie beispielsweise der arabische Sprach- und Kulturraum als nationaler Identifikationshorizont dienen kann. Menschen, die eine ethnische Nation bilden, werden auch im [[Ethnologie|ethnologischen]] Sinn als [[Volk]] angesprochen. Dies kann neben den Ethnien oder Nationalitäten von [[Vielvölkerstaat]]en auch für [[ethnische Minderheit]]en innerhalb von Nationalstaaten zutreffen, beispielsweise die [[Tschuktschen]] innerhalb [[Russland]]s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[soziale Konstruktion]] der Nation zeigt sich an einer Reihe von Widersprüchen. Beispielsweise kann die Sprache nicht immer als nationales Definitionsmerkmal herangezogen werden. So bilden z.&amp;amp;nbsp;B. die [[Deutschsprachige Länder|deutschsprachigen Länder]] keine gemeinsame Nation. Auch Staaten wie [[Brasilien]] und [[Portugal]] sind trotz kultureller Zugehörigkeit zur [[Lusophonie]] keine gemeinsame Nation, weil sie unterschiedliche Staatsbildungsprozesse (→&amp;amp;nbsp;[[Nationenbildung]], [[Staatenbildung]]) erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsgeschichte ==&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Natio&amp;#039;&amp;#039; bezeichnete im Lateinischen ursprünglich eine Gemeinschaft von Menschen gleicher Herkunft, daran anschließend eine durch gemeinsame Sprache, [[Sitte]]n und [[Brauchtum|Bräuche]] kenntliche Gemeinschaft, und zwar im römischen Sprachgebrauch zunächst als Fremdbezeichnung für ein fremdartiges eingewandertes Volk, das mit der einheimischen [[Bevölkerung]] lebt. Mit dem &amp;#039;&amp;#039;[[Ius gentium]]&amp;#039;&amp;#039; wurde für den Umgang mit Menschen, die nicht das [[Römisches Bürgerrecht|römische Bürgerrecht]] besaßen, eine eigene Rechtsgrundlage geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anknüpfend an den römischen Sprachgebrauch, sind im christlichen Latein die ‚nationes‘ oder ‚gentes‘ in erster Linie die nichtjüdischen [[Heidentum|Heidenvölker]], als Anhänger heidnischer [[Kult]]e oder als bekehrungswillige Heiden, die mit den jüdischen Christen das Evangelium annehmen und mit ihnen die Gemeinschaft der [[Kirche (Organisation)|Kirche]] bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der mittelalterlichen Universität mussten sich die [[Student]]en nach ihren Herkunftsländern in [[Nationes]] mit eigenen [[Kodifikation|Statuten]] und [[Prokurator]]en einschreiben. Diese Universitätsnationen, meist gab es davon vier, wurden nach den wichtigsten Herkunftsgebieten der örtlichen Studenten benannt. An der [[Sorbonne|Pariser Universität]] wurden die &amp;#039;&amp;#039;nationes gallicorum, normannorum, picardorum&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;anglicorum&amp;#039;&amp;#039; unterschieden, wobei zur „gallischen“ auch die Italiener, Spanier, Griechen und Orientalen zählten und zur „englischen“ auch die Deutschen und ihre nördlichen und östlichen Nachbarvölker. An der [[Karls-Universität Prag|Prager Universität]] gehörten zur „polnischen“ Nation neben den Studenten aus dem [[Königreich Polen]] auch die Studenten der östlichen Reichsteile, zur „böhmischen“ auch [[Magyaren|Ungarn]] und [[Südslawen]], zur „bairischen“ außer den [[Bajuwaren]] die [[Schwaben]], [[Franken (Volk)|Franken]], [[Hessen]], [[Rheinländer (Bevölkerungsgruppe)|Rheinländer]] und [[Westfalen]] sowie zur „sächsischen“ die [[Norddeutschland|Norddeutschen]], [[Dänen]], [[Schweden (Ethnie)|Schweden]] und [[Finnen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Selbstbezeichnung für ein Volk mit politisch-staatlicher Einheit und einer durch gemeinsame [[Vorfahr]]en und Geschichte begründeten Eigenart gewinnt der Begriff &amp;#039;&amp;#039;nation&amp;#039;&amp;#039; im Französischen seit dem 16. Jahrhundert an Bedeutung, die sich im 18. Jahrhundert dann mit der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] unter Betonung der Gesamtheit und [[Volkssouveränität|Souveränität des Staatsvolkes]] gegenüber ständischen und partikularen Ansprüchen auf staatliche Hoheit auch in den übrigen europäischen Sprachen verbreitet. Infolge der Revolution und wachsender Bevölkerungszahlen entfaltete die Idee der Nation als ein Gesamtstaat eine hohe Dynamik, die anfangs gegen [[Autokratie|autokratischen]] [[Feudalismus]], wirtschaftlich und politisch einengende [[Kleinstaaterei]] und landsmannschaftliches Denken (deutsche Fürstenstaaten beziehungsweise deutscher Sprach- und Kulturraum) oder aber gegen imperiale fremde Herrschaft ([[Vielvölkerstaat]]en [[Russisches Kaiserreich|Russland]], [[Österreich-Ungarn]]) gerichtet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Johann Christoph Adelung]] beschreibt in seinem Standardwerk &amp;#039;&amp;#039;[[Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart]]&amp;#039;&amp;#039; am Ende des 18. Jahrhunderts den Begriff Nation als „die eingebornen Einwohner eines Landes, so fern sie einen gemeinschaftlichen Ursprung haben, und eine gemeinschaftliche Sprache reden, sie mögen übrigens einen einzigen Staat ausmachen, oder in mehrere vertheilet seyn […] Auch besondere Zweige einer solchen Nation, d.&amp;amp;nbsp;i. einerley Mundart redende Einwohner einer Provinz, werden zuweilen Nationen genannt, in welchem Verstande es auf den alten Universitäten, wo die Glieder nach Nationen vertheilet sind, üblich ist […] Ehe dieses Wort aus dem Lateinischen entlehnet wurde, gebrauchte man Volk für Nation, in welchem Verstande es auch noch von alten Nationen üblich ist. Wegen der Vieldeutigkeit dieses Wortes aber hat man es in dieser Bedeutung großen Theils verlassen und Völkerschaft für Nation einzuführen gesucht, welches Wort auch bereits Beyfall gefunden“. Für das &amp;#039;&amp;#039;[[Deutsches Wörterbuch|Deutsche Wörterbuch]]&amp;#039;&amp;#039; der [[Brüder Grimm]] ist die Nation „das (eingeborne) volk eines landes, einer groszen staatsgesamtheit“. Der Begriff ist demnach „seit dem 16. Jahrh. aus dem [[Französische Sprache|franz.]] nation, [[Italienische Sprache|ital.]] nazione (vom lat. natio)“ in die deutsche Sprache aufgenommen worden. Ähnlich sind die Begriffsbestimmungen in der etwa zeitgleich entstandenen &amp;#039;&amp;#039;[[Oeconomische Encyclopädie|Oeconomischen Encyclopädie]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Johann Georg Krünitz]] und, sehr viel umfangreicher, in dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen &amp;#039;&amp;#039;[[Meyers Konversations-Lexikon]]&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner berühmten Rede von 1882 &amp;#039;&amp;#039;Qu’est-ce qu’une nation?&amp;#039;&amp;#039; benannte [[Ernest Renan]] Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als die Faktoren, die das &amp;#039;&amp;#039;principe spirituel&amp;#039;&amp;#039; der Nation konstituieren. Ein Volk bilde eine Nation nicht wegen einer gemeinsamen Rasse, Sprache oder Religion, nicht wegen gemeinsamer Interessen oder wegen der Geographie, sondern vielmehr aufgrund gemeinsamer Erinnerungen an die Vergangenheit sowie aufgrund des Wunsches, gegenwärtig und künftig zusammenzuleben. Insofern sei die Nation ein tägliches [[Plebiszit]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Ernest Renan |Titel=Qu’est-ce qu’une nation? Conférence fait en Sorbonne, le 11 mars 1882 |Hrsg=Henriette Psichari |Sammelwerk=Œuvres complètes de Ernest Renan |Band=1 |Ort=Paris |Datum=1947 |Seiten=895–905}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sozialwissenschaftlicher Begriff ==&lt;br /&gt;
Im [[Sozialwissenschaften|sozialwissenschaftlichen]] Kontext wird der Begriff auf sehr unterschiedliche Weise verwendet. Die marxistische und die liberale Gesellschaftstheorie ignorieren weitgehend das Problem der Nation; es stellt für sie eine Art „Anomalie“ dar oder sie setzen die historische Existenz der Nationen einfach voraus, z.&amp;amp;nbsp;B. wenn [[Karl Marx]] im [[Kommunistisches Manifest|Kommunistischen Manifest]] davon ausgeht, dass das Proletariat sich zunächst mit der je nationalen Bourgeoisie auseinanderzusetzen hat, bevor es sich vereinigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Benedict Anderson: &amp;#039;&amp;#039;Imagined Communities&amp;#039;&amp;#039;. 2. Aufl., London/New York 1991, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Sozialwissenschaftler begreifen die Nation z.&amp;amp;nbsp;B. als gewollte [[Gemeinschaft und Gesellschaft|Gesellschaft]] (so [[Ferdinand Tönnies]]), als „kulturelles Artefakt“ in Form einer vorgestellten [[Gemeinschaft]], deren Mitglieder sich nicht gegenseitig kennen (&amp;#039;&amp;#039;imagined political community&amp;#039;&amp;#039;, [[Benedict Anderson]]),&amp;lt;ref&amp;gt;Anderson 1991, S. 4 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; als auf [[Primordiale Bindungen|primordialen Bindungen]] beruhende [[Soziale Gruppe|Gruppe]] (vgl. [[Clifford Geertz]]), ferner als historisch kontingentes Konzept (vgl. [[Rogers Brubaker]]) oder auch als Kombination vorstehender Begriffe (vgl. [[Anthony D. Smith]]). [[Ernest Gellner]] wiederum argumentiert: „Nationalism […] invents nations where they do not exist“ und verweist den Begriff damit in die Nähe des Irrealen, Eingebildeten, Ideologischen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernest Gellner: &amp;#039;&amp;#039;Thought and Change&amp;#039;&amp;#039;, Weidenfeld &amp;amp; Nicolson, 1965, S.&amp;amp;nbsp;169.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der auf das 18./19. Jahrhundert spezialisierte Historiker und Nationalismusforscher [[Otto Dann]] definiert Nation sowohl historisch als auch [[Teleologie|teleologisch]] als Gesellschaft, die „eine politische Willensgemeinschaft“ bilde. Sie wurzele in einer gemeinsamen historischen Erfahrung und verstehe sich als [[Solidargemeinschaft]]. Alle Mitglieder einer Nation seien [[Gleichheitssatz|rechtlich gleichgestellt]] und teilten einen Grundkonsens über die gemeinsame [[politische Kultur]]. Als Substrat liege jeder Nation ein bestimmtes [[Territorium]] zugrunde, das sogenannte [[Vaterland]]. Hauptziel jeder Nation sei der [[Nationalstaat]], in dem sie eigenverantwortlich die Lebensverhältnisse ihrer Bürger gestalten könne ([[Souveränität]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Dieter Langewiesche]]: &amp;#039;&amp;#039;Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa&amp;#039;&amp;#039;. C.H. Beck, München 2000, S. 39&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein solches Verständnis, das von der Bildung der europäischen Nationalstaaten ausgeht, kritisiert Anderson, wenn er argumentiert, dass Nation und Nationalismus inkohärente und philosophisch schlecht begründete Begriffe sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Anderson 1991, S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er wendet sich jedoch auch gegen Gellners Kritik des Nationenbegriffs: Entscheidend sei nicht, ob eine Nation „echt“ oder eingebildet sei, sondern in welcher Form sie imaginiert werde, z.&amp;amp;nbsp;B. als Verwandtschaftssystem wie im alten [[Mataram|Königreich Java]]. Der Nationenbegriff sei also nur scheinbar universalistisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Anderson 1991, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politikwissenschaftlicher Begriff ==&lt;br /&gt;
Für einen politischen Zusammenschluss von Menschen, die keiner gemeinsamen [[Abstammung]]s-, [[Kultur]]- oder [[Sprachgemeinschaft]] angehören, wäre grundsätzlich auch ein [[Staat]] denkbar, der sich nicht auf die nationale Zusammengehörigkeit seines Staatsvolks beruft. Trotzdem wird auch hier in den meisten Fällen zusätzlich eine Zusammengehörigkeit als Nation postuliert. Damit soll der einheitsstiftende Charakter eines geeinten, politisch [[Souveränität|souverän]] organisierten und geordneten Staatswesens als soziopsychologisch prägender Lebens- und Wohnraum seiner Bürger hervorgehoben werden. In klassischen Vielvölkerstaaten, in denen definitionsgemäß verschiedene Nationalitäten ihre Heimat haben, entstehen in diesem Kontext oftmals spannungsreiche Gegensätze unterschiedlicher und teils konkurrierender nationaler Identitäten, um deren einvernehmliche Aufhebung man sich mit unterschiedlichen Lösungsstrategien ([[Teilautonomie]], [[Parität (Politik)|Paritätsmodelle]] u.&amp;amp;nbsp;Ä.) bemüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Frankreich]], einem [[Zentralismus|zentralistischen]] Staat, versucht man unter dem Sinnbild der [[Grande Nation]], die [[Ständeordnung|Stände]], aber auch die [[Autonomie (Politikwissenschaft)|autonomen]] Bestrebungen der Regionen, der Dynasten und ethnischen [[Volksgruppe]]n wie z.&amp;amp;nbsp;B. der [[Bretonen]], [[Korsen]], [[Basken]] und [[Elsass|Elsässer]] in den französischen Staat zu integrieren; teilweise wurde versucht, deren [[Muttersprache]]n durch die französische Staatssprache zu ersetzen. Heute tritt deren Pflege wieder sehr hervor. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise der Mehrvölkerstaat [[Schweiz]], die sich als sogenannte [[Willensnation]] versteht und deren Bewohner sich verschiedenen Sprachgemeinschaften zuordnen (die Schweiz besteht aus deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Gemeinden). Einwanderungsländern wie [[Kanada]], [[Vereinigte Staaten|USA]] oder [[Argentinien]] fehlen etliche typische Merkmale der historisch sehr viel älteren europäischen Nationen, trotzdem nehmen sie diesen Begriff sehr dezidiert für sich in Anspruch. Die [[Indianer Nordamerikas]] sehen sich zunehmend staatsunabhängigen‚ indianischen Nationen zugehörig.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Christian F. Feest]] |Titel=Kulturen der nordamerikanischen Indianer |Verlag=Könemann |Ort=Köln |Datum=2000 |Seiten=22–23}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturnation und Staatsnation nach Meinecke ===&lt;br /&gt;
An der Gegenüberstellung der [[Ideengeschichte]] [[Deutschland]]s und Frankreichs des 19. Jahrhunderts entwickelte [[Friedrich Meinecke]] die Klassifizierung von [[Mitteleuropa|mitteleuropäischer]] Kulturnation und [[Westeuropa|westeuropäischer]] Staatsnation.&amp;lt;ref&amp;gt;Anja Stukenbrock: &amp;#039;&amp;#039;Sprachnationalismus. Sprachreflexion als Medium kollektiver Identitätsstiftung in Deutschland (1617–1945)&amp;#039;&amp;#039; (=&amp;amp;nbsp;&amp;#039;&amp;#039;Studia Linguistica Germanica&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 74), Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 978-3-11-090132-0, S. 50&amp;amp;nbsp;f. (abgerufen über [[Verlag Walter de Gruyter|De Gruyter]] Online); Peter Alter: &amp;#039;&amp;#039;Nationalismus. Ein Essay über Europa.&amp;#039;&amp;#039; Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-520-71301-8, S. 40&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturnation ====&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Kulturnation}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kulturnation ist ein sehr nachhaltiges Konzept der Nation, da sie den Sprach- und Kulturraum ([[Sprache]] und [[Tradition]]) eines Volkes beschreibt. Nation ist dann die durch die Geschichte bewahrte Einheit in Sprache, Kultur und Traditionen (siehe [[Volk]]sbegriff). Sie lässt sich nicht durch territoriale Grenzen definieren, sondern verbindet sich beispielsweise mit [[Nationaldenkmal|Nationaldenkmälern]], [[Nationalheld]]en, einer [[Nationalhymne]] und einer [[Nationalallegorie]] als Identifikationsangeboten. Die Einheit der nationalen Sprache wird meist durch eine [[Nationalliteratur]] geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nation wird dann eher [[Ethnie|ethnisch]] [[Homogenität (Soziologie)|homogen]] (als &amp;#039;&amp;#039;Volk&amp;#039;&amp;#039;), aber auch als [[Volksstamm|Stamm]] (Stammesvolk, früher Völkerstamm) verstanden (vgl. dazu [[Tribalismus]], [[Indianerreservat|Reservation]]). Diese Definition der Nation geht oft von der gemeinsamen Abstammung der Angehörigen der Nation und einer daraus resultierenden Kultur- und Spracheinheit aus. Das Bestreben nach ethnisch homogenen Nationalstaaten führte im 20. Jahrhundert zu sogenannten [[Ethnische Säuberung|ethnischen Säuberungen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Staatsnation ====&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;Staatsnation&amp;#039;&amp;#039; oder auch &amp;#039;&amp;#039;Staatsbürgernation&amp;#039;&amp;#039; ist eine Nation, die auf dem Willen der [[Staatsbürgerschaft|Staatsbürger]] beruht. Sie wird historisch beispielhaft als in [[Vereinigtes Königreich|Großbritannien]], Frankreich und vor allem in den [[Vereinigte Staaten|Vereinigten Staaten von Amerika]] verwirklicht gesehen. Es sind die gemeinsamen politischen Werte, zu denen sich alle Bürger verpflichtet fühlen, die eine Nation begründen. So wird die Staatsnation zu einem täglichen Plebiszit (Ernest Renan).&amp;lt;ref&amp;gt;So Peter Alter: &amp;#039;&amp;#039;Nationalismus. Ein Essay über Europa.&amp;#039;&amp;#039; Alfred Kröner, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-520-71301-8, S.&amp;amp;nbsp;44.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Volksnation, Kulturnation, Staatsnation, Klassennation nach Lepsius ==&lt;br /&gt;
Der Soziologe [[M. Rainer Lepsius]] unterscheidet in seiner 1982 vorgelegten Typologie der Struktureigenschaften und Funktionsbedeutungen der jeweiligen Vorstellung von Nation vier Typen: Die &amp;#039;&amp;#039;Volksnation&amp;#039;&amp;#039;, die sich als ethnische Abstammungsgemeinschaft imaginiert, die &amp;#039;&amp;#039;Kulturnation&amp;#039;&amp;#039; (im Anschluss an Meinecke), die &amp;#039;&amp;#039;Staatsbürgernation&amp;#039;&amp;#039;, die sich (wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten) über die individuellen staatsbürgerlichen Gleichheitsrechte und die demokratischen Verfahren der Herrschaftslegitimation definiert, sowie schließlich die &amp;#039;&amp;#039;Klassennation&amp;#039;&amp;#039;, in der die Zugehörigkeit zur [[Marxismus|marxistisch]] verstandenen [[Soziale Klasse|sozialen Klasse]] ausschlaggebend für die Zugehörigkeit zur nationalen Gemeinschaft ist. Als Beispiel für letzteres nennt er die [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]].&amp;lt;ref&amp;gt;M. Rainer Lepsius: &amp;#039;&amp;#039;Nation und Nationalismus in Deutschland&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Geschichte und Gesellschaft]]&amp;#039;&amp;#039;, Sonderheft 8: &amp;#039;&amp;#039;Nationalismus in der Welt von heute&amp;#039;&amp;#039; (1982), S. 12–27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Historiker Vito Gironda liegt der Unterschied zwischen den Konzepten &amp;#039;&amp;#039;Volksnation&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Staatsbürgernation&amp;#039;&amp;#039; im Umgang mit [[Einwanderung|Einwanderern]] und [[Nationale Minderheit|nationalen Minderheiten]]: In einer Volksnation werde deren [[Integration (Soziologie)|Integration]] bzw. sogar [[Assimilation (Soziologie)|Assimilation]] in eine definierte kulturelle Gemeinschaft vorausgesetzt. In einer Staatsbürgernation dagegen bestehe die Möglichkeit für alle, sich in diese kulturelle Gemeinschaft und ihr Wertesystem zu integrieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vito F. Gironda: &amp;#039;&amp;#039;Linksliberalismus und nationale Staatsbürgerschaft im Kaiserreich: Ein deutscher Weg zur Staatsbürgernation?&amp;#039;&amp;#039; In: [[Jörg Echternkamp]] und Oliver Müller: (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Politik der Nation. Deutscher Nationalismus in Krieg und Krisen 1760 bis 1960&amp;#039;&amp;#039;. Oldenbourg, München 2002, ISBN 3-486-56652-0, S. 107–130, hier S. 123 (abgerufen über [[Walter de Gruyter (Verlag)|De Gruyter]] Online).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nation als Religionsersatz und Nationsbildung durch Religionen ===&lt;br /&gt;
Die Anhänglichkeit an die Nation dient mitunter als Religionsersatz ([[Nationalismus]]): Es gibt eine Art „Kult der Nation“. Die Nation wird als etwas „Heiliges“ betrachtet, für das man „Opfer“ bis hin zum „Martyrium“ erbringt. Auf der anderen Seite dient vielen Nationen ihre [[Religion]] oder Konfession als Definitionsmerkmal (→&amp;amp;nbsp;[[Theokratie|Religionsstaat]], [[Staatsreligion]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Alter: &amp;#039;&amp;#039;Nationalismus. Ein Essay über Europa.&amp;#039;&amp;#039; Alfred Kröner, Stuttgart 2016, S.&amp;amp;nbsp;37 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Staatsphilosophischer Begriff ==&lt;br /&gt;
[[Johann Gottlieb Fichte]] wird die [[Essentialismus|essentialistische]] Definition zugeschrieben, nach der Nation überzeitlich existent sei und lediglich noch der Artikulation bedürfe. Fichte sieht demnach die Nation als eine von Gott geschaffene, in alle Ewigkeit und unabhängig von der Geschichte bestehende [[Ontologie|ontologische]] Einheit. An essentialistische Vorstellungen von Volk und Nation knüpft auch [[Carl Schmitt]] an. Dieser nahm eine Krise des Nationalstaats an, zu deren Überwindung er 1939 ein von Völkern und Volksgruppen ausgehendes Konzept eines Großraums entwickelte, das auf der [[Reichsidee]] und einem „Interventionsverbot raumfremder Mächte“ basieren sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Carl Schmitt: &amp;#039;&amp;#039;Völkerrechtliche Großraumordnung mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte. Ein Beitrag zum Reichsbegriff im Völkerrecht&amp;#039;&amp;#039; (1939); Andreas Koenen: &amp;#039;&amp;#039;Visionen vom „Reich“. Das politisch-theologische Erbe der Konservativen Revolution&amp;#039;&amp;#039;. In: Andreas Göbel, Dirk van Laak, Ingeborg Villinger (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Metamorphosen des Politischen. Grundfragen politischer Einheitsbildung seit den 20er Jahren&amp;#039;&amp;#039;. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002790-8, S. 53–74; Felix Blindow: &amp;#039;&amp;#039;Carl Schmitts Reichsordnung. Strategie für einen europäischen Großraum&amp;#039;&amp;#039;. Akademie Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-05-003405-X (beides abgerufen über [[Walter de Gruyter (Verlag)|De Gruyter]] Online).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Jakobiner]] vertraten in der Französischen Revolution eine Vorstellung von Nation, die in der Nation eine Einheit sieht, die als Staatsnation politisch gebildet werden muss. Nation ist demnach die Willensgemeinschaft derer, die die Werte der Verfassung verteidigen. Diese Tradition blieb in Frankreich wirkmächtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Philosoph [[Anton Leist]] definiert &amp;#039;&amp;#039;Nation&amp;#039;&amp;#039; als „ein soziales Kollektiv, das erzeugt wird (basierend auf ethnischen, kulturellen, historischen, geographischen und politischen Überzeugungen) durch die wechselseitige Zuschreibung nationaler Zugehörigkeit unter ihren Mitgliedern, das eine öffentliche Kultur teilt und das den Willen hat, sich in einem Staat zu organisieren“.&amp;lt;ref&amp;gt;Anton Leist: &amp;#039;&amp;#039;Nation und Patriotismus in Zeiten der Globalisierung.&amp;#039;&amp;#039; In: Christine Chwaszcza und Wolfgang Kersting (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Politische Philosophie der internationalen Beziehungen.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 978-3-518-28965-5, S. 365–408, hier S. 375.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der russischsprachigen Welt wird auf den Nationenbegriff von [[Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew]] häufig verwiesen. Berdjajew beschrieb in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;Philosophie der Ungleichheit. Briefe an sozialphilosophische Widersacher&amp;#039;&amp;#039; aus dem Jahre 1923, dass die Nation eine konkret-historische und keine abstrakt-soziologische Figur sei. Er führt hierzu aus: „Die Nation ist nichts abgeleitetes, sie ist etwas ursprüngliches, ein unsterbliches Subjekt des historischen Prozesses, in ihr leben und überdauern alle vorherigen Generationen. (…) Jede Nation strebt instinktiv zu einem Maximum an Kraft und Lebendigkeit, nach Selbstentfaltung in der Geschichte. (…) In einer konkreten Weltgemeinschaft darf es keinen Widerspruch zwischen Nationen und Menschheit geben: In der vereinigten Menschheit finden sich alle Nationen bestätigt, in ihr finden sie Kraft und blühen auf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew: &amp;#039;&amp;#039;Philosophie der Ungleichheit. Briefe an sozialphilosophische Widersacher&amp;#039;&amp;#039;, Obelisk, Berlin 1923 (russisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Völkerrechtlicher Begriff ==&lt;br /&gt;
Im [[Völkerrecht]] wird auf die tatsächlichen Gemeinsamkeiten eines [[Staatsvolk|Volkes]] (oder einer [[Volksgruppe]]) abgestellt. So haben nach Artikel&amp;amp;nbsp;1 und 55 der Charta der [[Vereinte Nationen|Vereinten Nationen]] einzelne Völker ein [[Selbstbestimmungsrecht der Völker|Recht auf Selbstbestimmung]], und zwar unabhängig davon, ob sie bereits Teil eines Staates sind. Die traditionelle französische Position zum Volksbegriff drückte der Völkerrechtler [[Alphonse Rivier]] wie folgt aus: „&amp;#039;&amp;#039;Volk&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Nation&amp;#039;&amp;#039;, als Subjekt des Völkerrechts, ist gleichbedeutend mit Staat; kein ethnographischer, sondern ein juristischer und politischer Begriff.“&amp;lt;ref&amp;gt;Alphonse Rivier, &amp;#039;&amp;#039;Lehrbuch des Völkerrechts&amp;#039;&amp;#039;, 2. Aufl., F. Enke Verlag, Stuttgart 1899, S.&amp;amp;nbsp;1, zitiert nach Bernd Roland Elsner: &amp;#039;&amp;#039;Die Bedeutung des Volkes im Völkerrecht. Unter besonderer Berücksichtigung der historischen Entwicklung und der Praxis des Selbstbestimmungsrechts der Völker.&amp;#039;&amp;#039; Duncker &amp;amp; Humblot, Berlin 2000, S.&amp;amp;nbsp;58.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Historiker [[Jörg Fisch]] lässt sich „ein Zustand der Welt, in dem jedes Volk einen eigenen Staat zwar nicht bilden muss, aber doch bilden darf und in dem jeder Mensch dem Volk seiner Wahl angehören kann, […] zwar denken, aber nicht verwirklichen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Jörg Fisch, &amp;#039;&amp;#039;Das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die Domestizierung einer Illusion.&amp;#039;&amp;#039; C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59858-6, [https://books.google.de/books?id=csBnnsiFA9wC&amp;amp;pg=PA23 S. 23].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Historiker Peter Jósika argumentiert diesbezüglich, dass die politische Gemeinde als kleinste politische Einheit immer Ausgangspunkt jeglicher überregionalen, und daher auch der nationalen Selbstbestimmung, sein sollte. Jósika verweist auf das in der Schweiz geltende Recht der Gemeindeautonomie, die auf dem Prinzip der lokalen Selbstbestimmung basiert, als Vorbild.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Jósika: {{Webarchiv |url=http://www.europaderregionen.com/index.html |text=&amp;#039;&amp;#039;Ein Europa der Regionen – Was die Schweiz kann, kann auch Europa&amp;#039;&amp;#039; |wayback=20141106115332}}, IL-Verlag, Basel 2014, ISBN 978-3-906240-10-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [[Recht Deutschlands|Recht der Bundesrepublik Deutschland]] wählt für seine [[Deutsche Staatsangehörigkeit|Staatsbürger]] eine Mischform zwischen Staatsangehörigkeitsprinzip und [[Volkszugehörigkeit]]sprinzip.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Benedict Anderson]]: &amp;#039;&amp;#039;Imagined Communities: Reflections on the Origin and Spread of Nationalism.&amp;#039;&amp;#039; 1983, ISBN 0-86091-329-5 (dt. zuerst u.&amp;amp;nbsp;d.&amp;amp;nbsp;T. &amp;#039;&amp;#039;Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts.&amp;#039;&amp;#039; Campus, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-593-33926-9).&lt;br /&gt;
* [[Étienne Balibar]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Nation-Form: Geschichte und Ideologie&amp;#039;&amp;#039;. In: Étienne Balibar, [[Immanuel Wallerstein]]: &amp;#039;&amp;#039;Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten.&amp;#039;&amp;#039; Argument, Hamburg/Berlin 1990, ISBN 3-88619-386-1.&lt;br /&gt;
* [[Otto Dann]]: &amp;#039;&amp;#039;Nation und Nationalismus in Deutschland 1770–1990.&amp;#039;&amp;#039; München 1993, ISBN 3-406-34086-5.&lt;br /&gt;
* [[Karl W. Deutsch]]: &amp;#039;&amp;#039;Nationenbildung, Nationalstaat, Integration.&amp;#039;&amp;#039; Düsseldorf 1972, ISBN 3-571-09087-X.&lt;br /&gt;
* [[Imanuel Geiss]]: &amp;#039;&amp;#039;Nation und Nationalismen. Versuche über ein Weltproblem, 1962–2006.&amp;#039;&amp;#039; Bremen 2007, ISBN 978-3-934686-43-4.&lt;br /&gt;
* [[Ernest Gellner]]: &amp;#039;&amp;#039;Nations and Nationalism.&amp;#039;&amp;#039; Oxford 1983 (dt. zuerst u.&amp;amp;nbsp;d.&amp;amp;nbsp;T. &amp;#039;&amp;#039;Nationalismus und Moderne.&amp;#039;&amp;#039; Rotbuch, Berlin 1991, ISBN 3-88022-358-0).&lt;br /&gt;
* Klaus P. Hansen: &amp;#039;&amp;#039;Kultur, Kollektiv, Nation.&amp;#039;&amp;#039; Stutz, Passau 2009, ISBN 978-3-88849-181-8.&lt;br /&gt;
* [[Christian Jansen]], Henning Borggräfe: &amp;#039;&amp;#039;Nation – Nationalität – Nationalismus.&amp;#039;&amp;#039; Campus, Frankfurt am Main 2007.&lt;br /&gt;
* [[Eric Hobsbawm]]: &amp;#039;&amp;#039;Nationen und Nationalismus, Mythos und Realität seit 1780&amp;#039;&amp;#039;, deutsche Ausgabe, Campus, Frankfurt am Main/New York 1991 (überarbeitet 2004, 3. Auflage 2005 auch als Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung), ISBN 3-89331-646-9.&lt;br /&gt;
* [[Kurt Hübner (Philosoph)|Kurt Hübner]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Nationale. Verdrängtes, Unvermeidliches, Erstrebenswertes&amp;#039;&amp;#039;. Styria, Graz/Wien/Köln 1991, ISBN 3-222-12093-5.&lt;br /&gt;
* [[Hans Kohn (Historiker)|Hans Kohn]]: &amp;#039;&amp;#039;The Idea of Nationalism. A Study in Its Origins and Background.&amp;#039;&amp;#039; The Macmillan Company, New York 1944.&lt;br /&gt;
* [[Reinhart Koselleck]], [[Fritz Gschnitzer]], [[Karl Ferdinand Werner]] und [[Bernd Schönemann]]: &amp;#039;&amp;#039;Volk, Nation, Nationalismus, Masse&amp;#039;&amp;#039;. In: Reinhart Koselleck, [[Otto Brunner (Historiker)|Otto Brunner]], [[Werner Conze]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[Geschichtliche Grundbegriffe]].&amp;#039;&amp;#039; Bd. 7, Klett-Cotta, Stuttgart 1972, S. 141–431.&lt;br /&gt;
* [[Rolf-Ulrich Kunze]]: &amp;#039;&amp;#039;Nation und Nationalismus&amp;#039;&amp;#039;. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-14746-4.&lt;br /&gt;
* [[Friedrich Meinecke]]: &amp;#039;&amp;#039;Weltbürgertum und Nationalstaat. Studien zur Genesis des deutschen Nationalstaates.&amp;#039;&amp;#039; Oldenbourg, München 1907 (2. Auflage 1911).&lt;br /&gt;
* [[Michael Metzeltin]], Thomas Wallmann: &amp;#039;&amp;#039;Wege zur Europäischen Identität. Individuelle, nationalstaatliche und supranationale Identitätskonstrukte&amp;#039;&amp;#039;. Frank &amp;amp; Timme, Berlin 2010, ISBN 978-3-86596-297-3.&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=[[Hans-Ulrich Wehler]] |Titel=Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen |Verlag=C.H. Beck |Ort=München |Datum=2005 |ISBN=3-406-44769-4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Nations|Nation}}&lt;br /&gt;
{{Wikiquote}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* Danielle Buschinger: [https://www.iablis.de/iablis_t/2005/buschinger05.html &amp;#039;&amp;#039;Einige Bemerkungen zum Begriffsfeld ›Nation‹ im Mittelalter. Von der natio zur Nation&amp;#039;&amp;#039;]. In: &amp;#039;&amp;#039;IABLIS – Jahrbuch für europäische Prozesse&amp;#039;&amp;#039;, 2005&lt;br /&gt;
* Thomas Riklin: {{Webarchiv |url=http://www.federalism.ch/files/documents/Nation.pdf |wayback=20120303224557 |text=&amp;#039;&amp;#039;Worin unterscheidet sich die schweizerische „Nation“ von der Französischen bzw. Deutschen „Nation“?&amp;#039;&amp;#039;}}, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4041279-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Philosophie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Völkerrecht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Ideengeschichte (Frühe Neuzeit)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Khatschaturjan</name></author>
	</entry>
</feed>