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	<title>Gründerzeit - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Demo Wiki</subtitle>
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		<title>imported&gt;At40mha: WP:WPSK (ISBN mit falscher Prüfsumme) korrigiert</title>
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		<updated>2025-08-29T08:50:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;/index.php?title=WP:WPSK&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot; class=&quot;new&quot; title=&quot;WP:WPSK (Seite nicht vorhanden)&quot;&gt;WP:WPSK&lt;/a&gt; (ISBN mit falscher Prüfsumme) korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wird im weiteren Sinne eine Phase der [[Wirtschaftsgeschichte]] im [[Deutsches Kaiserreich|Deutschen Reich]] und in [[Österreich-Ungarn]] des 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts bezeichnet, die mit der breiten [[Industrialisierung]] einsetzte und etwa bis zum „[[Gründerkrach]]“ (Wiener Börsenkrach) 1873 andauerte. Im engeren Sinn werden dabei als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Gründerjahre&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; die ersten zwei Jahre nach der Gründung des deutschen Kaiserreichs (1871–1873) bezeichnet,&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Meyers Großes Universallexikon&amp;#039;&amp;#039;, Band 6. Bibliographisches Institut, Mannheim 1982, S.&amp;amp;nbsp;170.&amp;lt;/ref&amp;gt; als Deutschland nicht zuletzt nach dem [[Friede von Frankfurt|Frieden von Frankfurt]] eine Hoch[[konjunktur]]-Phase erlebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die auf den Gründerkrach von 1873 folgende &amp;#039;&amp;#039;[[Große Depression (1873–1896)|Gründerkrise]]&amp;#039;&amp;#039; leitete eine rund 20 Jahre andauernde Phase wirtschaftlich langsamerer Entwicklung ein, die jedoch noch immer von vielen Neuerungen, Erfindungen und [[Unternehmensgründung]]en geprägt war.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Gustav A. Horn |url=https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/gruenderjahre-32805 |titel=Definition: Gründerjahre |abruf=2022-08-12}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=107361 |titel=retro{{!}}bib - Seite aus Meyers Konversationslexikon: Gründung - Grundwasser |abruf=2022-08-12}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Zeitgenössisch bezog sich der Ausdruck &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit&amp;#039;&amp;#039; nur auf die Phase des Wirtschaftsaufschwungs. Nach 1896 bis zum Ersten Weltkrieg 1914 setzte sich global der Aufschwung kontinuierlich fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon abweichend wird der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit&amp;#039;&amp;#039; im kulturgeschichtlichen und vor allem im architekturgeschichtlichen Verständnis (wo er üblicherweise als Synonym für [[Historismus]] gebraucht wird) meist für die Phase nach 1870 bis zur Jahrhundertwende, manchmal auch bis 1914 verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Maschinenbau-Anstalt Borsig, Berlin Chausseestraße, 1847, Karl Eduard Biermann.jpg|mini|hochkant=1.3|Industrialisierung des 19. Jahrhunderts: &amp;#039;&amp;#039;[[Borsig (Unternehmen)|Borsigs]] Maschinenbau-Anstalt zu Berlin&amp;#039;&amp;#039;, Gemälde von [[Karl Eduard Biermann|Karl Biermann]], 1847]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einordnung ==&lt;br /&gt;
=== Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ===&lt;br /&gt;
Die Gründerzeit fällt in jene Epoche, in der das [[Bürgertum]] in [[Mitteleuropa]] die kulturelle Führung übernahm. Sie gilt daher auch als Hochzeit des [[Klassischer Liberalismus|klassischen Liberalismus]], wenn auch dessen politische Forderungen nur teilweise und eher am Ende dieses Zeitraums umgesetzt wurden. Bezogen auf die deutsche Geschichte bezeichnet der Historiker [[Christian Jansen]] daher die Zeit zwischen der [[Deutsche Revolution 1848/1849|Revolution 1848/49]] und der [[Deutsche Reichsgründung|Reichsgründung 1866/1871]] als Gründerzeit. Der Wirtschaftswissenschaftler [[Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew]] beschreibt den Wirtschaftsaufschwung dieser Periode in Mitteleuropa als die aufsteigende Phase des zweiten [[Kondratjew-Zyklus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kunst- und Kulturgeschichte ===&lt;br /&gt;
Die [[Industrialisierung]] stellte auch ästhetisch neue Aufgaben, vor allem in der Architektur und im Kunsthandwerk. Gleichzeitig reagierten die Menschen auf die schnellen und großen Veränderungen im Lebensalltag mit einer gegensätzlichen Hinwendung zu Tradition und Geschichte. Dies drückte sich im [[Eklektizismus#Eklektizismus in Kunst und Architektur|Eklektizismus]] der Stile für Neubauten aus; insofern ist mit „Gründerzeitstil“ der [[Historismus]] gemeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Historismus bis nach 1900 der vorherrschende Stil blieb, ergibt sich die stark abweichende Verwendung des Begriffs nicht nur im umgangssprachlichen Gebrauch. Auch von Fachleuten werden in stilgeschichtlichen Zusammenhängen unterschiedliche Zeiträume als &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet, so etwa 1850–1873, 1871–1890, in Einzelfällen sogar eine 70 Jahre lange Zeitspanne 1848–1918.&amp;lt;ref&amp;gt;Die zeitlich sehr weite Ausdehnung der Gründerzeit über knapp 70 Jahre von 1848 bis 1917 wird de facto vertreten von dem Architekten, Gründerzeit-Architekturforscher und Substanzerhaltungstheoretiker Markus P. Swittalek in: &amp;#039;&amp;#039;Das Gründerzeithaus.&amp;#039;&amp;#039; 2. überarbeitete Auflage, Kral-Verlag, Berndorf 2023, ISBN 	978-3-99103-008-9, S.&amp;amp;nbsp;17 (1848) bis S.&amp;amp;nbsp;158 (1917). Er wird darin unterstützt von der Architektin, Professorin für Architekturgeschichte an der [[TU Wien]] und österreichischen Präsidentin von [[ICOMOS]], [[Caroline Jäger-Klein]] im Vorwort zu Swittaleks Buch, S.&amp;amp;nbsp;6, in dem Sie – ebenfalls ohne methodische Begründung – explizit den „Zeitraum 1848 bis 1918“ zugrunde legt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Abgrenzung zu nachfolgenden Stilströmungen (etwa [[Belle Époque]]) bleibt dabei unscharf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaft ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lebensgeschichte einer Lokomotive - Lokomotivbau - Paul Friedrich Meyerheim - Deutsches Technikmuseum - cropped-4813.jpg|mini|hochkant|&amp;#039;&amp;#039;Lokomotivbau&amp;#039;&amp;#039; von [[Paul Friedrich Meyerheim]] (aus dem Zyklus &amp;#039;&amp;#039;[[Lebensgeschichte einer Lokomotive]]&amp;#039;&amp;#039;, 1873–1876)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufschwung ===&lt;br /&gt;
Der Ausdruck „Gründerzeit“ bezieht sich auf den umfassenden wirtschaftlichen Aufschwung der Mitte des 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts, in dem Unternehmens&amp;#039;&amp;#039;gründer&amp;#039;&amp;#039; in relativ kurzer Zeit reich werden konnten. Ein entscheidender Faktor für die rasante Wirtschaftsentwicklung war der [[Geschichte der Eisenbahn|Eisenbahnbau]]. Typische „Gründer“ sind daher Eisenbahnunternehmer wie [[Bethel Henry Strousberg]]. Die Eisenbahn hatte eine bedeutende Impulswirkung auf andere Industriezweige, etwa durch die gestiegene Nachfrage nach [[Kohle]] und [[Stahl]], sodass auch in diesen Bereichen Industrieimperien, wie etwa das von [[Friedrich Krupp]], entstanden. Vor allem aber wurden Kommunikation und [[Binnenmigration|Migration]] enorm erleichtert. Massenhaft wanderten ländliche Unterschichten in die Städte (→ [[Urbanisierung]]), wo sie zum Bestandteil des dort entstehenden [[Proletariat]]s wurden – damals entstand auch die [[soziale Frage]] (zeitgenössisch auch &amp;#039;&amp;#039;[[Pauperismus]]&amp;#039;&amp;#039; genannt), auf welche neue politische Strömungen wie [[Sozialismus]], [[Kommunismus]] und [[Marxismus]] reagierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Eisenbahn wurden neben dem [[Transportwesen]] auch [[Vertrieb]] und [[Absatzlogistik|Distribution]] revolutioniert: Außerhalb des herkömmlichen industriellen Sektors wurde [[Massenproduktion]] möglich. Zu bedeutenden Unternehmensgründern von Lebensmittelkonzernen wurden beispielsweise der Bierbrauer [[Adolf Ignaz Mautner von Markhof|Ignaz Mautner]] und der Kaffeeröster [[Julius Meinl&amp;amp;nbsp;I.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Rolle unter den „Gründern“ spielten auch Personen [[Judentum|jüdischen]] Glaubens, die die [[Emanzipation der Juden]] und die damit verbundenen Chancen für sozialen Aufstieg zu nutzen wussten – als Beispiel sei das Bankhaus [[Rothschild (Familie)|Rothschild]] genannt, das als Finanzier des Eisenbahnbaus erhebliche Bedeutung hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwiefern Aktiengesellschaften in Deutschland die Gründerzeit prägten, zeigen folgende Zahlen: In den Jahren 1867 bis 1870 wurden in Preußen 88 Aktiengesellschaften gegründet, 1871 bis 1873 waren es 928 Neugründungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reparationszahlungen ===&lt;br /&gt;
Im &amp;#039;&amp;#039;[[Friede von Frankfurt|Frieden von Frankfurt]]&amp;#039;&amp;#039; verpflichtete sich Frankreich, nachdem es im [[Deutsch-Französischer Krieg|Deutsch-Französischen Krieg]] (1870/1871) besiegt worden war, zu [[Reparationen|Reparationszahlungen]] in Höhe von fünf Milliarden [[Franc]]s in Gold. In Deutschland wurde dieses Gold eingeschmolzen und zu eigenen Münzen (der goldgedeckten Währung [[Mark (1871)|Mark]]) geprägt. Zur gleichen Zeit verkaufte Deutschland seine Silberbestände und kaufte weiteres Gold auf dem [[Weltmarkt]] zu. Um einer Abwertung der Silberwährungen durch die hohe Silbermenge auf dem Markt entgegenzuwirken, limitierte Frankreich die Prägung von Silbermünzen (siehe [[Lateinische Münzunion]]). Die Währung vieler Länder basierte damals auf Gold ([[Goldstandard]]), Silber ([[Silberstandard]]) oder einem [[Bimetallismus|Bimetallstandard]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründerkrise ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Schwarzer Freitag Wien 1873.jpg|mini|Der Schwarze Freitag an der Wiener Börse, 9. Mai 1873, Holzschnitt (1873)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Aufschwung fand 1873 im großen Wiener [[Börsenkrach]], dem sogenannten [[Gründerkrach]], ein jähes Ende und ging in die etwa zwanzigjährige wirtschaftliche [[Stagnation (Wirtschaft)|Stagnation]]sphase über, die als &amp;#039;&amp;#039;[[Große Depression (1873–1896)|Gründerkrise]]&amp;#039;&amp;#039; bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser nachfolgenden Krise verlor die Theorie des [[Wirtschaftsliberalismus]] an Boden und es wurden auch in der Praxis Kontrollmechanismen geschaffen und [[Schutzzoll|Schutzzölle]] eingeführt. Die in dieser Krisenperiode entstehenden kleinbürgerlichen und proletarischen Massenbewegungen waren erklärte Gegner des Wirtschaftsliberalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verheerendste Folge des großen Krachs war psychologisch. Das Versprechen von Reichtum und Aufstieg für alle schien vorerst gescheitert, in Kreisen kleiner Handwerker und Geschäftsleute stand nunmehr die Angst vor dem [[Sozialer Abstieg|sozialen Abstieg]] durch die industrielle Konkurrenz im Vordergrund, außerdem war durch den Krach auch viel erspartes Kapital verloren gegangen. In diesen kleinbürgerlichen Kreisen verbreiteten sich rasch allerlei Verschwörungstheorien – insbesondere der [[Geschichte des Antisemitismus bis 1945|Antisemitismus]] gewann massiv an Boden und wurde in den 1880er-Jahren zu einer breiten politischen Strömung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== {{Anker|Architektur}} Architektur und Design ==&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Gründerzeitviertel|Historismus}}&lt;br /&gt;
[[Datei:110828 Berlin Görlitzer Bahnhof IMG 1540.JPG|mini|[[Berlin Görlitzer Bahnhof|Görlitzer Bahnhof]] in Berlin, 1866/1868]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Palais Oppenheim (Palais-Kaskel-Oppenheim) df hauptkatalog 0118380.jpg|mini|hochkant|Speisesaal des [[Palais Kaskel-Oppenheim]] in Dresden, 1848]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeitstil&amp;#039;&amp;#039; wird – im Widerspruch zur zeitlichen Eingrenzung des wirtschaftsgeschichtlich geprägten Epochenbegriffs &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit&amp;#039;&amp;#039; – häufig auch der Späthistorismus bis in die Zeit um 1900 bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Der im Bürgertum aufgekommene „Gründerzeitstil“ überdauerte die Phase wirtschaftlicher Stagnation nach 1873 […] Er fand als Altdeutscher Stil, [[Neorenaissance]] oder [[Neubarock]] Eingang in die bürgerliche Wohnkultur und behauptete sich neben dem um die Jahrhundertwende aufkommenden [[Jugendstil]] bis in das 20.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert.|Katharina Draheim, 2005&amp;lt;ref&amp;gt;Katharina Draheim: &amp;#039;&amp;#039;[https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/industrie-und-wirtschaft/gruenderzeit.html Die Gründerzeit.]&amp;#039;&amp;#039; (2005) auf der Website &amp;#039;&amp;#039;Lebendiges Museum online&amp;#039;&amp;#039;, [[LeMO]], abgerufen am 6. Februar 2015&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im kunstwissenschaftlichen Bereich bevorzugte Begriff „Historismus“ fasst die Entwicklung der Stile vom [[Spätklassizismus]] über [[Neoromanik]], [[Neugotik|Neogotik]] und Neorenaissance bis zum in den 1880er Jahren aufkommenden Neobarock zusammen, unter bestimmten Aspekten zählt auch der [[Neoklassizismus (Bildende Kunst)|Neoklassizismus]] des frühen 20.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der Industrialisierung wuchs der [[Geschichte des Wohnens|Bedarf nach Wohnraum]]; ganze Stadtviertel wurden „auf der [[Grüne Wiese (Stadtplanung)|grünen Wiese]]“ neu gebaut. Typisch für die sogenannte &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeitarchitektur&amp;#039;&amp;#039; ist eine drei- bis sechsgeschossige [[Blockrandbebauung]] mit mehr oder weniger reich dekorierten Fassaden. Neben [[Mietshaus|Mietshäusern]] für die rasant wachsende Stadtbevölkerung (siehe auch [[Demografie Deutschlands]]) entstanden auch Quartiere mit Villen und Palais für das reich gewordene ([[Großbürger|Groß-]]) [[Bürgertum]]. In diesen Bauten fanden sich auch aufwändige [[Innenarchitektur]] und kostbares Mobiliar in historistischen Stilen. Hinzu kamen repräsentative Bauten für das gesellschaftliche Leben (z.&amp;amp;nbsp;B. Theater), die öffentliche Verwaltung (z.&amp;amp;nbsp;B. Rathäuser) und die neuen Infrastruktursysteme (z.&amp;amp;nbsp;B. Bahnhöfe).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedeutend war im letzten Viertel des 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts auch das Aufkommen neuer [[Bautechnik]]en, jedoch lösten die neuen Materialien zunächst keine Abkehr von den alten Stilen aus. Die Weiterentwicklung der [[Stahl]]erzeugung ([[Bessemer-Verfahren]]) förderte die Verwendung dieses Materials im Bauwesen. Aufsehen erregten in erster Linie Bauten, die neue konstruktive Qualitäten und ästhetische Möglichkeiten erprobten, so etwa der nur aus Stahl und Glas bestehende [[Crystal Palace (Gebäude)|Crystal Palace]] der [[London]]er [[Great Exhibition|Weltausstellung von 1851]] oder der zur [[Paris]]er [[Weltausstellung Paris 1889|Weltausstellung von 1889]] errichtete [[Eiffelturm]] (oder andere markante [[Stahlfachwerkturm|Stahlfachwerktürme]]). Aber auch für alltägliche Bauaufgaben wurden vermehrt einzelne Konstruktionselemente oder Bauteile aus Stahl verwendet. Gegen Ende des 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts fand außerdem der höher entwickelte [[Stahlbeton]]bau vermehrt Verwendung im allgemeinen Hochbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland fielen viele der so genannten &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeitviertel&amp;#039;&amp;#039; den [[Luftangriffe]]n des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] zum Opfer. Auch der [[Moderne (Architektur)|modernistische]] Städtebau nach der [[Charta von Athen (CIAM)|Charta von Athen]] seit den 1950er Jahren hat viele dieser Gebäude in [[Mitteleuropa]] beseitigt. Dennoch gibt es noch heute in vielen mitteleuropäischen Städten zahlreiche Wohnbauten aus dieser Epoche, die oftmals ganze Straßenzüge oder gar Stadtviertel umfassen. Vor der innerstädtischen [[Flächensanierung#Westdeutschland und West-Berlin|Flächensanierung]] wurden die Viertel vielfach und vor allem in Berlin durch die seit den 1980er Jahren durchgesetzte [[Behutsame Stadterneuerung]] bewahrt. Heute zählen sie vielerorts zu den beliebtesten städtischen [[Immobilien]] und erreichen einen hohen Marktwert.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://bazonline.ch/leben/wohnen/Die-Rueckkehr-der-Mietskaserne/story/31701677 &amp;#039;&amp;#039;Städter mögen Altbauwohnungen in Blockrand-Quartieren&amp;#039;&amp;#039;.] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Basler Zeitung]]&amp;#039;&amp;#039;, 21. November 2013&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Phänomen der [[Gentrifizierung]] findet sich in Deutschland hauptsächlich in Vierteln mit überwiegend oder ausschließlich gründerzeitlicher Bebauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die um 1900 entstandenen Bauten des Jugendstils irrtümlicherweise manchmal ebenfalls der &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeitarchitektur&amp;#039;&amp;#039; zugeordnet werden,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.: Joachim Pohl: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/100-jahre-burghof-feiern-und-saubermachen-id2594751.html 100 Jahre Burghof. Feiern und Saubermachen.]&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Flensburger Tageblatt]]&amp;#039;&amp;#039; vom 19. Oktober 2010, abgerufen am 17. März 2014.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind sie von historistischen Bauten zu unterscheiden.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.baukunst-nuernberg.de/epoche.php?epoche=Jugendstil&amp;amp;objekt=Allgemeines_Jugendstil Baukunst Nürnberg, Epoche Jugendstil], abgerufen am 16. März 2014.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rathaus and Marienplatz from Peterskirche - August 2006.zugeschnitten.jpg|[[Neues Rathaus (München)|Neues Rathaus]] in München, 1867–1906&lt;br /&gt;
Datei:Frankfurt Am Main-Alte Oper von Suedosten-20110425.jpg|[[Alte Oper]] in Frankfurt am Main, 1872–1880&lt;br /&gt;
Datei:Gottschedstr. 22 (1).jpg|[[Gottschedstraße 22 (Leipzig)|Haus Gottschedstraße 22]] in Leipzig, 1882&lt;br /&gt;
Datei:Hamburg-Rathaus-Rathausmarkt.jpg|[[Hamburger Rathaus]], 1886–1897&lt;br /&gt;
Datei:Potsdamer Bruecke+Str.jpg|Mietshäuser an der [[Potsdamer Straße]] in Berlin&lt;br /&gt;
Datei:Bernhardstraße 112.JPG|Mietshäuser in [[Chemnitz-Gablenz]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründerzeit in Österreich ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Rathaus Vienna June 2006 165.jpg|mini|Das [[Neugotik|neogotische]] [[Wiener Rathaus]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in [[Kaisertum Österreich|Österreich]] begann die Gründerzeit nach 1840 mit dem Beginn der [[Industrialisierung]] des Raums [[Wien]] sowie in [[Länder der Böhmischen Krone|Böhmen]] und [[Mähren]]. Meist wird die [[Märzrevolution]] (1848) als Ausgangspunkt genommen, deren wirtschaftliche Reformen im Unterschied zu den politischen Reformen im Allgemeinen nicht zurückgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Liberalismus]] erreichte in der [[Österreich-Ungarn|Österreich-Ungarischen Monarchie]] in einer kurzen Periode von 1867 ([[Österreichisch-Ungarischer Ausgleich]]) bis in die frühen 1870er Jahre eine Hochphase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wien, die Haupt- und Residenzstadt von Kaiser [[Franz Joseph I.]], wurde ab 1850 – nach der gescheiterten [[Märzrevolution]] – durch die Eingemeindung der Vorstädte und den Zuzug Hunderttausender, besonders aus [[Böhmen]] und [[Mähren]], bis 1910 zur [[Liste der größten Städte der Welt (historisch)|fünftgrößten]] Millionenstadt der Welt. Die [[Wiener Ringstraße|Ringstraße]] wurde an Stelle der [[Wiener Stadtmauern|alten Stadtmauer]] gebaut; Wohnbau und -spekulation blühten auf. Das durch die gestiegene Bedeutung von Gewerbe und Handwerk wohlhabend und – gegenüber dem eher [[Landwirtschaft|agrarwirtschaftlich]] abhängigen Adel und der mittellosen Arbeiterschaft – mächtig gewordene [[Bürgertum]] setzte sich mit Prachtbauten des [[Historismus]] Denkmäler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im kleineren Umfang wurden auch in anderen Städten der [[Habsburgermonarchie]] ganze Stadtteile neu errichtet. Ein Beispiel ist [[Graz]] (unter anderem durch das Wirken von Jakob und Josef Bullmann) – die [[Grazer Altstadt]] blieb aber größtenteils erhalten, anders als die [[Altstadt von Wien]], weil die rege Bautätigkeit vor allem außerhalb stattfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Habsburgermonarchie zählte wirtschaftlich zu den Verlierern der [[Deutsches Kaiserreich|deutschen Reichsgründung]], die ihr Ansinnen, dem [[Deutscher Zollverein|Deutschen Zollverein]] beizutreten, aussichtslos machte. Der [[Gründerkrach|Wiener Börsenkrach von 1873]] ließ weltweit die Konjunktur nachlassen, auch wenn die Bezeichnung [[Große Depression (1873–1896)|Große Depression]] für die anschließende [[Deflation]]sphase heute als übertrieben gilt. Teile der gründerzeitlichen Bausubstanz wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, teils durch [[Luftangriffe auf Wien|Luftangriffe]] und teils bei Bodenkämpfen im [[Wiener Operation|März und April 1945]]. Durch [[Abriss (Bauwesen)|Abrisse]] in den 1960er Jahren verschwanden weitere Bauten dieser Zeit. Durch [[Entstuckung]] verloren zahlreiche Gründerzeitbauten ihre gestalterischen Merkmale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „Gilded Age“ ==&lt;br /&gt;
Ein paralleles Phänomen ist das [[Vereinigte Staaten|US-amerikanische]] &amp;#039;&amp;#039;[[Gilded Age]]&amp;#039;&amp;#039; (vergoldetes Zeitalter), das die wirtschaftlichen Aufschwungjahre nach dem Ende des [[Sezessionskrieg]]s (1861–1865) bezeichnet, in der die Industrialisierung der USA entscheidend vorangetrieben wurde. Auch dieser Ausdruck war ursprünglich abwertend gemeint und wird nunmehr als unscharfer Begriff für eine Ära verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Otto Glagau]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin.&amp;#039;&amp;#039; Leipzig 1876. (&amp;#039;&amp;#039;als [[Nachdruck]]:&amp;#039;&amp;#039; Berlin 2009, ISBN 978-3-936059-46-5)&lt;br /&gt;
* [[Richard Hamann (Kunsthistoriker)|Richard Hamann]], [[Jost Hermand]]: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Kunst und Kultur von der Gründerzeit bis zum Expressionismus. Band 1: Gründerzeit.&amp;#039;&amp;#039; Akademie-Verlag, Berlin 1965.&lt;br /&gt;
* [[Eberhard Roters]]: &amp;#039;&amp;#039;Aspekte der Gründerzeit.&amp;#039;&amp;#039; (Katalog zur Ausstellung in der Berliner [[Akademie der Künste (Berlin)|Akademie der Künste]] vom 8. September bis 24. November 1974) Gebr. Mann, Berlin 1974. ({{DNB|750197382}})&lt;br /&gt;
* [[Hellmut Andics]]: &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit. Das schwarzgelbe Wien bis 1867.&amp;#039;&amp;#039; Jugend und Volk, Wien u.&amp;amp;nbsp;a. 1981, ISBN 3-7141-6518-5.&lt;br /&gt;
* Rainer Haaff: &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit. Hartholzmöbel – Weichholzmöbel.&amp;#039;&amp;#039; Kunst-Verlag Haaff, Germersheim 2005, ISBN 3-938701-01-3.&lt;br /&gt;
* Ulrike Laufer, Hans Ottomeyer (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit 1848–1871. Industrie &amp;amp; Lebensträume zwischen Vormärz und Kaiserreich.&amp;#039;&amp;#039; Sandstein, Dresden 2008, ISBN 978-3-940319-29-6. (Begleitband zu einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum)&lt;br /&gt;
* [[Christian Jansen]]: &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit und Nationsbildung 1849–1871.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 3-506-767046.&lt;br /&gt;
* Florian Cebulla (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Gründerzeit und Reichsgründung.&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Praxis Geschichte&amp;#039;&amp;#039;, {{ISSN|0933-5374}}, Ausgabe 3/2014) Westermann, Braunschweig 2014. ({{DNB|1050939409}})&lt;br /&gt;
* Joachim Mohr, Eva-Maria Schnurr (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Gründerzeit. Wie die Industrialisierung Deutschland veränderte.&amp;#039;&amp;#039; DVA, München 2019, ISBN 978-3-421-04843-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Historicist architecture in Germany|Historistische Architektur in Deutschland}}&lt;br /&gt;
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